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Forschung

Alternativen zum Tierversuch

Die langjährige Förderung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten im Bereich der Ersatzmethoden durch das BMBF ist in ihrer Art weltweit einmalig und stellt die finanziell umfangreichste sowie zeitlich längste Förderung auf diesem Gebiet dar. Innerhalb der letzten 30 Jahre sind mit bislang rund 140 Millionen Euro über 400 Forschungsprojekte finanziert worden. Auch in Zukunft wird diese zielgerichtete Förderung durch das BMBF im Rahmen der am 17.06.2011 in Kraft getretenen Bekanntmachung "Alternativmethoden zum Tierversuch" fortgeführt.

Das deutsche Tierschutzgesetz stellt sicher, dass Tierversuche nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn sie unerlässlich sind und der verfolgte Zweck nicht durch andere Verfahren erreicht werden kann. Tierversuche mit Wirbeltieren müssen zudem von einer Genehmigungsbehörde dahingehend geprüft werden, ob die Versuchszwecke und deren Durchführung ethisch vertretbar sind. Im Rahmen der gesetzlich geregelten Zulassung von Arzneimitteln und chemischen Stoffen oder bei der Erforschung von neuen Methoden zur Diagnostik oder Therapie von Krankheiten sind Tierversuche bislang unverzichtbar. Daher wird wohl auch in absehbarer Zukunft nicht vollständig auf diese verzichtet werden können.

Um die Anzahl der durchgeführten Tierversuche und auch die Belastung der Tiere noch weiter zu reduzieren, unterstützt das BMBF bereits seit 1980 Forschungsprojekte, die die Entwicklung von Methoden zum Ersatz beziehungsweise zur Vermeidung von Tierversuchen zum Ziel haben. In diesem Sinne konnten bereits wegweisende Zell- oder Gewebekulturtechniken sowie verschiedene bildgebende Verfahren erfolgreich entwickelt und optimiert werden. Die geförderten Forschungsprojekte werden im Wesentlichen durch das Prinzip der "3R" geleitet (Russel, Burch 1959). Primäres Ziel dieses Konzeptes ist es, auf Tierversuche nach Möglichkeit zu verzichten, indem sie durch alternative Methoden ersetzt werden (Replacement). Wenn dies nicht realisierbar ist, so sollen die Zahl der Versuche und die Zahl der Tiere pro Versuch auf ein Minimum reduziert werden (Reduction). Zudem soll eine Verbesserung und Weiterentwicklung der Methodik von Tierversuchen dazu beitragen, das Leiden der Versuchstiere deutlich zu vermindern sowie aus den einzelnen Tierversuchen so viele Informationen wie möglich zu gewinnen (Refinement).

In einer vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des BMBF durchgeführten und im Februar 2011 veröffentlichten Evaluation wurden die "Ersatzmethoden zum Tierversuch" als ein in Kontinuität und Fördervolumen international einzigartiger Förderschwerpunkt beschrieben. Der hohe Anteil erfolgreicher Projekte sowie die hohe Qualität der wissenschaftlichen Arbeit begründen demnach den Erfolg der Fördermaßnahme. Diese leistet damit wesentliche Beiträge zum Tierschutz. Basierend auf den Evaluationsergebnissen und den aufgezeigten Handlungsoptionen wurde die Förderlinie neu konzipiert und an die sich stetig wandelnden Rahmenbedingungen und Erfordernisse angepasst. Durch die frühzeitige Mitwirkung zuständiger Behörden und Anwender sowie kontinuierlichem Projekt-Monitoring wurden die Wirksamkeit der Förderaktivität und eine zeitnahe Umsetzung erzielter Ergebnisse in die Praxis noch weiter verbessert.

Am 22. August 2012 hat das BMBF die ergänzende Bekanntmachung "Innovative Toxikologie zur Reduzierung von Tierversuchen (e:ToP)" veröffentlicht. Mit dem völlig neuen Forschungskonzept sollen in interdisziplinären Verbundprojekten etablierte Methoden der grundlegenden Lebenswissenschaften, der Bioinformatik sowie der Systembiologie kombiniert werden. Hierdurch können nicht nur anhand von Zellkulturen mögliche toxische Effekte von Pharmazeutika und Chemikalien erforscht, sondern darüber hinaus deren Wirkungsweise verstanden und die Folgen für den Organismus abgeleitet werden.

Projektskizzen zu den "Alternativmethoden zum Tierversuch" können laufend über ein online Portal eingereicht werden.

Stichtag ist der 15. März eines jeden Kalenderjahres.

 

Zusatzinformationen

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(URL: http://www.bmbf.de/en/1040.php)

Ansprechpartner

  • Forschungszentrum Jülich GmbH

    • Projektträger Jülich (PtJ), Bereich BIO
    • Dr. Rudi Loesel
    • Telefonnummer: 02461 61 96451
    • Faxnummer: 02461 61 9070
    • E-Mail-Adresse: r.loesel@fz-juelich.de
    • Homepage: http://www.ptj.de/gesundheitsforschung
 

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