
Ob Konzerte, Fußballspiele oder Stadtfeste: Menschen begeistern sich für das Erlebnis einer Großveranstaltung im Freien. Was auf der einen Seite zur guten Atmosphäre und Gemeinschaft beiträgt, kann jedoch auch Risiken bergen. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger fragen sich, ob für ihre Sicherheit ausreichend gesorgt ist. Das BMBF fördert unter anderem Projekte, die zu mehr Sicherheit bei Großveranstaltungen beitragen sollen. Das Vorhaben "Risiko Großveranstaltungen - Planung, Bewertung, EVAkuierung und Rettungskonzepte" analysiert Besucherströme, bewertet Risiken und entwickelt Handlungsempfehlungen für Rettungskräfte.
"Public Viewing auf dem Friedensplatz Dortmund aus der Vogelperspektive" Bildquelle: Feuerwehr DortmundZunächst erforschte das Projekt EVA, wie Besucher von Großveranstaltungen im Krisenfall effektiv evakuiert werden können. Das Unglück bei der Loveparade im Juli 2010 in Duisburg hat jedoch gezeigt: Für mehr Sicherheit bei Großveranstaltungen werden nicht nur ausreichende Informationen über die Anzahl der erwarteten Besucher, sondern auch über die Bewegungsmuster der Personenströme während einer Veranstaltung benötigt. Entsprechend untersucht EVA nun auch das Verhalten der Besucherströme von der Anreise bis hin zur Abreise. Die Federführung für das Forschungsvorhaben im Schwerpunkt "Schutz und Rettung von Menschen" des Sicherheitsforschungsprogramms hat die Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes vfdb e.V.
Bereits in der Planungsphase von Großveranstaltungen können Simulationen von Besucherströmen dazu beitragen, abzuschätzen, wie hoch das Risiko von Staus sein wird. Wie viele Menschen auf einen Quadratmeter passen, die sogenannte Personendichte, wird in der Fachszene unterschiedlich eingeschätzt. Die Forscher des Projekts EVA gehen davon aus, dass es bei mehr als sechs Personen pro Quadratmeter zu einer kritischen Situation kommt. Um solche Situationen vermeiden zu helfen, erstellt EVA eine Datenbasis über die voraussichtlichen Bewegungsmuster von Personenströmen. Dafür haben die Forscher Personenströme in verschiedenen Freiluftveranstaltungen untersucht, wie beispielsweise bei der Kieler Woche, der Cranger Kirmes und bei den Kölner Lichtern. Die so entstandenen Videos von Personenströmen dienen der Analyse von typischen Bewegungsmustern. Dafür werden die Filme sowohl visuell als auch digital ausgewertet. Die identifizierten Bewegungsmuster liefern die Datenbasis für das Simulationsmodell ASERI.
"Strömungsanalyse in Menschenmengen" Bildquelle: Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) Ein zweites Ziel des Projekts ist die systematische Einschätzung der Kriterien für Anzahl und Art der Rettungskräfte, die für verschiedene Großveranstaltungen benötigt werden. Zurzeit entwickelt EVA eine Software zur Planung des Sanitätsdienstes und stellt diese später kostenfrei zur Verfügung. Weitere Informationen zur praktischen Einsatzplanung, wie zum Beispiel zur Gefahrenbeurteilung und - abwehr liefert die vfdb-Richtlinie 03/03 "Einsatzplanung Großveranstaltungen", die von EVA mitgestaltet wurde.
Mit der neuen Datenbasis zu Bewegungsmustern von Personenströmen und dem Simulationsmodell ASERI leistet das Projekt EVA einen innovativen Beitrag zur künftigen Bewertung von Sicherheitsrisiken bei Großveranstaltungen.

Kooperation in der zivilen Sicherheitsforschung zwischen Deutschland und Israel
2010, 14 Seiten
Bestell-Nr.: 30551
Download [PDF - 1,23 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/forschung_zivile_sicherheit_deutschland_israel.pdf)

Schutz und Rettung von Menschen (veränderter Nachdruck 2010)
2009, 54 Seiten
Bestell-Nr.: 30469
Download [PDF - 1,42 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/schutz_rettung_von_menschen.pdf)

Programm der Bundesregierung
2007, 23 Seiten
Download [PDF - 1,65 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/forschung_fuer_zivile_sicherheit.pdf)
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