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Bildung

Reform der Berufsbildung

Das zum 1. April 2005 in Kraft getretene Berufsbildungsreformgesetz zielt darauf ab, die Ausbildungschancen zu sichern und zu verbessern und eine hohe Qualität der beruflichen Ausbildung für alle jungen Menschen zu gewährleisten - unabhängig von ihrer sozialen oder regionalen Herkunft.

Das duale System der beruflichen Bildung bietet allen jungen Menschen die Chance, eine qualifizierte Beschäftigung aufzunehmen und damit ihr Leben selbstverantwortlich zu bestimmen. Gleichzeitig sichert das System den Fachkräftebedarf der Zukunft und trägt damit entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit und zum Wohlstand Deutschlands bei.

Durch gezielte Innovationen wird das System der beruflichen Bildung auch in Zukunft seinen Beitrag zum nachhaltigen Wandel der Arbeitswelten wie auch der Gesellschaft insgesamt leisten. Das mit dem Berufsbildungsreformgesetz im Jahr 2005 vollständig novellierte Berufsbildungsgesetz (BBiG) schafft hierfür den rechtlichen Rahmen. Ziel der Reform ist die Sicherung und Verbesserung der Ausbildungschancen der Jugend sowie einer hohen Qualität der beruflichen Ausbildung für alle jungen Menschen - unabhängig von ihrer sozialen oder regionalen Herkunft. Dieses Ziel in ganz Deutschland zu erreichen, ist Aufgabe des Bundes, nicht zuletzt, um Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft mit gut ausgebildeten Nachwuchskräften zu sichern.

Dazu gibt das neue Berufsbildungsrecht den Verantwortlichen im Bund, in den Ländern und in den Regionen mehr Handlungsspielräume. Es ermöglicht damit auch den Wettbewerb um die erfolgreichsten Wege.

Vorteile für Auszubildende

Für junge Auszubildende kommt es darauf an, eine gute Berufsausbildung zu bekommen. Der Weg in einen Beruf ist oft auf mehreren Wegen möglich. Mit dem neuen Berufsbildungsrecht sollen hier Erleichterungen möglich werden.

Ein Teil der Jugendlichen nimmt nach der Schule eine der Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit oder aus anderen Sonderprogrammen wahr. Sie erwerben dabei erste berufliche Qualifikationen. Mit dem neuen Berufsbildungsrecht wird nun die Anrechnung der in diesen Maßnahmen erworbenen Qualifikationen auf eine sich anschließende Ausbildungszeit erleichtert.

Rund 219.700 Auszubildende befanden sich im Schuljahr 2011/2012 in einer vollzeitschulischen Ausbildung außerhalb des Geltungsbereiches des BBiG. In der Vergangenheit wurden Absolventen einer schulischen Berufsausbildung auf dem Arbeitsmarkt nicht in gleicher Weise akzeptiert, wie Absolventen einer dualen Berufsausbildung. Ein erheblicher Teil dieser Jugendlichen schließt deshalb an die schulische Berufsausbildung noch einmal eine duale Berufsausbildung an. Die Lebenszeit der Jugendlichen, Ressourcen und Fähigkeiten werden auf diese Weise vergeudet.

Die beste Zugangsmöglichkeit zum Arbeitsmarkt bietet auch heute ein Kammerabschlusszeugnis. Deswegen sieht das neue Berufsbildungsrecht durch eine entsprechende Ermächtigung der Landesregierungen vor, dass Schülerinnen und Schüler einen erleichterten Zugang zur Kammerprüfung erhalten. Nach der Reform des BBiG können und sollten die schulischen Curricula so verändert werden, dass die Absolventen die Kammerprüfungen bestehen und damit die neu eröffneten Möglichkeiten auch nutzen können. Eingeführt wurde zusätzlich, dass der Abschluss von Berufsbildungsgängen mit weiterführenden Schulabschlüssen verknüpft werden kann.

Diese Maßnahmen sollen Auszubildende dabei unterstützen, sich besser zu qualifizieren und schneller ihre Ausbildung abschließen zu können.

