
Die Ergebnisse dieser Studie lassen sich in sechs Schwerpunkten zusammenfassen:
1. Profil der Studierenden,
2. Anforderungen und Studierbarkeit,
3. Studieneffizienz und Studienbewältigung,
4. Studienqualität und Lehrevaluation,
5. Berufs- und Arbeitsmarkterwartungen,
6. Entwicklung der Auslandsaktivitäten
Eine gute Abiturnote spielte bei der Entscheidung für eine Studienaufnahme eine fast genauso große Rolle wie eine akademische Herkunft: 2010 gehören 42 Prozent der Studierenden zum Kreis der Bildungsaufsteiger (kein akademisches Elternhaus), wobei ihr Anteil an den Universitäten mit 42 Prozent weit geringer ist als an den Fachhochschulen mit 60 Prozent. Ihr Zugang an die Hochschulen hat sich jedoch kaum erweitert.
Die Fachwahl bleibt entscheidend von der Belegung der Leistungskurse bzw. Schwerpunktfächer in der Schule abhängig, wobei sie nach wie vor geschlechtsspezifischen Mustern folgt: Frauen sind überproportional in Fächern wie Sozialwesen, Erziehungswissenschaften und Sprachen vertreten, Männer dagegen überproportional in den Ingenieur- und Naturwissenschaften. Das heißt: Die Entscheidung über die Verfügbarkeit von Fachkräften fällt im Grunde zu einem wesentlichen Teil vor Wahl der Leistungskurse. Oder umgekehrt: Wenn man Fachkräftebedarf langfristig steuern will, muss man an dieser Stelle die notwendigen Weichenstellungen vornehmen.
Aus Sicht der Studierenden haben in den letzten Jahren die Leistungsanforderungen stark angezogen; sie sind außerdem immer einseitiger auf den Erwerb von Faktenwissen ausgerichtet. Gliederung und Aufbau des Studienangebotes haben sich nicht verbessert. Besondere Probleme bereitet den Studierenden die Prüfungsvorbereitung vor allem deshalb, weil die enger getakteten Prüfungsanforderungen die notwendige Klarheit und Abstimmung mit dem Lehrstoff vermissen lassen. Belastungen entstehen insofern vor allem durch die Stoffmenge und die Probleme des Prüfungssystems, weniger durch Leistungsanforderungen an sich und das inhaltliche Niveau. Jeder zweite Studierende macht sich Sorgen, das Studium überhaupt zu schaffen - dieser Anteil hat in den letzten Jahren stark zugenommen.
Ein gutes Examen ist für die Studierenden sehr wichtig. Die Absicht, rasch einen Abschluss zu erlangen, hat jedoch etwas nachgelassen. Die meisten Studierenden weisen eine hohe Studien- und Fachidentifikation auf. Nur wenige denken an einen Fachwechsel oder den Studienabbruch. Ein beachtlicher Teil der Studierenden gerät jedoch trotz strikter Vorgaben im Studienverlauf in Verzug. Anders als es oft behauptet, zeigt die Studie, dass der zeitliche Aufwand für das Studium gegenüber früheren Jahren nicht gestiegen ist. Es sind vor allem die strikteren Reglementierungen und die enger getakteten, laufenden Prüfungsanforderungen, welche die Studierenden unter deutlich größeren Druck setzen. Auch hier gilt: Die Hochschulen sind hier problembewusster geworden und haben, unterstützt durch die Änderungen in den Ländergemeinsamen Strukturvorgaben, überprüft, wie sie angemessene Leistungskontrollen durchführen können.
Bachelorstudierende sind effizienzorientierter, hegen aber mehr Zweifel an der Studierbarkeit ihres Studienganges. An Universitäten unterliegen sie strikteren Vorgaben als Studierende mit anderen Abschlüssen, geraten aber ebenso häufig in zeitlichen Verzug. Sie berichten von einer schlechteren Gliederung ihres Studiums, aber von gleichwohl unverändert hohen Leistungsanforderungen im Vergleich zu Studierenden in den traditionellen Studiengängen. Durch das als ungünstiger empfundene Prüfungssystem sind die Erfüllung von Leistungs- und Prüfungsansprüchen sowie die Orientierung im Studium mit mehr Schwierigkeiten ver-bunden, auch mit größeren Belastungen wegen Stoffmenge und Prüfungsdruck.
