Hightech-Strategie

Von der Forschung in die Praxis - Infektionen und Entzündungen wirksam bekämpfen

Die Influenza ist nicht die einzige Infektionskrankheit, die in Deutschland verbreitet ist. So erkranken hierzulande jedes Jahr 400.000 bis 600.000 Patientinnen und Patienten an Infektionen, die sie im Krankenhaus erworben haben. Besonders gefährlich sind die sogenannten multiresistenten Keime, gegen die Antibiotika kaum noch helfen. Sie entwickeln sich insbesondere in Krankenhäusern, weil hier von außen ständig neue Erreger eingeschleppt werden. "Unser Ziel muss es sein, Infektionen mit solchen Erregern nach Möglichkeit zu vermeiden und sie im Falle ihres Auftretens gezielt bekämpfen zu können", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Deshalb fördert das BMBF unter anderem den Aufbau einer klinisch-infektiologischen Forschergruppe am Universitätsklinikum Jena.

Weltweit stellen Infektionskrankheiten zusammen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache dar. Auch für die westlichen Industrieländer sind Krankheiten wie Hepatitis, Tuberkulose und AIDS sowie neu auftretende Erreger und Erregerformen eine Bedrohung: Bakterien werden resistent gegen Antibiotika, die Impfmüdigkeit nimmt zu und Fernreisen fördern die Ausbreitung von Infektionskrankheiten rund um den Globus. In jüngster Zeit hat die Forschung außerdem erkannt, dass ursächliche Zusammenhänge zwischen Infektionen und bestimmten Krebsarten, dem Magengeschwür und entzündlichen Gelenkerkrankungen bestehen.

Infektionen spielen bei mehr Krankheiten als bisher angenommen eine wichtige Rolle. Deshalb hat das Bundesmininsterium für Bildung und Forschung (BMBF) auch das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Jena ins Leben gerufen, das sich mit Sepsis und Sepsisfolgen beschäftigt.

CSCC: Im Kampf gegen die Sepsis

Im Kampf gegen die Sepsis: Forscherin bei der Untersuchung von Blutproben im Labor; Copyright DLRDie Sepsis, umgangssprachlich oft als Blutvergiftung bezeichnet, geht immer von einer lokalen Infektion aus. Wenn es dem Körper nicht gelingt, diese Infektion auf den Ursprungsort zu begrenzen, lösen die Gifte der Krankheitserreger eine Entzündung in allen Organen des Körpers aus. Innerhalb weniger Stunden weisen dann alle lebenswichtigen Organe Entzündungszeichen auf und drohen zu versagen.

Mit 220 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr in Deutschland ist die Sepsis vergleichbar häufig wie der Herzinfarkt. Über ein Drittel der Betroffenen stirbt an ihren Folgen. Die meisten Patienten, die überleben, leiden ein Leben lang unter den Langzeitfolgen einer Sepsis.

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum für Sepsis und Sepsisfolgen (Center for Sepsis Control and Care, kurz CSCC) am Universitätsklinikum Jena schafft neue Strukturen und Karriereperspektiven in der Hochschulmedizin und eröffnet dabei neue Ansätze im gesamten Behandlungspfad von Sepsispatienten: von der Risikoabschätzung, über die korrekte Diagnose des Erregers, bis hin zu rehabilitativen Maßnahmen, um die Langzeitfolgen einer Sepsis erträglich zu machen.

Seit dem Jahr 2008 fördert das BMBF insgesamt acht Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren (IFB) in Deutschland mit jeweils maximal fünf Millionen Euro pro Jahr. Jedes der für fünf Jahre geförderten Zentren hat dabei einen anderen thematischen Schwerpunkt.

