Navigationsbereich


Hightech-Strategie
Übergabe der Roadmap

Roadmap für das Gesundheitsforschungsprogramm

Der Gesundheitsforschungsrat (GFR) wurde 1990 vom BMBF berufen, um sich durch Expertinnen und Experten fachkundig beraten zu lassen. Der Gesundheitsforschungsrat hat 2004 beschlossen, für das nächste Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung eine Roadmap der medizinischen Forschung zu erarbeiten. Diese Roadmap liegt seit 2007 vor. Sie soll aus wissenschaftlicher Sicht Orientierung und Überblick zu den zukünftig wichtigen Themen der Gesundheitsforschung bieten.

Die von vier Mitgliedern des Gesundheitsforschungsrates koordinierte Arbeit an der Roadmap hat zur Benennung von für die Gesundheitsforschung besonders wichtigen Themen geführt. Wichtige Themen sind in diesem Zusammenhang solche, die

  • durch einen gezielten Einsatz zusätzlicher Ressourcen wesentliche Erkenntnisfortschritte erwarten lassen,
  • zu Verbesserungen in der Diagnostik, Therapie, Prävention oder Rehabilitation relevanter Krankheitsbereiche führen,
  • Impulse für die Entwicklung neuer Produkte geben und somit wirtschaftliche Entwicklungschancen anstoßen können.

Insbesondere sollten solche Themenfelder benannt werden, in denen Deutschland durch eine gezielte Förderung eine im internationalen Vergleich herausragende Stellung einnehmen oder eine bereits sehr gute Position weiter ausbauen kann.

Mit der Roadmap wurde erstmals eine auf die Verhältnisse in Deutschland zugeschnittene Bewertung zukünftiger Entwicklungen in der Gesundheitsforschung geleistet. Sie zeichnete sich durch die Berücksichtigung der spezifischen Merkmale unserer Bevölkerungsstruktur und des deutschen Gesundheitssystems aus. Daher eignete sich dieser Bericht besser als Leitfaden für die Gesundheitsforschung als der zuvor als Orientierung vielfach genutzte Bericht des amerikanischen National Institutes of Health.

Weil das Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung wesentlich auf klinische Forschung ausgerichtet ist, war es für die Experten nahe liegend, die Perspektive auf klinische Themenbereiche und insbesondere auf die großen Volkskrankheiten zu legen. Die damit betrachteten Krankheiten repräsentieren den größten Teil der Krankheitsleiden und des materiellen und gesellschaftlichen Aufwandes. Außerdem konstatierten die Experten einen markanten Bruch zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung, durch den Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung viel zu langsam und zu wenig Eingang in die klinische Forschung finden. Krankheiten könnten besser vermieden, erkannt und geheilt werden, wenn die Grundlagenforschung präziser auf klinische Fragestellungen abgestimmt wäre. Eine besondere Herausforderung für eine effektive und effiziente Gesundheitsforschungspolitik liegt daher in der Überführung - der Translation - von Ergebnissen der Grundlagenforschung über die klinische Forschung in die Anwendung.

Beispielhafte Ergebnisse

In ausgewählten sechs großen Krankheitsgebieten wurden Arbeitsgruppen gebildet und gezielt medizinische Spezialisten aus Universitäten, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Industrie befragt. In diesen sechs Gebieten wurden beispielhaft folgende Forschungsschwerpunkte benannt:

  • Muskuloskelettale Erkrankungen. Krankheiten aus diesem Bereich stellen mit 16 Prozent der Gesundheitsausgaben den größten Kostenfaktor im deutschen Gesundheitswesen dar. Prioritär genannt werden hier u. a. Arbeiten zu:
    • molekularen Mechanismen von Entzündung und Regeneration, um etwa rheumatische Entzündungen besser behandeln zu können,
    • Forschung zur Heilung von Knochenbrüchen, Knochendefekten und Osteoporose, durch die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung besser in den Klinikalltag gebracht werden können.
  • Ernährung und Stoffwechselerkrankungen sowie endokrinologische Erkrankungen. Prioritär genannt werden hier u.a. Arbeiten zu:
    • molekularen Wirkungsweisen von Nahrungsinhaltsstoffen, um die Bedeutung zahlreicher unerforschter Nahrungsbestandteile besser zu verstehen,
    • Ernährungsverhalten und insbesondere dessen Prägung noch vor der Geburt und im frühkindlichen Alter zur Vermindung von Übergewicht, Diabetes und anderen chronischen Krankheiten
  • Herz-Kreislauf-, Lungen- und Nierenerkrankungen. Prioritär genannt werden hier u.a. Arbeiten zu:
    • molekularer Diagnostik, um neue laborchemische und bildgebende Diagnoseverfahren auf molekularer Ebene zu entwickeln und Krankheitsprozesse so frühzeitig abbilden zu können,
    • Risikoabschätzung und individualisierte Therapie zur Herz-Kreislauf-Behandlung von Risikopatienten,
  • Infektionen, chronische Entzündung sowie entzündliche Hauterkrankungen. Prioritär genannt werden hier u.a. Arbeiten zu:
    • epidemiologischen Studienansätzen über die Krankheitslast durch Infektionen, damit diagnostische, therapeutische und vorbeugende Maßnahmen in großen Bevölkerungsgruppen optimiert werden,
    • genetische Faktoren der Empfänglichkeit für Infektionskrankheiten, um das individuell unterschiedliche Risiko für Infektionserkrankungen besser bewerten zu können.
  • Krebserkrankungen. Prioritär genannt werden hier u.a. Arbeiten zu:
    • Therapieresistenz, besseres Verständnis der individuellen Reaktion auf Krebstherapien,
    • Entwicklung von Impfstoffen gegen Krebs - ähnlich der Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs.
  • Neurologische und psychische Erkrankungen sowie Erkrankungen der Sinnesorgane. Prioritär genannt werden hier u.a. Arbeiten zu:
    • Neurobiologie und Psychobiologie von aggressivem, impulsivem und Suchtverhalten für die Untersuchung der Grundlagen des Verhaltens und seiner krankhaften Störungen.
    • Früherkennung neurodegenerativer Erkrankungen, um insbesondere bei Demenzen molekulare und strukturelle Krankheitsmechanismen aufzuklären und über frühzeitig messbare Anzeichen für Krankheitsfaktoren zu verfügen.

Umsetzung

Das BMBF hat die insgesamt 74 Themenvorschläge der Roadmap geprüft und in geeignete Fördermaßnahmen umgesetzt. Dies erfolgte jedoch nicht in 74 Einzelmaßnahmen, vielmehr wurden mehrere Themen gebündelt und entsprechend aktueller Entwicklungen priorisiert.

Ein Beispiel dafür ist die Reaktion der Bundesregierung auf SARS und das H5N1-Virus mit der Regierungsvereinbarung vom März 2006 zur Bekämpfung von Zoonosen - also Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden.

Weitere Beispiele sind die Förderbekanntmachungen zu weiteren krankheitsbezogenen Kompetenznetzen zur Multiplen Sklerose und zu Asthma und Chronisch Obstruktiven Lungenkrankheiten.

Zusatzinformationen

Dokumente

 

© 2014 Bundesministerium für Bildung und Forschung