Forschung

Freiraum für die Geisteswissenschaften

Die Geisteswissenschaften leisten einen Beitrag zur Gestaltung der Zukunft und zum kulturellen Gedächtnis. Sie vermitteln zwischen Kulturen, sie reflektieren und bieten Orientierung über Werte und Entwicklungen in den Teilbereichen der Gesellschaft. Mit der Initiative "Freiraum für die Geisteswissenschaften" wird das BMBF die Geisteswissenschaften strukturell stärken und ihnen größeren Spielraum für die Entfaltung ihrer Leistungen geben.

Die Initiative

verfolgt die Ziele
  • Geisteswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen durch neue Formen der Förderung mehr Zeit für die Forschung zu gewähren,
  • die Bedeutung geisteswissenschaftlicher Forschung für den akademischen und gesellschaftlichen Dialog zu präzisieren,
  • die Entwicklung geisteswissenschaftlicher Methoden voranzutreiben und die Wechselwirkungen mit den Natur- und Ingenieurwissenschaften zu intensivieren,
  • die Internationalisierung der geisteswissenschaftlichen Forschung zu fördern und
  • die Rolle und Funktion der Geisteswissenschaften als Vermittler und Übersetzer zu stärken.

Die einzelnen Schwerpunkte

Internationale Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung

Kernelement der Förderinitiative sind die Internationalen Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung. Dieses Förderformat wurde auf Anregung des Wissenschaftsrates entwickelt und verbindet in besonderer Weise die Vorteile kooperativer und individueller Forschung. Wesentliche Bestandteile der Internationalen Kollegs sind die Freistellung ausgewiesener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für eigene Forschungstätigkeit, ein Fellowprogramm sowie der internationale Charakter der zu bearbeitenden Fragestellung.


Ziele der Förderung sind im Einzelnen:
  • Eine internationale sowie europäisch sichtbare und wirksame Schwerpunktbildung der deutschen Geisteswissenschaften an den Universitäten voranzutreiben und die Verbindungen zu ausländischen Forschungsschwerpunkten und Einrichtungen zu stärken
  • Durch weitgehende Freistellung von universitären Verpflichtungen herausragenden Geisteswissenschaftlerinnen und Geisteswissenschaftlern persönlichen Freiraum zu gewähren, um selbst gewählten Forschungsfragen nachgehen zu können
  • Eine Lerngemeinschaft zu ermöglichen, die durch systematische Konfrontation mit anderen Wissenskulturen die eigenen, meist unhinterfragten Selbstverständlichkeiten auf den Prüfstand stellt
  • International hochrangige Fachkollegen und -vertreterinnen in Forschungsarbeiten an deutschen Universitäten einzubeziehen
  • Die geisteswissenschaftlichen Methoden - auch kulturvergleichende Forschung - weiterzuentwickeln
  • Die Kooperation in den Geisteswissenschaften unter Einschluss der "kleinen" Fächer zu erhöhen

Insgesamt sieben Kollegs wurden 2007 und 2008 von einem international besetzten Gutachtergremium zu folgenden Themen ausgewählt:

"Dynamiken der Religionsgeschichte zwischen Asien und Europa", Ruhr-Universität Bochum

"Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie", Bauhaus-Universität Weimar

"Verflechtungen von Theaterkulturen", Freie Universität Berlin

"Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive", Humboldt-Universität zu Berlin

"Internationale Umweltgeschichte - Natur als kulturelle Herausforderung", Ludwig-Maximilians-Universität München

"Morphomata: Genese, Dynamik und Medialität kultureller Figurationen", Universität zu Köln

"Schicksal, Freiheit und Prognose. Bewältigungsstrategien in Ostasien und Europa", Universität Erlangen-Nürnberg


Die Bekanntmachung einer dritten Runde wurde im März 2009 veröffentlicht.

Die Förderung von Kollegs ist zunächst auf sechs Jahre angelegt, mit der Option einer zweiten Förderphase für weitere sechs Jahre. Es sollen bis zu 12 Kollegs in die Förderung kommen.

