
Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Gespräch mit der polnischen Ministerin für Wissenschaft und Hochschulwesen Barbara Kudrycka am 18. Mai 2011 in Warschau
Die deutsch-polnische Forschungszusammenarbeit basiert auf dem Abkommen für die Wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit (WTZ) vom 10. November 1989. Aktueller Kooperationspartner auf Regierungsebene ist das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW).
Die deutsch-polnische Gemischte WTZ-Kommission trifft sich in der Regel im Abstand von zwei Jahren abwechselnd in Polen oder in Deutschland und entscheidet über die Inhalte und Schwerpunkte der Zusammenarbeit sowie die gemeinsamen Aktivitäten. Die letzte Sitzung fand im Juli 2012 in Berlin statt.
Im November 2012 fanden die Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen in Berlin statt. Im Mittelpunkt standen Themen der europäischen Forschungspolitik, das Zweite Deutsch-Polnische Forschungsforum 2013, sowie die Zusammenarbeit im Rahmen der Deutsch-Polnischen Wissenschaftsstiftung. Die Ministerinnen unterzeichneten ein Änderungsabkommen zum Regierungsabkommen vom 2. Juni 2008, das die Verdoppelung der bisherigen Zustiftung der polnischen Regierung an die Deutsch-Polnische Wissenschaftsstiftung von 5 auf 10 Millionen Euro vereinbart.
Zusammenarbeit in der Forschung für die Nachhaltigkeit
Im Bereich der Forschung für die Nachhaltigkeit besteht auf wissenschaftlicher Ebene zwischen Deutschland und Polen seit Jahren eine vielfältige Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, etwa im Rahmen von Projekten in BMBF-Fachprogrammen oder in EU-Forschungsrahmenprogrammen. Hinzu kommen gemeinsame wissenschaftliche Konferenzen und Workshops, Impulse aus der Teilnahme von BMBF und Forschungsteams an der internationalen Umweltmesse in Posen (POLEKO) sowie aus BMBF-geförderten FuE-Projekten. 2011 wurde erstmalig eine gemeinsame bilaterale Bekanntmachung von BMBF und polnischem Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit veröffentlicht. Themen dieser Bekanntmachung sind FuE-Projekte in den Bereichen Themen "Klima und Energie", "Nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcen" sowie "Nachhaltiges Landmanagement".
Im Rahmen der deutschen Ratspräsidentschaft fand im Mai 2007 in Leipzig die Konferenz "Forschung für eine nachhaltige Nachbarschaft - von Lissabon nach Leipzig (L2L)" statt. Ausgehend von dieser Veranstaltung und dem Deutsch-Polnischen Forschungsforum in Leipzig fand im Mai 2008 in Warschau die "Erste Deutsch-Polnische Konferenz zur Forschung für die Nachhaltigkeit" mit Schwerpunkten im Bereich forschungspolitischer Themen, Umwelt- und Wassertechnologien sowie Forschung für Ressourceneffizienz.
Am 24. September 2008 eröffneten das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden und die TU Breslau in Breslau das "Fraunhofer Project Center for Laser Integrated Manufacturing". Das Zentrum ist die erste Kooperation der Fraunhofer-Gesellschaft in Polen und soll neue Verfahrenstechniken zum Beispiel für Autozulieferer und Hersteller von Haushalts- und Elektrogeräten in Ost und West entwickeln.
Zwölf europäische Länder beteiligen sich neben Deutschland an dem europäischen Projekt Röntgenlaser XFEL, das bis 2013 am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg realisiert werden soll. Ebenso viele europäische Partner sind an dem internationalen Forschungszentrum Facility for Antiproton and Ion Research (FAIR) engagiert, das bis 2015 bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt entstehen soll. Polen ist sowohl für XFEL wie auch für FAIR ein wichtiger Partner. Das Interesse der polnischen Wissenschaftler an beiden Anlagen ist groß. Beträchtlich ist der Anteil polnischer Wissenschaftler bzw. Diplomanden und Doktoranden bei DESY.
