Navigationsbereich

Ministerium

Kinder besser vor Übergriffen schützen

Im Abschlussbericht des Runden Tisches gegen sexuellen Kindesmissbrauch steht: "Kinder und Jugendliche besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen, erfordert Wissen."! Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat wichtige Schritte zur Umsetzung dieser Empfehlung unternommen. Mit Förderinitiativen in den Bereichen Bildung und Gesundheit hat das BMBF zwei Forschungsschwerpunkte gesetzt, die eine neue Forschungslandschaft aufbauen und verankern sollen. Zugleich werden Netzwerke eingerichtet, die den Austausch der Forschenden aus den verschiedenen Disziplinen sicherstellen. Kennzeichnend für die Forschung ist die Einbindung von Praktikern, durch deren Einsatz die Forschung zu praxisrelevanten Ergebnissen führen soll. Hierfür stellt das BMBF insgesamt 32 Mio. € zur Verfügung.

Schaffung einer neuen Wissenschaftslandschaft

Eine neue Wissenschaftslandschaft wird geschaffen: Die vom BMBF geleitete Arbeitsgruppe am Runden Tisch hat sich mit der wissenschaftlichen Erforschung von Gewalt und Missbrauch und der angemessenen Etablierung dieser Thematik in Forschung, Lehre und Ausbildung befasst. So hat das BMBF mittlerweile verschiedene Beiträge zur Verbesserung des Kinderschutzes in der Gesundheitsforschung und im Bildungsbereich auf den Weg gebracht.

Für eine umfassende, interdisziplinäre wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema in den Bereichen der Bildungs- und Gesundheitsforschung stellt das BMBF 32 Millionen Euro bereit.

Im Bereich der Gesundheitsforschung werden bei Betroffenen und Tätern die komplexen Verhaltensmuster mit ihren verschiedenen Formen psychischer Belastungen und Störungen untersucht.

Im Bereich der Bildungsforschung wird eine nachhaltige bildungswissenschaftliche Forschungslandschaft geschaffen. Gefördert werden wissenschaftliche Projekte, die sowohl fundierte Erkenntnisse zu den strukturellen und personalen Faktoren von sexualisierter Gewalt als auch zu Fragen der Prävention generieren. Zur nachhaltigen wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Forschungsbereiches werden fünf Juniorprofessuren an Hochschulen eingerichtet.
Zugleich werden Netzwerke errichtet, die den Austausch der Forschenden aus den verschiedenen Disziplinen sicherstellen. Kennzeichnend für die gesamte Forschung ist zudem die Einbindung von Praktikern, durch deren Einsatz die Forschung zu praxisrelevanten Ergebnissen führen soll.

Erste Ergebnisse

Materialien für die präventive Arbeit

Das Österreichische Institut für Familienforschung hat im Auftrag des BMBF eine Bestandsaufnahme zu existierenden praxisorientierten präventiven Angeboten und Materialien im Bereich sexualisierte Gewalt durchgeführt. Damit steht nun erstmalig eine auswertbare Sammlung für alle Interessierten zur Verfügung. Diese soll auch im Rahmen einer Zusammenarbeit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) in das zu entwickelnde online-Hilfeportal für Betroffene eingestellt werden.

Repräsentativerhebung Sexueller Missbrauch

Es wurde früh erkannt, dass es zur Einschätzung des Ausmaßes sexueller Gewalt gegen Kinder keine aktuellen Untersuchungen gibt. Dies wurde zum Anlass genommen, das Vorhaben "Repräsentativerhebung zum sexuellen Missbrauchvon Kindern und Jugendlichen" durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen zu fördern. Durch den Vergleich mit der einzigen deutschen Repräsentativbefragung des gleichen Institutes aus dem Jahre 1992 konnte aufgezeigt werden, dass der Missbrauch in Deutschland rückläufig ist.

Die Erkenntnisse und Daten helfen zu beurteilen, welche Strukturen den sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen begünstigen und wie wir Kinder besser schützen können, hieß es anlässlich der Vorstellung der Repräsentativerhebung. In Berlin wurden am 18. November 2011 erste Ergebnisse der Dunkelfeldstudie vorgestellt, die Ende 2013 komplett abgeschlossen sein wird.

Den ersten Forschungsbericht zur Repräsentativbefragung Sexueller Missbrauch 2011 finden Sie hier.

Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen

Das Deutsche Jugendinstitut e.V. (DJI) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fragen der sexuellen Gewalt gegen Kinder. Sexuelle Gewalt gegen Kinder in Institutionen ist ein hochsensibles Thema, da es sowohl dem professionellen Selbstverständnis der Fachkräfte widerspricht als auch ein gesellschaftliches Tabu darstellt.

Mit dem Vorhaben "Forschung zur wissenschaftlichen Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen" wurden grundlegende Daten zur Häufigkeit bekannt gewordener Fälle in Institutionen, zum Umgang mit sexueller Gewalt und zu den Maßnahmen der Prävention erhoben. Durch die Untersuchung konnten Erkenntnisse über sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen gewonnen werden, die zum einen der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs zugeleitet wurden, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Zum anderen bieten diese Daten generell einen Überblick über das Problemfeld in Deutschland.

Leitlinien für Verantwortungsträger in Institutionen

Als Instrument für die Praxis werden gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Leitlinien zum "Kinder- und Jugendschutz als Leitungsaufgabe" erarbeitet. Sie beschäftigen sich mit der praktischen Verantwortung für den Schutz vor sexualisierter Gewalt in Institutionen und bieten Institutionsleitungen die Möglichkeit, ihr Bewusstsein für die Leitungsverantwortung im Kinderschutz zu schärfen.