Internationale Positionierung der Geisteswissenschaften in Deutschland

Das BMBF fördert das vom Hochschul-Informations-System (HIS) durchgeführte Vorhaben "Die internationale Positionierung der Geisteswissenschaften in Deutschland". Ziel der Studie ist es, auf der Basis neuer Daten und Analysen den Diskurs über den internationalen Beitrag der Geisteswissenschaften in Deutschland zu unterstützen. In einem ersten Schritt wird die quantitative Seite der Internationalität erfasst. Methodisch geschieht dies anhand einer Sekundärdatenanalyse verschiedener Datenquellen. In einem zweiten Schritt wird die qualitative Seite der Internationalität anhand vertiefter Sekundärdatenanalysen, einer Online-Befragung und Experteninterviews erfasst. Eine Publikation ist für 2009 vorgesehen.

Perspektiven für die Geisteswissenschaftlichen Zentren

1991 hat der Wissenschaftsrat im Zusammenhang mit den Perspektiven der außeruniversitären Forschungseinrichtungen der ehemaligen DDR die Gründung Geisteswissenschaftlicher Zentren empfohlen. Die aufgrund dieser Empfehlung gegründeten Geisteswissenschaftlichen Zentren stellen in struktureller wie auch organisatorischer Hinsicht ein innovatives Element in der Forschungslandschaft der Bundesrepublik Deutschland dar. Nach einer Evaluierung im Jahr 2005 empfahl der Wissenschaftsrat nachdrücklich die weitere Förderung von fünf positiv evaluierten Geisteswissenschaftlichen Zentren.

Das BMBF trägt dazu bei, diesen Geisteswissenschaftlichen Zentren eine Perspektive zu geben und fördert seit 2008, zusammen mit den Sitzländern die folgenden Zentren im Rahmen der Projektförderung für einen Zeitraum von sechs plus sechs Jahren:

Das Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF)  wurde, unterstützt vom BMBF, als Mitglied in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen.

Übersetzungsfunktion der Geisteswissenschaften

Ziel der Förderung im Schwerpunkt "Übersetzungsfunktion" ist es, die geisteswissenschaftliche Expertise des "Übersetzens" - im Sinne der Verständigung, Vergegenwärtigung und Übertragung - herauszustellen und weiterzuentwickeln. Es werden innovative Anwendungsfelder für geisteswissenschaftliche Übersetzungskompetenz - zum Beispiel bei der  Übersetzung von theoretischem Wissen in Orientierungs- und Handlungswissen - erschlossen und die Forschung mit und in den Museen gestärkt. Hierzu werden interdisziplinäre Forschungsverbünde gefördert.

Wechselwirkungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften

Im Förderschwerpunkt "Wechselwirkungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften" sollen Forscherinnen und Forscher aus den Geistes- und Naturwissenschaften in interdisziplinären Forschungsverbünden zusammenarbeiten und durch den gegenseitigen Austausch Denkansätze erweitern. Ziel ist nicht zuletzt die gleichberechtigte Diskussion verschiedener Fächerkulturen und der Einsatz geisteswissenschaftlicher Methoden zur Deutung naturwissenschaftlicher Daten und Ergebnisse. Als Ausgangspunkte werden Fragestellungen aus den Sprach- und Literaturwissenschaften sowie aus der Archäologie und den Altertumswissenschaften gewählt. Der Förderschwerpunkt schließt an den BMBF-Förderschwerpunkt "Neue naturwissenschaftliche Methoden und Technologien in den Geisteswissenschaften (NTG)" (1989-2007) an.

Stärkung und Weiterentwicklung der Regionalstudien

Ziel des Förderschwerpunktes "Stärkung und Weiterentwicklung der Regionalstudien (area studies)" ist es, die in den Regionalstudien vorhandene Fernkompetenz durch neue Formen der Kooperation stärker zu bündeln, weiterzuentwickeln und zu erproben. Gleichzeitig sollen fachspezifische und interdisziplinäre Fragestellungen und die Zusammenarbeit mit den systematischen Disziplinen vorangetrieben werden. Es sollen vernetzte, interdisziplinäre Orte der Expertise in Deutschland sichtbar werden, die nicht zuletzt durch enge Zusammenarbeit mit ausländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ein Movens in diesem geisteswissenschaftlichen Wissensfeld erzeugen. Gefördert werden innovative Forschungskonzepte, die durch Förderlinie a) universitätsübergreifende Kompetenznetze oder Förderlinie b) den Aufbau von inneruniversitären Zentren für Regionalstudien umgesetzt werden.

