
Der Tiger erwacht - mit einem ehrgeizigen Plan will sich Indien innerhalb der führenden Wissenschaftsnationen etablieren. Um die Quote der Studierenden auf Weltniveau zu heben, wird Indien bis 2020 über 70 neue Hochschulen eröffnen. Zudem verzeichnet das Budget für Forschung einen starken Anstieg. Für Deutschland ist Indien der wichtigste Partner bei der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit in Südasien. Beide Staaten blicken auf eine über 60-jährige Zusammenarbeit im Bereich der Bildung und Forschung zurück.
Die zunehmende Intensität deutsch-indischer Kooperation in Bildung und Forschung drückt sich unter anderem in einem zunehmenden, beidseitigen Austausch von Studenten und Wissenschaftlern aus.
Zur Zeit werden im Rahmen von Anbahnungsmaßnahmen des BMBF/IB jährlich Aufenthalte bzw. Reisen von jeweils etwa 75 indischen und deutschen Wissenschaftlern und Ingenieuren an Hochschulen und Forschungseinrichtungen des Partnerlandes unterstützt (z. Zt. rd. 50 Anbahnungsmaßnahmen), zusätzlich werden etwa 15 Einzelreisen und 2-4 bilateral finanzierte Workshops pro Jahr durchgeführt.
Schwerpunkte der deutsch-indischen WTZ sind nach den Beschlüssen der letzten Sitzung des WTZ- Komitees:
Auf dem Gebiet der Produktionstechnologie wird aus Mitteln des BMBF derzeit ein erstes produktionstechnologisches Forschungsvorhaben gemeinsam mit dem DST gefördert und von den Projektpartnern (TU Darmstadt und IIT Delhi sowie PSG College Coimbatore) durchgeführt. Ziel des Kooperationsprojekts LeanDI ist es, die Methoden des "Lean Manufacturing" auf die Anforderungen von Unternehmen, die in globalen Wertschöpfungsstrukturen produzieren, zu übertragen. Dabei werden die vier Schwerpunkte Werkzeugmaschine, Fertigungssystem, Fertigungsorganisation und Verbundproduktion betrachtet. Im Ergebnis sollen Lean Methoden auf die jeweiligen örtlichen Randbedingungen abgestimmt und bewertet werden können.
Im Bereich der Umwelt-/Nachhaltigkeitsforschung wird ein deutsch-indisches Projekt innerhalb der BMBF-Förderbekanntmachung "Megacities - Forschung für die nachhaltige Entwicklung der Megastädte von morgen" in einer zweiten Phase für weitere fünf Jahre gefördert. Dabei handelt es sich um ein Verbundvorhaben an dem mehrere Universitäten und Firmen beteiligt sind. Das Projekt fokussiert auf die Themen Energieeffizienz und Klimaschutz in Hyderabad.
Im Bereich der Biotechnologie ist ein erstes größeres FuE-Vorhaben der Universität Münster zur Förderung aus Mitteln des BMBF vorgesehen. In dem Projekt sollen Enzyme aus Pilzen isoliert und auf ihre potentiell pharmazeutisch und landwirtschaftlich bedeutsame Wirkung getestet werden.
Darüber hinaus beteiligt sich Indien neben 14 weiteren Staaten an dem internationalen Forschungszentrum FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research), das bis 2015 bei der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt mit Unterstützung des BMBF gebaut wird. Indien beteiligt sich neben Deutschland auch am Bau des internationalen Fusionsreaktors ITER in Frankreich.
Das deutsch-indische Gemeinschaftsprojekt "Science Express", das von den Regierungschefs am 30.10.2007 als "rollendes Science Center" gestartet wurde, hat mit über 2 Mio. Besuchern auf seiner siebenmonatigen Fahrt durch Indien die Erwartungen weit übertroffen und wird sowohl von Seiten des indischen Department of Science and Technology (DST) als auch von Seiten des BMBF als großer Erfolg bewertet. Unter Federführung der Max-Planck-Gesellschaft ist es mit dem Science Express gelungen, einer breiten indischen Öffentlichkeit und insbesondere Schülern und Studenten den Innovations- und Hightechstandort Deutschland ebenso wie den Studienstandort Deutschland vorzustellen. Der Zug, dessen Fahrt durch 57 indische Städte am 04.06.2008 zu Ende ging, fand in Indien große mediale Beachtung.
Im Rahmen des Besuchs der Bundeskanzlerin Ende Oktober 2007 in Indien unterzeichneten Bundesministerin Schavan und der damalige indische Forschungsminister Kapil Sibal eine Vereinbarung zur Einrichtung eines "Deutsch-Indischen Wissenschafts- und Technologiezentrums" (Englisch: "Indo-German Science and Technology Centre (IGSTC)"), das am 9.9.2008 beim Besuch von Bundesministern Schavan in Neu Delhi formal eingeweiht wurde. Für die Förderung werden BMBF und DST zunächst bis 2012 jeweils zwei Millionen Euro pro Jahr bereitstellen. Gefördert werden sollen Projekte auf für beide Seiten potentiell besonders gewinnbringenden Feldern der industrienahen Forschung und Entwicklung an denen sowohl akademische als auch industrielle Partner auf beiden Seiten beteiligt sind (2+2 Projekte). Eine erste Bekanntmachung wurde im Februar 2009 veröffentlicht und ist auf breite Resonanz gestoßen.
