
Bundesforschungsministerin Annette Schavan traf bei den 2. deutsch- chinesischen Regierungskonsultationen Ende August in Peking auf ihre Amtskollegen Minister Wan Gang (Ministry of Science and Technology, MoST) und Minister Yuan Guiren (Ministry of Education, MoE). Vereinbart wurde eine stärkere Zusammenarbeit auf dem Gebiet der LED-Technologien und der Meeresforschung. Außerdem tauschten sich die Minister über die weiteren Schritte der bereits vereinbarten Maßnahmen, wie die Gründung eines Chinesisch-Deutschen Wissenschaftskollegs aus.
Dazu gehört die Einrichtung einer deutsch-chinesischen Plattform für Innovation, für deren Gründung die Fachleute beider Länder im vergangenen September in Peking zusammentrafen. Eine Folgekonferenz ist für den 26. und 27. November 2012 in Berlin geplant. Auf der Tagesordnung stehen Themen wie "International Research and Development-Investment", "International Knowledge-Flows", "Standardization", "Science Industry-Linkages", "Public Innovation Funding" sowie "Selection and Evaluation".
Fortschritte verzeichnet auch die Zusammenarbeit für die deutsch-chinesische Innovationsplattform Lebenswissenschaften, zu der bereits Experten-Workshops stattfanden; eine Delegation mit Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern aus dem Bereich der Lebenswissenschaften unter Leitung des BMBF besucht in diesen Tagen chinesische Partner.
Auch das deutsch-chinesische Forschungs- und Innovationsprogramm "Sauberes Wasser" ist auf gutem Weg. Im April 2012 wurde bereits das Verbundprojekt "SEMIZENTRAL" zur Umsetzung eines Wasserversorgungs- und Entsorgungssystems in Qingdao im Rahmen der Weltgartenbauausstellung 2014 bewilligt und gestartet. Außerdem können sich deutsche Wissenschaftlern in Zukunft an laufenden chinesischen Mega-Wasserprojekten zu beteiligen.
Vorangebracht werden soll auch durch Einrichtung neuer Zentren für Berufsbildung und durch eine gemeinsame Entwicklung von Standards für die Berufsbildung die so genannte deutsch-chinesische Allianz für Berufsbildung. Zudem soll der Austausch von Studierenden ausgebaut und weitere Modellpartnerschaften an Hochschulen geschaffen werden.
Der letzte Besuch von Forschungsministerin Schavan im Januar 2012 stand im Zeichen "sauberen Wassers". In Shanghai starteten Ministerin Schavan und ihr Amtskollege Minister WAN Gang ein deutsch- chinesisches Forschungs- und Innovationsprogramm zum Schutz der bedrohten Ressource Wasser.
Die politische Führung Chinas betrachtet Forschung und Entwicklung als Grundlage des wirtschaftlichen Wachstums, und auch als Basis, auf der sich die Gesellschaft weiterentwickeln kann. Das lassen die chinesische Innovationsstrategie (2006 bis 2020) sowie der elfte Fünfjahresplan (2006 bis 2010) und der zwölfte Fünfjahresplan (2011-2015) deutlich erkennen. Naturwissenschaft und Technologie sollen als Ressourcen für Industrie und Dienstleistung genutzt werden. So hat die Volksrepublik China den Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 0,90 Prozent (2000) auf 1,54 Prozent (2008) und zuletzt rund 1,75 Prozent (2010) des Bruttoinlandsprodukts erhöht. Davon sind etwa ein Drittel öffentliche FuE-Ausgaben, zwei Drittel stammen aus der Wirtschaft.
Die Wirtschaft spielt eine immer größere Rolle. So werden in China Forschung und Entwicklung zunehmend nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten reformiert, weitgehend ausgenommen sind Einrichtungen der Grundlagenforschung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Industrialisierung und Kommerzialisierung von Technologien. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass 83 Prozent der chinesischen FuE-Ausgaben in experimentelle Entwicklungen gehen, nur 5 Prozent in Grundlagenforschung und 12 Prozent in angewandte Forschung (2008). Konzentrierten sich die ersten Reformen (ab 1978) noch auf den Wiederaufbau der Forschungslandschaft nach der Kulturrevolution, so werden seit dem siebten Fünfjahresplan (1986-1990) die FuE-Einrichtungen mit wirtschaftlichen Unternehmen vernetzt. Ziel ist es, Forschungseinrichtungen in die "Marktwirtschaft sozialistischer Prägung" zu integrieren und sie wettbewerbsfähig zu machen, um den Anforderungen des Marktes zu genügen.