Klinisch-infektiologische Forschung

In den kommenden drei Jahren stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) dem Universitätsklinikum Jena  2,3 Millionen Euro für den Aufbau einer klinisch-infektiologischen Forschergruppe zur Verfügung. Diese Forschergruppe wird zum einen eine Ambulanz und einen klinikweiten Beratungsdienst zum Thema Infektionen für das ärztliche Personal aufbauen und betreuen. Damit wird sie dazu beitragen, Mängel in Abläufen und baulicher Art zu erkennen und zu beseitigen, die die Verbreitung von Infektionen fördern. Außerdem werden am Universitätsklinikum Jena zehn Betten für Patientinnen und Patienten eingerichtet, die mit multiresistenten Erregern infiziert sind.

Diese strukturellen Maßnahmen werden aber auch genutzt, um konkrete Forschungsfragen zu bearbeiten. So werden von der Jenaer Forschergruppe vier Projekte durchgeführt, die Infektionen durch Antibiotika-resistente Bakterien erforschen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen die Mechanismen ergründen, die Bakterien resistent werden lassen. Nur wenn diese Vorgänge verstanden sind, können neue Wirkstoffe gefunden beziehungsweise bewährte Substanzen entsprechend modifiziert werden - damit diese gefährlichen Infektionen behandelbar werden. 

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EHEC im Fokus der Gesundheitsforschung

Forscher im Labor, der mit einer Pipette eine Probe aus einer Petrischale entnimmtEnterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) kommen natürlicherweise im Darm von Wiederkäuern vor. Sie können direkt oder indirekt vom Tier auf den Menschen übertragen werden und Krankheiten auslösen. Somit gehören sie zu den zoonotischen (von Tier zu Mensch) Krankheitserregern.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG), das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMELV) und das Bundesforschungsministerium (BMBF) haben aufgrund von "Vogelgrippe" und "Schweinegrippe" die Forschung zu zoonotischen Erregern ausgebaut. Sie haben auch die Forschungsplattform für Zoonosen  initiiert und in einer umfassenden Verbundförderung des BMBF die Grundlagen dafür gelegt, grundsätzlich die Übertragung von tierischen Erregern auf Menschen besser zu verstehen.

Was sind eigentlich Zoonosen?

Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Bakterien, Parasiten, Pilzen, Prionen oder Viren verursacht und wechselseitig zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. In den letzten Jahren haben mehrmals zoonotische Erreger für große öffentliche Aufregung gesorgt, insbesondere die Tierseuchen "Vogelgrippe", "Schweinegrippe" - und als aktuellstes Beispiel ECEC.

Forschungsvereinbarung Zoonosen

2007 bis 2010 hat das BMBF Forschungsverbünde zu zoonotischen Erkrankungen mit 24,6 Millionen Euro gefördert, bis 2013 werden ca. 28 Millionen Euro bereitgestellt. Darin enthalten sind ca. 4,2 Millionen. Euro für den Verbund Lebensmittelbedingte zoonotische Infektionen (FBIZoo - Food Borne Zoonotic Infections of Humans) für die kommenden drei Jahre. In diesem Forschungsverbund untersuchen Wissenschaftler die für Europa relevanten bakteriellen Zoonose-Erreger auf ihre ökologischen, epidemiologischen und infektiologischen Eigenschaften.

Weitere Informationen zum Verbundprojekt FBI-Zoo erhalten Sie hier.

Das Bundeskabinett hat am 22. März 2006 eine Forschungsvereinbarung zu Krankheiten beschlossen, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind (Zoonosen). Beteiligt sind BMBF, BMELV und BMG. Durch verbesserte Zusammenarbeit von Veterinärmedizinern und Humanmedizinern soll die Übertragung von Erregern vom Tier auf den Menschen intensiver erforscht werden.

Zur Koordination und Vernetzung der Zusammenarbeit der Forschung zu zoonotischen Infektionskrankheiten in Deutschland sowie zur Förderung der breiten horizontalen Vernetzung der Human- und Veterinärmedizin fördert das BMBF seit 2009 eine Forschungsplattform für Zoonosen. Die Geschäftsstelle ist an drei Standorten angesiedelt. TMF e.V.in Berlin, Institut für Virologie der Uni Münster und FLI auf der Insel Riems.

