Navigationsbereich


Forschung
eine junge Frau hockt auf dem Boden

Seelische Leiden besser verstehen

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit mehr als eine Milliarde Menschen an Störungen des zentralen Nervensystems, also des Gehirns und Rückenmarks. Die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit derartigen Erkrankungen, zu denen beispielsweise Depression, Demenzerkrankungen und Epilepsie gehören, ist erheblich beeinträchtigt. Diese Erkrankungen verursachen aber nicht nur großes menschliches Leid, sondern auch enorme Kosten im Gesundheitssystem. Hier gilt es dringend, die medizinische Forschung intensiv zu unterstützen und dabei auf die Bedürfnisse der erkrankten Menschen auszurichten.

Erkrankungen des Nervensystems lassen sich in zwei große Kategorien einteilen: Neurologische und psychische Erkrankungen. Zu den neurologischen Erkrankungen gehören Störungen des Nervensystems, hervorgerufen etwa durch einen Hirntumor, einen Hirnschlag oder eine epileptische Erkrankung. Epilepsie ist eine der bekanntesten neurologischen Erkrankungen, von ihr sind etwa 400.000 bis 800.000 Menschen betroffen. Bei den Betroffenen kommt es zu spontanen Krampfanfällen, deren Ursache häufig unklar ist. Auch die neurodegenerativen Erkrankungen gehören in diese Kategorie. Das gemeinsame Merkmal ist dabei das Absterben von Nervenzellen. Derartige Schäden am Nervengewebe sind zumeist irreparabel. Sie führen im Verlauf der stetig zunehmenden Erkrankung zu starken Beeinträchtigungen, etwa zum Verlust der Muskelkontrolle oder zu kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnisverlust. Die bekanntesten neurodegenerativen Erkrankungen sind die Alzheimer Demenz und die Parkinson Erkrankung, an denen alleine in Deutschland etwa 1,5 Millionen Menschen leiden. Psychische Erkrankungen hingegen werden häufig auch als seelische Störungen bezeichnet. Sie führen zu erheblichen Abweichungen von der gängigen Norm im Erleben oder Verhalten und können alle Bereiche des Denkens, Fühlens und Handelns betreffen. Die häufigste psychische Erkrankung ist die Depression. Es zählen aber auch viele andere Erkrankungen, beispielsweise Angststörungen, Schizophrenie oder Autismus, zu den psychischen Erkrankungen. Nach aktuellen Schätzungen der WHO erleiden bis zu 40 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine psychische Erkrankung.

Neue Einblicke

Erkrankungen des Nervensystems sind persönlich sehr belastend und in vielen Fällen heute noch unheilbar. Sie verursachen enorme Kosten - Krankenhausaufenthalte, Arbeitsausfälle, Frühverrentung und die häufig notwendige lebenslange Betreuung. Es ist daher aus ethischen und sozialen, aber auch aus ökonomischen Gründen dringend erforderlich, die medizinische Forschung in diesem Bereich zu unterstützen. Methodische und technische Innovationen haben geholfen, Entstehung und Verlauf vieler Erkrankungen weiter aufzuklären. Neue Erkenntnisse eröffneten verbesserte Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Die Humangenomforschung hat zudem die Kenntnis genetischer Einflüsse auf verschiedene Erkrankungen des Nervensystems verbessert und Ansatzpunkte für die Entwicklung völlig neuer Medikamente aufgezeigt.

Forschungsförderung

Die Erforschung des Gehirns und seiner Erkrankungen wird im Rahmenprogramm "Gesundheitsforschung" gefördert. Darüber hinaus unterstützt das BMBF neurowissenschaftliche Forschung in weiteren Programmen wie "Biotechnologie", "Mikrosystemtechnik" und "Informationstechnik".