Im Gegensatz zu den Problemen im Themenbereich Studierbarkeit insbesondere im Hinblick auf die Stoffmenge und dem enger getakteten Prüfungssystem zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die in den 90er Jahren ständig besser bewertete Studienqualität erhalten bleibt. Insbesondere die inhaltliche Qualität der Lehre, des Gesamtaufbaus der Studiengänge und die Durchführung der Lehrveranstaltungen wird von der großen Mehrheit der Befragten mit gut bewertet. In den Bachelorstudiengängen werden allerdings Abstriche beim Aufbau der Studiengänge und bei der Betreuungs- und Beratungsqualität gemacht. Neben der Abschlussart spielt die Fachzugehörigkeit eine wichtige Rolle. Die Betreuungs- und Beratungsleistung wird insbesondere in Staatsexamensstudiengängen Jura und Medizin sowie in den Wirtschaftswissenschaften vergleichsweise seltener mit gut bewertet. Das zeigt, dass die Schwierigkeiten nicht an der zweistufigen Studienstruktur liegen.
Gute Bewertungen in der Lehrevaluation erhalten die Vortragsqualität und die Vermittlung des Lernziels. Dies setzt sich auch in der weitgehend positiven Beurteilung fort, dass sich die Lehrenden gut auf ihre Lehrveranstaltungen vorbereiten. Häufiger bemängelt werden allerdings fehlende Zusammenfassungen, fehlende Hinweise auf die Praxis und die fehlende Nachfrage der Lehrenden, ob der Lehrstoff auch verstanden wurde.
Die fachliche Förderung wird nach Einschätzung der Studierenden in allen Studiengängen in ausreichendem Maße geboten; besonders hoch fällt sie in Medizin sowie in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aus. Rund zwei Drittel sehen sich fachlich sehr gut gefördert. Obwohl in den Bachelorstudiengängen eine größere Praxisnähe erwartet wird, scheint sie in der Ausbildung nicht häufiger verwirklicht als in anderen Studiengängen. Sowohl Praxishinweise in den Lehrveranstaltungen als auch Forschungs- und Praxisangebote werden in den Bachelor-Studiengängen noch eher seltener als in anderen Studiengängen angeboten.
Die Berufserwartungen der Studierenden haben sich seit 2004 wieder bemerkenswert verbessert. Die große Mehrheit erwartet kaum Schwierigkeiten beim Berufseinstieg. An Universitäten und Fachhochschulen rechnet nur etwa ein Fünftel mit größeren Problemen beim Übergang vom Bildungs- in das Beschäftigungssystem (Arbeitslosigkeit oder inadäquate Beschäftigung).
Die beruflichen Ansprüche und Werte der Studierenden haben sich in den letzten Jahren gewandelt: Während autonome und aufgabenorientierte Berufswerte zurückgehen, ist die Arbeitsplatzsicherheit in allen Fächern deutlich wichtiger geworden. Diese Entwicklung geht einher mit Motiven bei der Wahl des Studienfaches, wo der "sichere Arbeitsplatz" stark an Bedeutung gewonnen hat.
Die Anpassungsbereitschaft an mögliche Arbeitsmarktprobleme bleibt bei den Studierenden erhalten. Sie sind zu Einbußen und Belastungen bereit; sie zeigen ein hohes Maß an Flexibilität und Mobilität. Allerdings würden fachfremde Tätigkeiten nur temporär akzeptiert.
Internationale Mobilität zu steigern und für viele Studierende zu ermöglichen, ist ein erklärtes Ziel der Bologna-Reformen. Insofern ist es erfreulich, dass sich der Informationsstand der Studierenden über die Möglichkeiten zum Auslandsstudium erheblich verbessert hat. Dies liegt auch an der Beratungsleistung der Auslandsämter, die von den Studierenden sehr häufig positiv bewertet wird.
Ein Auslandsstudium wird zwar weiterhin überwiegend als nützlich angesehen, aber der berufliche Nutzen wird nicht mehr ganz so hoch eingeschätzt wie in den Vorjahren. Das Interesse an einem Auslandsstudium überwiegt zwar zu Beginn des Studiums, die konkrete Planung eines Auslandsstudiums jedoch ist unter den Studierenden rückläufig.
Die Verwirklichung von Auslandsaktivitäten ist dabei abhängig von der sozialen Herkunft. Besonderes Gewicht als Barriere haben hierbei Finanzierungsprobleme, geringere Fremdsprachenkenntnisse sowie ein befürchteter Zeitverlust wegen des Auslandsstudiums.
Die Zahl der deutschen Studierenden im Ausland hat sich zwischen 2000 und 2008 von 52.200 auf 102.800 nahezu verdoppelt. Auch die Zahl von Studierenden aus nicht so finanzstarken Familien hat sich erhöht.

11. Studierendensurvey an Universitäten und Fachhochschulen
2011, 72 Seiten
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