Eigentlich wollte Jörn Soetebier die Tischlerei seines Vaters übernehmen. "Ich habe nie vorgehabt zu studieren", sagt der 24-jährige aus dem nordrhein-westfälischen Steinhagen. Dass es doch anders kam, hat wohl etwas mit seinem unstillbaren Wissensdurst zu tun. "Mir ist klar geworden, dass ich Spaß am Lernen habe", sagt Soetebier. "Ich würde gerne beruflich weiterkommen. Vielleicht sogar auf internationaler Ebene."
Dass sich sein Blick einmal so weiten sollte, damit hatte er selber zunächst nicht gerechnet. Nach einem Realschulabschluss ging Soetebier 2002 bei einer Tischlerei im Nachbarort in die Lehre. Die Abschlussprüfung bestand er 2005 mit "sehr gut". Was dann folgte, ist eine so schnelle Abfolge an Zusatzqualifikationen und Abschlüssen, dass es Außenstehenden hin und wieder schwer fällt, den Überblick zu behalten: Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Soetebier von 2006 bis 2007 verschiedene Teile der Meisterprüfungen absolvierte. Mit kaum 20 Jahren hatte er den Ausbilderschein in der Tasche und damit die Befähigung, angehende Tischler - oft kaum jünger als er - bei ihrer Arbeit anzuleiten.
Aber die Ausbildung zum Meister ist seiner Ansicht nach nicht in allen Bereichen umfassend genug: "Der kaufmännische Teil kommt viel zu kurz", sagt er. Also belegte er bereits anderthalb Jahre nach seiner Meisterprüfung eine Fortbildung zum "Betriebswirt im Handwerk" bei der Handwerkskammer in Münster.
Jörn Soetebier meint: "Ich hätte mich sicher geärgert, wenn ich das alles nicht gemacht hätte." Seit September studiert Soetebier in Lemgo Holztechnik. Die Hochschule hat einen wirtschaftlichen Schwerpunkt und konzentriert sich auf Entwicklungs-, Produktions-, Logistik- und Vertriebsprozesse auf nationalen und internationalen Märkten. Und genau das ist es, wo Jörn Soetebier jetzt hin möchte.