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Berlin Campus der German University in Cairo, ©GUC

Ägypten - Demokratisierungsprozesse unterstützen

Ägypten ist nicht zuletzt durch seine Brückenfunktion zur arabischen Welt eines der wichtigsten Partnerländer Deutschlands im Nahen Osten. Im Januar 2013 erlebte diese Partnerschaft einen neuen Höhepunkt: In Berlin eröffnete eine Zweigstelle der German University in Cairo. Im Zuge des deutsch-ägyptischen Wissenschaftsjahres waren schon seit 2007 in der Zusammenarbeit mit Ägypten starke Impulse für neue inhaltliche Schwerpunkte gesetzt worden. Insbesondere Anwendungsorientierung und Industrierelevanz der bilateralen Projekte konnten verstärkt werden. Zugleich wurde durch die Einbeziehung neuer universitärer und außeruniversitärer Partner in Ägypten die Kooperation auf eine breitere Basis gestellt.
Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, eröffnete gemeinsam mit dem ägyptischen Minister für höhere Bildung und Forschung Amr Salama am 27. Mai 2011 in Kairo eine Tagung "Die Rolle von Wissenschaft und Technik im demokratischen Reformprozess in Ägypten". An zwei Tagen kamen Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen zum Austausch zusammen. Die deutsch-ägyptische Tagung war der Höhepunkt verschiedener Veranstaltungen, die das BMBF angestoßen hat, um insbesondere Ägypten und Tunesien, aber auch andere Staaten der arabischen Welt bei ihrem Reformprozess zu unterstützen.  

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit

Basis der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) mit Ägypten sind die Regierungsabkommen (WTZ-Abkommen) der Jahre 1979 und 1981 sowie verschiedene Einzel- und Projektvereinbarungen aus den Jahren 1980-1985.                                                                        

Weiterhin unterzeichneten beide Ministerien zum Abschluss des gemeinsamen Wissenschaftsjahres 2007 eine Vereinbarung zur Implementierung eines gemeinsamen Forschungsfonds (GERF).

Schwerpunkte der Kooperation

Eine Intensivierung der Beziehungen in Bildung und Forschung mit Ägypten hat seit dem gemeinsam vorbereiteten und durchgeführten  "Deutsch - Ägyptischen Jahr der Wissenschaft und Technologie 2007" vor allem in den Fachgebieten Biotechnologie, Medizin, Materialwissenschaften, Wasser, erneuerbare Energien sowie Geistes- und Sozialwissenschaften stattgefunden. Die in diesem Zusammenhang gemeinsam identifizierten und durchgeführten Kooperationsprojekte setzten zudem starke Impulse für neue inhaltliche Schwerpunkte in der bilateralen wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ). Insbesondere Anwendungsorientierung und Industrierelevanz der bilateralen Projekte konnten verstärkt werden. Zugleich wurde durch die Einbeziehung neuer universitärer und außeruniversitärer Partner in Ägypten die Kooperation auf eine breitere Basis gestellt.

Aktuelle Themenschwerpunkte in der Zusammenarbeit liegen vor allem bei Materialforschung, Umwelt- und Klimaforschung sowie Erneuerbare Energien (Wind- und Solarenergie), gemeinsame Forschungsprojekte werden außerdem in Arbeitsgebieten wie physikalische- und chemische Technologien, Biotechnologie, Aquakultur und Gesundheitsforschung gefördert.         

Die verstärkte Einbeziehung von Firmen (vorwiegend KMU) auf beiden Seiten in die bilateralen Forschungsprojekte sowie die Möglichkeit gemeinsamer EU-Projekte zum Beispiel im Rahmen der Kooperation der Mittelmeerländer soll im Rahmen der Zusammenarbeit mit Ägypten zukünftig noch stärker ausgebaut werden. Wesentliches Augenmerk soll hier auch auf die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern auf beiden Seiten und deren zielgerichtete Integration in die Forschungsnetzwerke gelegt werden.       

