Kompetenznetze Agrarforschung

Die Agrar- und Ernährungswissenschaften spielen eine zentrale Rolle bei der Lösung globaler Probleme. Wie zum Beispiel bei der Verlagerung von Anbauzonen aufgrund des Klimawandels, der Sicherung der weltweiten Ernährung bei gleichzeitig steigender Bevölkerungszahl, der Zerstörung von landwirtschaftlich nutzbarer Fläche sowie bei der Endlichkeit fossiler Ressourcen. Um Antworten auf diese Probleme zu finden werden die besten agrar- und ernährungswissenschaftlichen Kompetenzen von Forschungseinrichtungen gebündelt. Die Bildung derartiger Kompetenznetze fördert das BMBF mit bis zu 40 Millionen Euro über eine Laufzeit von fünf Jahren.

Den Agrar- und Ernährungswissenschaften kommt bei der Lösung globaler Probleme sowie bei der Entwicklung einer zukunftsfähigen, auf Bioressourcen basierenden Wirtschaft eine zentrale Rolle zu.

Globale Herausforderungen

Die Vereinten Nationen und die Weltbank definieren u.a. folgende gesellschaftlichen Herausforderungen: Gleichzeitiges Auftreten von Unter- und Mangelernährung bei anhaltendem Bevölkerungswachstum sowie einer Über- und Fehlernährung in den Industrieländern, Zerstörung von landwirtschaftlich und forstlich nutzbarer Fläche, Wassermangel, die Verlagerung von Anbauzonen durch den globalen Klimawandel sowie der Rückgang biologischer Vielfalt (Biodiversität). Der Anstieg der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen - wie zum Beispiel hochwertigen Lebensmitteln und insbesondere tierischen Produkten - wird darüber hinaus durch das dynamische Wirtschaftswachstum in China, Indien und weiteren Schwellenländern verstärkt. Zusätzlich ist mit dem weltweiten Bedarf an Energie und Rohstoffen die Notwendigkeit verbunden, Biomasse aufgrund der Endlichkeit fossiler Ressourcen und aufgrund des Klimaschutzes stärker für die energetische und stoffliche Verwertung zu nutzen.

Förderinitiative "Kompetenznetze in der Agrar- und Ernährungsforschung"

Die Agrar- und Ernährungsforschung in Deutschland ist gefordert - will sie weiterhin im internationalen Vergleich kompetitiv bleiben - zur Beantwortung der genannten gesellschaftlichen Fragen beizutragen. Unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Entwicklung der Agrarwissenschaften in Deutschland im Kontext benachbarter Fächer (Gartenbau-, Forst- und Ernährungswissenschaften) vom 10. November 2006 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) daher die Förderaktivität "Kompetenznetze in der Agrar- und Ernährungsforschung" initiiert.

Das Ziel ist es, eine in der Grundlagenorientierung und im Anwendungsbezug exzellente Agrar- und Ernährungsforschung aufzubauen und mit der Ausbildung sowie mit dem Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft zu verbinden. Dadurch sollen anwendungsorientierte Kompetenznetze mit internationaler Sichtbarkeit und Attraktivität entstehen und Beiträge für die Lösung gesellschaftlicher Probleme liefern.

Nachfolgende AgroClustEr wurden für eine Förderung ausgewählt:

Food Chain Plus: Wertschöpfungskette von Lebensmitteln

Koordinator: Universität Kiel, Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät

Ziel des Netzwerkes ist es, die systemorientierte und sektorbezogene Forschungsexpertise auf dem Schwerpunktgebiet Milchforschung zur Analyse der Wertschöpfungskette von der Urproduktion entlang der gesamten Prozesskette bis hin zur Bewertung der Wirkungen der erzeugten Produkte auf die Gesundheit des Endverbrauchers auszubauen. Einen besonderen Stellenwert nimmt die Integration des präventiven Ansatzes der ernährungswissenschaftlichen Forschung in die Wertschöpfungskette ein. Die Analyse der Wertschöpfungskette von Milch bildet ein thematisches Zentrum.

PHÄNOMICS - Ein systembiologischer Ansatz zur Genotyp-Phänotyp-Abbildung bei den Nutztieren Rind und Schwein

Koordinator: Universität Rostock, Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät Institut für Nutztierwissenschaften und Technologie

Das Kompetenznetz führt für die Tierarten Rind und Schwein exzellente nationale Forschergruppen auf den Gebieten der Erfassung und Generierung von Leistungs- und Funktionsmerkmalen, der strukturellen und funktionellen Genomanalyse sowie der Bioinformatik zusammen. Der systembiologische Ansatz dient der Modellierung der Merkmalsausprägung und ihrer züchterischen Nutzung bei den Tierarten Rind und Schwein. Bereits entwickelte Forschungspotentiale werden gezielt gestärkt und synergetisch zusammengeführt, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Tierzucht-Forschung und -Wirtschaft zu sichern und weitere Innovations- und Wertschöpfungspotentiale in diesem Bereich zu erschließen.

