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Polen

Die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung zwischen Deutschland und Polen ist in vielen Bereichen bereits seit langem etabliert und bietet eine hervorragende Ausgangslage für die Kooperation im europäischen Rahmen. Mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union haben die Beziehungen zu Polen im Bereich Bildung und Forschung eine neue Qualität erreicht.

Politischer Rahmen der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit

Die deutsch-polnische Forschungszusammenarbeit basiert auf dem Abkommen für die Wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) vom 10. November 1989. Aktueller Kooperationspartner auf Regierungsebene ist das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW).

Die deutsch-polnische Gemischte Kommission für wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit trifft sich in der Regel im Abstand von zwei Jahren abwechselnd in Polen oder in Deutschland und entscheidet über die Inhalte und Schwerpunkte der Zusammenarbeit sowie die gemeinsamen Aktivitäten. Die letzte Sitzung fand im Juli 2012 in Berlin statt.

Im November 2012 fanden die Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen in Berlin statt. Im Mittelpunkt standen Themen der europäischen Forschungspolitik, das zweite Deutsch-Polnische Forschungsforum sowie die Zusammenarbeit im Rahmen der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung. Die Ministerinnen unterzeichneten ein Änderungsabkommen zum Regierungsabkommen vom 2. Juni 2008, in dem  die Verdoppelung der bisherigen Zustiftung der polnischen Regierung an die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung von 5 auf 10 Millionen Euro vereinbart wird.

Schwerpunkte der deutsch-polnischen Kooperation

Zusammenarbeit in der Forschung für die Nachhaltigkeit

Im Bereich der Forschung für die Nachhaltigkeit besteht auf wissenschaftlicher Ebene zwischen Deutschland und Polen seit Jahren eine vielfältige Zusammenarbeit von Hochschulen und Forschungseinrichtungen, etwa im Rahmen von Projekten in BMBF-Fachprogrammen oder in EU-Forschungsrahmenprogrammen. Hinzu kommen gemeinsame wissenschaftliche Konferenzen und Workshops sowie Impulse aus der Teilnahme von BMBF und Forschungsteams an der internationalen Umweltmesse in Posen (POLEKO).2011 wurde erstmalig eine gemeinsame bilaterale Bekanntmachung von BMBF und polnischem Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit veröffentlicht. Themen dieser Bekanntmachung sind "Klima und Energie", "Nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcen" sowie "Nachhaltiges Landmanagement".

Im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft fand im Mai 2007 in Leipzig die Konferenz "Forschung für eine nachhaltige Nachbarschaft - von Lissabon nach Leipzig (L2L)" statt. Ausgehend von dieser Veranstaltung und dem Deutsch-Polnischen Forschungsforum in Leipzig in 2008 fand im Mai desselben Jahres in Warschau die "Erste Deutsch-Polnische Konferenz zur Forschung für die Nachhaltigkeit" mit Schwerpunkten im Bereich Forschungspolitik, Umwelt- und Wassertechnologien sowie Forschung für Ressourceneffizienz.

Fraunhofer Project Center

Am 24. September 2008 eröffneten das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden und die TU Breslau in Breslau das "Fraunhofer Project Center for Laser Integrated Manufacturing". Das Zentrum ist die erste Kooperation der Fraunhofer-Gesellschaft in Polen und soll neue Verfahrenstechniken zum Beispiel für Autozulieferer und Hersteller von Haushalts- und Elektrogeräten in Ost und West entwickeln.

XFEL und FAIR

Zwölf europäische Länder beteiligen sich neben Deutschland an dem europäischen Projekt Röntgenlaser XFEL. Ebenso viele europäische Partner sind an dem internationalen Forschungszentrum Facility for Antiproton and Ion Research (FAIR) engagiert, das bis 2015 bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt entstehen soll. Polen ist sowohl für XFEL wie auch für FAIR ein wichtiger Partner. Das Interesse der polnischen Wissenschaftler an beiden Anlagen ist groß. Beträchtlich ist der Anteil polnischer Wissenschaftler bzw. Studenten und Doktoranden bei DESY.

Gemeinsame Projekte in den Klinischen Neurowissenschaften

Im Rahmen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit fanden 2002 und 2006 gemeinsame Ausschreibungen des BMBF und des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) in den klinischen Neurowissenschaften statt, aus der 13 (2002) bzw. 10 (2006) deutsch-polnische Projekte hervorgingen. Die Begutachtung der Projektanträge erfolgte gemeinsam, die Finanzierung der beteiligten Wissenschaftler durch das jeweilige Ministerium. Derzeit erfolgt die Zusammenarbeit beider Ministerien im Rahmen des ERA-Net NEURON, dessen Ziel es ist, die Ergebnisse des Pilot-Projekts Specific Support Action (SSA) NEURON in ein gesamtes ERA Netz zu erweitern. Seit Januar 2012 läuft das ERA-NET NEURON II.

