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Hightech-Strategie
Pharmaproduktion

Die Pharma-Initiative für Deutschland

Durch biotechnologische Methoden wurden in den letzten Jahren neue Therapieansätze für viele Krankheiten identifiziert, mit denen eine Therapie mit weniger Nebenwirkungen oder gar eine Heilung ermöglicht werden. Viele der Forschungsergebnisse stammen aus Deutschland. Medikamente entstehen aus dieser Forschung jedoch vielfach in anderen Ländern. Um dem Biotechnologie- und Pharmastandort neue Impulse zu geben, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Pharma-Initiative für Deutschland gestartet. Wichtigstes Element dabei ist der BioPharma-Wettbewerb. Nun stehen die drei Siegerkonsortien fest.

Die Entwicklung von Medikamenten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten enorm verändert. Gerade bei Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs haben Wissenschaftler zahlreiche neue Ansätze für eine noch effizientere Behandlung mit weniger Nebenwirkungen oder gar Heilung von Krankheiten entdeckt. Die Bedeutung biotechnologischer Ansätze für die pharmazeutische Forschung und Entwicklung gibt auch die Statistik wider: 2007 trugen Medikamente aus Biotechnologie-Laboren mit 4 Milliarden Euro zu 15% des Gesamtumsatzes der Pharmaindustrie in Deutschland bei.

BioPharma-Wettbewerb: Siegerkonsortien ausgewählt

Der BioPharma-Wettbewerb hat sich zum Ziel gesetzt, auf struktureller Ebene neue Impulse für den Standort Deutschland zu setzen. Bewerben konnten sich Konsortien aus kleinen und großen Unternehmen, Partnern aus Wissenschaft und Klinik mit einer gemeinsamen Strategie für eine effektive Medikamentenentwicklung. Ein international besetztes Gutachtergremium hatte zu Beginn insgesamt 37 Bewerbungen zu bewerten. Zehn Konsortien schafften es in Runde zwei. Daraus wurden nun die besten drei Konsortien ausgewählt. Für sie stellt das BMBF in den kommenden fünf Jahren insgesamt 100 Millionen Euro zur Verfügung. In einer ersten Runde erhalten die Teams jeweils 20 Millionen Euro. Nach drei Jahren erfolgt eine Evaluation, nach der über die möglichen weiteren 40 Millionen Euro entschieden wird.

Die Siegerkonsortien im Überblick:

Max Planck Drug Discovery & Development Center

Das prämierte "Max Planck Drug Discovery & Development Center" (DDC) soll dazu beitragen, dass kommerziell interessante, frühe therapeutische Forschungsprojekte aus Max-Planck-Instituten effizienter als bisher den Weg zum Markt finden. Dafür werden nachhaltige Infrastrukturen und Finanzierungsstrukturen geschaffen, die eine Weiterführung von risikoreichen frühen Arzneimittelprojekten aus der deutschen Forschung unter Einbeziehung privater Investoren sowie der Pharma-Industrie im Rahmen eines Fonds ermöglichen.

Neuroallianz

Das Konsortium "Neuroallianz" hat ein neuartiges strategisches Partnerschaftsmodell zwischen öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen, Pharma-Industrie, Biotechnologie-Firmen sowie regulatorischer Behörde entworfen, das alle Glieder der Wertschöpfungskette abbildet. Die zwölf beteiligten Partner wollen sowohl therapeutische als auch diagnostische Ansätze zur Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen von der Forschung bis zum Markt bringen. Anders als sonst oft bei Public-Private-Partnerships im biomedizinischen Umfeld üblich, sind die akademischen Partner auf Augenhöhe und an allen Stufen der Entwicklung beteiligt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei der Aus- und Weiterbildung, um den wissenschaftlichen Nachwuchs bereits früh an industrierelevante Fragestellungen der Arzneimittelentwicklung heranzuführen und akademische Mitarbeiter in der Wirtschaft zu schulen.

Neue Wirkstoffe gegen neurologische Erkrankungen (Neu2)

Das auf die Krankheit Multiple Sklerose fokussierte Konsortium Neu2 hat sich zum Ziel gesetzt, therapeutische und diagnostische Ansätze zur Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose von der Grundlagenforschung bis zum Markt zu bringen. Beteiligt sind dabei vor allem norddeutsche Forschungseinrichtungen, Biotechnologie-Unternehmen sowie ein Pharmapartner. Die Finanzierung erfolgt über eine Art Fonds, der sich überwiegend aus privaten Geldern speist. Das Konsortium versteht sich als Modell für den Aufbau eines risikofinanzierten Life-Science-Projekt-Portfolios, das sich in seiner Anfangszeit innerhalb der neurologischen Erkrankungen auf eine Indikation konzentriert und langfristig weitere Partner einbindet.

Wieder die "Apotheke der Welt" werden

Für die auf Biotechnologie beruhenden Medikamente gilt allerdings, dass sie kaum noch aus Deutschland stammen. In Deutschland gibt es zahlreiche Pharmaunternehmen, Marktinnovationen kommen aber eher aus den USA, Großbritannien oder der Schweiz. Nach einer Studie der Europäischen Kommission wurden nur sechs der 2005 neu zugelassenen 140 Wirkstoffe in deutschen Pharmafirmen entwickelt.

