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Forschung
Blick in das dbb forum berlin GMBH

Dialog geht weiter: Nationale Strategiekonferenz Medizintechnik

Auf der Nationalen Strategiekonferenz "Innovationen in der Medizintechnik" am 22. Mai 2014 im dbb forum berlin diskutierten über 200 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik darüber, wie die im November 2012 veröffentlichten Handlungsempfehlungen aus dem Schlussbericht zum Nationalen Strategieprozess weiter umgesetzt werden sollen.

Nationale Strategiekonferenz Medizintechnik 2014 – Bilanz und Ziele

Über 200 Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sind am 22. Mai 2014 der Einladung der Bundesregierung in das dbb forum berlin gefolgt, um bei der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerichteten Nationalen Strategiekonferenz Medizintechnik über die wichtigsten aktuellen Herausforderungen der Medizintechnik-Branche in Deutschland zu diskutieren.

Wie sich Deutschland als Leitanbieter für Medizintechnik positionieren kann und welche Instrumente der Innovationsförderung hierfür notwendig sind, darüber sprachen die Staatssekretäre des Bundesforschungs-, des Bundesgesundheits- und des Bundeswirtschaftsministeriums auf einer Podiumsdiskussion mit je einem Vertreter der Industrie, der Versorgungsforschung und der Krankenversicherung.

Alle am Nationalen Strategieprozess "Innovationen in der Medizintechnik" beteiligten Ministerien zogen eine erste positive Bilanz dessen, was seit der Veröffentlichung des Schlussberichtes im Jahr 2012 erreicht werden konnte. Die Staatssekretäre Dr. Georg Schütte, Lutz Stroppe und Stefan Kapferer bekräftigten, den Dialog zu Innovationen in der Medizintechnik gemeinsam weiter zu führen. Dazu der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Georg Schütte:

"Für das BMBF waren die Handlungsempfehlungen aus dem Strategieprozess in den vergangenen zwei Jahren eine wichtige Leitlinie. Wir haben zum Beispiel Fördermaßnahmen zu den dringlichen Themen Mehrfacherkrankungen und individualisierte Medizintechnik auf den Weg gebracht; das Budget für die Maßnahme KMU-innovativ haben wir verdoppelt, um signifikante Investitionen in Forschung und Entwicklung bei kleinen und mittleren Firmen anzustoßen."

Neue Fördermaßnahme zu Industrie-in-Klinik-Plattformen

Mit einer weiteren Fördermaßnahme möchte das BMBF nun dazu beitragen, dass sich neue Medizinprodukte entsprechend einer Empfehlung aus dem Strategieprozess noch stärker als bisher am tatsächlichen Versorgungsbedarf ausrichten. "Hierfür sind industriell orientierte Infrastrukturen in Kliniknähe von besonderer Bedeutung. Kliniker, Unternehmer und Investoren müssen vor Ort die Möglichkeit erhalten, gemeinsam innovative Produkte im klinischen Umfeld zu entwickeln und zu erproben. Für den Aufbau solcher Industrie-in-Klinik-Plattformen stellen wir in den kommenden vier Jahren bis zu 30 Millionen Euro zur Verfügung", kündigte Staatssekretär Georg Schütte eine neue zeitgleich im Bundesanzeiger veröffentlichte Fördermaßnahme an.

Der Staatssekretär Lutz Stroppe, Bundesministerium für Gesundheit, möchte Innovationen fördern, aber auch Sicherheitsaspekte beachten: "Wir wollen eine Gesundheitsversorgung auf technologisch und qualitativ hohem Niveau. Ziel ist es, dass alle Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung auch in Zukunft vom medizinischen Fortschritt profitieren. Wir wollen Innovationen im Interesse einer guten Patientenversorgung fördern, ohne dabei die Sicherheit von Medizinprodukten und die finanzielle Stabilität des Gesundheitssystems aus dem Blick zu verlieren. Deshalb haben wir den Probebetrieb des Endoprothesenregisters Deutschland (EPRD) gefördert. Wir werden dessen weitere Entwicklung begleiten und unterstützen. Eine verstärkte Nutzung von Registern für Medizinprodukte ist für uns mit Blick auf eine bessere Qualität in der Gesundheitsversorgung ein wichtiges Thema."

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Stefan Kapferer, will Deutschland weiter zum Leitmarkt und Leitanbieter für die Gesundheitswirtschaft entwickeln: "Längst ist der Export für viele Unternehmen der deutschen Gesundheitswirtschaft mindestens so wichtig wie das Inlandsgeschäft. Um die Akteure noch besser bei ihrem Weg auf die Auslandsmärkte zu unterstützen, hat das BMWi seit 2011 die Exportinitiative Gesundheitswirtschaft etabliert. Im Bereich der Gesundheitsforschung und Medizintechnik wurden in den letzten sechs Jahren mit dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) etwa 1.700 Forschungsprojekte mit einer Fördersumme von 225 Millionen Euro unterstützt."

Neue Nationale Informationsplattform Medizintechnik

Als weitere Maßnahme zur Umsetzung der Handlungsempfehlungen aus dem Schlussbericht des Strategieprozesses hat die Bundesregierung im Rahmen der Konferenz die neue Nationale Informationsplattform Medizintechnik vorgestellt. Die Webseite soll künftig alle wesentlichen Informationen zum Innovationssystem Medizintechnik bündeln und den Überblick über Forschung, Förderung und Regulation erleichtern. Die Plattform tritt hierbei als neutrales Medium auf und dient als Vermittler von spezifischem Wissen und zur Vernetzung aller relevanten Akteure.

