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Forschungsoffensive gegen Produktpiraterie

Produktpiraterie ist eine enorme Bedrohung für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Investitionsgüterindustrie in Deutschland. Der Schutz vor Produktpiraterie gewinnt auch zunehmend im Investitionsgüterbereich an Bedeutung. So ist insbesondere der Maschinen- und Anlagenbau in hohem Maße von unzulässigen Nachbauten betroffen. Schätzungen gehen von jährlichen Schäden bis ca. 5 Milliarden € sowie einem Verlust von zehntausenden Arbeitsplätzen aus. Angesichts der Schlüsselposition dieser Industrie ist es notwendig, wirkungsvolle Mechanismen für den präventiven Schutz zu erforschen und den betroffenen und gefährdeten Unternehmen zugänglich zu machen.
Deshalb hat das BMBF Anfang 2008 im Rahmen der Hightech-Strategie 2020 die Forschungsoffensive "Innovationen gegen Produktpiraterie" gestartet. Innovative Unternehmen, Forschungsinstitute und einschlägige Dienstleister haben in zehn Verbundprojekten neue, besonders wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Nachahmung von Maschinen, Dienstleistungen und Ersatzteilen erarbeitet.

Neben gesetzlichen Schutzrechten fehlen vielen produzierenden Industrieunternehmen systematische Vorgehensweisen für den Schutz der eigenen Produkte und Produktionsprozesse, um sich wirkungsvoll gegen die zunehmende Produktpiraterie zu schützen. Ein umfassender Schutz lässt sich oft nur durch eine Integration von z. B. konstruktiven, produktionsbezogenen und IT-basierten Ansätzen erreichen. Die Forschungsoffensive gegen Produktpiraterie soll deshalb insbesondere mittelständischen Unternehmen helfen, sich besser gegen Fälscher und Kopierer zu schützen.

Forschung

Drei Schwerpunkte zum präventiven Produktschutz wurden betrachtet:

  • Pirateriesichere Gestaltung von Produkten sowie von Produktentstehungs- und Vertriebsprozessen: Es wurden Lösungen entwickelt, um die Produkt- und Prozessgestaltung zu einer geschützten Einheit zusammenzufassen, den Know-how-Abfluss im Unternehmen zu minimieren und Maschinen durch Softwareschutz zu sichern.
  • Kennzeichnung von Produkten und Systemen zur Überwachung und Verfolgung: Mit den entwickelten Verfahren können Produkte und Systeme durch fälschungssichere Kennzeichnung, z.B. mit Hilfe von RFID, über den gesamten Produktlebenszyklus überwacht werden. Das Verfolgen der Produkte und Systeme entlang der Wertschöpfungskette ist damit ebenso möglich.
  • Entwicklung von Schutzkonzepten gegen Produktpiraterie: In diesem Schwerpunkt erarbeiteten die Projekte Methoden und Werkzeuge, mit denen auf Basis einer unternehmensspezifischen Schwachstellen- und Risikoanalyse Strategien zum durchgängigen Produktschutz für Unternehmen entwickelt werden können.

Ziele

Das BMBF fördert Forschungsprojekte, die Lösungen suchen, wie Maschinen, Dienstleistungen und Ersatzteile so konstruiert werden können, dass es nahezu unmöglich ist, sie nachzuahmen. Ein Großteil dieser Projekte ist abgeschlossen und befindet sich in der Verwertungsphase.

Es sollen darüber hinaus Lösungen für eine Verknüpfung einzelner technischer, organisatorischer und rechtlicher Möglichkeiten zu umfassenden Schutzkonzepten entwickelt werden.

Um die erwarteten, vielfältigen Aktivitäten der Verbundprojekte zu konzentrieren, wurde die Innovations- und Kommunikationsplattform "ConImit - Contra Imitation" eingerichtet mit dem Ziel einen wirkungsvollen Transfer der Maßnahmen und Prozesse gegen Produktpiraterie in der Industrie zu fördern. Die Plattform ConImit.de wird zukünftig von der SPP GmbH betrieben werden.

