
Bei der industriellen Biotechnologie - auch "Weiße Biotechnologie" genannt - handelt es sich um den gezielten Einsatz der modernen Biotechnologie für die nachhaltige Herstellung und Verarbeitung von Chemikalien, Werkstoffen und Brennstoffen. Durch den Einsatz von Enzymen und Mikroorganismen kann dabei der "Werkzeugkasten der Natur" genutzt werden: Herkömmliche chemische Produktionsprozesse können zunehmend durch biotechnologische Verfahren ersetzt werden, Grund- und Feinchemikalien aus pflanzlichen Rohstoffen, Biopolymere als Kunststoffersatz und umweltverträgliche Biokraftstoffe gehören zu den innovativen Produkten. Mit der industriellen Biotechnologie sollen auch neue Produkte und Prozesse für andere Industriezweige wie Lebensmittel-, Kosmetik- Papier-, Zellstoff-, Textil- und Lederindustrie sowie darüber hinaus für weitere Sektoren entwickelt werden. Der Film "Industrielle Biotechnologie - Neue Wege für die Chemieindustrie" und die Broschüre "Weiße Biotechnologie - Chancen für neue Produkte und umweltschonende Prozesse" geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen.
Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe für industrielle Produktionsprozesse ist eines von fünf Handlungsfeldern der Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030. Bei der Umsetzung bringt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) sein Förderprogramm "Nachwachsende Rohstoffe" und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seine Förderung der industriellen Biotechnologie ein. Für die Förderung von Forschung und Entwicklung in der industriellen Biotechnologie stellt das BMBF pro Jahr über 30 Mio. € bereit.
Die künftige Förderstrategie des BMBF verfolgt zwei Handlungsstränge:
Zum einen soll der Einsatz etablierter biotechnologischer Verfahren in der Wirtschaft und damit der Wandel zu einer bio-basierten Ökonomie vorangetrieben werden. Dafür wurde 2011 die "Innovationsinitiative industrielle Biotechnologie" gestartet. Außerdem engagiert sich das BMBF für die Entwicklung von Bioraffinerie-Konzepten. Internationale Kooperationen unterstützt das BMBF über das ERA-Net Industrielle Biotechnologie.
Zum anderen soll bereits heute die Grundlage für biotechnologische Produktionsverfahren der Zukunft gelegt werden, die über die heute verfügbaren fermentativen oder biokatalytischen Verfahren hinausgehen. Dafür wurde 2010 der langfristig angelegte Strategieprozess "Nächste Generation biotechnologischer Verfahren - Biotechnologie 2020+" zusammen mit Forschungsorganisationen und Hochschulen begonnen.
Die aktuelle Förderung kann auf Erfahrungen mit früheren Fördermaßnahmen aufbauen: In vier Auswahlrunden der "Nachhaltigen Bioproduktion" (2000-2004) wurden 30 technische Projekte und zwei Begleitvorhaben mit insgesamt 30 Mio. € gefördert. Beim Cluster-Wettbewerb BioIndustrie2021 konnten sich im Jahr 2007 fünf Cluster für eine Förderung mit insgesamt 60 Mio. € über einen Zeitraum von fünf Jahren qualifizieren. Grundlegende Erkenntnisse und Methoden für die industrielle Biotechnologie liefert die seit 2001 geförderte Genomforschung an Mikroorganismen. Um der Entwicklung neuer Aufreinigungstechnologien einen Impuls zu geben, wurde 2007 eine spezielle Fördermaßnahme dazu aufgelegt.
Mit dem 2006 ausgerufenem Wettbewerb "BioIndustrie 2021" konnte das BMBF eine positive Strukturierung der F&E-Landschaft in der industriellen Biotechnologie erreichen. Seither hat sich die Sichtbarkeit der deutschen industriellen Biotechnologie auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene deutlich verbessert. Die Cluster haben zu einer erfolgreichen Vernetzung von Grundlagenforschung, Prozesstechnik und Anwendung beigetragen. Die fünf BioIndustrie2021-Cluster konnten neben der BMBF-Förderung von 60 Mio. € bisher über 60 Mio. € Mittel aus der Wirtschaft sowie weitere 30 Mio. € aus anderen öffentlichen Förderprogrammen mobilisieren. Mindestens acht neue Unternehmen der industriellen Biotechnologie sind seit 2007 in den Clustern entstanden.
Auch die vorangegangene Förderinitiative "Nachhaltige Bioproduktion" hat zu fünf Unternehmensgründungen geführt, vier davon konnten erfolgreich Wagniskapital akquirieren. Außerdem wurden 36 Patente angemeldet, sechs Produktentwicklungen sind am Markt oder stehen kurz davor. Allein vier Patente wurden im Projekt "Neue effiziente Waschprozesse bei niedrigen Temperaturen - Tieftemperaturprotease" des Waschmittelherstellers Henkel und seines mittelständischen Kooperationspartners BRAIN AG angemeldet, das im Folgenden vorgestellt wird.
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im Rahmen der Aktionspläne der Bundesregierung zur stofflichen und energetischen Nutzung nachwachsener Rohstoffe
2012, 106 Seiten
Download [PDF - 5,49 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/roadmap_bioraffinerien.pdf)

Chancen für eine bio-basierte Wirtschaft
2012, 55 Seiten
Bestell-Nr.: 30256
Download [PDF - 1,54 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/weisse_biotechnologie.pdf)

Unser Weg zu einer bio-basierten Wirtschaft
2010, 52 Seiten
Bestell-Nr.: 30570
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