Nachwuchsförderung im Bereich der vernachlässigten Erkrankungen

In den von Armut geprägten Regionen haben übertragbare Erkrankungen oft besonders schwerwiegende Folgen und stellen eine der häufigsten Todesursachen dar. Viele dieser Erkrankungen sind unzureichend erforscht, weil sie für die hochentwickelten Länder wenig Relevanz haben. Diese Krankheiten werden daher als vernachlässigte Erkrankungen bezeichnet. Den Industrienationen kommt aber eine besondere Verantwortung zu - im Zuge ihres Einsatzes für eine Verbesserung der Gesundheit für alle Menschen - die Erforschung und Bekämpfung dieser armutsassoziierten Erkrankungen verstärkt zu unterstützen. Dies schlägt sich auch in der Formulierung der Milleniumsentwicklungsziele nieder.

Das BMBF fördert deshalb den Aufbau und Ausbau von Forschungskapazitäten zu vernachlässigten und armutsassoziierten Erkrankungen durch die Initiierung von Nachwuchsgruppen und Mobilitätsstipendien. Ziel ist es, die Forschungskapazitäten zu armutsassoziierten Infektionskrankheiten in Zusammenarbeit mit Partnern aus besonders betroffenen Ländern nachhaltig auszubauen. Die neue Fördermaßnahme ergänzt damit bereits laufende Anstrengungen, insbesondere die Förderung von klinischen Studien zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose im subsaharischen Afrika im Rahmen derEDCTP EDCTP  (European and Developing Countries Clinical Trials Partnership).

2011 hat das BMBF sein neues Förderkonzept "Vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten" vorgestellt. In diesem Förderkonzept richtet sich das BMBF strategisch neu aus und beschreibt, wie es seine Forschungsförderung für diese Krankheiten kontinuierlich ausbauen will.

Forschungsverbünde NGFN-plus: RNomics und miRNAs bei Infektionskrankheiten

In zwei Verbünden wird die Rolle von regulatorischen RNAs sowohl des Wirtes als auch der Krankheitserreger bei der Pathogenese von Infektionskrankheiten untersucht. Im Fokus stehen unter anderem Herpesviren, Bakterien und eukaryontische Parasiten. Ziel ist die Ausnutzung der Regulationsmechanismen für die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien.

Forschungsnetze zu Empfänglichkeit und Resistenz gegenüber Infektionen

Die Aufklärung der molekularen und zellulären Mechanismen der Erreger/Wirt-Interaktion ist weit fortgeschritten. Allerdings ist erst in jüngster Zeit klar geworden, welche Bedeutung die körpereigene, natürliche Resistenz gegenüber eindringenden Mikroorganismen für die Empfänglichkeit gegenüber Infektionskrankheiten und ihren Verlauf besitzt. Die natürliche Resistenz ergibt sich aus dem komplexen Zusammenwirken verschiedener Komponenten wie dem angeborenen Immunsystem- von körpereigenen, Resistenz vermittelnden Proteinen sowie der organspezifischen Zusammensetzung der bakteriellen Mikroflora. Durch die erweiterten Erkenntnisse in diesem Bereich bieten sich neue Ansatzpunkte für die krankheitsbezogene Forschung zu wichtigen Infektionskrankheiten. Zudem bietet sich die Chance, die natürliche Resistenz gegenüber Infektionskrankheiten gezielt zu beinflussen und neue Therapiestrategien unter Ausnutzung von Komponenten der natürlichen Resistenz entwickeln zu können.