Die German University of Cairo (GUC) - die erste "deutsche" Privatuniversität im Ausland (formell handelt es sich um eine private Einrichtung nach ägyptischem Recht mit deutschem Namen) , ist nach wie vor eines der größten Einzelprojekte der Bundesregierung im Programm zum Export deutscher Studienangebote. Sie ist von eminenter politischer Bedeutung und steht für die vorzügliche Zusammenarbeit beider Länder. Die fachliche Ausrichtung der GUC umfasst neben Ingenieur-, angewandten Natur-,  Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaften auch Multimedia-Design, Kommunikations- und Medienwissenschaften, Management sowie Lebenswissenschaften. Mit dem für die gesamte Region zukunftsweisenden Projekt "Digital Media Campus" ist ein digitaler TV- und Radiosender auf dem Campus der Universität entstanden, wobei neben dem Angebot weiterer Lehrinhalte (Medien- und Kommunikationstechnik) auch neue interdisziplinäre Forschungsschwerpunkte definiert werden konnten.           

Mit Hilfe der Durchführung von Workshops und Symposien sowie durch den bilateralen Wissenschaftleraustausch konnte die German University Cairo verstärkt in die Forschungskooperation mit Ägypten eingebunden werden. Für gemeinsame Forschungsarbeiten wurden die Forschungskapazitäten/ Labors in den letzten Jahren weiterhin systematisch ausgebaut. So bietet etwa das im Juni 2006 durch Bundesministerin Schavan eröffnete Werkstoffprüflabor gute Voraussetzungen für Kooperationsvorhaben im Rahmen der WTZ und des gemeinsamen Forschungsfonds. Des Weiteren entstand auf dem GUC-Gelände ein 40.000 Quadratmeter großer Industriepark mit namhaften Partnern aus der deutschen Industrie wie Trumpf und Festo. Damit erfüllten sich dann auch die bei der Gründungsfeier 2003 definierten Zielsetzungen.          

Als bislang größtes Projekt deutscher Bildungsangebote im Ausland genießt die GUC Vorbildcharakter. Die Universitäten Stuttgart und Ulm erwarten sich von dieser Kooperation einen Zugang zum ägyptischen Bildungsmarkt. Gleichzeitig wird durch dieses Engagement ein Beitrag für die Wissenschafts- und Wirtschaftsstandorte Baden-Württemberg und Deutschland im Allgemeinen geleistet. Nicht zuletzt erhoffen sich die deutschen Partner, hochbegabte Studierende von der GUC für einen Studien- und Forschungsaufenthalt in Deutschland zu gewinnen. Ziel ist ein reger wechselseitiger Austausch. Im Januar 2012 wurde der neue Berlin-Campus der GUC in Berlin eröffnet.                                                                                                                                                                                                                                                                          

Höhepunkte der bilateralen Zusammenarbeit

Die 2007 als dem wichtigsten Resultat des gemeinsamen  Jahres der Wissenschaft und Technologie  unterzeichnete Vereinbarung zwischen BMBF und dem ägyptischen Ministry of Higher Education and Scientific Research (MHESR) zur Implementierung des "Deutsch-Ägyptischen Forschungsfonds" konnte erfolgreich in die Tat umgesetzt werden: Bereits 2008 sowie 2010 wurden gemeinsame Bekanntmachungen auf deutscher und ägyptischer Seite veröffentlicht, deren Resonanz unerwartet hoch war: Von jeweils mehr als 90 eingereichten Projektanträgen der ersten Ausschreibungsrunde werden seit Mai 2009 insgesamt 18 gemeinsame Projekte in verschiedenen Bereichen der anwendungsorientierten Forschung mit einer Laufzeit von 2 Jahren gefördert. Der gemeinsame Steuerungsausschuss des Wissenschaftsfonds bestätigte während seines fünften Treffens in Bonn im Frühjahr 2011 weitere förderwürdige deutsch-ägyptische Forschungsprojekte, die ab Frühsommer für zwei Jahre gefördert werden sollen. 

An der German University Cairo (GUC) schlossen 2008 zum ersten Mal seit ihrer Gründung 600 Studierende aus allen Fakultäten ihr Studium mit dem Bachelor ab. Dieses Ereignis beging die "Deutsche Universität" im Rahmen wissenschaftlicher und kultureller Begleitaktivitäten mit einer hochrepräsentativen und öffentlichkeitswirksamen  "Grand Graduation Ceremony", zu der mehr als 2000 Gäste aus dem In- u. Ausland geladen waren. Zur anschließenden 5-Jahres-Feier der German University Cairo trafen sich ägyptische und deutsche Vertreter aus Politik und Wissenschaft sowie zahlreiche prominente Gäste beider Länder an der Paten- und Partneruniversität Ulm.