Höhepunkte der bilateralen Kooperation

Die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung (DPWS), die von Bund und dem Land Brandenburg errichtet wurde und für die der Bund ein Stiftungskapital in Höhe von 50 Millionen Euro bereitgestellt hat, nahm ihre Förderung am 19. November 2008 auf. Sie unterstützt Vorhaben im Bereich der Geistes-, Kultur- sowie der Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Projekte sollen in deutsch-polnischer Zusammenarbeit von Studierenden und Wissenschaftlern beider Länder beantragt und umgesetzt werden. Empfänger der Förderung sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und sonstige wissenschaftliche Einrichtungen in ganz Deutschland und in ganz Polen. Für die Mittelvergabe sind Exzellenzkriterien entscheidend sowie die Bedeutung der Projekte für die Verständigung zwischen Deutschen und Polen.

Die Zusammenarbeit Deutschlands und Polens in der Wissenschaftsstiftung und die Bereitstellung der von Polen zugesagten Mittel werden durch das Deutsch-Polnische Regierungsabkommen vom 2. Juni 2008 geregelt. Anlässlich der deutsch-polnischen Regierungskonsultationen im Jahr 2012 unterzeichneten beide Regierungen ein Änderungsabkommen, in dem eine Verdoppelung der bisherigen Zustiftung der polnischen Regierung an die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung von 5 auf 10 Millionen Euro vereinbart wurde.

Der Stiftung kommt eine Schlüsselrolle bei der Vertiefung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit zu. Sie fördert den Dialog und die Verständigung zwischen unseren Ländern. Hiervon profitieren die Menschen in beiden Ländern und in ganz Europa.

Förderung der Zusammenarbeit mit Polen

Das BMBF hat seit 2004 das Förderprogramm "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa ("Regionalausschreibung") aufgelegt, mit dem Forschungsprojekte deutscher Wissenschaftler mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa gefördert werden. Ziel dieser Projekte ist eine gemeinsame Projektantragstellung in den Förderprogrammen des BMBF oder des Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union (derzeit 7. RP). Bislang wurden im Rahmen der Regionalausschreibung 443 deutsch-polnische Projekte gefördert. 2006 wurde erstmalig ein Förderprogramm zum Forschungsmarketing aufgelegt. Mit bisher fünf Bekanntmachungen mit dem Titel "Umsetzung von Marketingmaßnahmen in der Zielregion Mittel-, Ost- und Südosteuropa" für FuE-Netze und Forschungscluster im Rahmen der Initiative "Werbung für den Innovationsstandort Deutschland" hat das BMBF Projekte gefördert, in deren Rahmen deutsche FuE-Netze ihre Forschung bzw. den Forschungsstandort Deutschland präsentieren, um Partnerschaften aufzubauen und die Zusammenarbeit zu vertiefen. Insgesamt 36 Projekte  wurden seit 2006 gefördert.

Im Zusammenhang mit der BMBF-Initiative zum Forschungsmarketing werden gezielt Kontakte zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen beider Länder auf internationalen Fachmessen in Polen initiiert. So stellten sich bei der Internationalen Technologiemesse ITM im Juni 2005 in Posen, der größten Technologiemesse Osteuropas, ausgewählte deutsche Forschungseinrichtungen auf einem BMBF-Messestand vor. Weitere Messebeteiligungen des BMBF folgten bei der größten internationalen Umweltmesse in Osteuropa, der POLEKO in Posen, die unter der Schirmherrschaft des polnischen Umweltministers steht. Auf Grund der Messebeteiligung konnten zahlreiche neue Kontakte zwischen deutschen und polnischen Akteuren angebahnt werden, die zu erfolgreichen gemeinsamen Projekten im nationalen und internationalen Rahmen führten und führen. Auch 2013 präsentiert das BMBF wieder 25 ausgewählte deutsche FuE-Projekte auf dieser wichtigsten Umweltmesse in Osteuropa.

2010 wurde erstmalig die Förderung eines Ideenwettbewerbs zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten vom BMBF ausgeschrieben. Ziel ist der Aufbau interdisziplinärer, innovativer FuE-Netzwerke zur Stärkung der Ostseeregion. Durch die internationale Zusammenarbeit sollen Innovationspotenziale erschlossen werden. Nach nunmehr zwei Bekanntmachungen wurden 24 multilaterale Netzwerkprojekte mit polnischen Partnern gefördert, zur Zeit werden weitere Projekte der dritten Bekanntmachung von 2013 vorbereitet.

