
Manuel Neisch | Leipzig
Pädagoge
Eigentlich war während meiner Schulzeit an der Polytechnischen Oberschule völlig klar, dass ich Abitur machen und studieren würde. Allerdings verdarb mir, trotz bester Noten, eine politische schulische Negativbeurteilung im damaligen sozialistischen Regime diesen Weg. Diese Erfahrung bewog mich eine handwerkliche Lehre zum Gesellen - abseits der sozialistischen Produktionsgemeinschaft - abzuschließen.
Bedingt durch einen Umzug begann ich 1990 - meiner damaligen Planung nach vorrübergehend - im sozialen Bereich zu arbeiten. Aber es kam anders als geplant. Im Lauf der Zeit fand ich Gefallen daran, in diesem Berufsfeld unmittelbar Menschen zur Seite zu stehen. Ich betreute in verschiedenen heilpädagogischen Einrichtungen Behinderte und später Hilfebedürftige in einem Alten- und Pflegeheim.
Während dieser Zeit reifte mein Entschluss eine Fachschule im Bereich Heilpädagogik zu absolvieren. Fachlich gut gerüstet arbeitete ich nach deren Abschluss in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Aufgrund von Einsparungsmaßnahmen in diesem Bereich war ich gezwungen, mir ein neues berufliches Betätigungsfeld zu suchen.
Seit dem Jahr 2000 arbeite ich nun im Internat des Sportgymnasiums Leipzig. Um meinen Jugendwunsch eines Studiums zu verwirklichen, begann ich 2008 an der Fachhochschule Potsdam ein berufsbegleitendes Studium im Fachbereich Sozialwesen.
Natürlich stellt diese anstrengende Form des Studierens neben meinem Job im Schichtsystem eine besondere Herausforderung dar. Besonders am Anfang hatte ich manchmal das Gefühl, ein riesiger unbezwingbarer Berg würde vor mir liegen. Nachdem ich mich aber in meinem bisherigen Leben weder von Borniertheit und Unverständnis, noch von anderen Widrigkeiten in meinem Bestreben nach persönlicher Weiterentwicklung hindern ließ, werde ich nun auch diese Herausforderung meistern.
Vom ersten Tag an wurde ich von meiner Familie und meinen engsten Freunden unterstützt und ermutigt. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass die Entscheidung zum Studieren eine meiner besten und wohl wichtigsten war. Bisher habe ich keinen Tag bereut, obwohl ich durchaus die Mühe manches Mal hinterfragte. Die vielleicht beste Errungenschaft stellt sich in diesem Zusammenhang in meiner gewachsenen Gelassenheit gegenüber komplizierten Situationen dar.
Ich möchte diejenigen, welche unsicher sind und Zweifel haben, ermutigen, sich nicht aufreiben und unterkriegen zu lassen. Und dazu dient meiner Meinung nach am besten, sich immer wieder neue, anspruchsvolle Ziele - womöglich durch ein Studium, zu setzen.