Im Rahmen des Gesundheitsforschungsprogramms werden Forschungsvorhaben zu Erkrankungen des zentralen Nervensystems in verschiedenen Schwerpunkten gefördert:

Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen ist ein Zentrum der Exzellenz. Es bündelt herausragende Forschung an insgesamt neun Standorten in Deutschland. Dabei versuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Erkenntnisse der modernen Neurowissenschaften in neue Ansätze zur Diagnose und Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen umzusetzen. Es geht darum, besser zu verstehen, warum bei den betroffenen Menschen Nervenzellen absterben. Aus diesem Wissen sollen dann Konzepte zur Früherkennung, Prävention und Behandlung entstehen. Zudem ist die Erforschung neuer Pflege- und Versorgungskonzepte ein wichtiger Schwerpunkt.

Krankheitsbezogene Kompetenznetze in der Medizin

Kompetenznetze in der Medizin sind überregionale Netzwerke zu definierten Krankheitsbildern, in denen Forschung und Versorgung eng miteinander verzahnt sind. Seit 2007 wird das Kompetenznetz für Degenerative Demenzen und seit 2009 das Kompetenznetz für Multiple Sklerose gefördert. Die beiden Kompetenznetze erforschen die Ursachen und Mechanismen der Erkrankungen. Die Forschung zu den Krankheitsursachen ist eng gekoppelt an die medizinische Forschung an Patientinnen und Patienten. Durch die enge Verzahnung soll der Transfer von Forschungsergebnissen in die medizinische Praxis beschleunigt werden.

Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen sind durch eine hohe Belastung für Betroffene und ihre Familien gekennzeichnet. Ursachen, Entstehung und Verlauf dieser Krankheiten sind sehr komplex. Zudem verursachen sie hohe Kosten für die Gesellschaft und stellen besondere Ansprüche an das Versorgungssystem. Der Bedarf an wissenschaftlich begründeten Konzepten für eine nachhaltig wirksame Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von psychischen Erkrankungen ist daher groß. Solche Konzepte sollen im Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen erforscht und optimiert werden. Insgesamt 30 wissenschaftliche Einrichtungen aus ganz Deutschland werden gemeinsam an Depression, Angststörungen, Schizophrenie, Suchterkrankungen, ADHS und Autismus forschen.

Forschungsnetz Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt

Sexueller Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist ein seit langem bekanntes Problem. Das Thema wurde jedoch nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Forschung lange Zeit tabuisiert. Um gezielte Behandlungs- und Präventionsstrategien definieren zu können, ist daher Forschung zu diesem Thema zwingend notwendig.  In dem Forschungsnetz sollen daher die biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch erforscht werden. Hieraus sollen neue oder verbesserte Interventions-, Präventions- und Therapiemöglichkeiten entstehen. Insgesamt 11 deutschlandweite Forschungsverbünde sind an dem Forschungsnetz beteiligt.

Gesundheitsregion Hamburg - Psychenet

Das "Netzwerk Psychische Gesundheit" ist eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung prämierte Gesundheitsregion der Zukunft. Die über 60 Projektpartner setzen in Hamburg erstmals in Deutschland ein innovatives, versorgungszentriertes und wissenschaftlich fundiertes Gesamtkonzept zum Thema Psychische Gesundheit um. Zwei Ziele stehen im Vordergrund: 1. Heute und in Zukunft psychische Gesundheit fördern und 2. psychische Erkrankungen früh erkennen und nachhaltig behandeln. Die Zahl der Personen mit psychischen Erkrankungen steigt seit Jahren beständig an, ohne dass das Versorgungsangebot damit Schritt halten konnte.

Integrierte Forschungs- und Behandlungszentren (IFB)

In den Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren soll ein Modellzentrum zu einem Krankheitsgebiet aufgebaut werden. In diesen Zentren werden Forschung und Patientenversorgung vereint. Grundlagenforscher und klinische Forscher können näher zusammenarbeiten und sich besser untereinander verständigen. Nur so können Ergebnisse aus der Forschung schneller in der Klinik, z. B. als neue und wirksamere Therapien, umgesetzt werden. Im Bereich der Neurowissenschaften gibt es mit den IFBs für Schwindel, Gleichgewichts- und Okulomotorikstörungen und für Schlaganfallforschung zwei Schwerpunktzentren.

