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Forschung zu Stammzellen für alternative Therapieoptionen

Viele Krankheiten und Unfälle haben die Zerstörung von Gewebe oder ganzer Organe zur Folge. Trotz des breiten Spektrums etablierter medizinischer Verfahren kann oft keine Heilung erreicht werden. In schweren Fällen hängt das Überleben der Patienten von einer Organtransplantation ab. Trotz aller Fortschritte in der Transplantationsmedizin schränken der Mangel an Spenderorganen und die Langzeitwirkungen der Immunsuppression die Möglichkeit für Transplantationen ein. Stammzellen bieten alternative Therapieoptionen. Das BMBF unterstützt Forschungsarbeiten zu Stammzellen, die den Rahmen der gesetzlichen Grenzen beachten.

Der Einsatz von adulten Stammzellen, wie er bei Erkrankungen des Blutes schon seit Jahrzehnten gängige Praxis ist, ist eine alternative Therapieoption. So ist es mittlerweile gelungen, teilungsfähige, kaum differenzierte Zellen aus verschiedensten Organen zu isolieren. Diese sind in der Lage, sich zu unterschiedlichen Zelltypen weiterzuentwickeln. Diese Vorläufer- oder Stammzellen sind im Körper für natürliche Regenerations- und Reparaturprozesse verantwortlich.

Weit größere Beachtung in der Diskussion finden die 1998 erstmals vom Menschen beschriebenen, embryonalen Stammzelllinien, weil diese im Vergleich mit adulten Stammzellen das Potenzial zur Entwicklung in alle möglichen Zelltypen haben. Allerdings lassen sich humane embryonale Stammzellen bislang nur um den Preis der Zerstörung menschlicher Embryonen gewinnen. Dies ist in Deutschland nach dem Embryonenschutzgesetz nicht zulässig.

Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass es zur Erreichung wichtiger medizinischer Forschungsziele durchaus Alternativen zur Gewinnung embryonaler Stammzellen gibt.

Nationale Förderung

Das BMBF hat die großen Möglichkeiten, die die Stammzellen für die Medizin bieten, früh erkannt und Ende 1999 den Förderschwerpunkt "Biologischer Ersatz von Organfunktionen" initiiert. In dieser Maßnahme wurde das Potenzial von Stammzellen zur Therapie verschiedener volkswirtschaftlich relevanter Erkrankungen, wie z. B. Parkinson, Diabetes, Osteoporose und Herzinfarkt, ausgelotet. Dafür standen den 32 Vorhaben bis zum Jahr 2005 knapp 10 Mio. € zur Verfügung.

Auf dem Weg von der Grundlagenforschung zur klinischen Anwendung ist vielfach die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen aus dem biowissenschaftlichen, medizinischen und ingenieurwissenschaftlichen Bereich erforderlich. Deshalb erfolgte im September 2004 die Bekanntmachung des Förderschwerpunktes "Zellbasierte, regenerative Medizin". In ihm wurden in interdisziplinären Verbundvorhaben die bisherigen Erkenntnisse der Stammzellforschung angewandt und vertieft, um sie einer klinischen Anwendung näher zu bringen. Die 47 Vorhaben waren in 10 Verbünden und einem Einzelvorhaben organisiert. Die im Jahr 2005 angelaufene erste dreijährige Phase wurde mit 12,6 Mio. € gefördert. Eine Verlängerung und Ausweitung der Förderung in einer zweiten Phase, die die Forschungsarbeiten noch näher an eine klinische Anwendung bringt, ist in 2008 erfolgt. Zurzeit werden 57 in Verbünden organisierte Vorhaben mit insgesamt 19 Mio. € bis 2012 gefördert.

In einigen Vorhaben wird auch mit humanen embryonalen Stammzellen gearbeitet. Das Erfordernis embryonaler Stammzellen für diese Forschungen wurden vom Robert-Koch-Institut überprüft und die Arbeiten sind konform mit den Bestimmungen des Embryonenschutzgesetzes und des Stammzellgesetzes.

Sowohl für die Forschung als auch für eine mögliche spätere klinische Anwendung von Stammzellen ist ein möglichst hohes Entwicklungspotenzial, wie es die embryonalen Stammzellen besitzen, von hohem Interesse. Daher werden in dem Förderschwerpunkt "Gewinnung pluri- bzw. multipotenter Stammzellen" Verfahren zum Erhalt solcher Zelllinien gefördert, die das gleiche Potential wie die embryonalen Stammzellen besitzen, jedoch nicht aus Embryonen gewonnen werden. Dabei werden Ansätze zur Dedifferenzierung bzw. Reprogrammierung von adulten menschlichen Zellen bzw. Säugetierzellen, aber auch die Nutzung von beim Menschen natürlich vorkommenden multi- oder pluripotenten Zellen erforscht. Derartige Arbeiten stehen immer mit den gesetzlichen Regelungen, insbesondere dem Embryonenschutzgesetz in Einklang.  Insgesamt werden gegenwärtig 51 Vorhaben in dieser Maßnahme gefördert.

Die Förderung beläuft sich bis zum Jahr 2013 auf ungefähr 15 Mio. €.

In der Fördermaßnahme "Tissue Engineering" wurden Vorhaben zur Konzeptionierung und technologischen Realisierung der Regeneration von Geweben außerhalb des Körpers gefördert. Er wurde im Jahr 2000 etabliert und hatte bis 2009 insgesamt drei. Förderphasen. Die eingesetzten Bundesmittel betrugen rund 36 Mio. Euro.

