
Monitoring bedeutet Bestandsaufnahme und Entdeckung von neuen Entwicklungen. Im BMBF-Foresight-Prozess liegt das Augenmerk auf der Bestandsaufnahme und Identifizierung neuer Entwicklungen in Forschung und Technologie. Es handelt sich dabei um die gezielte Suche nach spezifischen Informationen in abgegrenzten Feldern, die fortlaufend analysiert werden und als Grundlage von Prognosen für die Zukunft dienen.
Konzeptionell gehört das Monitoring zu den Ansätzen, die weniger auf die Bildung von Zukunftsszenarien ausgerichtet sind, als vielmehr auf die umfassende und exakte Beobachtung und Erfassung vorgefundener Zustände, Vorgänge und Prozesse, wobei eine dynamische Komponente ins Spiel kommt. Mit dem Ansatz des Monitorings wird eine sachliche Daten-, Informations- und Wissensbasis geschaffen, auf deren Grundlage Interpretationen erarbeitet und Schlüsse gezogen werden können. Das Vorgehen ermöglicht es dann, kritische Entscheidungspunkte zu ermitteln, Handlungsoptionen zu formulieren und dadurch Entscheidungen auf besserer Informationsgrundlage finden zu können.
Zur Durchführung des Monitorings wurde ein internationales Panel mit ausgewählten Expertinnen und Experten gebildet. Das internationale Panel hat die Funktion, im Rahmen von leitfadengestützten Gesprächen Auskunft über aktuelle Entwicklungen in Forschung und Technologie in möglichst frühen Entstehungsphasen zu geben. Es handelt sich dabei um eine qualitative, offene Befragung mit dem Ziel, neue Themen frühzeitig zu identifizieren. Dabei versteht sich das Monitoring als ein für neue, kreative Antworten offener Prozess.
Die Auswahl der Expertinnen und Experten erfolgte nach strengen Kriterien. Anforderungen sind beispielsweise: starke internationale Vernetzung, hohe internationale Reputation in der Science-Community sowie Mitgliedschaft in einschlägigen international relevanten Boards des Themenfelds.
Die Experteninterviews dienen folgendem Informationsgewinn:
Die Ergebnisse des Monitoring-Prozesses können und sollen für Veränderungen im zu beobachtenden Umfeld sensibilisieren und damit die Ebene strategischer Ausrichtung ansprechen. Das Monitoring bietet mit seinem in der Realität des Beobachtbaren verankerten Ansatz die Möglichkeit, Signale frühzeitig zu erkennen, Chancen und Risiken zu analysieren sowie strategische Entwicklungspfade zu erkunden. Die Ergebnisse des Monitorings werden zudem benötigt, um eine nationale Befragung ausgewählter Expertinnen und Experten vorzubereiten und durchzuführen.
Die Panel-Mitglieder werden in zwei Wellen (Frühjahr/Sommer 2008 und ab November 2008) befragt. Die Ergebnisse bilden die Basis für ein multidisziplinäres "Foresight-Monitoring".
Foresight-Prozesse starten in der Regel mit einer "Diagnosephase", in der die Dynamik des zu untersuchenden Systems analysiert wird. Strukturierte Recherchen sind neben der Umfeldbeobachtung (Environmental Scanning) ein Kernbestandteil dieser Phase. Sie zielen auf eine systematische kontinuierliche Erfassung der relevanten Entwicklungen innerhalb eines Feldes (Active Scanning). Ein strukturierender Rahmen garantiert die Erfassung der relevanten Charakteristika der Signale, darf jedoch die Offenheit gegenüber unerwarteten Veränderungen nicht einschränken.
