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Forschung
Stefan Rahmstorf

"Ich habe eine Schwäche für Cumulonimbus, den König der Wolken"

Interview mit Stefan Rahmstorf über sein Buch: Wolken, Wind und Wetter. Darin erklärt er Kindern ab 10 Jahren, was die Erderwärmung ist und wie Wetter und Klima funktionieren. Rahmstorf ist Klimaforscher und Professor für Physik der Ozeane am Potsdam-Institut für Klimaforschung.

Herr Professor Rahmstorf, warum reden eigentlich immer alle vom Wetter?

Wetter war und ist natürlich seit jeher für die Menschen von elementarer und überlebenswichtiger Bedeutung: finde ich genug Wasser an der Wasserstelle, gerate ich in einen lebensbedrohlichen Schneesturm, erfriert oder verdorrt meine Ernte? Erst in der modernen Industriegesellschaft sind viele Menschen dem Wetter weniger direkt ausgesetzt - trotzdem beeinflusst es immer noch stark unsere Stimmung und unser Wohlbefinden.

Blitze zucken, Donner grollen, Taifune wüten und Wolken sind immer dabei. Welche Wolkenarten gibt es eigentlich?

Es gibt zehn Hauptarten von Wolken, die man grob in Haufenwolken und Schichtwolken unterteilen kann. Dazu gehören vier Arten von niedrigen Wolken: Cumulus, Cumulonimbus, Stratus und Stratocumulus. In mittlerer Höhe findet man Altocumulus, Altostratus und Nimbostratus. Und ganz weit oben schließlich Cirrus, Cirrocumulus und Cirrostratus.

Haben Sie eine Lieblingswolke?

Seit meiner Kindheit habe ich eine Schwäche für den König der Wolken, Cumulonimbus. Das sind diese hoch aufgetürmten Wolkenberge, die auf beeindruckende Weise den Sommerhimmel verfinstern können. Es ist spannend diesen Wolken zuzuschauen, wie sie sich im Laufe der Stunden entwickeln und immer gewaltiger werden. 

In Ihrem Buch erklären sie wunderbar, wie ein Gewitter entsteht und ein Schneesturm, sie berichten von Magnetfeldern, Gletschern und Ozeanen, von Eiszeiten und Heißzeiten und davon, dass die Celsius-Skala ursprünglich auf dem Kopf stand. Welches Wetterschauspiel fasziniert Sie am meisten?

Mich faszinieren Gewitter. Blitz, Donner, Hagel, dazu das plötzliche Hereinbrechen an einem schwülen Sommernachmittag - da kann kein anderes Wettererschauspiel mithalten.

Gibt es eigentlich auch Wetterphänomene, auf die sich auch ein Wissenschaftler wie Sie keinen Reim machen kann?

Natürlich, nicht alles ist wissenschaftlich richtig verstanden. Zum Beispiel der geheimnisvolle Kugelblitz.

Am Ende des Buches geht es um die Erderwärmung. Woran merkt man eigentlich, dass es auf der Erde immer wärmer wird? In Deutschland jedenfalls war der letzte Sommer ziemlich kühl und verregnet.

Aus den Messungen von Tausenden von Wetterstationen und Schiffen, oder auch aus Satellitenmessungen, kann man eine globale Durchschnittstemperatur berechnen, und die steigt seit Jahrzehnten an. Dieser allmählichen Erwärmung sind aber noch natürliche Schwankungen überlagert. Mal gibt es einen kälteren Monat oder auch ein kälteres Jahr, dann wieder mal ein wärmeres. Diese Schwankungen sind an einzelnen Orten, also etwa auch bei uns in Deutschland, übrigens viel größer als im globalen Durchschnitt.

Und was ist der Grund? Können wir winzigen Menschen wirklich das globale Klima beeinflussen? Noch immer gibt es Leute, die daran zweifeln.

Der Grund ist der so genannte Treibhauseffekt. Der ist schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt und physikalisch gut verstanden. Bestimmte Gase in der Atmosphäre behindern die Abstrahlung von Wärme ins Weltall. Dadurch wird die Erde die Wärme, die ständig von der Sonne ankommt, nicht mehr so leicht los. Deshalb wird es an der Erdoberfläche wärmer, wenn wir die Menge dieser Gase in der Luft erhöhen. Das tun wir vor allem mit dem Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas frei wird.

In Ihrem Buches steht der Satz: "Dabei ist es eigentlich ein Glück, dass wir es sind, die das Klima aufheizen. Denn das bedeutet ja, dass wir die Erderwärmung auch aufhalten können." Aber können wir das wirklich?

