Navigationsbereich

Forschung
Tunnel sind kritische Infrastrukturen: Sie sind grundlegend für die Mobilität und Wirtschaft in Deutschland (Foto: BASt)

Verbundprojekt SKRIBT "Schutz kritischer Brücken und Tunnel im Zuge von Straßen"

Ein Gefahrgutlastwagen fährt in einem Tunnel auf einen PKW auf - ein Großbrand setzt ein. Der Tunnel wird gesperrt, auch in den umliegenden Straßen kommt es zu Staus. Mehrere hundert Fahrzeuge können betroffen sein. Wenn der Tunnel an einer kritischen Engstelle liegt, werden wirtschaftlich wichtige Warenketten für Stunden unterbrochen. Anschließend ist die Nutzung des Bauwerks oftmals noch Monate eingeschränkt. Das Straßenverkehrsnetz in Deutschland ist für die Mobilität und die Wirtschaft von zentraler Bedeutung, ebenso wie für den europäischen Binnenmarkt. Großunfälle, Naturkatastrophen oder auch Terroranschläge können erhebliche Schäden für Verkehrsteilnehmer und Wirtschaft verursachen.

Rauchentwicklung nach einem Brandunfall im Tunnel  (Foto: BASt) Um die zivile Sicherheit von Verkehrsteilnehmern auf Brücken und in Tunneln zu erhöhen, startete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Sicherheitsforschungsprogramm für den Schwerpunkt "Schutz von Verkehrsinfrastrukturen" das Projekt SKRIBT "Schutz kritischer Brücken und Tunnel im Zuge von Straßen" im März 2008.  SKRIBT hat erstmals in Deutschland Brücken und Tunnel aus der aktuellen Perspektive der zivilen Sicherheitsforschung untersucht und dabei den Faktor Mensch in Gefahrsituationen berücksichtigt.
Zu diesem Zweck hat SKRIBT die Auswirkungen von Brand, Explosion, Kontamination und Überflutung auf Brücken und Tunnel anhand verschiedener Szenarien berechnet. Auf dieser Basis entwickelte SKRIBT praxisorientierte Sicherheitslösungen, die vom Bauwerksschutz bis hin zu Schulungen der Verkehrsteilnehmer reichen. Diese Sicherheitslösungen konnten vor allem durch die enge Zusammenarbeit von zehn interdisziplinären Partnern, darunter Bundesbehörden, öffentliche Forschungseinrichtungen sowie die Privatwirtschaft unter Konsortialführung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) entwickelt werden. Die Ergebnisse enthalten umfassende Bedrohungsanalysen für Brücken und Tunnel sowie Handlungsempfehlungen zum Schutz der Verkehrsteilnehmer. Erforscht hat das Projekt nicht nur die unterschiedlichen Folgen von Bedrohungen, wie beispielsweise Brand oder Explosionen, für die Bauwerke und ihre Nutzer, sondern auch Notfallkonzepte für das Vorgehen von Betriebs- und Rettungsdiensten.
Insgesamt hat SKRIBT einen Katalog von etwa 140 potenziellen Schutzmaßnahmen mit 35 besonders wirksamen und wirtschaftlichen Maßnahmen erarbeitet und getrennt nach baulichen, betrieblichen und organisatorischen Bereichen risikoanalytisch untersucht. Bewährt haben sich demnach Sicherheitslösungen, wie explosionsdämpfender Beton, neue Gefahrguterkennungssysteme oder auch spezielle Schulungen für angemessenes Verhalten bei einem Brand in Tunneln. Darüber hinaus stehen nun aufgrund der Arbeit des Projekts Wärmebildkameras zur Verfügung, die überhitzte Motoren im fließenden Verkehr erkennen. Entsprechend kann eine Tunneldurchfahrt kurzfristig verhindert und damit die Brandgefahr im Tunnel reduziert werden.
Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeiten in SKRIBT stellten die Praxistests der neuen Sicherheitslösungen an realen Bauwerken dar. Dadurch konnten nicht nur die aktuell entwickelten Technologien überprüft, sondern auch das Notfallverhalten von Verkehrsteilnehmern realitätsnah untersucht werden. Mit den konkreten Bedrohungsanalysen, Sicherheitslösungen und umfassenden Handlungsempfehlungen liefert SKRIBT einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Verkehrsteilnehmern in Tunneln und auf Brücken.

Weitere Informationen zum Projekt stehen unter www.skribt.org zur Verfügung.

Zusatzinformationen