Bildung
Peter Tönnessen

Online-Tagebuch

In diesem Online-Tagebuch schildern Stipendiatinnen und Stipendiaten in regelmäßigen Abständen ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Hochschulstudium und der Förderung im Programm "Aufstiegsstipendium". Die Berichte geben Auskunft über mögliche Hürden beim Hochschulzugang und die Herausforderungen während des Studiums. Vor allem soll der Blog aber beruflich Qualifizierte dazu ermutigen, den Schritt ins Hochschulstudium und damit den Aufstieg durch Bildung zu wagen.

Programm Aufstiegsstipendium - der Stipendiaten-BLOG

Torsten Janke

Profil

Torsten Janke | Teutschenthal
staatl. gepr. Chemie Techniker

Nach meinem Realschulabschluss kam ich eher durch Zufall in die Chemiebranche. Eigentlich wollte ich etwas Handwerkliches in der Metallverarbeitung machen. Aber Anfang der 10. Klasse, wenn man sich für einen Ausbildungsberuf entscheiden muss, wusste ich noch nicht, was das wirklich in der Praxis bedeutet. Während der Ausbildung zum Chemikant fand ich dann heraus, dass dieser Beruf und das Arbeiten in der Verfahrenstechnik für mich genau die richtige Berufswahl war.

Als ich meine Ausbildung bei BSL in Schkopau (später DOW Deutschland) begann, hatte ich nicht sehr viel Ahnung von Chemie. Aber dank der sehr guten und intensiven Ausbildung dort, änderte sich das ganz schnell. Ich merkte auch, dass Chemie für den Beruf nur die halbe Miete ist und dass man viel technisches Verständnis benötigt, um die ganzen Maschinen zu bedienen, zu steuern und um zu verstehen wie diese arbeiten.

Meinen IHK - Abschluss machte ich als Jahrgangsbester am Standort und bekam daraufhin auch von der IHK ein Weiterbildungsstipendium. Das verwendete ich unter anderem dazu, meine Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern und Defizite aus der Schulzeit auszugleichen.
Dies war auch der Anstoß, mich persönlich weiter zu entwickeln. Denn ich gehöre zu dem Typ Mensch, von dem man sagt, dass "der Groschen relativ spät gefallen ist" und zwar in der Ausbildung. Mich ärgerte später immer, dass ich während der Schulzeit nicht sonderlich viel gelernt hatte und somit nur durchschnittliche Leistungen hatte. Aber vielleicht hat man in dem Alter auch ganz andere Sachen im Kopf.

Schon kurz nach der Ausbildungszeit entwickelte sich darum bei mir der Wunsch Verfahrenstechnik studieren zu wollen. Dazu fehlte mir allerdings noch das Abitur und nach einem kleinen Fehlstart begann ich im zweiten Anlauf die Weiterbildung zum Chemietechniker, verbunden mit der Fachhochschulreife. Zuerst als Fernstudium, später weiter auf der Abendschule.

Während dieser Zeit wurden mir auf meiner Arbeit immer mehr neue Aufgaben übertragen, bei denen ich mein Interesse am Koordinieren und Leiten und Planen entdeckte.

Nach dem Technikerabschluss gönnte ich mir zwei Jahre Auszeit vom Lernen, um mehr Zeit für meine Familie zu haben. Zum Wintersemester 2010 begann ich dann mit dem Fernstudium Verfahrenstechnik an der Hochschule Anhalt. Eine von wenigen Hochschulen, die dieses Fach berufsbegleitend anbieten.

Anderen Berufstätigen kann ich sagen, es ist nie zu spät um noch einmal anzufangen. Und es ist auch nicht nur was für Junge Menschen, die gerade mit der Lehre fertig geworden sind. Beim Techniker und im Studium hatte ich Mitstudierende, die schon weit über 40 waren und es für ihren Beruf gebraucht haben.
Und das Schwere am Studium ist nicht der Stoff, sondern sich selbst zu überwinden, damit anzufangen und es konsequent durchzuziehen.