Unter dem Dach der Kampagne "Research in Germany - Land of Ideas" startete Ministerin Schavan im September die Forschungsmarktinitiative "Deutschland und Indien - Partner in Innovation". Durch gezielte Marketingaktivitäten sollen gemeinsam mit universitären und außeruniversitären Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen, FuE-Netzen und forschungsintensiven Unternehmen die Stärken des Standorts Deutschland im Bereich Forschung und Entwicklung in Indien vermarktet werden. Insgesamt werden 19 Initiativen gefördert, die sich in einem Ausschreibungsverfahren mit ihren Ideen durchgesetzt haben.
Indien ist eines von fünf Partnerländern der forschungspolitischen Dialogreihe "Dialogue for Sustainability" (D4S): Sustainable Solutions - Science for Sustainability". Hierzu haben Ministerin Schavan und ihr damaliger Amtskollege Sibal eine gemeinsame Erklärung zur Zusammenarbeit im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung unterzeichnet (2008). Kernthemen sind Energie, Landnutzung, Abfallwirtschaft und Wasser. Bisher haben zwei Konferenzen stattgefunden, eine weitere ist für Anfang 2010 geplant.
Das ERA-Netz "New Indigo" wird aus Mitteln des 7. EU Forschungsrahmenprogramms (2009-2014) finanziert und von Frankreich koordiniert. Deutschland ist neben sechs weiteren EU-Staaten beteiligt und wird die erste Bekanntmachung finanziell unterstützen. Das Projekt soll dazu beitragen, die Qualität, Quantität, Ausrichtung und Wirkung von gemeinsamen Aktivitäten im Forschungsbereich zwischen Indien und den Ländern des Europäischen Forschungsraums zu steigern.
Am 08.09.2008 hat Ministerin Schavan an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des IIT Madras teilgenommen, das bei seiner Gründung durch die Bundesregierung besonders gefördert wurde. Hierbei gab sie die Einrichtung eines neuen, aus BMBF-Mitteln finanzierten Stipendienprogramms ("STAR") des DAAD zugunsten junger indischer Nachwuchswissenschaftlern bekannt.
Mit Förderung aus der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder wurden 2008 neue Auslandsrepräsentanzen der Universität Göttingen in Pune und der FU Berlin in Neu-Delhi eröffnet. Die MPG hat in Zusammenarbiet mit dem BMBF einen Mitarbeiter zur Verstärkung der WTZ an die Botschaft Deutschlands nach Neu-Delhi entsandt.
DFG, DAAD, AvH, MPG, Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF), Fraunhofer-Gesellschaft (FhG), Leibniz-Gemeinschaft (WGL), Goethe-Institut (Bezeichnung in Indien: "Max-Müller-Bhavan"), Deutsch-Indische Handelskammer (AHK) und weitere Förderer- und Mittlerorganisationen sind ebenfalls mit eigenen Forschungs- und Förderprogrammen in Indien aktiv und z. T. sogar vor Ort vertreten.
Die MPG ist an einer Ausdehnung ihrer institutionellen Beziehungen mit Indien interessiert und führte vor diesem Hintergrund eine Fact-Finding Mission im Januar 2004 nach Indien durch. Thematische Schwerpunkte der Kooperation liegen im Bereich der Infektionsbiologie, Bioinformatik und Informatik sowie Nanotechnologie. Die seit 2004 eingeführten Partnergruppen (derzeit 10) von MPG-Fellows an indischen Forschungsinstituten sind sehr angesehen und erfolgreich und sollen auch mit finanzieller Unterstützung Indiens (DST) ausgedehnt werden.
Bei der DFG gibt es eine Wissenschaftlerinitiative zum Aufbau eines "Internationalen Graduiertenkollegs" mit Indien unter dem Schwerpunkt Nanotechnologie. Die DFG unterstützt im Rahmen eines gemeinsamen Programms mit der Indian National Science Academy den Austausch von Wissenschaftlern, z. B. auch für fachliche Erkundungsreisen. Seit einigen Jahren finanziert und organisiert die DFG den Besuch indischer Doktoranden bei deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen im Anschluss an das Treffen der Nobelpreisträger in Lindau (Bodensee), eine Maßnahme, die in Indien sehr positiv wahrgenommen wird und eine gute Werbung für den Forschungsstandort Deutschland darstellt. DFG, DAAD, AvH und AHK sind gemeinsam mit Büros im "German Centre for Research and Higher Education" in Neu-Delhi vertreten.
Die Mitgliedseinrichtungen der Helmholtz Gemeinschaft HGF kooperieren direkt mit indischen Forschungseinrichtungen. Besonders hervorzuheben ist das Forschungszentrum Jülich (FZJ), das vor allem auf den Gebieten Materialforschung, Biotechnologie und Umwelt mit verschiedenen indischen Partnerinstituten zusammenarbeitet. Das Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig kooperiert mit Instituten des Department of Biotechnology (DBT) und des Indian Council of Medical Research (ICMR) vor allem auf dem Gebiet der Infektionsbiologie und der Bioinformatik. Zusammen mit dem Indian Council of Medical Research (ICMR) und der Jawaharlal Nehru University in New Delhi wurde 2008 das "Indo-German Science Centre for Infectious Diseases" eröffnet.
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Informationen zum Indischen Bildungs- und Wissenschaftssystem (URL: http://www.internationale-kooperation.de?seite=länderinformationen&land=102/)
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Beratung zur Deutsch-Indischen Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft (URL: http://www.daad.de/portrait/de/1.7_land.html?id=4)
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