Die seit 2006 vom BMBF geförderten "Translationszentren für regenerative Medizin" befassen sich mit der Entwicklung innovativer Therapien, um erkranktes Gewebe zu heilen, wieder herzustellen oder die natürliche Regeneration von kranken und verletzten Organen zu unterstützen. Die Wissenschaftler arbeiten dazu unter anderem mit Stammzellen, neuartigen Biomaterialien und gezüchteten Geweben. In den Zentren arbeiten Unternehmen, Kliniken und Wissenschaftseinrichtungen der jeweiligen Region zusammen. Das BMBF fördert  Translationszentren in Berlin und Leipzig, die für die erste vier jährige Förderperiode jeweils 15 Mio. € Bundesmittel erhalten haben. Die zweite Periode wurde 2010 mit gleichbleibendem Mittelansatz gestartet.

Auch in den Fördermaßnahmen "Entwicklung und Validierung von Methoden und Verfahren der Regenerationstechnologien für den Einsatz in der Medizin", dem "Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie (RCT)" sowie im Rahmen der "Bilateralen Bekanntmachung zur regenerativen Medizin mit den USA/CIRM" werden Vorhaben unter Verwendung von Stammzellen durchgeführt, wobei jedoch auch viele andere Zelltypen und Technologien untersucht werden.

Im Jahr  2011 belaufen sich die Fördermittel des BMBF für die "reine" Stammzellforschung auf über 15 Mio. €.

Deutsch-Amerikanische Kooperation / CIRM

Die Regenerative Medizin ist zu einem wichtigen Teil mit der Stammzellforschung verknüpft. Auf ihr fußt die Vision, neue Gewebe und Organe individuell und für die breite Anwendung herstellen zu können. Es ist jedoch noch viel grundlegende Forschungsarbeit notwendig, um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen.
Daher sind internationale Kooperationen von weltweit führenden Experten besonders wichtig. Das BMBF hat 2009 ein bilaterales Abkommen mit dem California Institute for Regenerative Medicine (CIRM; http://www.cirm.ca.gov), einer kalifornischen Forschungsfördereinrichtung, unterzeichnet. Diese Vereinbarung ermöglicht deutschen Forschern oder Forschungseinrichtungen in Kooperation mit ihren amerikanischen Kollegen die Teilnahme an verschiedenen Ausschreibungen des CIRM. Die ersten wissenschaftlichen Kooperationen haben 2011 ihre Arbeit begonnen. Weitere wissenschaftlich ambitionierte Projekte werden folgen.

  • Hightech-Strategie

    Therapeutische Verfahren für die Regenerative Medizin entwickeln

    Große medizinisch-technische Erfolge bei Organtransplantationen und der spezifischen Ersatz von Zell-, Gewebs- und Organfunktionen ermöglichen bereits heute das Überleben vieler Patienten mit schwerwiegenden Krankheiten. Um weitere Fortschritte zu erzielen, unterstützt das BMBF seit 1999 Forschung zur Regenerativen Medizin.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/1084.php)
  • Hightech-Strategie

    Biologischer Ersatz von Organfunktionen

    Im Rahmen des Schwerpunkts "Biologischer Ersatz von Organfunktionen" wurden Forschungsprojekte, die sich mit der Biologie und den möglichen klinischen Anwendungen von Stammzellen und anderen Zelltypen befassen, durchgeführt. Ziel war es, das Potenzial innovativer Ansätze zur Herstellung von spezialisierten Zellen und Geweben zu ermitteln und sie dann zur Regeneration von geschädigten Organen zu nutzen. Aufbauend auf diesen Arbeiten können zukünftig Engpässe bei Transplantationsorganen umgangen und die Abwehrreaktionen des Immunsystems bei Transplantationen reduziert werden. Auch könnte die oft aufwendige und zum Teil lebenslange Behandlung von Patienten mit Geräten und Medikamenten in vielen Fällen überflüssig werden. Besonderes Augenmerk wurde auf die mögliche Behandlung von Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt und Morbus Parkinson durch spezifische Regenerationsprozesse gelegt. Das BMBF hat in diesem Ende 1999 initiierten Schwerpunkt insgesamt 32 Vorhaben mit rund 10 Mio. € gefördert.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/4273.php)
  • Hightech-Strategie

    Zellbasierte, regenerative Medizin

    Im Herbst 2005 starteten auf Basis von Vorarbeiten zehn interdisziplinäre Verbünde zu "Zellbasierter, regenerativer Medizin", die mit insgesamt etwa zwölf Millionen EURO gefördert werden. Nötig sind erhebliche Anstrengungen, um Methoden zu entwickeln und Erfolg versprechende experimentelle Ansätze für klinische Anwendungen zu erschließen. Durch die Zusammenführung der kompetentesten Partner zur Entwicklung regenerativer Behandlungskonzepten für definierte Krankheitsbilder aus verschiedenen biowissenschaftlichen, medizinischen und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen werden Know-How und Ressourcen gebündelt.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/5426.php)

Zusatzinformationen

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(URL: http://www.bmbf.de/en/10781.php)

Ansprechpartner

  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

    • - PT Gesundheitsforschung -
    • Heinrich-Konen-Straße 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: 0228 / 3821-1210
    • Faxnummer: 0228 / 3821-1257
    • E-Mail-Adresse: Gesundheitsforschung@dlr.de
    • Homepage: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/
    • Geförderte Vorhaben: http://foerderportal.bund.de/foekat/jsp/SucheAction.do?actionMode=searchlist&suche.lfdVhb=J&suche.ressort=BMBF&suche.pt=PT-DLR&suche.referat=614
  • Projektträger Jülich (PtJ)

    • Bereich BIO
    • 52425 Jülich
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