
Das Projekt "Technologie am Beginn des 21. Jahrhunderts" (1991-1992) kann als Start der Vorausschauprozesse im Bundesministerium für Bildung und Forschung gelten. Methodisch wurde diese frühe Vorausschau auf Basis des Relevanzbaum-Verfahrens durchgeführt. Ergebnis dieses Projekts war eine differenzierte Übersicht über zukunftsrelevante Technologien, die zu einer "Technologielandkarte" verdichtet wurden. Dabei wurde deutlich, dass sich neue Technikthemen vor allem an den Schnittstellen der "klassischen" Disziplinen entwickeln. Beispielsweise wurden damals die Nanotechnologie und die Mikrosystemtechnik als wichtige Zukunftsthemen identifiziert.
In den Jahren 1992 und 1993 wurde die erste deutsche Delphi-Studie zur Entwicklung von Wissenschaft und Technik im Auftrag des damaligen Bundesministeriums für Forschung und Technologie (BMFT) durchgeführt. Methodisch orientierte sich die Studie an der fünften japanischen Delphi-Studie; ein deutsch-japanischer Vergleich schloss sich an. Die Ergebnisse aus insgesamt 16 Themenfeldern, die von Energie bis zu Informations- und Kommunikationstechnologie reichten, wurden allen Interessierten kostenlos zur Verfügung gestellt. Insbesondere die deutsche Industrie konnte die Ergebnisse für ihre strategische Planung nutzen.
1996 startete Delphi '98, eine Studie zur globalen Entwicklung von Wissenschaft und Technik. Neben einer Aktualisierung der Daten wurden Themen von hoher Relevanz speziell für das deutsche Innovationssystem zur Diskussion gestellt. Dessen Akteure zeigten großes Interesse an den Ergebnissen des Prozesses. Wieder waren Unternehmen die häufigsten Nutzer, gefolgt von den Medien. Auch in den Schulen trafen sie auf breite Resonanz.
Im Jahr 2000 startete das Bundesministerium für Bildung und Forschung den "Forschungsdialog Futur" (2000-2005). Erstmals wurde ein stark partizipativer Ansatz gewählt. Die bisherigen Prozesse der Technologievorausschau in Form von Delphi-Befragungen waren in hohem Maße auf wissenschaftliche Expertise gegründet gewesen. Im Gegensatz dazu sollte in den "Forschungsdialog Futur" ein großer Akteurskreis aus allen Teilen der Gesellschaft eingebunden werden, um Forschungsthemen zu erarbeiten, die in konkrete Forschungsfördermaßnahmen einfließen können. Als Ergebnis entstanden vier Leitvisionen, die - auch disziplinenübergreifend - zum Teil Eingang in Projekte des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefunden haben. Beispielsweise ist das Nationale Bernstein Netzwerk "Computational Neuroscience" eine Einrichtung, zu der auch die Leitvision "Das Denken verstehen" einen Beitrag geleistet hat.
Während der "Forschungsdialog Futur" den Fokus auf gesellschaftliche Bedarfe gerichtet hatte, ging der 1. Zyklus des im September 2007 gestarteten BMBF-Foresight-Prozesses von einem technologiegetriebenen Ansatz aus. Mit BMBF-Foresight wurde die technologische Zukunftsvorausschau im Bundesministerium für Bildung und Forschung stark systematisiert und strukturell verankert. Der Foresight-Prozess wurde als kontinuierliches strategisches Instrument geplant und erhielt wieder eine stärker wissenschaftlich-expertenbasierte Ausrichtung.
Zyklus 1 (2007-2009) wurde auf Basis einer innovativen Kombination unterschiedlicher Foresight-Methoden, ergänzt um ein Monitoring-Verfahren mit renommierten internationalen Expertinnen und Experten, durchgeführt. Der persönliche Dialog mit nationalen und internationalen Experten und Entscheidungsträgern sicherte die hohe wissenschaftliche Qualität und die internationale Ausrichtung der Foresight-Aktivitäten. Das Vorgehen hat neben der Bestimmung von Zukunftstrends in einer Reihe von etablierten Hochtechnologiefeldern zur Identifizierung von sieben "Zukunftsfeldern neuen Zuschnitts" geführt. Der erfolgreiche Ansatz wurde im Mai 2012 mit dem Start des Zyklus 2 fortgesetzt.
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