EU Joint Programme - Neurodegenerative Diesease Research (JPND)

Beim gemeinsamen EU-Programm zur Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen (JPND) handelt es sich um eine innovative, von den EU-Mitgliedsstaaten ins Leben gerufene und getragene Maßnahme. Ziel ist die europaweite Bündelung und Stärkung der Forschung im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen, die aktuell eine der größten medizinischen und sozialen Herausforderungen unserer Gesellschaft darstellen. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Erforschung der Alzheimer-Erkrankung. JPND will die Wirkungskraft der Forschung stärken, indem die nationalen Forschungsprogramme aufeinander abgestimmt und gemeinsame Ziele festgelegt werden, die besonders von gemeinschaftlichem Handeln profitieren können.

ERA-Net NEURON

NEURON (Network of European Funding for Neuroscience Research) ist ein ERA-Netz zum Thema "krankheitsrelevante Neurowissenschaften". Ministerien und Förderorganisationen aus europäischen Staaten, Israel und Kanada haben sich hier zusammengeschlossen. Ziel von NEURON ist es, neurowissenschaftliche Forschung in Europa grenzübergreifend zu koordinieren und gemeinsam zu fördern. Diese Arbeit wird durch Mittel der EU-Kommission unterstützt. NEURON basiert auf langjährigen bilateralen Kooperationen des BMBF im Bereich Neurowissenschaften/Neurologie/Psychiatrie mit Israel bzw. Polen. Zusammen mit diesen beiden Ländern sowie mit Luxemburg wurde 2003-2004 ein Pilotprojekt (Specific Support Action NEURON) durchgeführt, das 2007 in dem ERA-Netz NEURON mündete. Mittlerweile sind 21 Partnerorganisationen aus 16 Ländern an diesem ERA-Netz beteiligt.

Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience (NNCN)

Das "Nationale Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience" ist eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zur Förderung der Forschungsdisziplin Computational Neuroscience. Ziel des Netzwerks ist es, die Computational Neuroscience in Deutschland durch regionale Zentrierung, nationale Vernetzung und internationale Kooperationen nachhaltig zu fördern. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Verbindung von experimentellen und theoretischen Forschungsansätzen, die Integration der Neuroinformatik und die universitäre Ausbildung junger Wissenschaftler mit interdisziplinären Trainingsprogrammen. Durch die Verknüpfung mit biomedizinischen und technologischen Fragestellungen werden neuartige Anwendungsfelder der Neurowissenschaften erschlossen.

Zusatzinformationen

English version of this page
(URL: http://www.bmbf.de/en/1164.php)

Dokumente

Publikationen

  • Der Schlaganfall ID = 1518

    Titelbild der Publikation

    Forschung - Diagnose - Therapie

    2012, 46 Seiten
    Bestell-Nr.: 30725

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 4,28 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/schlaganfall_forschung_diagnose_therapie.pdf)

  • Seele aus der Balance ID = 1138

    Titelbild der Publikation

    Erforschung psychischer Störungen

    2011, 96 Seiten

    Download [PDF - 3,34 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/seele_aus_der_balance.pdf)

  • Der Schwindel ID = 1274

    Titelbild der Publikation

    Forschung - Diagnose - Therapie

    2011, 28 Seiten
    Bestell-Nr.: 30607

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 2,15 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/der_schwindel.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

Ansprechpartner

  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)

    • - PT Gesundheitsforschung -
    • Heinrich-Konen-Straße 1
    • 53227 Bonn
    • Telefonnummer: 0228 / 3821-1210
    • Faxnummer: 0228 / 3821-1257
    • E-Mail-Adresse: Gesundheitsforschung@dlr.de
    • Homepage: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/
    • Geförderte Vorhaben: http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/Gefoerderte%20Projekte.php
  • Projektträger Jülich (PtJ)

    • Bereich BIO
    • 52425 Jülich
    • Telefonnummer: 02461 / 61-5543
    • Faxnummer: 02461 /61-9080
    • E-Mail-Adresse: ptj-bio@fz-juelich.de
    • Homepage: http://www.ptj.de/gesundheitsforschung
 

© 2014 Bundesministerium für Bildung und Forschung