1. Aufruf im Rahmen der Fördermaßnahme "Werkstofftechnologien von morgen - Wissenschaftliche Vorprojekte in Werkstoff- und Nanotechnologien"

im Rahmen des WING-Programms des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Am 20.05.2008 hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Rahmenbekanntmachung "Wissenschaftliche Vorprojekte in Werkstoff- und Nanotechnologien" veröffentlicht. Auf Basis der Rahmenbekanntmachung besteht nun im Rahmen einer ersten Auswahlrunde die Möglichkeit, Projektvorschläge einzureichen.

Die Bekanntmachung zielt auf viel versprechende Ansätze in der Werkstoffforschung, die noch nicht den notwendigen Reifegrad aufweisen, um sie in einen industriellen Maßstab zu überführen. Die Arbeiten sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine spätere industrielle Anwendung klären. Außerdem wird der Aufbau eines Patentportfolios mit dem Ziel der späteren wirtschaftlichen Verwertung in Deutschland angestrebt. Es sollen so die Voraussetzungen für eine nachfolgende industriegeführte FuE-Phase mit entsprechender industrieller Umsetzung im Rahmen einer Fördermaßnahme geschaffen werden.

Im Fokus der Fördermaßnahme stehen werkstoffwissenschaftliche Themen, die folgenden Kriterien genügen müssen:

  • Dem Thema wird durch die Industrie hohes Anwendungspotenzial bescheinigt.
  • Das Thema ist der reinen erkenntnisorientierten Grundlagenforschung entwachsen; es bestehen aber offene wissenschaftliche Fragen, die bislang ein stärkeres Engagement der Industrie verhindern.
  • Das Thema ist in Deutschland durch hervorragende, international ausgewiesene Arbeitsgruppen besetzt.

Die Voraussetzungen für eine Förderung und die Kriterien für die Auswahl von Projekten sind in der Rahmenbekanntmachung beschrieben.

Im Rahmen einer ersten Auswahlrunde können Projektvorschläge zu den folgenden Schwerpunktthemen eingereicht werden:

1. Elektroaktive Polymere

Elektroaktive Polymere (Electroactive Polymers, EAPs) ändern unter dem Einfluss einer Spannung ihre Form oder ihr Volumen. Zu den EAPs gehören z. B. dielektrische Elastomere, elektrostriktive Polymere, ionische Polymer-Metall-Komposite, Hydrogele, piezoelektrische Polymere, flüssigkristalline Elastomere und Kompositmaterialien auf Basis von Kohlenstoff-Nanoröhren. Sie zeichnen sich zudem durch niedrige Herstellungskosten, geringes Gewicht und einfache Miniaturisierbarkeit aus. Als "smart materials" sind sie besonders geeignet für den Aufbau mechanikfreier Aktoren, zur Nutzung bei solchen Aktoren, die extremen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind, und für Anwendungen in miniaturisierten Systemen.
Elektroaktiven Polymeren wird im Bereich der Aktoren mittelfristig ein erhebliches Marktpotenzial zugesprochen. Ihre Vorteile bestehen insbesondere in ihrer geringen mechanischen Komplexität, ihrer großen Robustheit und der Möglichkeit der Miniaturisierung. Potenzielle Anwendungen sind in der Automobilindustrie, in Flugzeugbau, Maschinenbau, Medizintechnik sowie in der Konsumgüter- und Textilindustrie zu sehen.

Gefördert werden Ansätze zu elektroaktiven Polymeren, die u. a.

  • zur Erreichung höherer Lebensdauern (Schaltzyklen) führen,
  • zur Verringerung der Schaltspannungen beitragen und
  • die Systemintegration unterstützen.

2. Thermoelektrika

Thermoelektrische Werkstoffe können entweder Wärmeenergie ohne mechanische Arbeit direkt in elektrische Energie oder umgekehrt elektrische Energie in Wärmeenergie umwandeln. Die besonderen Vorteile des thermoelektrischen Effekts für unterschiedlichste Anwendungen bestehen in der schnellen und präzisen Temperatureinstellung, dessen großer Zuverlässigkeit sowie dem vibrations- und geräuschfreien Betrieb. Auch wenn industrielle Anwendungen derzeit noch begrenzt sind, so wird Thermoelektrika für die Zukunft hohes Anwendungspotenzial in so unterschiedlichen Bereichen wie Automobil, Raumfahrt, Telekommunikation oder Klimaanlagen und Haushaltsgeräten attestiert.

Die zur Zeit verwendeten thermoelektrischen Materialien arbeiten noch mit einem geringen Wirkungsgrad. Um das große Potenzial von Thermoelektrika nutzen zu können, müssen innovative Materialien mit höherer Effizienz entwickelt werden. Eine besondere Herausforderung stellen dabei Materialien mit hoher elektrischer Leitfähigkeit und niedriger Wärmeleitfähigkeit dar.

Gefördert werden Ansätze zu Thermoelektrika mit hoher Effizienz, die u. a. auf

  • einer Verbesserung bisheriger Materialsysteme (Wismut- und Antimon-Telluride/Selenide, Blei-Telluride, Skutterudite),
  • neuen Materialien (u. a. Clathrate, Schichtchalkogenide, Chevrel-Phasen, Kobaltoxide, amorphe Verbindungen) oder
  • komplett neuen Konzepten durch Mikrostrukturem oder Nanomaterialien/Nanokompositen basieren.

