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Bildung
Peter Tönnessen

Online-Tagebuch

In diesem Online-Tagebuch schildern Stipendiatinnen und Stipendiaten in regelmäßigen Abständen ihre Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Hochschulstudium und der Förderung im Programm "Aufstiegsstipendium". Die Berichte geben Auskunft über mögliche Hürden beim Hochschulzugang und die Herausforderungen während des Studiums. Vor allem soll der Blog aber beruflich Qualifizierte dazu ermutigen, den Schritt ins Hochschulstudium und damit den Aufstieg durch Bildung zu wagen.

Programm Aufstiegsstipendium - der Stipendiaten-BLOG

Susanne Klotz

Profil

Susanne Klotz | Erfurt
Physiotherapeutin

Seit meinem zehnten Lebensjahr stand für mich fest, dass ich Physiotherapeutin werden möchte. Die Wahl für diesen Beruf entsprang aber keinen analytischen Überlegungen wie Karrierechancen, Gehaltoptionen oder Arbeitsmarktprognosen, sondern meiner Fußballfreude. Meine Sympathien waren einem bestimmten Verein zugetan, dem ich gerne vor dem Fernseher zujubelte. Ganz besonders spannend wurde es für mich, wenn sich ein Spieler verletzte, dann kamen nämlich die wichtigen Herren in ihren Trainingsanzügen und den geheimnisvollen Koffern herbeigeeilt. Mit ein paar Handgriffen konnten sie die scheinbar schwer verletzten Spieler wieder auf die Beine bringen und diese dann weiterspielen. Das hat mich so beeindruckt, das mein Berufswunsch ganz klar feststand.

Nur, was war das eigentlich für ein Beruf? Ich begann, mich zu informieren, was das Berufsbild des Physiotherapeuten alles beinhaltet und merkte ziemlich schnell, dass die Arbeit auf dem Fußballplatz nur einen ganz geringen Teilaspekt ausmacht. Der weitaus größere Teil der Physiotherapeuten arbeitet in anderen Bereichen, welche sich über alle Ebenen der Prävention, Kuration und Rehabilitation erstrecken. Dennoch, oder besser gerade deswegen, blieb mein Berufswunsch bestehen bzw. festigte sich. Ich hatte meinen absoluten Traumberuf gefunden.

Aber ich war erst zehn Jahre alt und natürlich war mein "Beruf" zu dem Zeitpunkt Schülerin. Allerdings bin ich gerne zur Schule gegangen und hatte auch schon immer Freude am Lernen. Ich genoss die Möglichkeiten, die sich mir boten Wissen aus verschieden Fachgebieten zu erlangen und bin meinen Eltern sehr dankbar, die mir in Sachen Wissensdurst und Interesse an Anderem und Neuem immer ein Vorbild waren, dass sie mich meinen Weg gehen ließen.

Für mein Abitur habe ich mich ganz bewusst entschieden, obwohl ich es für die Ausbildung zur Physiotherapeutin nicht gebraucht hätte. Aber ich hatte schon damals mit dem Gedanken gespielt, irgendwann nach der Ausbildung noch mal ein Studium zu absolvieren. Studiengänge für Physiotherapeuten an deutschen Fachhochschulen gab es damals seit drei Jahren und stellten einen ersten Schritt in Richtung Professionalisierung dar.

Nach dem Abitur bewarb ich mich um eine der begehrten Ausbildungsplätze für Physiotherapie und erhielt auch eine Zusage. Die Ausbildung bereitete mir große Freude und ich schloss diese als Jahrgangsbeste mit der Note 1,3 ab.

Von vornherein war mir klar, dass mit dem Ende der Ausbildung nicht das Ende der Lernerei erreicht ist, wie mir wahrscheinlich fast alle Physiotherapeuten beipflichten werden. Also stürzte ich mich voller Elan in zahlreiche Weiterbildungen neben dem Beruf.

Meine erste Anstellung fand ich in einer kleinen Praxis. Die Arbeit mit den Patienten bereitete mir sehr viel Freude, aber immer öfter ärgerte ich mich über die Rahmenbedingungen. Im Vergleich zum europäischen Ausland wird hierzulande die Physiotherapie immer noch als weisungsgebundener Heilhilfsberuf angesehen. Die ausländischen Dozenten in den Weiterbildungen gaben einen Einblick in die Situation in anderen Ländern und ich konnte mir einen Eindruck verschaffen, was sich in Deutschland im Hinblick auf die Physiotherapie ändern sollte. Ich wollte diese Änderungen mitgestalten und nicht zu denen gehören, die nur reden, aber nicht aktiv werden. Im Laufe der Monate erkannte ich, dass für mich persönlich die physiotherapeutische Forschung als Tätigkeitsgebiet sehr interessant ist.

Daher entschied ich mich nach etwas mehr als zwei Jahren nun doch noch Physiotherapie zu studieren, zumal sich die Angebote an Studiengängen inzwischen erweitert hatten und deren Bedeutung zunehmend wuchs.

Etwa zeitgleich mit der Entscheidung zum Studium erfuhr ich vom Aufstiegsstipendium und bewarb mich um ein Stipendium. Durch die Zusage fiel mir die Entscheidung für ein Vollzeitstudium leichter und ich probierte mein Glück an meiner Wunschhochschule Fulda und siehe da, es klappte. Nun bin ich also Studentin und freue mich auf die Herausforderungen und Erfahrungen der kommenden drei Jahre.

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