Aus-, Weiter- und Fortbildung

Die Arbeitsgruppe des BMBF hat sich auch eingehend mit der Aus-, Weiter- und Fortbildung von Berufsgruppen, bei denen die Wahrscheinlichkeit des Erstkontakts mit betroffenen Kindern und Jugendlichen besonders hoch ist, befasst. So wurde gemeinsam mit Expertinnen und Experten nach Wegen gesucht, den Aspekt in die Ausbildungspläne von Lehrkräften sowie Medizinerinnen und Medizinern und anderer Heilberufe zu integrieren. Die Arbeit im Bereich der Lehrkräfte ist bereits abgeschlossen.

E-Learning-Curriculum "Sexueller Missbrauch und Kindesmisshandlung"

Es gilt aber auch, bereits Praktizierenden dieser Berufsfelder eine Fortbildungsoption zu bieten. Deshalb fördert das BMBF die Erarbeitung eines e-Learning Konzepts durch die Universität Ulm, das sich an medizinisch-therapeutische und pädagogische Berufsgruppen richtet. Mithilfe von interaktiven Fallbeispielen, Filmsequenzen und Texten soll das webbasierte Angebot erprobt werden und Praktikerinnen und Praktiker werden sensibilisiert, Signale von Kindern, die Hilfe suchen, richtig zu deuten und ihnen Hilfswege aufzeigen.

Für die Produktion der Filmsequenzen konnte Regisseur Christoph Röhl gewonnen werden. Am 29.11.2011 war die Auftaktveranstaltung zu dem Projekt. Bereits am 19.09. 2012 erfolgte die offizielle Freischaltung des Curriculums im Rahmen des Forschungsvorhabens. Das Interesse an dem Curriulum und einer Teilnahme ist enorm: Eine erste Testphase ging mit 1169 Teilnehmenden an den Start. Eine zweite Testgruppe hat im Dezember 2012 mit dem Curriculum begonnen.

In 30 Stunden sollen die Teilnehmenden sich durch das Programm, das aus mehreren Modulen besteht, arbeiten und so Basiswissen zum Thema erlangen. Zu Beginn standen erst wenige Module zur Verfügung, weitere wurden während der andauernden Testphase entwickelt. In einer begleitenden Studie wird untersucht, ob sich der Kurs als reines Onlineangebot bewährt oder die Auseinandersetzung mit dem emotional besetzten Thema eine Kombination mit Gruppen- und Präsenzkursen erfordert. Der Kurs wird voraussichtlich im Sommer 2014 mit allen evaluierten Lerninhalten zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen zu dem Vorhaben finden Sie auf der Internetseite http://missbrauch.elearning-kinderschutz.de/

Die Zukunft

Die Arbeit des Runden Tisches ist beendet - nicht beendet ist die Arbeit zur Umsetzung der Beschlüsse und Empfehlungen des Runden Tisches. Die Forschungsvorhaben müssen betreut, die Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis sichergestellt und begleitet werden. Die Ergebnisse aus den Bestandsaufnahmen zu Präventionsmaßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch sollen allgemein zur Verfügung gestellt werden. Die thematische Aus- und Fortbildung von Fachkräften in Lehr- und Heilberufen muss vorangetrieben werden. Die Erkenntnisse aus der Dunkelfeldstudie sollen für weitere Forschungsarbeiten aufbereitet werden. Hierzu soll ein organisierter Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer gestalten werden. Diese Vernetzungsaufgabe soll durch die Organisation von weiteren Fachgesprächen, Tagungen und Kongressen erfolgen.

Hintergrund

Am 23. April 2010 trat der Runde Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich" zum ersten Mal zusammen. Er wurde durch einen Kabinettsbeschluss der Bundesregierung ins Leben gerufen und von der Ministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, der Ministerin für Familie und Jugend, Kristina Schröder und der Ministerin für Justiz, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geleitet. Ziel aller Bemühungen des Runden Tisches war es, Kinder und Jugendliche künftig besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen.

Drei Arbeitsgruppen widmen sich zentralen Herausforderungen: Wie die Prävention verbessert werden kann, war Thema der Arbeitsgruppe I unter der Leitung der Familienministerin. Die rechtliche Aufarbeitung und die rechtspolitischen Folgerungen standen im Mittelpunkt der Arbeitsgruppe II unter Leitung der Justizministerin. Die Arbeitsgruppe III unter der Leitung der Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-Thielen, widmete sich der Forschung und der Frage, inwiefern das Thema in die Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern und Medizinerinnen und Medizinern einfließen kann.

Zusatzinformationen

English version of this page
(URL: http://www.bmbf.de/en/14675.php)

Abschlussbericht

Der Runde Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich" hat im Rahmen seiner 6. und abschließenden Sitzung am 30. November 2011 den Abschlussbericht verabschiedet. Den Abschlussbericht, das Anlagenverzeichnis sowie die Anlagen zum Abschlussbericht des Runden Tisches können Sie hier herunterladen.

Publikationen

  • Abschlussbericht Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch ID = 1588

    Titelbild der Publikation

    in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich

    2013, 263 Seiten
    Bestell-Nr.: 30794

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 12,27 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/bmbf_runder_tisch_sexueller_kindesmissbrauch.pdf)

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)