Innovation durch regionale Kooperation

In Zukunft können vor Ort vielfältige neue inhaltliche und zeitliche Formen bei der Kooperation betrieblicher und schulischer Ausbildung vereinbart werden, um die Ausbildungsqualität zu steigern, alle Ausbildungskapazitäten optimal zu nutzen und strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft besser zu entsprechen. Auch Ausbildungsverbünde von Schulen und Betrieben mit den Schulen als Träger werden möglich.

Durch diese neuen Kombinationen von Betrieb und beruflicher Schule kann

  • ein regionaler Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen ausgeglichen werden;
  • Betrieben, die bisher nicht ausbilden, der Einstieg in die Berufsausbildung erleichtert werden;
  • neuer Qualifizierungsbedarf, zum Beispiel in neu entstehenden Branchen und für neue Berufstätigkeiten, auch dann gedeckt werden, wenn die betrieblichen Ausbildungskapazitäten noch nicht ausreichen;
  • auf den in vielen Ausbildungsberufen steigenden Theorieanteil angemessener reagiert werden.

Das neue Berufsbildungsgesetz eröffnet den Ländern die Möglichkeit, sicher zu stellen, dass schulische Berufsausbildungszeiten in anerkannten Ausbildungsberufen genauso zählen wie betriebliche Ausbildungszeiten.

Innovation durch rasche Modernisierung

Die zügige Modernisierung des Systems der Ausbildungsberufe ist ein Herzstück der Berufsbildungspolitik der Bundesregierung. Seit 2000 wurden rund 206 modernisierte und 51 neue Berufe in Kraft gesetzt. Dies ist der größte Modernisierungsschub seit 1969, als das Berufsbildungsgesetz in Kraft trat.

Zeitverzögerung bei der Modernisierung wird es nicht mehr geben. Vorschläge für modernisierte und neue Berufe für qualifizierte Fachkräfte, die zusätzliche Ausbildungsmöglichkeiten erschließen und gute Beschäftigungsperspektiven eröffnen, werden in der Regel innerhalb eines Jahres umgesetzt.

Das neue Berufsbildungsgesetz unterstützt die rasche Modernisierung durch Verringerung der gesetzlichen Beratungsgremien:

  • Der Länderausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung wird abgeschafft.
  • Die Beratung und Abstimmung neuer Ausbildungsordnungen mit den Kultusministerien der Länder wird auf den - nicht gesetzlich, sondern durch Vereinbarung mit den Ländern geregelten - Bund-Länder-Koordinierungsausschuss konzentriert.
  • Gesetzlich geregelt bleibt nur noch die abschließende Anhörung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung, in dem die maßgeblichen Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften und die Länder vertreten sind.

Unterschiedliche Anforderungsprofile und unterschiedliche Ausbildungszeiten (zwei bis dreieinhalb Jahre) sichern jungen Menschen ein bedarfsgerechtes Angebot an Ausbildungsberufen. Zudem wird im neuen Berufsbildungsgesetz

  • mit einer modifizierte Stufenausbildungsregelung
  • mit der ausdrücklich verankerten Möglichkeit, einschlägige Vorqualifikationen berufsspezifisch anzurechnen

die Fortsetzung zweijähriger Berufsausbildungen in anspruchsvolleren Ausbildungsberufen ohne Zeitverlust erleichtert.

Wer keine Chance erhält, nach zweijähriger Ausbildung sofort eine Anschlussausbildung zu beginnen, kann zukünftig bereits nach zweieinhalbjähriger praktischer Berufstätigkeit die Abschlussprüfung in dem anspruchsvolleren Beruf ablegen.

Innovation durch Vernetzung

Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz werden Ausbildungsabschnitte im Ausland erstmals zu einem gleichwertigen Teil einer anerkannten Berufsausbildung im dualen System.
Deutschland beteiligt sich darüber hinaus an den europäischen Aktivitäten zur Verbesserung der wechselseitigen Anrechnung von Qualifikationen in der Europäischen Union. Dazu soll ein Leistungspunktesystem für berufliche Qualifikationen entwickelt werden.