Seit 2007 werden interdisziplinäre Verbünde gefördert. Das Themenspektrum umfasst Tuberkulose, Staphylococcus aureus-Infektionen der Haut, Magen-Darm-Infektionen, Hepatitis C und Sepsis

Klinische Infektiologie/Klinische Forschergruppen

Um den Aufbau der klinischen Infektiologie in Universitätskliniken zu unterstützen, fördert das BMBF bereits seit 2000 klinische Forschergruppen. An den geförderten Universitäten wurden Professuren für klinische Infektiologie besetzt, so dass hier neue und über die Projektförderung hinausreichende Kompetenzen für die klinisch-infektiologische Forschung in Deutschland entstanden sind.
Weitere Informationen finden Sie hier

  • Forschung

    Zentrum für strukturelle Systembiologie (CSSB)

    Der Bund, Hamburg und Niedersachsen haben am 07. Januar 2011 die Errichtung des Zentrums für strukturelle Systembiologie (CSSB) auf dem Campus des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) in Hamburg durch Unterzeichnung eines Bund-Länder-Abkommens vereinbart.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/15688.php)
  • Hightech-Strategie

    Bekämpfung vernachlässigter und armutsbedingter Erkrankungen

    In den von Armut geprägten Regionen der Welt erkranken viele Menschen an übertragbaren Krankheiten (sog. Infektionskrankheiten). Diese haben oft besonders schwerwiegende Folgen für die Menschen und stellen noch immer die häufigsten Todesursachen dar. Bekannteste Beispiele sind HIV/ AIDS, Malaria und Tuberkulose. Diese drei stehen oft auch im Fokus reicher Länder dieser Welt. Am 8. Dezember 2011 gab der Palamentarische Staatssekretär Braun die Förderung von drei Produktentwicklungspartnerschaften (PDPs) bekannt. Unterstützt werden ausgesuchte internationale Non-Profit-Organisationen, die in Kooperation mit Pharmafirmen und Forschungseinrichtungen Medikamente, Impfstoffe und Diagnostika zur Bekämpfung vernachlässigter Erkrankungen entwickeln.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/15337.php)
  • Forschung

    Infektionsforschung

    Weltweit stellen Infektionskrankheiten zusammen mit den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache dar. Bekannte Krankheiten neu auftretende Erreger, aber auch Antibiotikaresistenz von Bakterien, Impfmüdigkeit und Fernreisen fördern die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Infektionen spielen eine wichtige Rolle bei weit mehr Krankheiten als bisher angenommen. So haben Forscher erkannt, dass ursächliche Zusammenhänge zwischen Infektionen und bestimmten Krebsarten, dem Magengeschwür und der Arteriosklerose bestehen. Das BMBF fördert die Infektionsforschung daher schon seit 1981. Sie ist heute ein Schwerpunkt der Förderung.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/3530.php)

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(URL: http://www.bmbf.de/en/1074.php)

Antibiotika-Forschung

Antibiotika-Forschung: Probleme und Perspektiven: Die Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften und die Akademie der Wissenschaften in Hamburg haben eine Stellungnahme mit acht Empfehlungen veröffentlicht, die Wege aufzeigen, die weitere Ausbreitung von Resistenzen zu verhindern und dringend benötigte Antibiotika zu entwickeln.

Publikationen

  • Infektionsforschung ID = 1035

    Titelbild der Publikation

    Immunsystem erforschen, Erreger bekämpfen, Menschen schützen

    2009, 80 Seiten
    Bestell-Nr.: 30449

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    Download [PDF - 3,35 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/infektionsforschung.pdf)

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Ansprechpartner

  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

    • - PT Gesundheitsforschung -
    • Heinrich-Konen-Str. 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: 0228 / 38 21 1210
    • Faxnummer: 0228 /38 21 1257
    • E-Mail-Adresse: Gesundheitsforschung@dlr.de
    • Homepage: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/
    • Geförderte Vorhaben: http://foerderportal.bund.de/foekat/foekat/foekatliste$v_foekat_webliste.actionquery?P_APC_LFDVOR=J&P_APC_RESSORT=BMBF&P_APC_PT=PT-DLR&P_APC_REF=614&Z_CHK=0
  • Projektträger Jülich (PtJ)

    • Bereich BIO
    • 52425 Jülich
    • Telefonnummer: 02461 61 5543
    • Faxnummer: 02461 61 9080
    • E-Mail-Adresse: ptj-bio@fz-juelich.de
    • Homepage: http://www.ptj.de/gesundheitsforschung