Im Rahmen des BMBF-Foresight-Prozesses richteten sich die strukturierten Recherchen auf die Identifikation von Forschungsthemen mit einer hohen Relevanz im Zeitraum 10 - 15 Jahre + X. Als Eingangsstruktur wurden Startthemen festgelegt, von denen jedes von Themenkoordinatoren (Scannern) betreut wurde. Diese werteten eine Vielzahl von Quellen aus und führten persönliche Gespräche mit einschlägigen Expertinnen und Experten. Zur ersten Strukturierung der Felder wurden Mindmaps mit mehreren Ebenen verwendet. Bei dem Auftakt-Workshop zum BMBF-Foresight-Prozess im November 2007 in Berlin wurden mit nationalen Expertinnen und Experten auf der Grundlage von Mindmaps und Schnittstellen-Matrizen Suchfelder weiter konkretisiert. Im zweiten Schritt wurden die identifizierten Signale von den Scannern in einer Datenbank erfasst und dabei hinsichtlich zentraler Aspekte wie etwa des Zeithorizonts bewertet. Die Einträge wurden regelmäßig von einem Koordinationsteam analysiert. Auf Basis der Ergebnisse fanden daraufhin intensive Abstimmungen unter den Scannern und es wurden Anpassungen der Suchstrukturen vorgenommen. Neue Suchfelder wurden eingerichtet, wenn dies eine bessere Erschließung mehrerer relevanter Signale erlaubte. Eine solche adaptive Suchstruktur verhindert ein "Lock-In" in eingefahrenen Suchmustern. Auf diese Weise wurde als Ergebnis der Diagnosephase ein erweiterter Satz von Themenfeldern mit relevanten Signalen für Forschungsthemen mit einem Zeithorizont von mindestens zehn Jahren generiert und in die nächste Phase zur Bewertung weitergegeben.
Im BMBF-Foresight-Prozess wird Data-Mining über eine Datenbank der Firma SRI Business Intelligence (SRI) betrieben. Diese Datenbank enthält Einträge zu Trends und Zukunftsthemen. Die hierbei erhaltenen Informationen werden für den BMBF-Foresight-Prozess aufbereitet.
Es wird eine bibliometrische Analyse des Science Citation Indexes (SCI) und des Social Science Citation Indexes (SSCI) der Literaturdatenbank Web of Science durchgeführt, die einen Großteil der wichtigsten englischsprachigen Fachartikel enthält. Dabei sollen durch die Analyse der Publikationszahlen in den vom Web of Science festgelegten Fachgebieten des SCI und des SSCI diejenigen Fachgebiete identifiziert und genauer untersucht werden, die eine stärkere Dynamik und eine gute wissenschaftliche Position und Fachexpertise innerhalb Deutschlands vorweisen. Für diese Fachgebiete wird anhand wichtiger Fachartikel des Gebietes die Interdisziplinarität innerhalb der Zitationen untersucht, welche Aufschluss über mögliche weitere, im Prozess eventuell noch nicht benannte Querschnittsthemen geben kann.
Das Inventorenscouting zielt darauf ab, Personen mit unkonventionellen Ideen und neue Themen zu finden. Auf diesem Wege sollen Impulse für Innovationsansätze gewonnen werden. Als Ausgangspunkte werden hierzu Bibliometrie-Cluster isolierter Themen untersucht. Außerdem werden Personen, die im jeweiligen Gebiet "unkonventionelle" Ideen haben, sowie junge Forscherinnen und Forscher und ihre Themen über das DFG-Hochschullehrerverzeichnis (Doktoranden) und über die Initiative Jugend forscht identifiziert.
Strukturierte Expertendialoge sind ein zentrales Element eines jeden Foresight-Prozesses. Dabei stehen gegenüber einfachen Expertenbefragungen zwei Aspekte im Vordergrund: Die gezielte Erschließung von zukunftsorientiertem Wissen, das häufig nur implizit vorhanden ist, und die Integration von Expertenwissen aus verschiedenen Perspektiven (Collective Intelligence). Die Auswahl der Expertinnen und Experten hängt von dem Gegenstand und der Perspektive des Foresight-Prozesses ab. Oft ist Expertise zu wissenschaftlich/technischen, gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Aspekten vonnöten, um plausible und relevante Zukunftspfade ausloten zu können.
Der BMBF-Foresight-Prozess hat Expertendialoge an verschiedenen Stellen eingesetzt. Zu Beginn des Prozesses wurden in einem Expertenworkshop Zukunftsthemen in interaktiver Gruppenarbeit generiert und bewertet. Dabei wurde gezielt die Erarbeitung von Querbezügen zwischen Disziplinen und Anwendungsfeldern fokussiert. Die Einnahme einer Zukunftsperspektive wurde durch eine imaginäre Zeitreise nahegelegt. Im weiteren Verlauf der ersten Phase des BMBF-Foresight-Prozesses wurden bedarfsorientiert immer wieder fachübergreifende Expertendialoge mit verschiedenen methodischen Elementen aufgesetzt. Insbesondere in die neu aufkommenden Themenfelder wurden auf diese Weise heterogene Elemente aufgenommen, um sie in eine neue Zukunftsperspektive zu integrieren.

Internationales Monitoring-Panel
Die obige Abbildung verdeutlicht die Struktur des internationalen Panels. Die Übersicht zeigt, welche Expertinnen und Experten zu den Mitgliedern des Panels gehören.
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