Im Frühjahr 2009 reiste Bundesministerin Schavan nach Alexandria und Kairo. Neben dem Besuchsprogramm an der Deutschen Schule der Borromäerinnen, der Bibliotheka Alexandrina und der GUC in Kairo sowie dem Austausch zu den positiven Erfahrungen und Folgeaktivitäten des gemeinsamen Wissenschaftsjahres hatten die nachhaltigen Bemühungen der Bundesministerin um die Internationalisierung der Wissenschaft sowie um die andauernde intensive deutsch-ägyptische Hochschul- und Forschungskooperation der Universität Kairo Anlass gegeben, ihr die Ehrendoktorwürde der Philosophie zu verleihen. In der hundertjährigen Geschichte der größten Universität Afrikas und des arabischen Raumes war diese Ehre bislang nur Staatsoberhäuptern und Nobelpreisträgern vorbehalten gewesen.                                                                                                                  

Besondere Aktivitäten des BMBF - Fachabteilungen, der Wissen-schafts- und Mittlerorganisationen und der Hochschulen

Im Rahmen des BMBF - Förderschwerpunktes "Integriertes Wasserressourcen-Management" (IWRM) konnte ein thematisch breit angelegtes, umfangreicheres Vorhaben in der WTZ mit Ägypten fortgeführt werden. Bei dem so genannten Lake Nasser-Projekt geht es um die ökologisch vertretbare Erschließung neuer Siedlungs- und Wirtschaftsräume für ca. 1,5 Mio. Menschen im Bereich des Assuan-Stausees.

Das Programm "German Egyptian Scientific Projects" (GESP) ist eines von insgesamt drei kofinanzierten bilateralen Abkommen, die im Dezember 2007 im Rahmen des deutsch - ägyptischen Wissenschaftsjahres zwischen dem DAAD und dem ägyptischen Ministerium für Hochschulausbildung und Forschung vereinbart worden sind.
                                          
Ziel des Programms ist die Intensivierung der Kooperation zwischen Forschergruppen aus Deutschland und Ägypten, die gemeinsam an einem spezifischen wissenschaftlichen Vorhaben arbeiten. Besonderes Gewicht liegt dabei auf der Fortbildung und Spezialisierung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das Programm sieht hierbei in erster Linie die Förderung von Mobilität vor und steht grundsätzlich allen Fachdisziplinen offen, besonders förderungswürdig sind dabei die Schwerpunktbereiche des gemeinsamen Wissenschaftsjahres: Biotechnologie, Gesundheitsforschung; Wassermanagement; Erneuerbare Energien; Materialwissenschaften; Sozial- und Geisteswissenschaften. Die Mittel zur Durchführung des Programms erhält der DAAD aus dem Haushalt des BMBF.

Unter den Vereinbarungen zwischen deutschen und ägyptischen Hochschulen der letzten Jahre sind besonders folgende hervorzuheben:

  • Die Gründung der German University Cairo (GUC) - die inzwischen gut 6.200 Studenten zählt - im Jahr 2003 durch Patenschaft und Kooperationsabkommen mit den Universitäten Ulm, Stuttgart und Mannheim
  • Gemeinsam finanzierte bi-kulturelle Masterstudiengänge in den Bereichen "Deutsch als Fremdsprache" (DaF) zwischen der Ain Shams Universität und der Universität Leipzig sowie "Ökologisches Stadtmanagement/Energieeffizientes Bauen" zwischen der Kairo University und der Universität Stuttgart. Letzterer ist ein postgradualer, grenzüberschreitender Studiengang, der sich an graduierte Teilnehmer/-innen aus Deutschland, Ägypten und weiteren arabischen Drittländern der MENA Region richtet. Er wird gemeinsam von ägyptischer und deutscher Seite finanziert. Der interdisziplinär und praxisorientierte Kurs ist auf vier Semester angelegt und schließt mit einem von beiden Seiten anerkannten Master ab: Double Degree Programme. Zum Wintersemester 2011 werden die ersten Studierenden aufgenommen.


 

Zusatzinformationen

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    • Susanne Ruppert-Elias
    • Heinrich-Konen-Str. 1
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