Der Einsatz von adulten Stammzellen, wie er bei Erkrankungen des Blutes schon seit Jahrzehnten gängige Praxis ist, ist eine alternative Therapieoption. So ist es mittlerweile gelungen, teilungsfähige, kaum differenzierte Zellen aus verschiedensten Organen zu isolieren. Diese sind in der Lage, sich zu unterschiedlichen Zelltypen weiterzuentwickeln. Diese Vorläufer- oder Stammzellen sind im Körper für natürliche Regenerations- und Reparaturprozesse verantwortlich.
Weit größere Beachtung in der Diskussion finden die 1998 erstmals vom Menschen beschriebenen, embryonalen Stammzelllinien, weil diese im Vergleich mit adulten Stammzellen das Potenzial zur Entwicklung in alle möglichen Zelltypen haben. Allerdings lassen sich humane embryonale Stammzellen bislang nur um den Preis der Zerstörung menschlicher Embryonen gewinnen. Dies ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz nicht zulässig.
Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass es zur Erreichung wichtiger medizinischer Forschungsziele durchaus Alternativen zur Gewinnung embryonaler Stammzellen gibt.
Das BMBF hat die großen Möglichkeiten, die die Stammzellen für die Medizin bieten, früh erkannt und Ende 1999 den Förderschwerpunkt "Biologischer Ersatz von Organfunktionen" initiiert. In dieser Maßnahme wurde das Potenzial von Stammzellen zur Therapie verschiedener volkswirtschaftlich relevanter Erkrankungen, wie z. B. Parkinson, Diabetes, Osteoporose und Herzinfarkt, ausgelotet. Dafür standen den 32 Vorhaben bis zum Jahr 2005 knapp 10 Mio. € zur Verfügung.
Auf dem Weg von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung ist vielfach die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen aus dem biowissenschaftlichen, medizinischen und ingenieurwissenschaftlichen Bereich erforderlich. Deshalb erfolgte im September 2004 die Bekanntmachung des Förderschwerpunktes "Zellbasierte, regenerative Medizin". In ihm wurden in interdisziplinären Verbundvorhaben die bisherigen Erkenntnisse der Stammzellforschung angewandt und vertieft, um sie einer klinischen Anwendung näher zu bringen. Die 47 Vorhaben waren in 10 Verbünden und einem Einzelvorhaben organisiert. Die im Jahr 2005 angelaufene erste dreijährige Phase wurde mit 12,6 Mio. € gefördert. Eine Verlängerung und Ausweitung der Förderung in einer zweiten Phase, die die Forschungsarbeiten noch näher an eine klinische Anwendung bringt, ist in 2008 erfolgt. Zurzeit werden 57 in Verbünden organisierte Vorhaben mit insgesamt 19 Mio. € bis 2012 gefördert.
In einigen Vorhaben wird auch mit humanen embryonalen Stammzellen gearbeitet. Das Erfordernis embryonaler Stammzellen für diese Forschungen wurden vom Robert-Koch-Institut überprüft und die Arbeiten sind konform mit den Bestimmungen des Embryonenschutzgesetzes und des Stammzellgesetzes.
Sowohl für die Forschung als auch für eine mögliche spätere klinische Anwendung von Stammzellen ist ein möglichst hohes Entwicklungspotenzial, wie es die embryonalen Stammzellen besitzen, von hohem Interesse. Daher werden in dem Förderschwerpunkt "Gewinnung pluri- bzw. multipotenter Stammzellen" Verfahren zum Erhalt solcher Zelllinien gefördert, die das gleiche Potential wie die embryonalen Stammzellen besitzen, jedoch nicht aus Embryonen gewonnen werden. Dabei werden Ansätze zur Dedifferenzierung bzw. Reprogrammierung von adulten menschlichen Zellen bzw. Säugetierzellen, aber auch die Nutzung von beim Menschen natürlich vorkommenden multi- oder pluripotenten Zellen erforscht. Derartige Arbeiten stehen immer mit den gesetzlichen Regelungen, insbesondere dem Embryonenschutzgesetz in Einklang. Insgesamt werden gegenwärtig 51 Vorhaben in dieser Maßnahme gefördert.
Die Förderung beläuft sich bis zum Jahr 2013 auf ungefähr 15 Mio. €.
In der Fördermaßnahme "Tissue Engineering" wurden Vorhaben zur Konzeptionierung und technologischen Realisierung der Regeneration von Geweben außerhalb des Körpers gefördert. Er wurde im Jahr 2000 etabliert und hatte bis 2009 insgesamt drei. Förderphasen. Die eingesetzten Bundesmittel betrugen rund 36 Mio. Euro.
Die seit 2006 vom BMBF geförderten "Translationszentren für regenerative Medizin" befassen sich mit der Entwicklung innovativer Therapien, um erkranktes Gewebe zu heilen, wieder herzustellen oder die natürliche Regeneration von kranken und verletzten Organen zu unterstützen. Die Wissenschaftler arbeiten dazu unter anderem mit Stammzellen, neuartigen Biomaterialien und gezüchteten Geweben. In den Zentren arbeiten Unternehmen, Kliniken und Wissenschaftseinrichtungen der jeweiligen Region zusammen. Das BMBF fördert Translationszentren in Berlin und Leipzig, die für die erste vier jährige Förderperiode jeweils 15 Mio. € Bundesmittel erhalten haben. Die zweite Periode wurde 2010 mit gleichbleibendem Mittelansatz gestartet.
Auch in den Fördermaßnahmen "Entwicklung und Validierung von Methoden und Verfahren der Regenerationstechnologien für den Einsatz in der Medizin", dem "Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie (RCT)" sowie im Rahmen der "Bilateralen Bekanntmachung zur regenerativen Medizin mit den USA/CIRM" werden Vorhaben unter Verwendung von Stammzellen durchgeführt, wobei jedoch auch viele andere Zelltypen und Technologien untersucht werden.
Im Jahr 2011 belaufen sich die Fördermittel des BMBF für die "reine" Stammzellforschung auf über 15 Mio. €.
Die Regenerative Medizin ist zu einem wichtigen Teil mit der Stammzellforschung verknüpft. Auf ihr fußt die Vision, neue Gewebe und Organe individuell und für die breite Anwendung herstellen zu können. Es ist jedoch noch viel grundlegende Forschungsarbeit notwendig, um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen.
Daher sind internationale Kooperationen von weltweit führenden Experten besonders wichtig. Das BMBF hat 2009 ein bilaterales Abkommen mit dem California Institute for Regenerative Medicine (CIRM; http://www.cirm.ca.gov), einer kalifornischen Forschungsfördereinrichtung, unterzeichnet. Diese Vereinbarung ermöglicht deutschen Forschern oder Forschungseinrichtungen in Kooperation mit ihren amerikanischen Kollegen die Teilnahme an verschiedenen Ausschreibungen des CIRM. Die ersten wissenschaftlichen Kooperationen haben 2011 ihre Arbeit begonnen. Weitere wissenschaftlich ambitionierte Projekte werden folgen.
English version of this page
(URL: http://www.bmbf.de/en/10781.php)
[Presse]
(URL: http://www.bmbf.de/press/2117.php)