Besondere Aktivitäten der Wissenschafts- und Mittlerorganisationen

Für die deutschen Wissenschafts-, Forschungs- und Mittlerorganisationen ist Polen traditionell ein wichtiges Partnerland und die bilaterale Kooperation wurde in den letzten Jahren weiter ausgebaut. Zusammenfassende Informationen hierzu sind auf der vom BMBF geförderten Informationsplattform www.kooperation-international.de zu finden. Die Intensivierung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit auf wissenschaftlicher wie auch institutioneller Ebene ist eine Priorität der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Im Dezember 2005 haben DFG und das polnische Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) ein Abkommen zur gemeinsamen Projektförderung abgeschlossen. Mit dem MNiSW veröffentlichte die DFG im Frühjahr 2006 eine gemeinsame Ausschreibung zur Förderung der bilateralen Forschungskooperation. Bei seinem Antrittsbesuch im Februar.2014 führte Prof. Strohschneider in Warschau und Krakau Gespräche mit hochrangigen Vertretern der polnischen Wissenschafts- und Forschungsförderinstitutionen. Er traf u. a. mit der Leitung der Polnischen Wissenschaftsstiftung (FNP), des Deutschen Historischen Instituts (DHI) und des nationalen Wissenschaftszentrums (NCN) in Krakau zusammen. Den Abschluss des Besuchs bildete die Unterzeichnung einer Vereinbarung zur gemeinsamen Förderung von Projekten in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit dem Nationalen Wissenschaftszentrum (NCN) in Krakau, bei dem die polnische Ministerin für Wissenschaft und Hochschulwesen zugegen war.

Der Antrittsbesuch von Prof. Strohschneider war der erste offizielle Auftritt des Präsidenten einer bedeutenden deutschen Forschungsorganisation nach dem Regierungswechsel in Deutschland und der Regierungsumbildung in Polen im Dezember 2013. Ein weiterer wichtiger Kooperationspartner der DFG ist die Stiftung für die Polnische Wissenschaft (FNP), mit der die DFG in 2005 ebenfalls ein Kooperationsabkommen abgeschlossen hat und vor allem in Bezug auf die gemeinsame Nachwuchsförderung eng zusammenarbeitet (Kopernikus-Preis 2006, 2008, 2010 und 2012; gemeinsame Maßnahmen zur Förderung der Kooperationsanbahnung). Am 20. November 2006 eröffnete die DFG in Warschau das erste "Liaison Scientists"-Netzwerk. Die DFG unterhält ebenfalls seit vielen Jahren hervorragende Beziehungen zu der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN). Polen gehört zu den wichtigsten Partnerländern des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). 2012 wurden insgesamt 2.456 Studierende und Wissenschaftler im deutsch-polnischen Austausch innerhalb der Programme des DAAD gefördert.

Im Rahmen von ERASMUS u. LEONARDO wurden für den Zeitraum 2010/2011 insgesamt 2.775 Mobilitätsmaßnahmen unterstützt). Die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) hat in ihrer Zusammenarbeit mit Polen 2012 29 Humboldt-Forschungspreisträger sowie 999 Forschungsstipendiaten gefördert. Die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hat gemäß einer Vereinbarung mit der Polnischen Akademie der Wissenschaften (PAN) in Warschau eine selbständige Nachwuchsgruppe in der molekularen Zellbiologie eingerichtet. Eine durch Polen finanzierte Gruppe hat Anfang 2006 am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden ihre Arbeit aufgenommen. Neue fachliche Schwerpunkte der Zusammenarbeit liegen in der ökologischen sowie der Biodiversitätsforschung.  Sommerschulen und Workshops sowie neue Partnergruppen sind geplant . Bestehende Forschungsbeziehungen in den Sozial- und Kulturwissenschaften, in der Ethnologie und Soziologie, in der Geschichtsforschung sowie in Chemie und Physik werden ausgebaut, mit dem Ziel der Vernetzung, der Nachwuchsfortbildung und der Interdisziplinarität.Im Jahr 2012 waren 227 Gäste aus Polen an den Max-Planck-Instituten tätig, die insgesamt 104 Kooperationsprojekte mit Polen meldeten. Die besondere Rolle Polens als unmittelbarer Nachbar und größter neuer EU-Mitgliedstaat kommt z.B. in der Helmholtz-Gastwissenschaftler-Statistik zum Ausdruck: Mit 260 Forschenden stellt dieses Land mit Abstand die größte europäische nationale Gruppierung. Im Forschungsbereich "Struktur der Materie" kommen sogar mehr als zwei Drittel aller Gastwissenschaftler aus Polen. Insbesondere im Rahmen von EU-Projekten sind polnische Wissenschaftler an Forschungsaktivitäten u.a. folgender HGF-Zentren beteiligt: DESY, DLR, GKSS, GSF, GSI und MDC. Hervorzuheben ist die Kooperation des Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) Greifswald mit Einrichtungen in Polen.  Die Bedeutung und Vielfältigkeit der Kooperation zwischen deutschen und polnischen Hochschulen zeigt die Statistik der Hochschulrektorenkonferenz. Derzeit gibt es ca. 1.300 registrierte Hochschulkooperationen zwischen den Hochschulen der beiden Länder (Stand 02/2014).

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    • Dr. Michael Lange
    • Königswinterer Str. 522 - 524
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: 0228/ 3821-1485
    • Faxnummer: 0228/ 3821-1400
    • E-Mail-Adresse: Michael.Lange@dlr.de
    • Homepage: http://www.internationales-buero.de
 

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