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Forschung

Gesunde Eigenschaften von Curcumin im Visier

Curcumin verleiht Curry seine lebhafte Farbe. Forscher wollen nun herausfinden, ob es sich auch gegen Krebs und Alzheimer einsetzen lässt.

Curcumin ist ein Stoff aus der in Südasien heimischen Gelbwurz und gibt nicht nur dem Currygewürz seine leuchtende Farbe. Es soll den Cholesterinspiegel senken und gegen Entzündungen wirken. Seit einiger Zeit schreiben Wissenschaftler dem Pulver noch erstaunlichere Fähigkeiten zu: als Tumorbremse und Alzheimerhemmer. "Wir haben da interessante und vielversprechende Vorstudien", sagt Jan Frank. Der Ernährungswissenschaftler der Universität Hohenheim koordiniert ein Verbundprojekt aus vier Universitäten und fünf Industriepartnern, in dem Wirkungen und Anwendbarkeit des Gelbwurz-Inhaltsstoffs untersucht werden.

Dabei wollen die Forscher in einem ersten Schritt herausfinden, wie die Bioverfügbarkeit, also die Aufnahme des Curcumin im Körper, verbessert werden kann. Weiterhin geht es darum, die Verweildauer des Wirkstoffs im Körper zu erhöhen - "damit man nicht alle zwei Stunden sein Curry essen muss, um einen ausreichenden Wirkstoffspiegel zu halten", so Frank. Er studiert dazu drei verschiedene Strategien. Zum einen wird der Wirkstoff in Mizellen verpackt. Mit diesen kleinen Bläschen lassen sich fettlösliche Nährstoffe so verpacken, dass sie in wässrige Umgebungen - zum Beispiel ins Zellinnere - aufgenommen werden können. Auf diese Weise, so die Idee der Forscher, könnten die Mizellen eine Art Schutzhülle für Curcumin sein, um dessen Aufnahme im Darm und seine dortige Stabilität zu erhöhen. Eine zweite Strategie besteht darin, poröse Trägerstoffe zu nutzen, auf die das Curcumin aufgesprüht wird. Auch mit solchen sogenannten Mikrosinaten könnte die Löslichkeit des leuchtend gelben Inhaltsstoffes verbessert werden. Beide Strategien werden von Industriepartnern entwickelt - der Aquanova AG aus Darmstadt und dem Raps Gewürzwerk aus Kulmbach. Die dritte Möglichkeit bedient sich einer Ablenkungsstrategie. Die Idee der Forscher: Andere Pflanzeninhaltsstoffe sollen die Abbaumechanismen im Darm beschäftigen, so dass das Curcumin länger wirken kann, bevor es zersetzt wird.

Ist die Frage der Bioverfügbarkeit erst einmal geklärt, wollen sich weitere Verbundpartner mit der medizinischen Wirksamkeit des Gewürzes beschäftigen. Alzheimerexperten der Goethe-Universität Frankfurt gehen beispielsweise der Frage nach, ob und wie Curcumin die Kraftwerke der Zellen, die Mitochondrien, vor dem langsamen Verfall schützen kann. An der Universität Jena wird untersucht, wie sich mit Curcumin Prozesse im Gehirn aktivieren lassen, die womöglich die Entwicklung der Alzheimer-Demenz verhindern. Am Frankfurter Universitätsklinikum erforschen Krebsspezialisten wiederum den Wirkmechanismus des Curcumins auf bösartige Gehirntumore mit sehr schlechter Prognose. Im Mausmodell konnten sie bereits nachweisen, dass Curcumin die Mäuse zwar nicht heilt, ihre Überlebenszeit aber auffällig erhöht. Der Einfluss der Gene und eine mögliche entzündungshemmende Wirkung von Curcumin sind Gegenstand der Arbeit von Kieler Forschern. Drei beteiligte Firmen beschäftigen sich am Ende damit, wie das Gewürz zum Bestandteil von Lebensmitteln wie Limonade werden kann. Doch bis derartige Lebensmittel auf den Markt kommen, ist es noch ein weiter Weg. "Wir hoffen, dass wir am Ende des Projekts eine Strategie entwickelt haben, das Curcumin effektiv in den Körper einzubringen und dort zu halten", sagt Frank. Außerdem hofft er, ein Verfahren zu entwickeln, das auf andere sekundäre Pflanzenstoffe übertragbar ist. Bis zur Marktreife eines Currydrinks dauert es vermutlich noch sehr viel länger.

Titel des Projektes:

"Innovative Strategien zur Steigerung der biologischen Aktivität von sekundären Pflanzenstoffen mit geringer oraler Bioverfügbarkeit und deren Anwendung in funktionellen Lebensmitteln zum optimalen Schutz des Gehirns während des Alterns"

Koordinator: Dr. Jan Frank, Universität Hohenheim

FKZ: 01EA 1334 A-E

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