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Die BMBF-Früherkennungsinitiative

Um möglichst rasch auf künftigen Qualifikationsbedarf in bestimmten Arbeitsbereichen reagieren zu können, vergibt das BMBF im Rahmen seiner Initiative "Früherkennung von Qualifikationserfordernissen" zu unterschiedlichen Zukunftsthemen spezielle Studien. Somit soll insbesondere ein möglichst verzögerungsfreier Übergang von erfolgreichen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in den Anwendungs- bzw. Produktionsprozess sichergestellt werden.

Die Ermittlung zukünftiger Qualifikationserfordernisse ist für die Gestaltung der beruflichen Bildung von großer Bedeutung. Einerseits liefern die Ergebnisse der Qualifikationsfrüherkennung wichtige Hinweise auf zukünftige Beschäftigungsfelder; andererseits tragen sie dazu bei, die Zukunftsfähigkeit der Aus- und Weiterbildung zu stärken. Hauptziel ist es, künftige neue oder veränderte Qualifikationsentwicklungen in der Berufs- und Arbeitswelt möglichst früh zu ermitteln und rasch in den Prozess der berufsbildungspolitischen Steuerung und Gestaltung einzubringen.

Seit 1999 fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit seiner Früherkennungsinitiative die Ermittlung beruflicher Qualifikationserfordernisse auf Fachkräfteniveau. Bislang sind zahlreiche Projekte zu sehr unterschiedlichen Fragen- und Themenstellungen unterstützt worden. Eine zentrale Rolle spielt hier das Vernetzungsprojekt FreQueNz, welches als bundesweites Forschungsnetzwerk die Forschungsarbeit der verschiedenen Früherkennungsprojekte koordiniert, die einzelnen Ergebnisse aufarbeitet und der (Fach)Öffentlichkeit über die Internetplattform www.frequenz.net sowie verschiedene Print-Publikationen bereitstellt. Gleichzeitig steht FreQueNz über CEDEFOP auch im Dialog mit der europäischen "Früherkennung" (www.trainingvillage.gr/skillsnet).

In der ersten Phase der Früherkennungsinitiative wurden insbesondere Methoden und unterschiedliche Vorgehensweisen zur Früherkennungsforschung entwickelt und praktisch erprobt. Forschungsergebnisse sind u. a. in Vorstudien des BIBB (Nanotechnologie, Wellness), in Weiterbildungsprofile und -module (z. B. Erneuerbare Energien) sowie in einen Fachhochschulstudiengang (Sicherheitsrelevante Dienstleistungen) eingeflossen.

In der Gründungs- bzw. Anfangsphase der Initiative wollten die Beteiligten im Sinne eines offenen Experiments möglichst viele Optionen nutzen. Auf eine feste organisatorische und inhaltliche Steuerung der Forschungsarbeit war deshalb bewusst verzichtet worden. Einzige quasi institutionelle Klammer war die Vernetzungsstelle FreQueNz als Plattform für den wissenschaftlichen Austausch und den Transfer der Ergebnisse.
Im  Jahr 2008 wurde der Früherkennungsforschungs-Förderung des BMBF inhaltlich wie organisatorisch eine präzisere Struktur gegeben.

Prämissen und Vorgaben der Früherkennungsinitiative

  • Das BMBF bietet der Wirtschaft Unterstützung bei der Ermittlung von zukünftigem Qualifikationsbedarf auf der Fachkräfteebene an (Erwerbstätige mit Abschlüssen in einem der bundesweit staatlich anerkannten Ausbildungsberufe oder auch Absolventen mit Weiterbildungsabschlüssen z. B. auf Meister- bzw. Technikerniveau) - mit dem langfristigen Ziel, die geregelte Berufsausbildung und berufliche Weiterbildung möglichst zeitnah ergänzen oder anpassen zu können.
  • Das BMBF will vor allem die Früherkennungsforschung in den Bereichen fördern, in denen sich mögliche Qualifikationsentwicklungen auf Fachkräfteebene unmittelbar im Anschluss an neue Forschungsergebnisse ergeben könnten und in der entsprechenden Branche keine oder nur eine geringe Berufsbildungstradition besteht.
    Der Hintergrund: Innovationen entstehen oft in "berufsbildungsfernen" Umgebungen. Bei der Entwicklung von neuen Produkten oder Verfahren wird in vielen Fällen nicht an die später benötigten Qualifikationen der Fachkräfte - z. B. für die Produktion, den Vertrieb, die Wartung, die Anwendung oder die Entsorgung - gedacht insbesondere dann, wenn diese Innovationen auf wissenschaftlicher Ebene entwickelt werden. Vor allem bei neu entstehenden Branchen, die über keine oder nur eine wenig ausgeprägte Verbandsstruktur und über wenig Erfahrung mit dem Berufsbildungssystem verfügen, ist dieses Problem verstärkt anzutreffen.
  • Der Fokus der zu erstellenden Studien soll sich tatsächlich auf eine Früherkennung richten (Zukunftsperspektive drei bis fünf Jahre) und nicht auf die "Erkennung" von aktuellem Qualifikationsbedarf. Früherkennungsforschung im Sinne der Initiative ist daher nicht gleichzusetzen mit gegenwartsbezogener Qualifikationsbedarfsermittlung.
  • Das BMBF unterstützt vornehmlich qualitative Ansätze der Früherkennungsforschung, bei denen der unmittelbare Kontakt zu den relevanten Forschungseinrichtungen zum einen und zur Wirtschaft mit ihren Entwicklungsabteilungen zum anderen gesucht wird.
  • Früherkennungsforschung soll vornehmlich die (wahrscheinlichen) künftigen Qualifikationserfordernisse auf Fachkräfteebene ermitteln. Die Entwicklung von Vorschlägen für entsprechende Ausbildungsgänge, Schulungsmaßnahmen oder gar für neue Berufe ist nicht ihre Aufgabe. Dies zu organisieren, obliegt weiterhin den Sozialpartnern (Arbeitgeber / Gewerkschaften) und - in Abstimmung mit der Bundesregierung - dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) oder, soweit staatliche Regelungen nicht in Betracht kommen, den Branchen, Betrieben oder Weiterbildungsanbietern.

Zur Auswahl von Themen und Projekten

Unter Federführung des BMBF werden zuerst die Themenbereiche, in denen Früherkennungsforschung betrieben werden soll, festgelegt. In einem zweiten Schritt werden hierzu vom BMBF im wettbewerblichen Verfahren Aufträge für wissenschaftliche Studien vergeben. Dem BMBF besteht beratend ein Beirat zur Seite, dem Vertreter der Wissenschaft sowie der Wirtschaft (Arbeitgeber/Gewerkschaften) angehören.
Fraunhofer IAO und seine im FreQueNz-Netzwerk angeschlossenen Partner sowie externe Experten bereiten für die Themenauswahl Vorschläge vor, die BMBF-intern (insbesondere mit den Forschungsabteilungen) und mit den ggf. betroffenen Fachministerien abgestimmt sowie zur Stellungnahme dem Beirat vorgelegt werden. Dieses Gremium berät das BMBF auch bei der Auswahl der Angebote und auch hinsichtlich der Bewertung und Weiterbehandlung der Studienergebnisse.

Weitere Informationen zu den derzeitigen Aktivitäten und zu den bislang erzielten Studienergebnissen werden auf der Homepage des Forschungsnetzwerkes FreQueNz anbgeboten.
 

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