
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen an Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Das sind neben Hirn- und Rückenmarksverletzungen eine Vielzahl von neurologischen oder psychischen Krankheiten wie zum Beispiel das Parkinson-Syndrom (Betroffene in Deutschland: 150.000 bis 200.000), Demenzen (schätzungsweise 1,2 Millionen), Schlaganfall (ca. 250.000 pro Jahr) und Epilepsie (400.000 bis 800.000). Diese Erkrankungen verursachen nicht nur großes menschliches Leid, sie sind auch mit enormen Kosten verbunden - Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfälle, Frührenten und die häufig notwendige lebenslange Betreuung. Es ist daher aus ethischen und sozialen, aber auch aus ökonomischen Gründen dringend erforderlich, die medizinische Forschung in diesem Bereich zu verbessern. Seit 2009 fördert das BMBF das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).
Methodische und technische Innovationen haben geholfen, Entstehung und Verlauf neurologischer und psychischer Erkrankungen weiter aufzuklären. Neue Erkenntnisse eröffneten verbesserte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten: Die Humangenomforschung hat die Kenntnis genetischer Einflüsse auf verschiedene Erkrankungen des Nervensystems verbessert und Ansatzpunkte für die Entwicklung völlig neuer Medikamente aufgezeigt; die Wirkungsweise der Medikamente kann heute mit Methoden der funktionellen Bildgebung untersucht werden. Die modernen Bildgebungsverfahren erlauben, Hirnfunktionen nicht-invasiv zu erforschen.
Gerade psychische Störungen sind immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema, seelische Erkrankungen werden häufig totgeschwiegen und verdrängt - für die Betroffenen eine zusätzlich belastende Bürde. Und es handelt sich keineswegs um Einzelfälle: Fünf Prozent aller Menschen in Deutschland leiden aktuell beispielweise an einer depressiven Störung, das entspricht etwa vier Millionen Männern und Frauen. Bis zu zehn Prozent der Bundesbürger erleben einmal oder mehrmals in ihrem Leben eine schwere depressive Episode. Allein diese Zahlen zur Depression, der verbreitesten Erkrankung der Psyche, belegen: Psychische Störungen sind keine Randerscheinung. Mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung werden psychische Störungen in zahlreichen Studien wissenschaftlich analysiert, um den Betroffenen Hilfe zukommen zu lassen. Die BMBF-Broschüre "Seele aus der Balance. Erforschung psychischer Störungen" möchte dazu beitragen, die Diskussion rund um seelische Erkrankungen auf einer sachlichen Ebene zu führen, über den Stand der Forschung aufzuklären und das Thema aus der Tabuzone herauszuführen.
Die Sinnesforschung hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Biomedizinische und chemische Methoden erlauben neue Einblicke in die Funktionsweise unserer Sinne. Die Erforschung von Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken und Riechen zeigt anschaulich die BMBF-Broschüre "Die Erforschung der menschlichen Sinne". Deutlich wird darin auch, wie die Forschungsergebnisse den Patientinnen und Patienten zugute kommen: durch präzisere Diagnosen von Krankheiten, durch innovative Verfahren zur Linderung und Heilung, durch zielgenaue Hilfen für den Alltag.
Neurowissenschaftliche Themen werden im Rahmenprogramm "Gesundheitsforschung" gefördert. Darüber hinaus unterstützt das BMBF neurowissenschaftliche Forschung in weiteren Programmen wie "Biotechnologie", "Mikrosystemtechnik" und "Informationstechnik".
Im Rahmen des Gesundheitsforschungsprogramms werden Forschungsvorhaben zu Erkrankungen des zentralen Nervensystems in verschiedenen Schwerpunkten gefördert:
Kompetenznetze in der Medizin sind überregionale Netzwerke zu definierten Krankheitsbildern, in denen Forschung und Versorgung eng miteinander verzahnt sind. Im Jahr 1999 wurden die ersten vier Kompetenznetze in den Neurowissenschaften eingerichtet: Depression und Suizidalität, Schizophrenie, Schlaganfall und Parkinson-Syndrom. Im Jahr 2002 wurde das Kompetenznetz Demenzen eingerichtet.
Das Brain-Net, das deutsche Referenzzentrum für Erkrankungen des Zentralnervensystems, archiviert zentral in einer Biomaterialbank biologisches Material (zum Beispiel Nervengewebe, Serum- und Liquorproben) und speichert krankheitsspezifisch klinische Patientendaten in anonymisierter Form, die für weiterführende Forschung zur Verfügung stehen.
Die Kompetenznetze in den Neurowissenschaften werden bis zu neun Jahre mit insgesamt rund 71 Mio. € gefördert. Danach sollen sie aus eigener Kraft und durch die Einwerbung von Forschungsmitteln ihre Arbeit fortsetzen.
Die funktionelle Genomforschung bietet neue Chancen für die Bekämpfung von bisher nur unzureichend behandelbaren Krankheiten. Neben einem besseren Verständnis vererbbarer Krankheiten, deren Entstehung auf Veränderungen innerhalb eines einzelnen Gens zurückzuführen ist, wird von ihr vor allem ein besseres Verständnis der Krankheiten erwartet, die durch das komplexe Zusammenspiel von Veränderungen in vielen Genen und krankheitsspezifischen Umwelteinflüssen entstehen.
Es gibt in diesem Krankheitsbereich sieben Verbünde der Medizinischen Genomforschung, die das BMBF im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN-Plus) fördert. Diese beschäftigen sich mit Fragestellungen unter anderem zu Parkinson, Schizophrenie und bipolar affektiven Störungen (manisch depressive Erkrankung), zu Epilepsie, zur Alzheimerschen Krankheit, aber auch zu neurologischen Einflüssen bei Erkrankungen wie Sucht-Erkrankungen, Ess-Störungen oder Dyslexie (Leseschwäche). In diesen überregionalen Forschungsverbünden werden mit Hilfe der Genomforschung bestimmte Gene und Proteine identifiziert, um die molekularen Zusammenhänge von Krankheitsursachen systematisch zu analysieren und eine Grundlage für die Entwicklung von wirksamen Therapiestrategien und neuen diagnostischen Verfahren zu bilden. Aus den Mitteln des BMBF werden zur funktionellen Genomforschung bei Erkrankungen des Nervensystems von 2008 bis 2011 etwa 41 Mio. € zur Verfügung gestellt. Nach einer erfolgreichen Zwischenevaluation wird die Förderung für fünf der Verbünde bis 2013 verlängert werden.
Seit 2007 werden Kompetenznetze der zweiten Generation gefördert, von denen das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Degenerative Demenzen (KNDD) das erste war. Es folgte das Krankheitsbezogene Kompetenznetz für Multiple Sklerose in 2009.
Weitere Informationen zur Erforschung neurologischer und psyschiatrischer Erkrankungen finden Sie unter http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/143.php
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Erforschung psychischer Störungen
2011, 96 Seiten
Download [PDF - 3,34 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/seele_aus_der_balance.pdf)
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Juni 2006 (URL: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/_media/10_NL_Schmerzforschung.pdf)
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