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Hightech-Strategie
Wolke, aus der Kabel Richtung Erde laufen

„Cloud Computing bringt große Vorteile. Datensicherheit und Vertrauen sind dafür Voraussetzung"

BMBF-Abteilungsleiter Wolf-Dieter Lukas über das Zusammenschalten von Rechnern, Datenschutz in der Wolke und bürgerfreundlichere Verwaltung.

Herr Professor Lukas, beim Cloud Computing werden Anwendungen nicht mehr auf einem festen Rechner installiert, sondern ins Internet ausgelagert. Welche Idee steckt dahinter?

Lukas: Cloud Computing bietet mehrere Vorteile. Zum einen wird es so möglich, dass sich die Anwender mehrere Rechner teilen. Ihnen steht dann eine riesige Rechnerleistung zur Verfügung - und zwar von einer Infrastruktur, die bereits existiert und nicht eigens gekauft werden muss. Wenn Rechner zusammengeschaltet werden, senkt sich der Preis für den Nutzer. Cloud Computing bringt also große wirtschaftliche Vorteile.


Zudem wird es so möglich, dass man fast beliebige Datenmengen auf anderen, externen Rechnerstrukturen ablegen kann. Und eine bestimmte Software nicht mehr selbst besitzen muss – Anwender können stattdessen die Software nutzen, die es im Internet bereits gibt. Ein Beispiel dafür ist die Buchführung: Unternehmen müssen sich ein solches Programm nicht mehr selbst anschaffen und sparen sich auch die jeweiligen Updates. Mit Cloud Computing kann sich jeder Anwender diejenigen Applikationen buchen, die er braucht. Und kann dann je nach Nutzung abrechnen. Ganz nebenbei fördert das den Wettbewerb um die besten Applikationen.

Aber birgt das Rechnen in der Wolke nicht auch zahlreiche Gefahren?

Lukas: Natürlich. Der Anwender gibt dabei sein wichtigstes Gut aus der Hand- seine Daten. Etwa dann, wenn ein Unternehmen seine Kundendaten ins Netz gibt. Die Bedenken sind also sehr berechtigt. Die Anbieter müssen darum unbedingt vertrauenswürdig sein. Und noch ein Aspekt ist wichtig: Jeder Anwender bleibt verantwortlich für den Datenschutz, auch dann noch, wenn seine Daten bei einem anderen liegen. Ob Gesundheits- oder andere personenbezogene Daten – nicht der Anbieter, sondern der Anwender muss „seinen Kopf dafür hinhalten“. Denn selbstverständlich besteht die Gefahr, dass sich auch Cyberkriminelle für die Daten und Dienste auf den Servern im Internet interessieren. Wir brauchen also Datensicherheit – und damit Vertrauen - mehr denn je. Dritte dürfen keinen Zugriff haben.

Dazu passen die aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamtes: Danach hatten im Jahr 2011 rund 58 % der Internetnutzer in Deutschland über das Internet Kontakt zu Behörden oder öffentlichen Einrichtungen. Ein Drittel von ihnen hat amtliche Formulare von den Webseiten heruntergeladen. Aber: Die elektronische Rücksendung ausgefüllter Formulare nutzten mit einem Anteil von 17 % noch vergleichbar wenige Internetnutzer. Viele äußerten Bedenken hinsichtlich des Schutzes und der Sicherheit persönlicher Daten.

Lukas: Genau, der Forschungsbedarf gerade bei der Datensicherheit ist darum sehr hoch. Aber es winkt auch ein entsprechender Lohn: Ein Cloud Computing, das funktioniert und angenommen wird, bringt große volkswirtschaftliche Gewinne. Diesen Schatz müssen wir heben. Aber nicht alles ist gleich gefährlich. Wir müssen unterscheiden: Es gibt geschlossene Wolken, etwa in einem Unternehmen – bei denen ist es relativ leicht, Sicherheit herzustellen. Solche Intra-Clouds gibt es schon jetzt, auch wenn sich die Unternehmen noch schwer tun, sie für ihre Kunden zu öffnen. Und es gibt offene Wolken, die für jeden potentiellen Partner zugänglich sind, etwa im Internet. Und was ist eigentlich, wenn ein Unternehmen eine Wolke wieder verlassen will? Was passiert dann mit seinen Daten, die auf den fremden Rechnern liegen? Von denen gibt es ja unendlich viele Kopien, nicht alle kann man löschen. Zwar sind die Daten in der Regel verschlüsselt, aber nach ein paar Jahren könnte auch dieser Schlüssel geknackt werden.

Was tut die Bundesregierung, damit sich Cloud Computing noch rascher verbreitern kann und die Sicherheitskonzepte besser werden?

Lukas: Mit der Initiative, „Trusted Cloud“, die das Bundeswirtschaftsministerium gestartet hat und an der sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung beteiligt, werden Kommunen sowie kleine und mittlere Unternehmen unterstützt. Das Bundeswirtschaftsministerium stellt hierfür bis 2015 rund 50 Millionen Euro bereit. Das Bundesforschungsministerium fördert Forschungsplattformen speziell zum Thema IT-Sicherheit, bei denen Wissenschaftler in Deutschland ihre Cloud-Ansätze testen können. Dafür stellt das Ministerium bis 2015 circa 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Kann die Wissenschaft nicht auch einen Beitrag leisten?

Lukas: Die Wissenschaft kann Vorreiter sein. Sie braucht große Rechnerkapazitäten, verwendet aber in der Regel keine empfindlichen personenbezogenen Daten, was in diesem Zusammenhang ja ein Vorteil ist und sie von Firmen unterscheidet. Zudem ist das Ausgehorchtwerden durch Dritte für Wissenschaftler selten ein Problem: Sie wollen ja sowieso, dass ihre Ergebnisse transparent sind und veröffentlicht werden. Die Wissenschaft ist zudem grundsätzlich offen für Neuerungen, sie hat das Worldwide Web geschaffen und ist es gewohnt, voran zu gehen. Es wäre zu wünschen, wenn beim Cloud Computing andere Anwender von der Wissenschaft lernen könnten.

An welche Anwendungen denken Sie?

Lukas: Zum Beispiel denkt der Bund darüber nach, bestimmte Dienste seiner Ressorts zusammenzufassen und Softwaretools gemeinsam zu nutzen. Vor allem aber ist das Cloud Computing auf kommunaler Ebene sinnvoll: Hier gibt es vielversprechende Ansätze, vielfach in Zusammenarbeit mit den Industrie- und Handelskammern aber auch den Hochschulen. Von der IHK Köln weiß ich beispielsweise, dass sie sich ganz grundlegend mit den Unternehmen aber auch zusammen mit der Universität Köln über ihren Weg in die Wolke Gedanken macht. Auch die Finanzverwaltungen der Länder könnten auf diese Weise in Zukunft noch besser zusammenarbeiten. Der Bürger könnte von Cloud Computing profitieren: Die Arbeit der Verwaltung würde einheitlicher, einfacher und billiger. Stellen Sie sich vor, wie praktisch es wäre, wenn es in allen Kommunen die gleichen Masken und Vordrucke gäbe, wenn Unternehmensgründer in allen Kommunen die gleichen Formulare vorfinden würden. Aber nicht als staatlich verordnete Vorgaben von oben, sondern als Lösungen, die sich in der Praxis bewährt und durchgesetzt haben.

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