Mensch-Technik-Kooperationen

Entwicklung einer neuen Forschungsperspektive für das komplexe Zusammenspiel von Mensch und technologischer Entwicklung - Der Mensch als Maßstab

Kurzbeschreibung des Zukunftsfelds

Mensch-Technik-Kooperationen gehört zu den Zukunftsfeldern neuen Zuschnitts, die im Foresight-Prozess als Schwerpunkte zukünftiger Forschungsanstrengungen erarbeitet wurden. Aus Befragungen von Expertinnen und Experten im In- und Ausland sowie einer Online-Umfrage und bibliometrischen Untersuchungen ergab sich die folgende Definition und Abgrenzung:

Definition und Abgrenzung

Dieses Zukunftsfeld neuen Zuschnitts liefert eine integrierte Forschungsperspektive auf das komplexe Zusammenspiel menschlichen und technischen Wandels. Angesichts immer unmittelbarer an den Menschen heranrückender Technologien und einer fortschreitenden Technisierung der Lebenswelt gilt es, neuartige Konstellationen von Mensch und Technik in ihrer ganzen Vielschichtigkeit in den Blick zu nehmen. Technologische Innovationen wie »ambiente Assistenzsysteme« können nur in Verbindung mit einem tieferen Verständnis des menschlichen Denkens, Fühlens, Kommunizierens und Verhaltens zu einer neuen, dem Nutzer angemessenen, Qualität von Mensch-Technik-Kooperation vordringen. Es bedarf daher einer Forschung, in der geistes- und sozialwissenschaftliche sowie technikwissenschaftliche Erkenntnisse gleichermaßen einfließen. Diese liefert die notwendige Fundierung für den unabdingbaren gesellschaftlichen Diskurs über ethische, rechtliche und soziokulturelle Rahmenbedingungen für den Umgang mit diesen Technologien. Zentrale Themen in diesem Forschungsfeld sind die Neuverortung des Menschen gegenüber veränderten technologischen Möglichkeiten sowie eine Revision des Maschinenkonzepts hinsichtlich neuer maschineller Agenten. Weiterer Forschungsgegenstand muss die Gestaltung menschengerechter Settings für die dichtere Mensch-Maschine-Interaktion sein, sei es in Form von »Mensch-Technik-Teams« oder der Großperspektive einer »Mensch-Maschine-Kultur«.

Folgendes Verständnis des Technikbegriffs liegt dabei zugrunde:

Technischer Wandel wird hier vor einem Hintergrund sozialwissenschaftlicher Technikgeneseforschung als eine Dimension gesellschaftlichen Wandels verstanden. Technik und Gesellschaft entwickeln sich nicht isoliert voneinander, sondern sind in vielfältiger Weise miteinander verbunden. Das Verhältnis von Technik und Gesellschaft ist nicht durch eine einseitige Beeinflussung, sondern durch eine »Ko-Evolution« gekennzeichnet« (Grunwald). Die in diesem Prozess entstehenden technischen Artefakte strukturieren dann Wahrnehmung und Handlungsmöglichkeiten des Einzelnen. Der einzelne Mensch, die Beziehungen zwischen Menschen und die Gesellschaft verändern sich somit im Zuge der Aneignung von Technik. Die hier behandelten »dichten« Technologien weisen eine spezifische Ausprägung dieses Wechselspiels auf, indem sie sehr grundlegende, etablierte Annahmen über das Zusammenspiel von Mensch und Technik in Frage zu stellen scheinen. Um diesen Prozess in wünschenswerter Weise gestalten zu können, ist, unseren Analysen zufolge, eine reflexive Technikentwicklung erforderlich. Dazu gehört ein intensiver gesellschaftlicher Diskurs über wünschenswerte Entwicklungspfade ebenso wie ein neuer Typ von Forschung, der Wissensbestände von Geistes- und Sozialwissenschaften auf der einen und von Technikwissenschaften auf der anderen Seite integriert, um die erwünschten Pfade zu ermöglichen und den notwendigen Diskurs zu unterlegen.

Dabei wird technischen Artefakten an keiner Stelle der Status von handelnden Subjekten mit eigenem Bewusstsein zugeschrieben. Es wird lediglich konstatiert, dass Artefakte zunehmend Funktionen übernehmen, die zuvor nur dem Menschen zugemessen wurden und daher immer menschenähnlicher zu werden scheinen. Es gilt, in Diskurs und Forschung neue Begriffssysteme zu entwickeln, die es erlauben die Grenzen und Differenzen ebenso wie neue Typen von Interaktion von Mensch und Technik adäquat zu kennzeichnen. Heute etablierte Sprechweisen können diese neuen Formen nicht angemessen fassen. Die hier verwendeten Bezeichnungen »Mensch-Technik-Teams« und »Mensch-Technik-Kooperation« sind als Platzhalter für die noch zu entwickelnden Begriffe zu verstehen.

Mehr zum Thema

Bericht

Das vollständige Kapitel aus dem Foresight-Bericht zu diesem Zukunftsfeld können Sie hier herunterladen.

Zusammenfassung der Nutzerbeiträge im Mai/Juni 2010

Von Anfang Mai bis Ende Juni 2010 hatten Nutzer auf einer eigens eingerichteten Onlineplattform die Gelegenheit, ihre Gedanken zu diesem Zukunftsfeld neuen Zuschnitts zu veröffentlichen. Als Anregung wurden u.a. folgende Fragen gestellt:

  • Wie bewerten Sie die Definition und Abgrenzung des Zukunftsfelds?
  • Welche Aspekte halten Sie für besonders wichtig?
  • Welche vorhandenen Ansätze und Anknüpfungspunkte sehen Sie?
  • Wie ordnet sich das Zukunftsfeld in die vorhandene Forschungs- und Innovationslandschaft ein?
  • Wie schätzen Sie die Perspektiven zur Weiterentwicklung und Umsetzung des Zukunftsfelds ein?
  • Welchen Handlungsbedarf sehen Sie?

Hierzu gab es den folgenden Beitrag:

Mensch-Technik Kooperation

Verfasst von Dr. Albrecht Pitzken (keine) am Sonntag, 13 Jun 2010 - 16:26
Mir erscheint der Beitrag sehr theoretisch abgehoben. Ich vermisse Hinweise auf praktische Ausführungen. Wie, wo, bei wem kann man die praktische Ausführung einer Idee anregen ohne die Rechte an dieser Idee aus der Hand zu geben? Ich könnte z.B. einen Sinn darin sehen, mit einer Idee die Entwicklung zu einer praktischen Realisierung anzuregen bis zum fertigen und verwendungsfähigen Endprodukt, mit dem sich die Kooperation zwischen Mensch und Technik verbessern lässt.

Unterstellen wir mal folgendes hypothetisches Beispiel:

Jemand hat eine Idee, die das Autofahren viel rentabler, sicherer und bequemer für den Fahrer und die Fahrgäste macht, ist aber selber technisch und finanziell nicht in der Lage, diese Idee zu realisieren, sucht also finanzielle und technische Unterstützung, möchte aber nicht seine Rechte an dieser Idee verlieren. Ausserdem sollte die Enwicklung der Geheimhaltung unterliegen, um zu vermeiden, dass sich andere (Einrichtungen, Organisationen, Länder) darauf stürzen, um selber den kommerziellen Nutzen daraus zu ziehen.

Oder liege ich mit diesem Beispiel ausserhalb des vorgegebenen Themas?

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