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Hightech-Strategie

Deutsche Klimaforscher fokussieren ihre Zukunftsthemen

Ende Februar 2010 tagten rund hundert deutsche Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zahlreicher Forschungsrichtungen in Eisenach, um sich über die Vorbereitung auf den 5. Sachstandsbericht sowie die aktuelle IPCC-Debatte auszutauschen. Die Tagung wurde von der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) veranstaltet.

Die Wissenschaftler sowie Vertreter von BMBF und BMU bekräftigten ihre Unterstützung für den IPCC als kompetente internationale Einrichtung in Sachen Klimawandel und für seine Berichte als solide wissenschaftliche Basis. Die in der jüngsten Vergangenheit geäußerte Kritik am IPCC stelle die wesentlichen Aussagen des IPCC nicht infrage: Der Klimawandel ist menschengemacht und wird gravierende Folgen für unsere Zivilisation mit sich bringen. Der IPCC sei im internationalen Kampf gegen den Klimawandel unverzichtbar und seine Glaubwürdigkeit ein hohes Gut. Diese Glaubwürdigkeit könne aber nur durch zusätzliche qualitätssichernde Maßnahmen - die vom IPCC selbst zu ergreifen sind - gefestigt werden.

In der Vergangenheit aufgetretene Fehler - etwa die Überschätzung der Gletscherschmelze im Himalaya oder die überzogene Darstellung der Überschwemmungsrisiken der Niederlande - müssen zukünftig unbedingt vermieden werden. Solche Fehleinschätzungen hätten deutlich gezeigt, dass der IPCC Mechanismen benötigt, um derartige Fehler frühzeitig in den Begutachtungsverfahren zu erkennen und zu berichtigen. Daher begrüßt das BMBF die von der UN angestoßene Initiative, die Verfahren auf den Prüfstand zu stellen.
Die deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehen die von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in Auftrag gegebene unabhängige Untersuchung der Verfahrensregeln und Arbeitsweisen des Weltklimarats durch externe Wissenschaftler als Chance, den IPCC und seine Glaubwürdigkeit zu stärken.

In Eisenach wurden konkrete Vorschläge für Verbesserungen der IPCC-Arbeitsweise, zur Stärkung des Überprüfungsprozesses und zur Darstellung in der Öffentlichkeit diskutiert. Hierzu sind weitere Gespräche mit ausgewiesenen Experten seitens BMBF und BMU vorgesehen.


 

Hintergrund

IPCC-Sachstandsberichte

Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC, "Weltklimarat") wurde vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) eingerichtet. Das IPCC selbst betreibt keine Wissenschaft. Es trägt vielmehr die Ergebnisse der Forschungen in den verschiedenen Disziplinen zusammen und bildet die in Sachstandberichten (IPCC Assessment Reports)ab. Die Berichte des IPCC werden in Arbeitsgruppen erstellt und vom Plenum der Mitgliedsregierungen akzeptiert. Jeder beteiligte Forscher kann in drei auf einander folgenden Versionen Kommentare, Kritik und Vorschläge einbringen.

Deutschland ist mit dem Ökonomen Professor Ottmar Edenhofer vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung als Ko-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe III ("Minderung") im Vorstand vertreten. Zusammen mit seinen von den Mitgliedstaaten gewählten Vorstandkollegen wird er bis Mai 2010 etwa 600 bis 700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als so genannte Leitautoren auswählen, die am 5. Sachstandbericht, der bis zum Jahr 2015 erstellt werden soll, mitarbeiten werden. Diese werden dann eine Vielzahl weiterer Wissenschaftler in ihre Arbeit integrieren. Die deutsche Regierung hat etwa 100 Autoren aus den unterschiedlichsten Forschungsrichtungen als mögliche Leitautoren des nächsten Sachstandsberichtes nominiert.

Unabhängige Prüfung des IPCC

Auf Anregung des UNEP, der WMO und der im Global Ministerial Environment Forum repräsentierten Umweltminister beauftragten UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der Vorsitzende des IPCC, Dr. Rajendra Pachauri, am 10. März 2010 die internationale Dachorganisation der Wissenschaftsakademien - InterAcademy Council (IAC) - mit der Aufstellung eines unabhängigen Expertenpanels zur Überprüfung der IPCC-Arbeitsweisen und -Verfahren. Diese Überprüfung soll bis zum 31. August 2010 abgeschlossen und in der darauf folgenden Plenarsitzung des IPCC im Oktober erörtert werden. Mit diesem Vorstoß soll die Qualität der Berichte gesteigert und das Vertrauen der Öffentlichkeit in den IPCC gestärkt werden.
Das IAC wurde im Jahr 2000 von nationalen wissenschaftlichen Akademien aus aller Welt gegründet. Es stellt unabhängige wissenschaftliche Beratung zu globalen Fragen für internationale Organisationen, wie etwa die Vereinten Nationen (UN) und die Weltbank, bereit. Dem Vorstand gehören 18 Mitglieder an, darunter die Präsidenten von 15 nationalen Akademien und vergleichbaren Wissenschaftsorganisationen. Das IAC-Sekretariat hat seinen Sitz bei der Königlich Niederländischen Akademie der Künste und Wissenschaften (KNAW) in Amsterdam.

Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle

Die Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle unterstützt die Integration der Ergebnisse deutscher Forschergruppen in die internationale Bestandsaufnahme zur Klimaänderung sowie die Verbreitung der IPCC-Erkenntnisse in der deutschen Öffentlichkeit. Sie wurde 1998 beim Projektträger des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) eingerichtet und übernimmt insbesondere folgende Aufgaben:

  • Zuarbeit für BMBF und BMU in IPCC-Angelegenheiten;
  • Kontinuierliche Unterrichtung der deutschen Wissenschaftsgemeinde über die IPCC-Arbeit und das hierfür relevante Umfeld;
  • Beratung von BMU und BMBF in fachlichen Fragen und Identifizierung von zusätzlichem Forschungsbedarf;
  • Administrative und fachliche Unterstützung der von der Bundesregierung benannten und von IPCC ausgewählten Autoren und Gutachter sowie
  • Unterrichtung der Öffentlichkeit über die IPCC-Arbeit, z. B. durch deutsche Übersetzungen von IPCC-Veröffentlichungen.

 

Zusatzinformationen

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