Für alle Innovatoren, insbesondere aber kleine und mittlere Unternehmen (KMU) soll die Nationale Informationsplattform Medizintechnik eine erste Anlaufstelle in Sachen Innovationsplanung werden. Daher werden die relevanten Informationen entlang des gesamten Innovationsprozesses strukturiert anboten, abgestimmt auf die Anforderungen der Phasen Forschung, Entwicklung, Zertifizierung, Erstattung und Markt. Der Informationsdienst und die Akteursdatenbank haben am 22. Mai ihre Arbeit aufgenommen, der Lotsendienst als weiterer wesentlicher Bestandteil der Plattform soll mit wesentlichen Modulen zur Medica 2014 folgen. 

Nachmittags wurde auf der Strategiekonferenz der ressortübergreifende Dialog mit den Akteuren aus der Branche in sechs moderierten Workshops weiter geführt. Dabei standen konkrete Themengebiete im Vordergrund, die auch mit Blick auf die Handlungsempfehlungen des Schlussberichtes derzeit den größten Handlungsbedarf aufweisen:

  • Neue Formate der Innovationsförderung
  • Klinische Studien und ihre Finanzierung
  • Digitalisierung der Medizintechnik-Industrie
  • Chancen und Möglichkeiten datengestützter Analysen der Versorgungssituation als Grundlage für die Bedarfsorientierung von Innovationen
  • Potenziale von Registern für Medizinprodukte
  • Zukünftige Entwicklung des Endoprothesenregisters

Auf der MEDICA 2014, der wichtigsten Fachmesse der Branche, werden die drei Ressorts wieder mit einem gemeinsamen Stand der Bundesregierung vertreten sein. Auch die neue Nationale Informationsplattform Medizintechnik wird sich dort mit ihrer aktualisierten und ergänzten Version präsentieren.

Der Schlussbericht ist ein wichtiger Meilenstein im Strategieprozess

Im ressortübergreifenden Nationalen Strategieprozess waren Experten entlang der Innovationskette aufgerufen nach Wegen zu suchen, um die größten Herausforderungen im Innovationssystem Medizintechnik zu identifizieren und der Politik entsprechende Handlungsempfehlungen vorzulegen. Dafür hat der hochkarätig besetzte Lenkungskreis fünf Arbeitsgruppen berufen, die sich thematisch mit unterschiedlichen Stufen der Innovationskette – vom medizinischen Bedarf über Forschung, Entwicklung und klinische Validierung bis hin zur Finanzierung durch die GKV und der Erschließung der globalen Gesundheitsmärkte – beschäftigt und zentrale Themen diskutiert haben. Die Ergebnisse dieser Diskussionen wurden nun in einem Schlussbericht zusammengefasst und im Rahmen der letzten Lenkungskreissitzung am 8. November den Staatssekretären der drei beteiligten Ressorts vorgestellt.

Staatssekretär Dr. Georg Schütte (unten, 5.von links) mit Mitgliedern des Lenkungskreises bei der Vorstellung des Schlussberichtes ©W. Borrs für VDI Technologiezentrum GmbH. Unterteilt in sieben Kapiteln benennt der Bericht die wichtigsten Herausforderungen und schlägt Maßnahmen vor, wie sich diese im Zusammenspiel zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesundheitswesen meistern lassen. Im Kern geht es dabei vor allem darum, wie die Wettbewerbsfähigkeit der Medizintechnik-Branche gesteigert, die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems ausgebaut sowie die Innovationskraft der medizintechnischen Forschung gestärkt werden kann. Der Bericht liefert für alle Akteursgruppen Denkanstöße, wie sich das Innovationssystem Medizintechnik nachhaltig weiter entwickeln lässt und stellt einen wichtigen Meilenstein im Nationalen Strategieprozess dar.

Hinsichtlich der Forschungspolitik empfehlen die Experten vor allem eine stärkere Ausrichtung der F&E-Strategien am tatsächlichen klinischen Bedarf. Denn um die Effektivität von Forschung und Entwicklung in der Medizintechnik zu erhöhen, reicht es nach Meinung der Fachleute nicht mehr aus, sich neuen Produkten allein technologiegetrieben zu nähern. Das Zusammenspiel von Industrie und Versorgung ist dabei stärker ins Zentrum zu stellen, um zu bedarfs- und marktgerechten medizinischen Lösungen zu gelangen. Vor diesem Hintergrund wird das BMBF seine Anstrengungen in einem neuen Förderprogramm Medizintechnik bündeln und hierbei anwendungsnahe und am Bedarf ausgerichtete Forschung unterstützen. Darüber hinaus wird mit der Nationalen Informationsplattform Medizintechnik eine erste Empfehlung des Strategieprozesses zeitnah umgesetzt.

Weitere Informationen finden Sie unter: http://www.strategieprozess-medizintechnik.de/

Zusatzinformationen

Reden

  • 22.05.2014

    Strategiekonferenz Medizintechnik

    Grußwort durch Herrn Staatssekretär Dr. Georg Schütte Bundesministerium für Bildung und Forschung anlässlich der Strategiekonferenz Medizintechnik am 22.05.2014 in Berlin

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    [URL: /pub/reden/Eroeffnungsrede_Nat__Strategiekonferenz_Medizintechnik_am_22_05_2014.pdf]

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