Das Gesunde im Kaffee

Kaffee schmeckt nicht nur gut, er ist auch gesund. Die Wissenschaft liefert immer mehr Erkenntnisse, dass Substanzen im Naturprodukt Kaffee die Zellen schützen und vielleicht sogar beim Abnehmen helfen.

Eine Tasse gefüllt mit KaffeeEin deutsches Forscherkonsortium will herausfinden, welche gesundheitsfördernden Stoffe im Kaffee stecken.
Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. Von dem Muntermacher wird mehr verzehrt als Mineralwasser oder Bier. Bis vor kurzem genoss er aber unter gesundheitsbewussten Menschen keinen sehr guten Ruf. Das ändert sich langsam. Nicht zuletzt aufgrund neuer Ergebnisse aus der Forschung. Ein deutsches Konsortium ist nun den antioxidativen und schlankmachenden Wirkungen von Kaffee auf der Spur.

"Das früher verschriene Getränk hat positive Gesundheitseffekte", sagt Gerhard Bytof. Er koordiniert bei der Tchibo-GmbH die Suche nach dem Kaffee der Zukunft, der nicht mehr nur gut schmeckt, sondern eventuell auch gesünder macht. Unter dem Dach der BMBF-Förderinitiative "Funktionelle Ernährungsforschung" haben sich die Forscher des bekannten Kaffeerösters mit Kollegen der Technischen Universitäten in München, Kaiserslautern, Hamburg-Harburg und Karlsruhe sowie der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA) in Garching zusammengetan. Im Projekt "Coffeeprevention", das von 2006 bis 2009 lief, und dem Nachfolgeprojekt "Slim Down Coffee", das noch bis 2012 läuft, sind sie dabei bereits auf eine Reihe von interessanten Entdeckungen gestoßen.

Im "Coffeeprevention"-Projekt haben sich die Wissenschaftler mit zwei Substanzen beschäftigt, die natürlicherweise im Kaffee vorkommen und offenbar die Zellgesundheit schützen. Der erste Stoff ist Chlorogensäure (CGA), die auch in Kartoffeln und anderen Lebensmitteln zu finden ist. In Rohkaffee hat sie einen Anteil von etwa acht Prozent, wobei das Rösten der Kaffeebohnen ihren Anteil reduziert. "Bei in-vitro-Modellstudien und später auch bei den Probanden haben wir festgestellt, dass die Chlorogensäure als Antioxidans eine positive Wirkung in der Zelle hat", erläutert Bytof. Das schlussfolgerten die Forscher, nachdem sie mit Biomarkern die Zellgesundheit vor und nach dem Kaffeetrinken gemessen hatten. Messungen mit dem sogenannten Comet-Assay, bei dem Schäden der einzelnen DNA-Sequenzen durch ein elektrisches Feld als Lichtschweif sichtbar gemacht werden, zeigten bei den Kaffeetrinkern positive Ergebnisse. "Insgesamt wurden die Schäden an der DNA der Zellen, die sonst ganz natürlich auftreten, deutlich reduziert", so Bytof.

Darüber hinaus haben die Forscher die Substanz N-Methylpyridin (NMP) im Blick. Diese entsteht beim Rösten aus natürlichen Vorläuferverbindungen des Rohkaffees und ist eng mit dem Vitamin B3 (Niacin) verwandt. Die im Kaffee befindlichen Spuren sind nach Ansicht der Forscher die perfekten Auslöser der so genannten ARE-Response, einer antioxidativen Abwehrkaskade, die zur Entgiftung des Körpers führt.

Zwei Studien an Studenten, die einen besonders gerösteten Versuchskaffee mit mehr CGA zu sich nahmen, bestätigten die gesundheitsfördernde Wirkung. "Damit haben wir erstmals die direkte Wirkung von Kaffeekonsum und Zellgesundheit messen können", sagt Bytof.

Während sie eine solche Wirkung vermutet hatten, beobachteten die Forscher auch etwas, das sie überraschte. Während die Studenten regelmäßig Kaffee tranken, nahmen sie ab. Im Nachfolgeprojekt "Slim Down Coffee", das noch bis 2012 läuft, wird nun dieser Spur intensiver nachgegangen. Zunächst mussten andere Ursachen ausgeschlossen werden. "Die Befürchtung, dass die Gewichtsreduzierung daran liegt, dass der Versuchskaffee noch nicht so gut schmeckt wie gewöhnlicher Kaffe, hat sich nicht bestätigt", sagt Bytof. Deshalb, so die Idee, muss es also an einem oder mehreren Stoffen im Kaffee selbst liegen. Derzeit läuft eine dritte Studie, in der mehr als 80 Probanden auf die Veränderung ihres Stoffwechsels während des Kaffeekonsums untersucht werden. Noch sind die Forschungen ziemlich am Anfang. Ist der Wirkmechanismus aber erst einmal bekannt, könnte der Nutzen groß sein. Schließlich ist beispielsweise die Volkskrankheit Diabetes mellitus ursächlich mit einem zu hohen Körpergewicht verknüpft. Hier könnte eine "Kaffeekur" einen positiven Einfluss haben. Von neuen Kaffeesorten mit Zusatznutzen sei man aber noch Jahre entfernt, dämpft Bytof vorschnelle Erwartungen. Doch der schlechte Ruf des schwarzen Gebräus gehört aus seiner Sicht der Vergangenheit an. "Man sollte Schluss damit machen, den Kaffee zu verdammen", fordert er. Stattdessen könnte die Kaffeepause in Zukunft wohl ganz offiziell nicht mehr nur zum seelischen, sondern auch zum körperlichen Wohlbefinden beitragen

Titel des Projektes:

"Coffeeprevention: Identifizierung, Prüfung und Optimierung der gesundheitsfördernden Eigenschaften von Kaffee"
Koordinatior: Dr. Gerhard Bytof, Tchibo GmbH

FKZ: 0313843

Titel des Projektes:

"Slim Coffee - Identifizierung, Prüfung und Optimierung gewichtsreduzierender Eigenschaften von Kaffee"
Koordinatior: Dr. Gerhard Bytof, Tchibo GmbH
FKZ: 0315692