
Die Ergebnisse dieser Forschung eröffnen vielfältige Anwendungen. In der Medizin ermöglichen sie zum Beispiel die Entwicklung von Prothesen und Hilfsmitteln - etwa für Querschnittsgelähmte oder Patienten nach einem Schlaganfall - sowie von neuen Therapien für neurologische Erkrankungen, wie zum Beispiel Alzheimer. In der Informatik und modernen Kommunikationstechnik lassen sich neue Ansätze zur Steuerung von Robotern, für technische Assistenz-Systeme, wie zum Beispiel Fahrerassistenzsysteme, und für die Entwicklung von Hochleistungsrechnern ableiten. In der Bildung können die kognitiven Prozesse beim Lernen besser wissenschaftlich verstanden werden.
Mit einer gezielten Förderung will das Bundesministerium für Bildung und Forschung dieses Innovationspotenzial in Deutschland erschließen. Dazu hat es mit dem Nationalen Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience neue Strukturen geschaffen, um die in Deutschland vorliegende hervorragende Expertise in den experimentellen und theoretischen Neurowissenschaften in einer neuen Qualität zu bündeln, zu verstärken, zu vernetzen und international sichtbar zu machen. Das Netzwerk ist nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1839 - 1917) benannt, der mit seiner "Membrantheorie" die erste biophysikalische Erklärung für die neuronalen Erregungsausbreitung lieferte.
Zwei neue Bernstein Zentren für Computational Neuroscience in Heidelberg/Mannheim und Tübingen untersuchen, welchen Einfluss genetische Faktoren auf psychiatrische Erkrankungen haben oder wie es dem Gehirn gelingt, die aktuellen Informationen der Sinne und unser Vorwissen zu einer schlüssigen Wahrnehmung der Umwelt zu kombinieren. Das BMBF fördert diese beiden neuen sowie die drei bisher schon erfolgreich arbeitenden Bernstein Zentren in Berlin, Göttingen und München in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 43 Millionen Euro.
Das Bernstein Netzwerk wurde 2004 mit vier "Bernstein Zentren für Computational Neuroscience" ins Leben gerufen, die die zentralen strukturellen Elemente des Netzwerks bilden. Mit der Förderinitiative "Bernstein Partner" wurde ab 2007 weitere experimentelle und theoretische Expertise ins Bernstein Netzwerk eingebunden.
Seit 2006 unterstützt das BMBF jährlich eine/n exzellente/n Nachwuchsforscher/in mit dem "Bernstein Preis für Computational Neuroscience". Das Preisgeld von bis zu 1,25 Millionen Euro ermöglicht den Nachwuchswissenschaftlern, eine eigene Arbeitsgruppe an einer deutschen Universität oder Forschungseinrichtung aufzubauen. Zuletzt hat ihn Hennig Sprekeler von der Humboldt-Universität Berlin erhalten. Sprekeler untersucht, wie das Gehirn einerseits Erinnerungen behalten und sich dennoch durch Lernvorgänge verändern kann.
Die Brücke aus der Forschung in die Anwendung schlagen seit 2008 und 2009 die Förderinitiativen "Bernstein Fokus: Neurotechnologie" und "Bernstein Fokus: Neuronale Grundlagen des Lernens". Die Beteiligung von industriellen Partnern stellt sicher, dass Ergebnisse in marktfähige Produkte überführt werden können.
Über den nationalen Neuroinformatik Knoten (G-Node) ist das Bernstein Netzwerk in das von der OECD angeregte Internationale Neuroinformatik-Netzwerk "International Neuroinformatics Coordinating Facility" eingebettet.
Seit 2010 fördert das BMBF in Zusammenarbeit mit den Amerikanischen Förderorganisationen NSF (National Science Foundation) und NIH (National Institutes of Health) deutsch-US-amerikanische Kooperationsprojekte auf dem Gebiet der Computational Neuroscience.
Im Rahmen einer Kooperation von BMBF, DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) und JST (Japan Science and Technology Agency) werden darüber hinaus seit 2012 auch Deutsch-Japanische Kooperationsprojekte gefördert.
Die Bernstein Koordinationsstelle unterstützt die Aktivitäten des Bernstein Netzwerks, repräsentiert das Netzwerk national und international und widmet sich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.
Aktuell sind insgesamt über 200 akademische Forschergruppen und 22 Firmen aus ganz Deutschland am Bernstein Netzwerk beteiligt.
Ausführliche Informationen finden Sie auf der Webseite des Bernstein Netzwerks unter: www.bernstein-netzwerk.de
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Eine kurze Darstellung über die Entwicklung der "Bernsteinschen Membrantheorie" und die wissenschaftliche Laufbahn von Julius Bernstein können Sie aus diesem Artikel entnehmen. Dieser Artikel erschien in der NEUROforum 4/02. (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/neuroforum4-02.pdf)
Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
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Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience (URL: http://www.nncn.de/pdfs/broschuerede150dpi)
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Das Denken verstehen und die Zukunft verändern (URL: http://www.nncn.de/pdfs/flyerde)
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