Dieser Prozess verstärkt sich weiter. Die im Februar 2006 verkündete Innovationsstrategie Chinas [Outline of the Medium- and Long-Term Plan for National Science and Technology Development (2006-2020)] hat zum Ziel, die Entwicklung der Wissenschaft und Technologie vor allem unter dem Aspekt der Steigerung der Innovationsfähigkeit Chinas voranzutreiben und China zu einem innovationsstarken Land zu machen. Zugleich soll die Abhängigkeit von ausländischer Technologie stark reduziert werden. Nachhaltigkeit und die Bedeutung der Grundlagenforschung werden nun besonders betont. Der Ausbau des Forschungspotenzials in China - vor allem auch im öffentlichen Bereich - wird kontinuierlich vorangetrieben, insbesondere mittels stark steigender FuE-Ausgaben und paralleler Ausbildung von FuE-Personal. Der FuE-Anteil am Bruttoinlandsprodukt soll im Jahr 2015 2,2 Prozent und im Jahr 2020 2,5 Prozent erreichen. Dies wird durch die aufgrund der wirtschaftlichen Erfolge stark verbesserten finanziellen Möglichkeiten Chinas erleichtert.
Chinesische Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen haben in vielen Bereichen zum Niveau westlicher Industrieländer aufgeschlossen oder werden dies in naher Zukunft tun. Teilweise gehören chinesische Forscher zur Weltspitze. Zunehmend werden FuE-Kapazitäten nach China ausgelagert. China liegt bei ausländischen FuE-Investitionen bereits an dritter Stelle.
Auch die Kapazitäten des chinesischen Hochschulsystems werden stark ausgebaut, verbunden mit einer ausgeprägten Hierarchisierung der Universitäten, wie es durch den Aufbau von Eliteuniversitäten deutlich wird. Zukünftig soll die Verbesserung der Qualität der Ausbildung im Vordergrund stehen. Die staatlichen chinesischen Bildungsausgaben erreichten im Jahr 2010 ca. 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und sollen 2012 auf 4 Prozent anwachsen.
Die zunehmende Integration Chinas in die internationale Gemeinschaft spiegelt sich auch in der internationalen Kooperation und Einbindung chinesischer Wissenschaftler, der zunehmenden Durchsetzung westlicher Qualitätskonzepte in Forschung und Lehre und der zunehmenden Sensibilisierung auf chinesischer Seite für die Bedeutung des Schutzes von geistigem Eigentum wider. Die Autonomie der chinesischen Akteure hat sich stark erweitert. Vor allem Hochschulen und Forschungsinstitute sowie Wirtschaftsunternehmen haben im Laufe der letzten Jahre erhebliche Freiheiten, verbunden mit Eigenverantwortung, hinsichtlich des Managements, der Verwaltung und der Projektdurchführung erhalten. Chinesische Forscher sind aufgefordert, sich um die Umsetzung und praktische Anwendung ihrer Ergebnisse zu bemühen, um einen Beitrag zur Lösung ökonomischer, sozialer und ökologischer Probleme zu leisten. Diverse, vor allem ökonomische Leistungsanreize für Institute und Wissenschaftler unterstützen diese Politik.
Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und China hat sich in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert. So wurde China zum wichtigsten Partner der Bundesrepublik in Asien, sowohl gemessen an der Projektzahl als auch am Finanzvolumen. Dabei haben in der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) institutionelle Kooperationen an Bedeutung gewonnen, zu denen auch die Gründung gemeinsamer Institute gehört. Beispielsweise wurden in der Informations- und Kommunikationstechnologie mit Unterstützung des BMBF in Beijing und Berlin gemeinsame deutsch-chinesische Forschungsinstitute unter dem Dach der Fraunhofer-Gesellschaft gegründet. Ein weiteres erfolgreiches Beispiel ist das CAS-MPG Partner Institute for Computational Biology in Shanghai, das ebenfalls mit Unterstützung des BMBF aufgebaut wurde. Dabei wird vermehrt auf die Beteiligung industrieller Partner an den Kooperationsprojekten Wert gelegt.
Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit in Bildung und Forschung wird durch in ein- bis zweijährigen Abständen tagende gemeinsame Regierungskommissionen koordiniert. Im Bereich der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit sind dies die Gemeinsame WTZ-Kommission sowie Gemeinsame Lenkungsausschüsse in folgenden fachlichen Bereichen:
Darüber hinaus werden auch Maßnahmen in anderen naturwissenschaftlichen Bereichen (z. B. Gesundheitsforschung, Biodiversitätsforschung, Ingenieurwissenschaften oder physikalische und chemische Technologien) sowie in den Geistes-, Kultur-, Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften gefördert.
Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern basiert auf dem Regierungsabkommen vom 09. Oktober 1978. Nach Unterzeichnung des Abkommens konzentrierte sich die beginnende Kooperation Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre zunächst auf Kontakte und Besuche einzelner Wissenschaftler. Daran schloss sich eine zweite Phase der projektorientierten Zusammenarbeit an. Zwar bildet die Projektzusammenarbeit auch heute noch einen wichtigen Teil der WTZ mit China, doch wird sie durch die institutionellen Kooperationen ergänzt.
Anders strukturiert als die Partnerschaft in der Forschungspolitik ist die Zusammenarbeit in der Bildung. So gibt es zum Beispiel kein dem WTZ-Abkommen vergleichbares Vertragswerk, auf das sich die Kooperation stützt. Hinzu kommt, dass die Vielzahl der Akteure bei der Bildung und die Verteilung der Kompetenzen dem BMBF nur einen vergleichsweise geringen Aktionsspielraum ermöglichen.
Seit dem Jahr 2004 wird die Zusammenarbeit zwischen dem BMBF und dem chinesischen Bildungsministerium (MoE) bei Hochschulen und Berufsbildung in bildungspolitischen Strategiegesprächen definiert. Diese bieten neben der Diskussion laufender Projekte und Projektvorschläge die Gelegenheit zu intensiveren fachlichen Diskussionen, die maßgeblich in die Kooperationsplanung eingehen. Strategisches Ziel der Kooperation zwischen BMBF und MoE ist die Entwicklung gemeinsamer Studiengänge bis hin zur Entwicklung gemeinsamer Bildungsstandards. Die zwischen BMBF und MoE vereinbarten und über Anschubfinanzierungen unterstützten Projekte beschränken sich auf Modellvorhaben. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sollen der Weiterentwicklung der Hochschul- und Berufsbildungskooperation dienen.
In den 1980er und 1990er Jahren war die Bildungskooperation vor allem von den Mittlerorganisationen (insbesondere dem DAAD) und von anderen Wissenschafts- und Forschungsorganisationen (insbesondere AvH, DFG, MPG etc.) betrieben worden. Eine Vielzahl deutscher Universitäten haben schon seit den 1970er Jahren Austauschbeziehungen mit chinesischen Partneruniversitäten, ohne dass diese vom BMBF finanziell oder organisatorisch unterstützt werden. Inzwischen gibt es mehr als 750 deutsch-chinesische Hochschulpartnerschaften (2011).
Die Kooperation mit China wird vor Ort durch den Wissenschaftsreferenten und sein Team an der Deutschen Botschaft in Beijing sowie durch das Wissenschaftsreferat im Generalkonsulat Shanghai unterstützt. Die DFG unterhält mit ihrem Partner, der National Natural Science Foundation of China (NSFC), seit Oktober 2000 in Beijing das Chinesisch-Deutsche Zentrum für Wissenschaftsförderung. FhG und HGF sind mit Representative bzw. Liaison Office in Beijing vertreten, der DAAD seit 1994 mit einer Außenstelle sowie Informationszentren in Guangzhou, Shanghai und Hongkong.


Forschungsminister Wan und Parlamentarischer Staatssekretär Rachel mit den unterzeichneten Gemeinsamen Erklärungen zur Plattform Innovation und zum Forschungsprogramm "Sauberes Wasser".
Mit China veranstaltete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das bisher erfolgreichste internationale Wissenschaftsjahr, das "Deutsch-Chinesische Jahr der Wissenschaft und Bildung 2009 / 2010". Das chinesische Forschungs- und das chinesische Bildungsministerium waren gleichberechtigte und gleich bedeutende Partner. Als Motto des Jahrs wurde der Slogan gewählt: "Zusammen auf dem Weg des Wissens". Von März 2009 bis Juni 2010 führten mehr als 150 Veranstaltungen, Workshops und Delegationsreisen Deutsche und Chinesen aus Wissenschaft und Bildung, Politik und Gesellschaft in Deutschland wie in China zusammen. Dazu gehörten zum Beispiel das Nobelpreisträgertreffen in Lindau mit chinesischen Nachwuchswissenschaftlern oder die Beteiligung des BMBF an den Deutsch-Chinesischen Promenaden in Shenyang und Wuhan mit jeweils mehr als 300.000 Besuchern. Während des Sommersemesters 2010 gab es an über 45 deutschen Hochschulen China-Wochen. Insgesamt förderte das BMBF während des Jahrs mit etwa zwei Millionen Euro China-Projekte deutscher Wissenschaftler. Die deutsch-chinesische Wissenschafts- und Bildungskooperation stieß auch in einer breiteren Öffentlichkeit auf großes Interesse, so wurde zum Beispiel das Internetportal des Jahrs mehr als 2,3 Millionen Mal aufgerufen.
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