
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat 2010 einen langfristig angelegten Strategieprozess "Nächste Generation biotechnologischer Verfahren - Biotechnologie2020+" begonnen. Bio- und Ingenieurwissenschaften sollen enger miteinander verzahnt werden, um die Grundlagen für neuartige biotechnologische Produktionsverfahren zu legen.
Biotechnologische Produktionsverfahren halten seit einigen Jahren Einzug in der chemischen Industrie, der Papier- und Lederindustrie, der Futter- und Nahrungsmittelherstellung und der Kosmetikbranche. Bisher verfügbare fermentative oder biokatalytische Verfahren unterliegen jedoch Einschränkungen: Beispielsweise können mit Mikroorganismen keine zelltoxische Stoffe hergestellt werden und natürliche Enzyme funktionieren meist nicht in organischen Lösungsmitteln. Hohe Kosten für Aufreinigungsschritte behindern die Wirtschaftlichkeit biotechnologischer Produktionsverfahren.
Zahlreiche Vorgespräche mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft haben ergeben, dass neuartige biotechnologische Produktionsverfahren aus einer engeren Kooperation von Bio- und Ingenieurwissenschaften entstehen könnten. Deutschland ist mit seinen starken Ingenieurwissenschaften und als bedeutender Standort der chemischen Industrie in einer günstigen Ausgangsposition. Der öffentliche Startschuss für den Strategieprozess wurde mit einem Auftaktkongress am 8. Juli 2010 gegeben. Für die kommenden Jahre sind ein öffentlicher Jahreskongress, Fachgespräche zu spezifischen Themen sowie weitere Veranstaltungen vorgesehen. Der zweite Kongress fand am 7. Juli 2011 im bcc Berlin statt.
Der langfristig angelegte Strategieprozess hat sich zum Ziel gesetzt, alle am FuE-Prozess Beteiligten in Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen. Gemeinsam soll eine Roadmap für Forschung und Entwicklung ausgearbeitet werden, die die wichtigsten Meilensteine zur Realisierung einer nächsten Generation biotechnologischer Verfahren benennt. Neben den wissenschaftlich-technischen Herausforderungen sollen im Strategieprozess auch gesellschaftliche Aspekte frühzeitig reflektiert und angemessen berücksichtigt werden.
Ein Koordinierungskreis mit Vertretern aus Hochschulen, Forschungsorganisationen und Wirtschaft begleitet den Strategieprozess. Die außeruniversitären Forschungsorganisationen Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft haben sich 2010 in einem gemeinsamen Memorandum of Understanding zur aktiven Unterstützung des Strategieprozess bekannt.
Bei der ersten Serie von Fachgesprächen 2010/11 wurden wesentliche technologische Meilensteine für die Entwicklung einer nächsten Generation biotechnologischer Verfahren herausgearbeitet und dokumentiert. Aufbauend auf den Ergebnissen der Fachgespräche wurde im Juli 2011 die Fördermaßnahme "Basistechnologien für eine nächste Generation biotechnologischer Verfahren" gestartet. Damit sollen die notwendigen Forschungsarbeiten angestoßen werden, um Basistechnologien ("enabling technologies") mit generischem Charakter und einem breiten Anwendungspotenzial für eine nächste Generation biotechnologischer Verfahren zu entwickeln. Ziel sind Sprunginnovationen, die über die heute etablierten fermentativen oder biokatalytischen Verfahren weit hinausgehen und noch einen deutlichen Bedarf an Vorlaufforschung haben. Es geht also nicht um die schrittweise Weiterentwicklung bekannter biotechnologischer Produktionsverfahren, sondern um die Entwicklung der Grundlagen für neuartige, heute noch nicht realisierbare Verfahren. Dafür sind explorative, originelle und risikoreiche Forschungsansätze erforderlich. Die Förderung soll einen Anreiz geben, vorhandene Forschungskompetenzen auf die Themen und Ziele des Strategieprozess "Nächste Generation biotechnologischer Verfahren - Biotechnologie 2020+" auszurichten.
Zusätzlich wurde im November 2011 der Forschungspreis "Nächste Generation biotechnologischer Verfahren" ausgeschrieben. Ziel der Vergabe des Forschungspreises ist das Sichtbarmachen von wissenschaftlichen Durchbrüchen, die für die Entwicklung einer nächsten Generation biotechnologischer Verfahren relevant sind. Damit sollen Forschungsresultate anerkannt werden, die in Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder auch Unternehmen erzielt wurden. Der Forschungspreis soll dazu dienen, das aufgebaute Know-how zu sichern und auszubauen, indem eine Forschungsgruppe im wissenschaftlichen Umfeld des maßgeblich an den Forschungsresultaten beteiligten Forschers finanziert wird. Die Forschungsgruppe soll den erzielten wissenschaftlichen Durchbruch für die Entwicklung einer nächsten Generation biotechnologischer Verfahren fruchtbar machen. Bewerbungen können bis zum 31. Januar 2012 eingereicht werden.
Weitere Informationen zum Strategieprozess sind unter biotechnologie2020plus.de zu finden.
(URL: http://www.bmbf.de/foerderungen/17581.php)
[Presse]
(URL: http://www.bmbf.de/press/2901.php)
(URL: http://www.bmbf.de/de/16679.php)
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(URL: http://www.biotechnologie2020plus.de/)