Die Erkenntnisse der bisherigen Arbeiten lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Bedrohung durch Produktpiraterie nimmt zu.
  • Die Produktpiraterie verursacht wirtschaftliche Schäden.
  • Produktpiraterie ist ein dynamischer Prozess - ehemalige Produktpiraten können zu ernsthaften Konkurrenten werden.
  • Juristischer Schutz alleine ist nicht ausreichend.
  • Interdisziplinäres, unternehmensübergreifendes Vorgehen ist notwendig.
  • Tatsächlicher Schutz gegen Produktpiraterie wird durch systematischen und strategiekonformen Methodeneinsatz erreicht.
  • Schutz vor Produktpiraterie ist auch eine Aufgabe des Managements und muss im gesamten Unternehmen gelebt werden.
  • Produktpiraterie zu bekämpfen ist gemeinsame Aufgabe von Unternehmen, Behörden, Verbänden, Politik und Wissenschaft.
  • Bekannte Methoden zur Produkt-, Prozess- und Informationsgestaltung müssen für den Schutz vor Produktpiraterie stetig weiterentwickelt werden.
  • Neue innovative Schutzansätze und -methoden sind dringend erforderlich.


Ausgewählte Erfolgsgeschichten

Auch nach Abschluss der Forschungsoffensive bleibt ein kommunikatives Netzwerk mitwirkender Unternehmen sowie wissenschaftlicher Institutionen aktiv. Auf diese Art und Weise werden die erarbeiteten Ergebnisse weiter nachhaltig genutzt und in die weitere Verwertung gebracht.

Die Kommunikationsplattform ConImit wird so z. B. zukünftig von der SPP GmbH weiter betrieben und beim VDMA die Arbeitsgemeinschaft "protect-ing AG" gegründet.

Im Verbundprojekt Pro-ProTect wurde eine durchgängige Soft- und Hardwareschutzlösung (Embedded Software) erarbeitet, die die gesamte digitale Wertschöpfungskette umfasst. Dadurch wird der Nachbau kompletter Maschinen und Anlagen in der Investitionsgüterindustrie erschwert und die digitalen Produktionsdaten weltweit geschützt.

Die innovative Lösung wurde am 24. März 2011 mit dem ersten Platz des Sicherheitspreises Baden-Württemberg 2011 ausgezeichnet. Herrn Oliver Winzenried, Koordinator des Verbundprojekts, Vorstand und Gründer von WIBU-SYSTEMS, wurde auf der Fachmesse eltefa in Stuttgart die Skulptur "Sicherheitspreis" zusammen mit der Urkunde von der Präsidentin des Landesamts für Verfassungsschutz Baden-Württemberg Beate Bube überreicht.

Pro-ProTect unterstützt Unternehmen, ihre Umsätze und ihr Know-how von A bis Z zu sichern und damit ihren Wettbewerbsvorsprung länger zu halten.

Weitere Informationen finden auf dem Portal zur Produktionsforschung.

Zusatzinformationen

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(URL: http://www.bmbf.de/en/12095.php)

Ansprechpartner

  • Projektträger Karlsruhe

    • Produktion und Fertigungstechnologien (PTKA-PFT), Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
    • Sekretariat
    • Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
    • 76344 Eggenstein-Leopoldshafen
    • Telefonnummer: 0721 / 608-25281
    • Faxnummer: 0721 / 608-25456
    • E-Mail-Adresse: info@ptka.kit.edu
    • Homepage: http://www.produktionsforschung.de
  • Projektträger Karlsruhe

    • Produktion und Fertigungstechnologien (PTKA-PFT), Außenstelle Dresden, Karlsruher Institut für Technologie
    • Hallwachsstraße 3
    • 01069 Dresden
    • Telefonnummer: 0351 / 4633-1435
    • Faxnummer: 0351 / 4633-1444
    • E-Mail-Adresse: heike.blumentritt@kit.edu
    • Homepage: http://www.produktionsforschung.de
  • BMBF - Referat 512

    • Forschung für Produktion, Dienstleistung und Arbeit
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    • Faxnummer: 0228 / 9957-8-3883
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