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Bildung
Peter Tönnessen

Online-Tagebuch

In diesem Online-Tagebuch schildern Stipendiatinnen und Stipendiaten in regelmäßigen Abständen ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Hochschulstudium und der Förderung im Programm "Aufstiegsstipendium". Die Berichte geben Auskunft über mögliche Hürden beim Hochschulzugang und die Herausforderungen während des Studiums. Vor allem soll der Blog aber beruflich Qualifizierte dazu ermutigen, den Schritt ins Hochschulstudium und damit den Aufstieg durch Bildung zu wagen.

Programm Aufstiegsstipendium - der Stipendiaten-BLOG

Andreas Keßler

Profil

Andreas Keßler | München
Industriekaufmann

Als ich im Jahr 1996 endlich das Zeugnis der Mittleren Reife in den Händen hielt wusste ich genau: jetzt hat die Lernerei endlich ein Ende! Weit gefehlt - denn jetzt ging es erst richtig los.

Ich war kein besonders guter Schüler während der Realschulzeit. Die naturwissenschaftlichen Fächer bereiteten mir stets Probleme. Zugegeben, ein bisschen gemütlich war ich auch und um ein Haar hätte ich aufgrund der Noten nicht einmal einen Ausbildungsplatz bekommen. Aber ein Münchner Maschinenbaubetrieb, bei dem ich übrigens noch heute beschäftigt bin, bot mir die Chance auf einen Ausbildungsplatz zum Industriekaufmann.

Den Notendruck der Realschule noch gut im Gedächtnis schwor ich: Nie wieder schlechte Noten - ab jetzt wird gelernt! Die Berufsschule schloss ich schließlich mit einem Notendurchschnitt von 1,5 ab. Die Kammerprüfung mit einem guten Zweier. Ich wurde nach der Ausbildung übernommen und im Einkauf eingestellt.

Der Schritt vom Sachbearbeiter zum Einkäufer war ein etwas größerer. Notwendig waren nicht nur Engagement und Berufserfahrung sondern auch erweiterte, über die Ausbildungsinhalte reichende betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Doch das bereits Erarbeitete aufgeben und das Arbeitsverhältnis kündigen wollte ich nicht. Ich entschied ich mich im Jahr 2000 deshalb für die Aufnahme eines berufsbegleitenden Weiterbildungsstudiums an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie München, welches ich Mitte 2003 erfolgreich beendete.

Inzwischen waren auch meine Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten im Betrieb angewachsen und zunehmend sah ich mich mit nicht nur mehr isolierten kaufmännischen Problemstellungen ausgesetzt. In einem Maschinenbauunternehmen sind die Grenzen zwischen Verwaltung und Technik gerade im Einkauf oft fließend. Außerdem erkannte ich, dass viele Problemstellungen, ob kaufmännisch oder technisch, oft eine wissenschaftliche Herangehensweise erfordern, wie man sie am besten an Hochschulen vermittelt bekommt.

Von 2007 bis 2008 holte ich über den zweiten Bildungsweg im Selbststudium und Wochenendunterricht die Fachhochschulreife nach. Die naturwissenschaftlichen Fächer waren jetzt auch kein Problem mehr.

Seit 2008 studiere ich nun an einer Fernhochschule berufsbegleitend Wirtschaftsingenieurwesen, eine Disziplin die inhaltlich mit den Anforderungen im Beruf sowie auch meinen Interessen und Vorstellungen übereinstimmt. Unterstützt werde ich hierbei durch das Aufstiegsstipendium des BMBF.

Weiterbildung ist für mich heute selbstverständlich geworden. Obwohl das Lernen neben dem Beruf natürlich eine gute Organisation und oft auch private Zugeständnisse erfordert, birgt es gegenüber dem reinen Vollzeitstudium immense Vorteile, wie den direkten Wissenstransfer von der Schule in den Betrieb, aber auch umgekehrt.

Genau so sehr, wie ich mir 1996 das "Ende der Lernerei" herbeigesehnt hatte, begreife ich heute die Wichtigkeit von Bildung und Forschung für den Fortschritt einer Gesellschaft, für die Unternehmen, aber auch für mich persönlich.

Ich möchte den ernsthaft Interessierten nicht nur empfehlen sich weiterzubilden, sondern durch meinen Blog auch Einblicke in die Freuden aber auch zeitweiligen Entbehrungen während des Studiums zu geben. Sie werden jedoch sehen - es ist alles nicht so schlimm wie es oft aussieht! Alles was Sie wirklich benötigen ist ein fester Willen. Viel Spaß beim Lesen.

Andreas Keßler

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