Die bilaterale Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technologie basiert auf dem Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Ungarn über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit vom 7.10.1987 (in Kraft seit: 7.10.1987). Darüber hinaus existiert ein bilaterales Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit mit Ungarn vom 1.03.1994.
Für den Bereich Forschung zuständig ist das zum Jahresbeginn 2004 eingerichtete Nationale Amt für Forschung und Technologie (Nemzeti Kutatási és Technológiai Hivatal, NKTH). Seit August 2007 wird das Amt von dem Präsidenten Dr. Ferenc Pártos geleitet. Das Amt koordiniert im Rahmen des nationalen Entwicklungsplans alle mit FuE und Innovation zusammenhängenden Aufgaben. Die Aufsicht übt im Auftrag der Regierung der Wirtschaftsminister aus. Zuständig für den Bereich Bildung ist das Bildungsministerium.
Mit dem Fonds für Forschung und technologische Innovation (Innovationsfonds) wurde 2004 eine verlässliche zentrale Finanzierungsquelle für FuE unter Einbeziehung der ungarischen Privatwirtschaft geschaffen.
Die Mittel werden im Wettbewerbsverfahren über öffentliche Ausschreibungen zu folgenden Themenbereichen vergeben:
Mit FuE-Ausgaben in Höhe von 0,94 Prozent des BIP nahm Ungarn 2005 die vierte Position unter den neuen EU-Mitgliedsländern aus Mittelosteuropa ein.
Insgesamt gibt es 30 staatliche und 9 private Hochschulen sowie 26 kirchliche Hochschulen. FuE-Aktivitäten spielen an den Universitäten und Hochschulen, bei denen sich zwei Drittel der insgesamt 2426 Forschungsstätten befinden, eine immer wichtigere Rolle. Die ungarische Akademie der Wissenschaften (MTA) betreibt 38 Forschungsinstitute sowie 165 Forschungsgruppen an Universitäten und 6 Forschungsgruppen an außeruniversitären Einrichtungen. Der Anteil der Forschungskapazitäten der MTA an denen der gesamten ungarischen FuE Organisationen beträgt 10%. Mehrere Fachministerien verfügen über eigene Forschungsinstitute, die größte Anzahl hierbei (25) gehört zum Ministerium für Landwirtschaft. Die Bay-Zoltán-Stiftung für angewandte Forschung und Entwicklung betreibt drei Forschungsinstitute nach dem Beispiel der deutschen Fraunhofer-Gesellschaft. Internationale Institutionen der Forschung und der Lehre sind die deutschsprachige Andrássy-Universität, ein Gemeinschaftsprojekt von Ungarn, Österreich, Bayern und Baden-Württemberg, das Collegium Budapest nach dem Vorbild anderer Institutes for Advanced Studies und die Central European University.
Stimuliert und unterstützt durch staatliche Programme und Initiativen sind in den letzten Jahren zahlreiche kooperative Forschungszentren rund um die Universitäten und andere Forschungsstätten sowie regionale Wissenszentren mit Beteiligung von in- und ausländischen Unternehmen entstanden.
Initiative "Deutsch-ungarische Forschungsbasis"
Als Reaktion auf die Herausforderung durch die europäische Lissabon-Strategie vereinbarten der deutsche Bundeskanzler und der ungarische Ministerpräsident Ende 2003, durch die Verflechtung von deutschen und ungarischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen an ungarischen Wissenszentren die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit zu intensivieren und dadurch einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit beider Länder und Europas insgesamt zu leisten.
Am 15. September 2004 wurde in einer Gemeinsamen Erklärung der Bildungsminister vereinbart, gemeinsame Forschungsbasen als neues Kooperationsinstrument zu installieren.
Noch im Herbst 2004 begann der Aufbau der ersten deutsch-ungarischen Forschungsbasis "Ambient Intelligence" mit einer Verteilten Projektgruppe in Budapest als Pilotprojekt und Nukleus eines späteren Fraunhofer Instituts. Bei zwei weiteren, gleichermaßen in der Gemeinsamen Erklärung erwähnten gemeinsamen Forschungsbasen, "PlantResource" (in Szeged und Martonvásár in Kooperation mit dem WGL-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben) sowie "Mechatronics" (in Miskolc in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen) wurde Ende 2004 bzw. 2005 die erste strukturbildende Phase begonnen. Die Weiterentwicklung der Forschungsbasis "PlantResource" wird seit Anfang 2006 mit Landesmitteln unterstützt.
Derzeit erhält ein Projekt der ersten deutsch-ungarischen Forschungsbasis "Ambient Intelligence" BMBF-Fachtitelförderung: Amal - Architekturen & Methoden für die Entwicklung von Assisted-Living Applikationen. (Fraunhofer Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE). Der ungarische Projektpartner erhält vom Nationalen Amt für Forschung und Technologie (NKTH) ebenfalls eine Förderung.
Seit 2004 läuft das EU-Projekt Southeast-European-ERA.NET (SEE-ERA.NET) zur Integration der Staaten des westlichen Balkans in den Europäischen Forschungsraum (ERA). Derzeit sind 17 Partner (Ministerien und Agenturen) aus 14 Ländern an dem auf fünf Jahre ausgelegten Projekt beteiligt; darunter Deutschland (BMBF und IB/DLR) und Ungarn (weitere Partner: Frankreich, Österreich, Griechenland, Bulgarien, Rumänien , FYROM, Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro und Albanien). Ungarn hatte die Federführung für das (1.) Arbeitspaket zum systematischen Informationsaustausch über bilaterale FuE-Programme mit den Staaten des westlichen Balkans.
Im Rahmen des Förderprogramms "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa" unterstützt das BMBF die Vorbereitung gemeinsamer Projektanträge, die über nationale Fachprogramme oder über Förderprogrammen der EU finanziert werden sollen.
Im Rahmen der Regionalausschreibung Mittel-, Ost- und Südosteuropa wurden seit dem Jahr 2004 drei Projekte mit ungarischer Beteiligung ausgeführt und abgeschlossen.
Darüber hinaus kann im Rahmen dieses Programms auch der Aufbau "Gemeinsamer Forschungsbasen" unterstützt werden, die zu eng verknüpften Strukturen deutscher und mittel- und osteuro¬päischer Institute und damit zu einer stärkeren Vernetzung der Forschungsaktivitäten führen sollen.
Im Rahmen der BMBF-Initiative für den Forschungsstandort Deutschland werden Initiativen unterstützt, die in wichtigen Zielländern wie Ungarn die Attraktivität Deutschland und seiner Forschungslandschaft vorstellen.
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Mitte September 2004 wurde zwischen Ungarn und Deutschland in einer Gemeinsamen Erklärung die Errichtung gemeinsamer Forschungsbasen vereinbart. Schon Ende 2004 wurde daraufhin die erste Forschungsbasis "Ambient Intelligence" eingerichtet. (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/dt-ungarische_forschungsbasen.pdf)
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Entwurf der "Gemeinsame Erklärung zur Weiterentwicklung und Intensivierung ihrer Zusammenarbeit in der wissenschaftlichen Forschung und der technologischen Entwicklung" (URL: http://www.bmbf.de/pubRD/gemeinsame_erklaerung_06_09_04.pdf)
(URL: http://www.bmbf.de/press/1254.php)