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Forschung
Ein EKG-Ergebnis

Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung

Herz-Kreislauf-Forschung braucht interdisziplinäre Zusammenarbeit und groß angelegte Studien. Im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung finden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler optimale Voraussetzungen für ihre Forschungsprojekte. 28 Einrichtungen an sieben Standorten haben sich zusammengeschlossen, um durch gemeinschaftliche Forschung die Prävention, die Diagnostik und die Therapie voran zu bringen. Das Zentrum gibt dabei Raum für breit angelegte Forschungsprojekte und ermöglicht es, innovative Ansätze besser umzusetzen.

Sieben Standorte unter einem (virtuellen) Dach

Über 120 angesehene Expertinnen und Experten bündeln an den sieben Standorten des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) ihre Kompetenzen. Gerade bei den kardiovaskulären Erkrankungen ergebe ein bundesweit angelegtes Zentrum viel Sinn, betont DZHK-Vorstandsprecher Professor Dr. Thomas Eschenhagen vom Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf: "Weil die Forschung hier schon viel erreicht hat, sind weitere Fortschritte eher in kleinen Schritten zu erwarten. Dazu benötigen wir immer größere Studien, Patientenregister und Biomaterialbanken. Das lässt sich in einem Zentrum sehr viel besser umsetzen als in Einzelinstitutionen, die technisch und finanziell oft ausgelastet sind."

So komplex das Herz-Kreislauf-System des Menschen ist, so viele Forschungsrichtungen befassen sich damit. Im DZHK kommen deshalb Kardiologen, Herzchirurgen, Pharmakologen, Genetiker, Radiologen, Gefäßspezialisten, Ernährungswissenschaftler, Sportmediziner und Psychologen zusammen und planen gemeinsame Forschungsprojekte. Ihnen zur Seite stehen Physiker, Biochemiker und Bioinformatiker.

Vom Labor ans Krankenbett

Das DZHK hat sich zum Ziel gesetzt, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die klinische Praxis zu überführen (Translation). Hier klafft in der deutschen Forschungslandschaft eine Lücke. Das DZHK hat deshalb ein eigenes Forschungsprogramm konzipiert, das vor allem translationale Projekte fördert. Damit sollen gefundene molekulare Zielstrukturen von der Zellkultur, über den Tierversuch bis zur ersten Erprobung an Patientinnen und Patienten auf ihre Eignung als Therapeutikum untersucht und weiterentwickelt werden.

Insbesondere für klinische Studien, die ein wichtiger Schritt in der Translation sind, bietet das DZHK mit seinem Netzwerk von führenden Universitätskliniken beste Voraussetzungen. Dadurch können mehr Patientinnen und Patienten in Studien aufgenommen werden, die eine einzelne Klinik so nicht zusammen bekommen würde. Weil solche Studien nur sinnvoll sind, wenn überall an den DZHK-Standorten auf exakt gleiche Weise vorgegangen wird, etwa beim Blutabnehmen oder Erstellen eines EKGs, verwendet das DZHK viel Mühe darauf, solche einheitlichen Vorschriften zu erstellen und an den Partnerkliniken zu etablieren.

DZHK konkret: Was soll erforscht werden?

  • Kardiomyopathien

    Über die molekularen Grundlagen von angeborenen und entzündlichen Herzerkrankungen, den Kardiomyopathien, ist noch relativ wenig bekannt. Offene Fragen gibt es hier zum Beispiel hinsichtlich des Zusammenspiels zwischen der individuellen genetischen Ausstattung und Umweltfaktoren wie Ernährung oder Virusinfektionen. Um das systematisch anzugehen, sind Gewebeproben von möglichst vielen Patientinnen und Patienten nötig.
  • German Prevention Study

    Im Bereich der Präventionsforschung soll am DZHK eine international wettbewerbsfähige Forschungsagenda gestartet werden, die mit den großen Programmen der Briten, der Skandinavier oder auch der Niederländer mithalten kann. Ein wichtiger Bestandteil ist die German Prevention Study. Dabei handelt es sich um eine große Kohorte von Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko, bei denen Lebensstilfaktoren sowie molekulare, klinische und laborchemische Faktoren in Bezug gesetzt werden sollen zum Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen im Langzeitverlauf.
  • Pflaster fürs Herz

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZHK an den Standorten Göttingen und Hamburg entwickeln die regenerativen Therapien in der Kardiologie, konkret die Behandlung mit Stammzellen beim Herzinfarkt, weiter. Ein Ansatzpunkt dabei ist es, künstliches Herzgewebe zu erzeugen, das direkt auf die bei einem Herzinfarkt betroffenen Areale aufgenäht oder aufgeklebt werden könnte.
  • MicroRNA-Therapien

    Ein neuer Ansatz in der Herz-Kreislauf-Forschung, der bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz oder auch Herzinfarkt zum Einsatz kommen könnte, ist die Behandlung mit kurzen "Nukleinsäure-Schnipseln", den microRNAs. Mit Hilfe dieser Moleküle lassen sich ganze Genprogramme gezielt abschalten oder herunter regulieren. An den DZHK-Standorten München und RheinMainwird untersucht, ob sich mit solchen microRNA-Therapien krankhafte Umbauprozesse des Herzgewebes ("Remodelling") verhindern lassen.

Viele Chancen für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Einen großen Mehrwert bringt das DZHK für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in der Herz-Kreislauf-Forschung eigene Akzente setzen wollen. Promotionsstipendien unterstützen den Nachwuchs bei den individuellen Karriereschritten. Standortübergreifende Workshops fördern den Austausch zwischen den Arbeitsgruppen. Ein Mentoringprogramm bereitet auf Führungsaufgaben in der kardiovaskulären Forschung vor. "Insgesamt sind Nachwuchstalente künftig nicht mehr so stark wie bisher an die eigene Einrichtung gebunden. Sie können die Infrastruktur aller Standorte nutzen", betont Eschenhagen. Ein Vehikel dazu sind die sogenannten Shared Expertise, die jeweils spezielle Methodiken vorhalten. Die jungen Forscherinnen und Forscher können so gemeinsam mit einem anderen Standort selbstständig kleinere Projekte planen und durchführen.

Zusatzinformationen

Publikationen

Hier finden Sie die lieferbaren Materialien.
(URL: http://www.bmbf.de/publikationen/)

 

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