Ja sicher - da wir die Erwärmung verursachen, können wir sie auch stoppen.

Was müssen wir tun?

Wir müssen damit aufhören, so viel Treibhausgase in die Luft zu pusten.

Was raten Sie Kindern, die Ihr Buch lesen und danach Angst haben, in der Küche Licht an zu machen oder in ein Auto zu steigen?

Das Buch ist nicht so geschrieben, dass jemand dadurch Angst bekommt - es soll im Gegenteil Mut machen, die Welt zu begreifen und ihre Entwicklung ein kleines bisschen selbst mit zu bestimmen. Es geht natürlich auch nicht darum, im Dunklen zu sitzen. Die gute Nachricht ist ja, dass es technische Möglichkeiten gibt, durch die wir uns mit Energie versorgen lassen können, auch ohne das Klima zu schädigen. Zum Beispiel mit Strom aus Wind, Sonne und Wasserkraft.

Und Sie selbst? Was tun Sie?

Meine Familie hat zuhause natürlich Ökostrom, eine Solaranlage, gute Wärmedämmung und möglichst stromsparende Geräte. Ein Auto haben wir nicht, ich fahre mit einem Stromrad zur Arbeit und bringe damit auch die Kinder zur Kita.

Müssen wir einfacher, bescheidener leben?

Zumindest sollten wir uns fragen, was ein gutes, gelungenes Leben ausmacht, was uns wirklich glücklich macht. Glück besteht sicher nicht einfach nur darin, immer mehr und mehr zu kaufen, oder immer öfter und immer weiter weg in den Urlaub fahren. Gerade für Flugreisen ist noch keine gute klimafreundliche technische Lösung in Sicht. Man kann ja auch sehr schön im eigenen Land Urlaub machen statt der Fernreise.

Trotz zahlreicher politischer Verhandlungsrunden konnte der Anstieg der Treibhausgase noch immer nicht gebremst werden. Wie beurteilen Sie in diesem Zusammenhang den Ausgang des Klimagipfels kürzlich in Durban?

In Durban wurde vereinbart, die nächsten Jahre über ein Abkommen zu verhandeln, das dann aber erst im Jahre 2020 in Kraft treten würde - wenn es überhaupt zu einer Einigung kommt. Das Problem wurde also wieder einmal auf die lange Bank geschoben, dabei läuft die Zeit inzwischen davon.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert intensiv die Erforschung unseres Klimas. Warum ist das so wichtig?

Ohne die Forschung würden wir das Problem nicht richtig verstehen. Natürlich ist schon lange klar, dass es gefährlich ist, einfach weiter die Atmosphäre mit immer mehr Kohlendioxid zu belasten. Daher bin ich froh, dass das Ministerium auch die Erforschung von Lösungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch die erneuerbaren Energien, fördert. Aber auch das Klima selbst müssen wir noch besser verstehen. Etwa wie die Eiskappen oder der Meeresspiegel auf die Erwärmungen reagieren und wie sich Extremereignisse verändern, damit wir uns darauf einstellen können.

Zum Schluss aber noch das Wichtigste: Warum ist der Himmel blau?

Das weiße Sonnenlicht ist ja eine Mischung aus Licht aller Farben und das heißt unterschiedlichter Wellenlängen. Beim Durchgang durch die Erdatmosphäre treffen die Strahlen auf Luftmoleküle, Wassertröpfchen und Staubteilchen und werden von diesen in alle Richtungen gestreut. Dabei wird Licht mit kurzer Wellenlänge, das ist blaues Licht, stärker gestreut als Licht mit langer Wellenlänge, das ist rotes Licht. Deshalb erscheint der Himmel blau. Auf dem Mond, der keine Atmosphäre und daher kein blaues Streulicht hat, ist der Himmel dagegen überall schwarz.

Weitere Informationen zu Stefan Rahmstorfs Buch "Wolken, Wind und Wetter" und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gibt es hier.


 

Zusatzinformationen

Hintergrund-Infos

Unter http://www.klimanavigator.de/  können sich alle Interessierten einen Überblick über die hiesige klima-relevante Forschung verschaffen und Einblick in den gegenwärtigen Stand des Wissens gewinnen. Die Webplattform dient als Wegweiser auf der Suche nach Expertenwissen und ist ein BMBF-gefördertes Kooperationsprojekt zahlreicher deutscher Klimaforschungseinrichtungen.

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