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Forschung
eine junge Frau hockt auf dem Boden

Neurologische und psychische Leiden

Depression, Demenz oder Parkinson: So unterschiedlich diese Erkrankungen auch sind, eins haben sie gemeinsam: Sie entstehen alle im Gehirn. Gesundheitsforschung sucht neue Wege, diese Erkrankungen zu verstehen und zu behandeln.

Die neurologische Forschung hat schon vieles ermöglicht: Unter bestimmten Voraussetzungen können blinde Menschen mit Hilfe von Netzhautimplantaten wieder etwas sehen odertaube Menschen mit Hilfe von Innenohr-Implantaten wieder hören. Und schwer beeinträchtigte Parkinson Patienten haben heute die Chance, mit Hilfe der Tiefenhirnstimulation möglicherweise wieder zu gehen.

Das menschliche Gehirn, seine Funktion, Entwicklung und mögliche Erkrankungen zu verstehen, treibt die Biowissenschaften und Medizin weiter an. Neurologische und psychologische Forschung sind deshalb wichtige Grundsteine des Rahmenprogramms „Gesundheitsforschung“.

Psychische Erkrankungen - Wenn die Seele leidet

Laut Weltgesundheitsorganisation erleidet jede dritte Person mindestens einmal in ihrem Leben eine depressive Phase oder eine andere psychische Störung. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Forschung hierzu deshalb auf mehreren Ebenen:

Das Forschungsnetz zu psychischen Erkrankungen gibt es seit Februar 2015. Hier beteiligen sich insgesamt 30 Forschungseinrichtungen aus Deutschland. Das Netzwerk forscht zu verbreiteten Leiden wie Depression, Angst- und Aufmerksamkeitsstörungen, Sucht, Schizophrenie und Autismus mit dem Ziel, wissenschaftlich begründete Konzepte für Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge zu entwickeln.

Eine stärkere Vernetzung aller lokalen Akteure aus Forschung, Entwicklung und Versorgung ist das Ziel des „psychenet - Hamburger Netz psychische Gesundheit“. Der Verbund ist einer von fünf Gesundheitsregionen in Deutschland. Über 300 Projektpartner setzen in der Metropole ein innovatives Gesamtkonzept um: Sie wollen durch fachübergreifende Kooperationen die psychische Gesundheit fördern, Erkrankungen früh erkennen und nachhaltig behandeln.

Der sexuelle Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen war in der Wissenschaft lange ein Tabuthema. Im Forschungsnetz Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt untersuchen Experten und Expertinnen gemeinsam die biologischen, psychischen und psychosozialen Ursachen und Folgen von Gewalt und Missbrauch.

Neurologische Forschung langfristig sichern

Gerade im Hinblick auf unsere alternde Gesellschaft rücken Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson immer mehr in den Fokus. In Deutschland leiden schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen an diesen Krankheiten. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) widmet sich der Erforschung neurodegenerativer Erkrankungen. Es ist als eines der ersten Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung 2009 ins Leben gerufen worden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen verstehen, warum Nervenzellen absterben, wie man diesen Prozess aufhalten kann und wie aus diesem Wissen Konzepte zur Prävention, Früherkennung, Behandlung und zur Pflege abgeleitet werden können.

Forschungserkenntnisse zügig in die Praxis umsetzen

Die Entwicklung neuer und wirksamerer Therapien für neurologische Erkrankungen steht auch im Mittelpunkt der Arbeit an zwei der insgesamt acht so genannten Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren (IFB). Das "Deutsche Schwindel- und Gleichgewichtszentrum" in München und das ″Centrum für Schlaganfallforschung″ in Berlin sind Modellstrukturen. Diese Strukturen unterstützen die enge Zusammenarbeit von Gesundheitsforschung und Patientenversorgung. Durch die Überwindung traditioneller Fachgrenzen kann in einem IFB interdisziplinär auf hohem Niveau gearbeitet werden. Ziel ist es, die Ergebnisse der Forschung schneller in neue und wirksame Therapien zu übertragen.

Das Nationale Bernstein Netzwerk Computational Neurosciences vereint sechs Forschungsstandorte mit dem Ziel, unser Denken und ehirn zu verstehen. Dieses gebündelte Wissen ermöglicht beispielsweise, dass die zur Entstehung von Gedanken notwendige Nervenaktivität auch genutzt werden kann, um Arm- oder Handprothesen zu steuern.

In Europa und der Welt - Bündelung der Kompetenzen

Das Bernstein Netzwerk verknüpft die Forschungseinrichtungen auch über deutsche Grenzen hinweg. Bei den Computational Neurosciences arbeiten beispielsweise Deutsche in Kooperationsprojekten mit Forschungsgruppen aus den USA und Japan zusammen.

Eine internationale Vernetzung bei der Erforschung des Gehirns findet auch in den Programmen der Europäischen Union statt. Im Mittelpunkt der gemeinsamen Programmplanungsinitiative für Neurodegenerative Erkrankungen (EU Joint Programme - Neurodegenerative Disease Research, JPND) steht beispielsweise die Entwicklung einer länderübergreifenden Strategie zur Bekämpfung dieser Erkrankungen.

Darüber hinaus wird der europäische Forschungsraum fortlaufend durch europäische Netzwerke (ERA-NETs) ausgebaut. Eines davon – NEURON - widmet sich dem Ziel, die Erforschung von neurologischen Erkrankungen in Europa zu koordinieren und zu fördern. Aber auch die Forschung zu psychischen Erkrankungen steht im Fokus von NEURON. So untersuchen zum Beispiel zwölf europäische Forschungsgruppen mit deutscher Beteiligung die Grundlagen unterschiedlicher psychischer Störungen – von Autismus bis Zwangsneurosen - um Diagnose und Behandlung zu verbessern.
 

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