Dabei verfügt Deutschland in der EU über die größte Zahl an Biotech-Unternehmen, die mehrheitlich an neuen Therapien forschen. Zum Erfolg ist Ausdauer gefragt: Der Weg vom Labor in die Apotheke dauert bei neuen Therapien etwa zehn Jahre und kostet oft mindestens 500 Millionen Euro. In dieser Zeit sind viele an der Entwicklung beteiligt: Von Wissenschaftlern im Labor über die Kliniker bis hin zu Unternehmern. Auch Hersteller und Zulassungsstellen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Es gibt aber kaum Ansätze in Deutschland, diese Partner zu vernetzen, um eine innovative Therapie vom Labor bis zur Markteinführung zu begleiten.

Pharma-Initiative für Deutschland: Förderpolitik neu strukturieren

Um Abhilfe zu schaffen, strukturiert das BMBF die Förderpolitik im Bereich der innovativen Pharmaentwicklung neu. Als Impuls für diese Neuaufstellung hat das BMBF die "Pharma-Initiative für Deutschland" ins Leben gerufen. Mit der "Pharma-Initiative für Deutschland" werden bestehende und neue Maßnahmen der BMBF-Gesundheitsforschung und Biotechnologie so aufgestellt, dass Lücken in der Wertschöpfungskette geschlossen werden und die Erforschung und Entwicklung von neuen Medikamenten in Deutschland gestärkt wird. Hierbei sollen auch die Strategien zur Produktion und späteren Markteinführung frühzeitig ins Visier genommen werden. Gleichzeitig will das BMBF mit der Pharma-Initiative für Deutschland in einen neuen konstruktiven Dialog mit allen an der Pharma-Wertschöpfungskette beteiligten Akteuren treten.

Der gesamte finanzielle Rahmen der Pharma-Initiative für Deutschland umfasst deutlich über 800 Millionen Euro, die bis zum Jahr 2011 zur Verfügung stehen. Mit diesen Mitteln werden sowohl die grundlagenorientierten als auch die anwendungsorientierten BMBF-Fördermaßnahmen in den Bereichen Gesundheitsforschung und Biotechnologie finanziert.

Die "Pharma-Initiative für Deutschland" setzt sich aus einer übergreifenden Entwicklungsstrategie und Maßnahmen für die gezielte Förderung von Aspekten auf dem Weg von der Forschung bis zur Marktreife zusammen.

Die übergreifende Entwicklungsstrategie: BioPharma - Der Strategiewettbewerb für die Medizin der Zukunft

Fördervolumen 2007 - 2011: 100 Mio. Euro

Mit der Maßnahme "BioPharma - Der Strategiewettbewerb für die Medizin der Zukunft" will das BMBF die innovative Pharmaentwicklung von der Forschung bis zur Produktion am Standort Deutschland stärken. Das BMBF unterstützt die Vernetzung, weil sich Deutschland nur mit gebündelter Kraft im weltweiten Wettbewerb wird behaupten können.

Der Wettbewerb "BioPharma" hat unternehmerisch geführte Konsortien aufgerufen, sich mit den besten langfristigen Konzepten für eine effiziente Gestaltung der biopharmazeutischen Wertschöpfungskette zu bewerben. Wirtschaftlich relevante Ergebnisse aus der biopharmazeutischen Forschung, die vor der klinischen Erprobung stehen, sollen zur Anwendung getrieben werden. Es ist dabei ausdrücklich erwünscht, bestehende Fördermaßnahmen des BMBF zu integrieren.

Im Mittelpunkt soll eine gemeinsame Umsetzungsstrategie auf Grundlage eines Entwicklungsplanes stehen. Gefragt waren nicht nur die aus technologischer und therapeutischer Sicht relevantesten innovativen Ideen und besten Köpfe, sondern auch die kreativsten und gleichzeitig auch produktivsten Partnerschaften. Zusätzlich zu den üblichen Eigenanteilen der Industriepartner soll deren finanzieller Beitrag mit zunehmender Marktnähe des Projekts kontinuierlich zunehmen. Für die drei Siegerkonsortien stehen in den kommenden fünf Jahren 100 Millionen Euro zur Verfügung.

Grundlagenforschung: Aufklärung von Krankheitsmechanismen

Fördervolumen 2007 - 2011: 372 Mio. Euro

Das BMBF fördert eine Reihe von Maßnahmen als Basis zur Aufklärung von Krankheitsmechanismen und Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze. Entscheidend dafür sind die biowissenschaftlichen Methoden der Genom- und Proteomforschung, wie sie beispielsweise im Nationalen Genomforschungsnetz (NGFN) vorangetrieben werden. Für die Analyse wichtig sind die Fördermaßnahmen zur medizinischen Systembiologie. Das BMBF koordiniert auf europäischer Ebene die Fördermaßnahmen nationaler Förderagenturen in der Systembiologie. Alle Maßnahmen schließen bereits relevante industrielle Partner ein.

