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Wissenschaft
Eine Besucherin in einer Kunstausstellung

Forschungsmuseen bauen Brücken von der Forschung zur Bildung

Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft sind Orte von Wissenschaft und Forschung. Mit ihren Sammlungen und Exponaten zum natürlichen und kulturellen Erbe der Menschheit stellen die deutschen Forschungsmuseen europa- und weltweit eine einzigartige Infrastruktur für die Wissenschaft bereit. Gleichzeitig ist ihre Arbeit an ein breites öffentliches Publikum adressiert. Traditionell verstehen sich die Forschungsmuseen als Orte der Bildung, der Wissenschaftskommunikation und des Wissenstransfers. Sie formen mit ihrer Arbeit das kulturelle Gedächtnis einer Gesellschaft und können mit ihren Ausstellungen kulturelle Identität und gesellschaftliche Integration stiften - und nicht zuletzt Menschen jeder Herkunft und jeden Alters für Wissenschaft und Forschung begeistern.

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg veranstaltet Internationalen Kunsthistoriker-Kongress in Nürnberg

Besucherin des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg bei der Betrachtung von Objekten

©Germanisches NationalmuseumBundesministerin Annette Schavan hat den 33. Internationalen Kunsthistoriker-Kongress in Nürnberg eröffnet. Seit 1992 findet der wichtigste Kongress der internationalen Kunstgeschichte erstmals wieder in Deutschland statt und wird hier zum ersten Mal von einem Museum, dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, und nicht von einer Universität ausgerichtet. Der diesjährige Kongress beschäftigt sich mit der "Herausforderung des Objekts". "Die dingliche Welt hat in unserem digitalen Zeitalter eine ganz neue Bedeutung erhalten. Dinge sind Speicher des kulturellen Wissens einer Gesellschaft. In ihnen verdichten sich Bedeutungen und Geschichten, die es zu entschlüsseln gilt. Als kulturelles Erbe entfalten sie in den heutigen pluralisierten Gesellschaften eine orientierende und identitätsstiftende Wirkung - eine Wirkung, die in ihrer Bedeutung kaum zu überschätzen ist", betonte Bundesministerin Schavan auf der Eröffnungsfeier.

Im Rahmen der BMBF-Projektförderung werden im Fach Kunstgeschichte derzeit interdisziplinäre Forschungsprojekte unterstützt, die kunsthistorische Fragestellungen aufwerfen. So wurde die kunsthistorische Forschung an Universitäten sowie an außeruniversitären Forschungsinstituten beziehungsweise -Museen seit 2009 mit mehr als 10 Millionen Euro unterstützt. Die Ausstellung "Karl Friedrich Schinkel - Geschichte und Poesie", die im September 2012 in Berlin eröffnet wird, basiert beispielsweise auf einem BMBF-geförderten Forschungsprojekt, in dem erstmals die Geschichtsbilder Schinkels systematisch untersucht wurden.

So wird auch in der aktuellen Bekanntmachung des BMBF "Die Sprache der Objekte. Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen" Fragen wie: Was bedeutet die Konjunktur der Museen oder die Bemühungen, Vergangenes und Fremdes zu erhalten und zu konservieren? Was und in welcher Form sollte zukünftig bewahrt, tradiert und erinnert werden?, aufgeworfen. Ziel dieser Fördermaßnahme ist, die Forschung mit den Sammlungen an Universitäten und in Forschungsmuseen zu fördern.

Internationale Sichtbarkeit des Forschungstandortes Deutschland

Forschungsmuseen sind zugleich Orte und Schaufenster der Forschung. In einzigartiger Weise bauen sie Brücken von der Forschung zur Bildung. In Forschungsmuseen forschen Wissenschaftler auf vielen Feldern der Wissenschaft. Die Palette reicht von naturwissenschaftlichen Fragestellungen in der Evolutionsforschung, Paläontologie, Biogeographie oder Archäometrie über Fragen in der Wissenschafts-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte bis hin zu wissenschaftstheoretischen Diskursen wie etwa Bildgebrauch und -wirkung, Modellerstellung oder Szenarien. Die Sammlungen der Forschungsmuseen sind entsprechend ähnlich vielfältig: sie reichen von Tieren und Pflanzen über Schrift- und Tondokumente bis hin zu Kunstwerken und Zeugnissen der Kulturgeschichte, des Alltagslebens, der Technik- und der Wissenschaftsgeschichte. Diese Zeugnisse der materiellen Kultur tragen wesentlich zur internationalen Sichtbarkeit des Forschungsstandortes Deutschland bei.

Allen Forschungsmuseen gemein ist die wissenschaftliche Arbeit beispielsweise im Bereich der Altersbestimmung, Archäometrie, der Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften, der Materialforschung, des Heritage Management und der Bildungs- und Besucherforschung. Darüber hinaus können sammlungshistorische Forschungen in Museen unterschiedlichster Art zu Aussagen über die Entwicklung von Wissen, Wissenschaft sowie Wissensordnungen und -systematik in zunehmend globalisierten Gesellschaften führen. Für alle Forschungsmuseen sind die Zusammenführung verschiedener Wissensgebiete und interdisziplinäre Forschungsansätze von herausragender Bedeutung.

Faszination Wissenschaft: Das Deutsche Museum in München

Gerade die abstrakten, hoch formalisierten Wissenschaften brauchen eine anschauliche Übersetzung - das Deutsche Museum in München leistet dies besonders gut. Es ist eines der acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft. Es vermittelt naturwissenschaftlich-technische Zusammenhänge und stellt Naturwissenschaft und Technik verständlich einer breiten Öffentlichkeit dar. Mit rund 1,4 Millionen Besuchern ist es eines der größten technischen Museen der Welt. Wie kaum eine andere Einrichtung ist es dazu prädestiniert, Faszination für Wissenschaft und Technik zu wecken und Kinder und Jugendliche für Wissenschaft als Beruf zu begeistern.
Mitte 2011 vereinbarten das Deutschen Museum, der Freistaat Bayern und die Bundesregierung eine so genannte "Zukunftsinitiative Deutsches Museum", mit der die Weichen für eine langfristig tragfähige, erfolgreiche Erfüllung der forschungspolitischen Aufgaben des Deutschen Museums gestellt wurden. Neben der Sanierung der Gebäude und der Neugestaltung der Ausstellungen ist die Einrichtung eines statt der bisherigen sieben Depotstandorte vorgesehen. 

Institutionelle Förderung wird durch Projektförderung ergänzt

Besonders wertvoller Bestandteil der Forschungsinfrastrukturen sind die Sammlungen. Diese Zeugnisse der materiellen Kultur tragen wesentlich zur internationalen Sichtbarkeit des Forschungsstandortes Deutschland bei. So hebt der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen die Bedeutung der sammlungsbezogenen Forschung hervor. Museen leisten mit ihren Ausstellungen Übersetzungsarbeit, vergegenwärtigen historische Prozesse und fungieren als kulturelles Gedächtnis. Neben der Kommunikation im Sinne intra- und interkultureller Diskurse sind Transfer und Transformation im Sinne des Diskurses zwischen Geistes- und Naturwissenschaften von besonderer Bedeutung. Gerade die abstrakten, hoch formalisierten Wissenschaften bedürfen einer Veranschaulichung.Neben seiner institutionellen Förderung stärkt das BMBF deshalb museumsbezogene Forschung auch in Form von Projekten.

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