Neben den genannten Themen können auch Projektskizzen zu anderen Bereichen berücksichtigt werden, sofern sie durch hochinnovative Projektideen überzeugen und mit der Zielsetzung der Fördermaßnahme übereinstimmen.

Verbundstruktur

Gefördert werden Institutsverbünde aus Forschungseinrichtungen, die ein arbeitsteiliges und multidisziplinäres Zusammenwirken erfordern. Einzelvorhaben werden nicht berücksichtigt.
Die Projekte sollten auf in der Regel maximal 2 Jahre ausgelegt sein, in begründeten Ausnahmefällen können bis 3 Jahre beantragt werden. Die Höhe der Zuwendung pro Vorhaben richtet sich im Rahmen der verfügbaren Mittel nach den Erfordernissen des beantragten Projekts. Sie soll in der Regel 200.000 € pro Einrichtung und Jahr nicht überschreiten. Investitionen werden nur in geringem Umfang in begründeten Ausnahmefällen zugelassen.

Um die Anwendungsorientierung während der Projektdurchführung zu gewährleisten, ist die Begleitung durch einen industriellen Beirat bei der Antragstellung und während der Projektdurchführung zwingend erforderlich. Die Mitglieder des Industriebeirates sollen ernsthafte Verwertungsabsichten haben und eigene Investitionen in FuE im Erfolgsfall des wissenschaftlichen Vorprojektes planen. Dazu muss der Industriebeirat sowohl in der Definition der relevanten FuE-Arbeiten als auch in die kontinuierliche Bewertung der Ergebnisse eingebunden sein. Insbesondere ist die Beteiligung kleiner und mittelständischer Unternehmen in den Industriebeiräten ein Ziel der Maßnahme. Die Beteilung der Unternehmen am Industriebeirat sollte durch ein entsprechendes Schreiben dokumentiert werden.

Verfahren

Mit der Abwicklung dieser Rahmenbekanntmachung hat das BMBF folgende Projektträger beauftragt:

Für Thema 1 Elektroaktive Polymere:
Projektträger VDI Technologiezentrum GmbH
- Nanotechnologien -
Postfach 10 11 39
40002 Düsseldorf

Ansprechpartner: Dr. Martin Vogt (Tel.: 0211/6214-418, E-Mail: vogt@vdi.de)

Weitere Informationen: http://www.vditz.de/foerderung_aktuell

Für Thema 2 Thermoelektrika:
Projektträger Jülich (PtJ) - Geschäftsbereich NMT
Forschungszentrum Jülich GmbH
52425 Jülich

Ansprechpartner: Hermann Haag (Tel. 02461/61-3368; E-Mail: h.haag@fz-juelich.de)

Weitere Informationen: www.fz-juelich.de/ptj/wvm

Das Förderverfahren ist zweistufig. In der ersten Stufe ist zunächst bis zum 20.08.2008 bei einem zuständigen Projektträger eine Projektskizze in Schriftform und auf einem Datenträger - unter Nutzung des elektronischen Antragssystems "easy" für Skizzen - auf dem Postweg vorzulegen. Eine Projektskizze (incl. Anlagen, Schriftgrad 12) sollte max. 15 DIN A4-Seiten umfassen. Der Koordinator eines Institutsverbundes reicht die Projektskizze für alle Verbundpartner mit einer gemeinsam von allen Partnern ausgearbeiteten, beurteilungsfähigen Vorhabensbeschreibung ein.
Die Vorlagefrist gilt nicht als Ausschlussfrist. Verspätet eingehende Projektskizzen können aber möglicherweise nicht mehr berücksichtigt werden. Eingänge per Fax oder E-Mail werden nicht akzeptiert.

Die Verbundprojektskizze soll wie folgt gegliedert werden:
  1. Ziele
    • Gesamtziel des Vorhabens (auf maximal einer Seite)
    • Bezug des Vorhabens zu dieser Bekanntmachung
    • industrielle und gesellschaftliche Relevanz
    • wissenschaftliche und technische Arbeitsziele des Vorhabens
  2. Stand der Wissenschaft und Technik, bisherige Arbeiten
    • internationaler Stand von Wissenschaft und Technik einschließlich bestehender Schutzrechte
    • bisherige Arbeiten und Qualifikation der Verbundpartner
    • Abgrenzung zu bereits geförderten FuE-Initiativen u. a. des BMBF, BMWi, der DFG
  3. Beschreibung des Arbeitsplanes
    • besonders innovative wissenschaftlich-technische Arbeitsschritte
    • Meilensteine mit Evaluierungskriterien
    • Arbeitsteilung der Projektpartner/Projektstruktur/ggf. Zusammenarbeit mit Dritten
  4. Verwertung der FuE-Ergebnisse und Aspekte der Nachhaltigkeit
    • Erfolgsaussichten, Marktpotenzial und Wirkung auf Arbeitsplätze, Verwertungsstrategie
    • Einbindung von Industriepartnern/Industriebeirat
  5. Notwendigkeit der Zuwendung
    • wissenschaftlich-technisches und wirtschaftliches Risiko mit Begründung der Notwendigkeit staatlicher Förderung
    • Kostenstruktur jedes Partners (Personal- und Sachkosten)

Es wird empfohlen, vor Einreichung der Unterlagen mit dem beauftragten Projektträger Kontakt aufzunehmen. Aus der Vorlage der Vorhabensbeschreibung können keine Rechtsansprüche auf eine Förderung abgeleitet werden.