Europäische Strukturbildung

Erstmals in der Geschichte der europäischen Forschungsprogramme werden im 7. Forschungsrahmenprogramm explizit geisteswissenschaftliche Themen und Fragestellungen europaweit ausgeschrieben. Auch die Förderangebote des European Research Council stehen den Geisteswissenschaften offen. Um deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu ermutigen, verstärkt Anträge bei der EU zu stellen, finanziert das BMBF Vorphasen für die Antragstellung bei der EU, die es ermöglichen, Anträge zu entwickeln und entsprechende Netzwerke aufzubauen.

Nachwuchsforschung

Im Rahmen der Nachwuchsförderung wurde im April 2009 eine Bekanntmachung zum Thema "Europa von außen gesehen" veröffentlicht.


Geisteswissenschaften im gesellschaftlichen Dialog

Das BMBF fördert seit 2006 insgesamt dreizehn geisteswissenschaftliche Verbundvorhaben zu den beiden Rahmenthemen
  • Anthropologie - Der Wandel der Menschenbilder unter dem Einfluss von Informationstechnologie und moderner Naturwissenschaft,
  • Europa - Kulturelle und soziale Bestimmungen Europas und des Europäischen.

Diese Förderrichtlinie soll die Geisteswissenschaften dabei unterstützen, Antworten auf Zukunftsfragen unserer Gesellschaft zu finden. Die Forschungsverbünde tragen dazu bei, der oft beklagten Isolation der geisteswissenschaftlichen Fächer entgegenzuwirken und dem transdisziplinären Gespräch Raum zu geben. Diese Arbeitszusammenhänge sollen zur Profilbildung der Universitäten beitragen und als Impuls für die Entstehung exzellenter Forschungszentren und Netzwerke wirken.

Geisteswissenschaft im Dialog

Forschungsergebnisse werden öffentlichkeitswirksam im Rahmen von Podiumsdiskussionen in der Reihe "Geisteswissenschaft im Dialog" erörtert.

Kartierung Kleiner Fächer

Um die Debatte über Kleine Fächer auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, ist zunächst eine Bestandsaufnahme erforderlich. Aus diesem Grund fördert das BMBF eine Kartierung Kleiner Fächer, die die HRK in Zusammenarbeit mit der Universität Potsdam durchführt. Erste Ergebnisse wurden Ende 2007 veröffentlicht.

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(URL: http://www.bmbf.de/en/10567.php)

Publikationen

  • Un espace libre pour les sciences humaines

    Titelbild der Publikation

    2007, 48 Seiten
    Bestell-Nr.: 30347

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 2,64 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/freiraum_fuer_die_geisteswissenschaften_frz.pdf)

  • Freedom for Research in the Humanities

    Titelbild der Publikation

    2007, 48 Seiten

    Download [PDF - 2,21 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/freedom_for_research_in_the_humanities.pdf)

  • Freiraum für die Geisteswissenschaften

    Titelbild der Publikation

    2007, 48 Seiten
    Bestell-Nr.: 30329

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 1,67 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/freiraum_fuer_die_geisteswissenschaften.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

Ansprechpartner

  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

    • - PT Umwelt, Kultur, Nachhaltigkeit -
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: 0228/3821-580
    • Faxnummer: 0228/3821-500
    • E-Mail-Adresse: pt-ukn@dlr.de
    • Homepage: http://pt-uf.pt-dlr.de/
    • Laufende Vorhaben: http://foerderportal.bund.de/foekat/foekat/foekatliste$v_foekat_webliste.actionquery?P_APC_LFDVOR=J&P_APC_RESSORT=BMBF&P_APC_PT=PT-DLR&P_APC_REF=722&Z_CHK=0