Vorgründungsförderung: Kommerzialisierung von wissenschaftlichen Ideen

Fördervolumen 2007 - 2011: 30 Mio. Euro

Im Rahmen der Maßnahme GO-Bio unterstützt das BMBF seit 2005 risikoreiche, aber mittelfristig kommerziell vielversprechende Projekte, die Potenzial für eine Firmengründung haben. Die Förderung soll helfen, schon im Forschungsstadium eine Ausrichtung auf den Markt zu erlauben und beim zielgerichteten Aufbau unternehmerischer Expertise zu helfen.

Wirkstoffentwicklung: Förderung von innovativen Therapieansätzen

Fördervolumen 2007 - 2011: 49 Mio. Euro

Bei der Entwicklung neuer Diagnostika, Therapeutika oder auch Impfstoffe kommen in zunehmendem Maße neue molekularbiologische oder biotechnologische Verfahren zum Einsatz, die aus den Erkenntnissen der Genom- und Proteomforschung herrühren.. Um die Entwicklung neuer, zielgerichteter therapeutischer Ansätze zu beschleunigen, hat das BMBF den Förderschwerpunkt "Innovative Therapien auf molekularer und zellulärer Basis" gestartet, in dem Partner aus Wissenschaft, Klinik und Industrie zusammenarbeiten: Damit sollen Erkenntnisse aus der Forschung schneller in die Umsetzung und therapeutische Anwendung am Menschen gelangen.

Die Fördermaßnahme "Innovation in der Medikamentenentwicklung" zielt auf verbesserte Methoden und Verfahren in der Medikamentenentwicklung. Damit sollen die Vorhersagbarkeit von Toxizität und der Wirksamkeit von Entwicklungssubstanzen besser gewährleistet, die hohe Ausfallrate reduziert und die Entwicklung der Medikamente unter Einsparung von Entwicklungskosten beschleunigt werden.

Diagnostik: Entwicklung von innovativen Biomarkern

Fördervolumen 2007 - 2011: 20 Mio. Euro

Die Biotechnologie bietet hochspezifische Methoden zur Diagnostik von Erkrankungen. Im Förderschwerpunkt "Molekulare Diagnostik" des BMBF werden Diagnostika erforscht und Methoden entwickelt, um die Wirkung eines möglichen neuen Therapeutikums schon von Anfang an durch eine entsprechende Biomarkerforschung begleitend zu analysieren

Kooperation: Stärkung des Biotechnologie-Mittelstandes

Fördervolumen 2007 - 2011: 100 Mio. Euro

Das BMBF unterstützt kleine und mittlere Biotechnologie-Unternehmen mit der Maßnahme BioChancePlus, um Raum für die Entwicklung technologisch anspruchsvoller Technologie zu schaffen und die wirtschaftlichen Potenziale der Biotechnologie in Deutschland zu realisieren. Gefördert werden risikoreiche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben von Verbünden von Biotechnologie- und Pharma-Unternehmen. Dies unterstützt die Integration der biotechnologischen Forschung als Dienstleistung in die Pharmaentwicklung.

Förderung der klinischen Forschung

Fördervolumen 2007 - 2011: 159 Mio. Euro

Die vom BMBF geförderte regionale und überregionale Vernetzung von Forscherinnen und Forschern und versorgungsnahen Praktikern führt zur besseren Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Anwendung. Im Rahmen der "Krankheitsorientierten Kompetenznetze" vernetzen sich Fachexperten überregional. Die "Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren" schaffen regional herausragende Forschungszentren zu einem Thema.

Klinische Studien sind unverzichtbar für die Zulassung von Wirkstoffen und Therapien. Das BMBF hat sich zum Ziel gesetzt, die Bedingungen für die klinische Forschung in Deutschland zu verbessern. Dies erfolgt sowohl über die Fördermaßnahme "Klinische Studienzentren" als auch die Maßnahme "Koordinierungszentren für klinische Studien", sowie durch fachspezifische Module.

Produktion: Stärkung des Standortes Deutschland

Fördervolumen 2007 - 2011: 10 Mio. Euro

In Deutschland gibt es zahlreiche Standorte zur Produktion innovativer Arzneimittel mit biotechnologischen Methoden. Notwendig ist hierfür die Entwicklung neuer Prozesstechniken. Das BMBF will als Teil der Pharma-Initiative Deutschland noch in 2007 eine neue Maßnahme starten, die den Produktionsstandort Deutschland in einem Public-Private-Partnership stärken will.

Zusatzinformationen

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(URL: http://www.bmbf.de/en/10540.php)

Dokumente

  • Die Siegerkonsortien

    [PDF - 159,0 kB]

    Faktenblätter zu den Siegerkonsortien des Wettbewerbs BioPharma (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/sieger_wettbewerb_biopharma.pdf)

  • Presse-Handout Pharma-Initiative

    [PDF - 346,3 kB]

     (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/handout_pharma-initiative.pdf)

Publikationen

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

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