WeGa- Kompetenznetz Wertschöpfungskette Gartenbau

Ressourceneffizienz und Qualitätssicherung im Gartenbau

Koordinator: Leibniz Universität Hannover, Institut für Biologische Produktionssysteme

Der deutsche Gartenbau hat seine Bedeutung innerhalb der pflanzlichen Produktion kontinuierlich ausgebaut. Aufgrund der sehr hohen Produktionsintensität erreicht der Anteil der gartenbaulichen Produktion mit 5,23 Mrd € ca. 40 % der Verkaufserlöse der Landwirtschaft aus pflanzlicher Erzeugung. Diese werden erwirtschaftet mit ca. 27.000 Betrieben auf ca. 1,3 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands. Die Optimierung gartenbaulicher Produktionsverfahren zur Verbesserung einer effizienten Ressourcennutzung sowie der Qualitätssicherung und -steigerung basiert wie in keinem anderen Zweig der Pflanzenproduktion auf Fortschritten der systemorientierten Prozess- und Pflanzentechnologie.

CROP.SENSe.net

Netzwerk für komplexe Sensorik zur Nutzpflanzenforschung, Züchtung und Bestandessteuerung

Koordinator: Rheinische Friedrich - Wilhelms - Universität Bonn

Mit der Etablierung eines Netzwerkes mit Schwerpunkt auf Sensorsysteme in der Landwirtschaft soll eine zeitnahe Anpassung landwirtschaftlicher Produktion an eine erhöhte Nachfrage nach pflanzlichen Produkten (Nahrungs- und Futtermittel, Rohstoffe und Energie) unter veränderten Produktionsbedingungen (Klima, Ressourcenverfügbarkeit) ermöglicht werden. Hierbei sollen gleichzeitig eine hohe Produktivität und eine maximale Ressourcenschonung sichergestellt werden. Eine wichtige Voraussetzung zur Erreichung dieser Ziele ist die Entwicklung von neuen Sensorsystemen zur Erfassung von Zuständen in Pflanzenbeständen für die Anwendung in Züchtungsverfahren und Bestandesführung.

SYNBREED: Innovationscluster Synergistische Pflanzen- und Tierzucht

Koordinator: TU München, WZW für Ernährung, Landnutzung und Umwelt

Das Ziel des Innovationsclusters ist eine Vernetzung von Forschung und Lehre im Bereich der Tier- und Pflanzenzüchtung, die Schlüsseltechnologien für die Lösung wesentlicher Zukunftsaufgaben (steigende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten, Ressourcenverknappung, Veränderung der Klimazonen) darstellen. Die Innovationskraft der Züchtung durch Verbesserung wichtiger Merkmalskomplexe erstreckt sich über die gesamte landwirtschaftliche Wertschöpfungskette, von der Charakterisierung und Nutzung genetischer Ressourcen bis zur Bereitstellung qualitativ hochwertiger Produkte wie Lebensmittel, Futtermittel und Energieträger. Zukünftige Produktivitätssteigerungen der Landwirtschaft werden zu einem maßgeblichen Teil durch Züchtungsfortschritt entstehen. Durch synergistische Methodenentwicklung und Etablierung gemeinsamer Technologieplattformen sollen die Voraussetzungen für die funktionelle Analyse der Biodiversität bei Nutzpflanzen und -tieren sowie für Züchtungsstrategien geschaffen werden.

Publikationen

  • Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030/ -National Research Strategy BioEconomy 2030 ID = 1231

    Titelbild der Publikation

    Unser Weg zu einer bio-basierten Wirtschaft (Kurzfassung) / -
    Our Route towards a biobased economy (Short version)

    2010, 16 Seiten

    Download [PDF - 1,63 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/biooekonomie_kurzfassung.pdf)

  • Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030 ID = 1233

    Titelbild der Publikation

    Unser Weg zu einer bio-basierten Wirtschaft

    2010, 52 Seiten
    Bestell-Nr.: 30570

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 3,42 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/biooekonomie.pdf)

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(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

Ansprechpartner

  • Forschungszentrum Jülich GmbH

    • Projektträger Jülich BIO 6
    • Dr. Andreas Mahn
    • 52425 Jülich
    • Telefonnummer: 02461 61-1537
    • E-Mail-Adresse: a.mahn@fz-juelich.de
    • Homepage: http://www.fz-juelich.de/ptj/agrar