Forschung

Wenn das Atmen schwer fällt

Atemnot und schwere Hustenanfälle - weltweit leiden etwa 100 bis 150 Millionen Menschen an Asthma. Häufig sind Blütenpollen der Auslöser. Der Frühling - von vielen freudig erwartet wegen Sonne, Wärme und Blütenpracht - ist für Asthmatiker oft eine Qual. Asthma-Anfälle machen ihnen das Leben schwer: Der Brustkorb ist wie zugeschnürt, sie bekommen keine Luft mehr. Auch wenn ein solcher Anfall selten unerwartet kommt, jagt er den Patienten immer wieder aufs Neue große Angst ein. Die natürlichen Reaktionen - hektisches Atmen und Husten - verschlimmern die Atemnot nur.

Asthma bronchiale und COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung), im Volksmund als Raucherlunge bezeichnet, sind schon heute die häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen in Deutschland: Schätzungen gehen davon aus, dass etwa vier Millionen Deutsche an einer COPD leiden. Und die Zahl der Betroffenen steigt weiter: Experten prognostizieren, dass COPD im Jahr 2020 weltweit die dritthäufigste  Todesursache sein könnte, denn die Therapiemöglichkeiten sind begrenzt. Asthma hingegen kann mittlerweile gut therapiert werden, es ist nur in seltenen Fällen lebensbedrohlich. Dennoch leiden in der Bundesrepublik etwa fünf Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der Kinder daran.

Um das Verständnis der chronischen Lungenerkrankungen Asthma und COPD zu vertiefen, neue Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln und damit das Leid der Betroffenen zu lindern, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das bundesweite Kompetenznetz Asthma und COPD (AsCoNet) gegründet. Ziel ist es, neue Konzepte für Diagnostik, Therapie und Prävention entwickeln.

AsCoNet bearbeitet die zwei Teilbereiche "COPD und systemische Konsequenzen" (COSYCONET) und "Bildgebung mittels MRT bei obstruktiven Lungenerkrankungen" (Asthma-MRI, Magnetic Resonance Imaging).
In diesen beiden Verbundprojekten arbeiten Ärztinnen und Ärzte sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von neun Universitäten (Marburg, München, Greifswald, Heidelberg, Gießen, Mainz, Berlin, die Medizinischen Hochschule Hannover, Würzburg), von verschiedenen Forschungsinstituten (Helmholtz-Zentrum München, Max-Planck-Institut Bad Nauheim, Fraunhofer Institut Bremen) sowie an 25 klinischen Studienzentren eng zusammen. Sprecher des Kompetenznetzes ist Prof. Dr. Claus Vogelmeier, Direktor der Abteilung Pneumologie des Universitätsklinikums Gießen Marburg, Standort Marburg.

Das BMBF fördert AsCoNet zunächst für drei Jahre mit 7,5 Millionen Euro. Geplant sind drei weitere Förderphasen bis zum Jahr 2021, in denen die Arbeit fortgeführt und ausgebaut werden soll.

COSYCONET

In den letzten Jahren wurde eine Reihe von Erkrankungen außerhalb der Lunge beschrieben, die überdurchschnittlich häufig bei COPD-Patienten auftreten. Das Spektrum reicht von Gewichtsverlust über Muskelatrophie, Osteoporose, kardiovaskuläre Erkrankungen bis hin zu Depressionen und Angststörungen. Durch diese zusätzlichen Erkrankungen wird die Lebensqualität der Betroffenen weiter eingeschränkt.

Der Zusammenhang zwischen der Lungenerkrankung und diesen Erkrankungen wird auf eine systemische Entzündung zurückgeführt. COSYCONET analysiert deshalb die Häufigkeit solcher Erkrankungen bei COPD-Patienten, prüft einen möglichen Zusammenhang zwischen systemischer Entzündung und Organerkrankungen und evaluiert, wie sich diese Störungen auf Morbidität, Mortalität und Kosten auswirken.

"Wir wollen 3000 Patienten mit COPD verschiedenen Schweregrades an pneumologischen Fachkliniken und Universitäten mit verschiedenen Methoden über mehrere Jahre regelmäßig untersuchen, um die Häufigkeit der verschiedenen Begleiterkrankungen zu erfassen", erläutert Prof. Vogelmeier. Die Daten werden unter verschiedenen Aspekten ausgewertet. Tierexperimentelle Untersuchungen widmen sich den Themen Entzündung, körperliche Leistungsfähigkeit, biologische Alterung und Gefäßerkrankungen. Außerdem werden Blutproben in einer Biobank gelagert und vorhandene Computertomografie-Bilder in einer Datenbank erfasst.

Asthma-MRI

Asthma und COPD sind gekennzeichnet durch eine Verengung der Atemwege. Mit der gängigen Messung der Lungenfunktion sind derartige Störungen nur indirekt und ungenau erfassbar. Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) können zwar die Veränderungen genau erfassen, gehen aber mit einer Strahlenbelastung einher.

Das Projekt Asthma-MRI will innerhalb von drei Jahren die verschiedenen Methoden der Magnetresonanztherapie (MRT) der Lunge zuverlässig für eine breite Anwendung verfügbar machen und die klinische Aussagekraft der Messwerte belegen. Für die standardisierte computergestützte Auswertung werden die Methoden zur Analyse der Lungen-MRT auf einer Software-Plattform entwickelt und zusammengeführt. In einem zweiten Schritt sollen die Methoden und Ergebnisse von Asthma-MRI sämtlichen Zentren von AsCoNet bereitgestellt und dann auch in der COSYCONET Kohorte eingesetzt werden.

"Keine Strahlung ist natürlich besser als viel Strahlung, aber keine Strahlung ist auch besser als wenig Strahlung", sagt Professor Dr. Hans-Ulrich Kauczor von der Radiologischen Klinik der Universität Heidelberg, der Sprecher des Verbundes Asthma-MRI. "Ziel unserer Forschung im Rahmen von Asthma-MRI ist es, die strahlungsfreie MRT als bildgebendes Verfahren zur Diagnose, Therapie und Prävention von obstruktiven Lungenerkrankungen zu etablieren."

Publikationen

  • Von der Idee zum Produkt ID = 1054

    Titelbild der Publikation

    Erfolge der Projektförderung II

    2009, 56 Seiten

    Download [PDF - 3,81 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/projekterfolge_2009.pdf)

  • Erfolge der Gesundheitsforschung ID = 1022

    Titelbild der Publikation

    2008, 44 Seiten
    Bestell-Nr.: 30426

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 2,16 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/erfolge_der_gesundheitsforschung.pdf)

  • Von der Idee zum Produkt ID = 910

    Titelbild der Publikation

    Erfolge der Projektförderung

    2007, 36 Seiten
    Bestell-Nr.: 30328

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 674,2 kB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/von_der_idee_zum_projekt.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)