Das neue Berufsbildungsgesetz trägt dazu bei, starre Grenzen zwischen den Bildungsbereichen aufzuheben: Mit den neuen Chancen beruflicher Schulen zur Beteiligung an der dualen Berufsausbildung werden zugleich die Möglichkeiten der Länder deutlich verbessert, berufliche Ausbildung mit weiterführenden allgemein bildenden Abschlüssen bis hin zur Hochschulreife zu kombinieren.

Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz werden Zusatzqualifikationen, die über das in Ausbildungsordnungen Festgelegte hinaus vermittelt werden, als eigenständige, gesondert zu prüfende und zu zertifizierende Qualifikationen eingeführt. Damit wird es auch möglich, Teile einer Aufstiegsfortbildung bereits während der Erstausbildung zu absolvieren.

Mit diesen Verknüpfungen von nationaler und internationaler Ausbildung, von Allgemein- und Berufsbildung sowie Aus- und Weiterbildung eröffnen sich konkrete Perspektiven für das berufliche Fortkommen leistungsbereiter junger Menschen. Als Reaktion auf steigende Qualifikationsanforderungen in einer globalisierten Welt erhöhen diese Verknüpfungen die Attraktivität der dualen Ausbildung gerade auch für Leistungsstarke.

Innovation durch Transparenz

Das Berufsbildungsgesetz von 1969 hat sich seit seinem Inkrafttreten zum festen Fundament für die Berufsausbildung, für die berufliche Fortbildung wie auch für die berufliche Umschulung entwickelt. Das neue Berufsbildungsgesetz knüpft an diese bewährten Strukturen an. Darüber hinaus integriert es aber auch die Erkenntnisse aus über 30 Jahren Berufsbildungsforschung und passt den ordnungsrechtlichen Rahmen an die Begrifflichkeiten moderner Berufsbildung an. Die vielfach noch bestehenden Sonderregelungen und Einzelvorschriften, insbesondere zur fachlichen Eignung des Ausbildungspersonals und zur Bestimmung der zuständigen Stelle, werden zu einem einheitlichen und transparenten System zusammengefasst. Die Neuerungen im Bereich des Prüfungswesens ermöglichen nun die Durchführung von Abschlussprüfungen in zwei Teilen. Prüfungsleistungen aus der Berufsschule können in die Bewertung der Prüfung mit einfließen. Die Durchführung der Prüfungen wird durch die Möglichkeit, dass Mitglieder der Prüfungsausschüsse einzelne Teile der Prüfung abnehmen können, erheblich erleichtert. Die neu gestaltete Erprobungsklausel eröffnet Wege, die Gestaltung von Ausbildungsberufen an neue Entwicklungen anzupassen, die gegenwärtig noch nicht vorhergesehen werden können.

Klarheit im Ziel, Wettbewerb auf den Wegen

Hochwertige berufliche Bildung bleibt nationale Aufgabe. Junge Menschen und Betriebe erwarten zu Recht, dass ihre Bildungsanstrengungen Zugang, Qualität, Mobilität und Innovationsfähigkeit sichern. Der rechtliche Rahmen des Berufsbildungsgesetzes und seiner Ausbildungsordnungen ist hierfür unabdingbar.

Neue Herausforderungen und neue Chancen brauchen neue Wege. Die Reform der beruflichen Bildung gibt Raum für Flexibilität und Wettbewerb.

Zusatzinformationen

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Berufsbildungsgesetz

Den aktuellen Volltext des Berufsbildungsgesetzes / BBiG finden Sie hier

Dokumente

Publikationen

  • Ausbildung und Beruf ID = 118

    Titelbild der Publikation

    Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung

    2014, 244 Seiten
    Bestell-Nr.: 29340

    Kostenlos bestellen

    Download [PDF - 1,08 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/Ausbildung_und_Beruf.pdf)

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