Im Rahmen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit fanden 2002 und 2006 gemeinsame Ausschreibungen des BMBF und des Ministeriums für Wissenschaft und Hochschulwesen (MNiSW) in den klinischen Neurowissenschaften statt, aus der 13 bzw. 10 deutsch-polnische Projekte hervorgingen. Die Begutachtung der Projektanträge erfolgte gemeinsam, die Finanzierung der beteiligten Wissenschaftler durch das jeweilige Ministerium. Derzeit erfolgt die Zusammenarbeit beider Ministerien im Rahmen des ERA-Net NEURON, dessen Ziel es ist, die Ergebnisse des Pilot-Projekts Specific Support Action (SSA) NEURON in ein gesamtes ERA Netz zu erweitern. Seit Januar 2012 läuft das ERA-NET NEURON II.
Das BMBF hat seit 2004 das Förderprogramm "Internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung, Region Mittel-, Ost- und Südosteuropa ("Regionalausschreibung")aufgelegt, mit dem Forschungsprojekte deutscher Wissenschaftler mit Partnern aus Mittel- und Osteuropa gefördert werden. Ziel dieser Projekte ist eine gemeinsame Projektantragstellung in den Förderprogrammen des BMBF oder des Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Union (derzeit 7. RP). Bislang wurden im Rahmen der Regionalausschreibung 443 deutsch-polnische Projekte gefördert. 2006 wurde erstmalig ein Förderprogramm zum Forschungsmarketing aufgelegt. Mit bisher fünf Bekanntmachungen mit dem Titel "Umsetzung von Marketingmaßnahmen in der Zielregion Mittel-, Ost- und Südosteuropa" für FuE-Netze und Forschungscluster im Rahmen der Initiative "Werbung für den Innovationsstandort Deutschland" hat das BMBF Projekte gefördert, in deren Rahmen deutsche FuE-Netze ihre Forschung bzw. den Forschungsstandort Deutschland präsentieren, um Partnerschaften aufzubauen und die Zusammenarbeit zu vertiefen. Insgesamt 36 Projekte mit dem Zielland Polen wurden seit 2006 gefördert.
Im Zusammenhang mit der BMBF-Initiative zum Forschungsmarketing werden gezielt Kontakte zwischen Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Unternehmen beider Länder auf internationalen Fachmessen in Polen initiiert. So stellten sich bei der Internationalen Technologiemesse ITM im Juni 2005 in Posen, der größten Technologiemesse Osteuropas, ausgewählte deutsche Forschungseinrichtungen auf einem BMBF-Messestand vor. Weitere Messebeteiligungen des BMBF folgten bei der größten internationalen Umweltmesse in Osteuropa, der POLEKO in Posen, die unter der Schirmherrschaft des polnischen Umweltministers steht. Auf Grund der Messebeteiligung konnten zahlreiche neue Kontakte zwischen deutschen und polnischen Akteuren angebahnt werden, die zu erfolgreichen gemeinsamen Projekten im nationalen und internationalen Rahmen führten und führen. Auch 2012 präsentiert das BMBF wieder 20 ausgewählte deutsche FuE-Projekte auf dieser wichtigsten Umweltmesse in Osteuropa.
2010 wurde erstmalig die Förderung eines Ideenwettbewerbs zum Auf- und Ausbau innovativer FuE-Netzwerke mit Partnern in Ostseeanrainerstaaten vom BMBF ausgeschrieben. Ziel ist der Aufbau interdisziplinärer, innovativer FuE-Netzwerke zur Stärkung der Ostseeregion. Durch die internationale Zusammenarbeit sollen Innovationspotenziale erschlossen werden. Nach nunmehr zwei Bekanntmachungen wurden 24 multilaterale Netzwerkprojekte mit polnischen Partnern gefördert.
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