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"Ohne Wasser gibt es kein Leben"

China ist Deutschlands wichtigster Partner in Asien. Durch gemeinsame Wasserforschung konnte China in den vergangenen zehn Jahren mehr als 2500 neue, moderne Kläranlagen errichten. In Shanghai besiegeln Deutschland und China nun das neue deutsch-chinesische Forschungs- und Innovationsprogramm "Sauberes Wasser". Bundesforschungsministerin Annette Schavan erläutert im nachfolgenden Interview die Ziele des neuen Programms und dass nachhaltiger Umgang mit Wasser und Energie auch in schnell wachsenden Regionen möglich ist.

"Immer schneller, immer höher, immer mehr? Das kann so nicht weitergehen."

Bundesministerin Prof. Dr. Annette Schavan

Bundesforschungsministerin Annette Schavan über China, sauberes Wasser und die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung

Frau Schavan, Ihre erste Reise im Neuen Jahr führt Sie nach China. Warum?

In letzter Zeit ist in unserer bilateralen Zusammenarbeit eine ganze Menge geschehen. Was zeigt, dass China unser wichtigster Partner in Asien ist. Ich nenne nur: Die erste deutsch-chinesische Innovationskonferenz im vergangenen September in Peking. Oder die ersten deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen im Juni in Berlin. Da haben wir verschiedene Vereinbarungen unterzeichnet, etwa zur beruflichen Bildung oder zur Hochschulkooperation. Und auf der Hannover Messe, der größten Industriemesse der Welt, war China mit mehr als fünfhundert Ausstellern vertreten. In diesem Jahr ist China sogar das offizielle Partnerland der Messe.

Nun geht es bei Ihrem Besuch jetzt ja gar nicht zuerst um Wirtschaft, sondern um Wasser. Was hat das mit China zu tun?

Chinas Flüsse befinden sich heute in einem Zustand, der vergleichbar ist mit dem von Rhein, Elbe und Donau in den siebziger Jahren. Der Wasserverbrauch der Menschen steigt, genauso der der Industrie, zugleich fällt mehr Abwasser an, in den zahlreichen Ballungszentren, an den Küsten, aber auch im Inland. Schon 1988 haben Deutschland und China mit der gemeinsamen Wasserforschung begonnen, gefördert von den Forschungsministerien beider Länder. Die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit fußt also auf jahrzehntelanger Erfahrung. Diese Kooperation hat dazu beigetragen, dass China in den vergangenen zehn Jahren mehr als 2500 neue, moderne Kläranlagen errichtet hat. Wir haben geholfen, das Wassermanagementkonzept des Olympischen Parks in Peking 2008 zu realisieren. Und auf der Weltausstellung EXPO haben wir zusammen ein "Semizentrales Ver- und Entsorgungszentrums" präsentiert. Diese Technologie macht es möglich, Trinkwasser zu sparen, energieautark zu sein und zudem einen so wertvollen Rohstoff wie etwa Phosphor für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

Was ist neu?

Mit meinem Kollegen Wan Gang gebe ich jetzt in Shanghai den Startschuss für ein neues Programm, das deutsch-chinesische Forschungs- und Innovationsprogramm "Sauberes Wasser". Unser Ziel dabei: Neue Ideen zu entwickeln und die maßgeblichen Akteure zusammenbringen. Wir möchten der Weltöffentlichkeit gemeinsam zeigen, dass nachhaltiger Umgang mit Wasser und Energie auch in schnell wachsenden Regionen möglich ist. Das ist fundamental. Denn ohne Wasser gibt es, kurz gesagt, kein Leben.

Sie haben das Stichwort schon genannt: Nachhaltigkeit. Wie sehr setzt sich die Bundesregierung dafür ein?

Ich möchte sagen: Die Sorge um die Nachhaltigkeit bestimmt unser ganzes politisches Handeln im Jahr 2012. Wir alle müssen noch stärker als bisher aktiv werden, die ganze Gesellschaft muss umdenken. Vor allem müssen wir helfen, die Wirtschaft neu auszurichten, denn Wachstum ist nicht alles. Die Welt der Rekorde, des immer Schneller! Höher! Weiter! - diese Einstellung scheint doch sehr an ihre Grenzen gekommen. Nur wenn wir das verstehen, können wir die Lebenschancen künftiger Generationen bewahren.

Spricht da eine Kassandra?

Nein, noch ist es nicht zu spät. Aber was uns bevorsteht, ist tatsächlich eine Revolution. Sie wird unsere Gesellschaft sehr stark verändern. Forschung und Entwicklung sind dabei der Schlüssel: Sie müssen helfen, Lösungen für die neuen Herausforderungen zu finden. Darum stehen in dieser Legislaturperiode Investitionen in Bildung und Forschung ganz oben auf unserer Prioritätenliste. Unser Ziel ist es, drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung und Forschung zu investieren - und da sind wir mit 2,8 Prozent schon ganz nah dran. Nehmen Sie nur die Energieforschung: hier werden wir bis 2014 rund 3,5 Milliarden Euro einsetzen. Die Energiewende der Bundesregierung war also erst der Anfang.

Und was planen Sie?

Im Frühjahr wird die Bundesregierung die nationale Nachhaltigkeitsstrategie vorlegen. In deren Zentrum steht die Frage: Wie können wir unseren hohen Lebensstandard bewahren und trotzdem im Einklang mit unseren Ressourcen leben? Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung widmet sein traditionelles Wissenschaftsjahr dieses Mal der Nachhaltigkeit. Es steht unter dem Motto "Zukunftsprojekt Erde". Dabei wollen wir die Bürger anregen, über ihr Leben neu nachzudenken. Eingebettet ist das in einen internationalen Rahmen: Im Juni gibt es in Rio die wichtige UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung. Wir alle brauchen Antworten darauf, wie wir uns in Zukunft ernähren wollen, wie wir genügend Energie bereitstellen, wie wir damit umgehen, dass die Menschen immer älter werden und immer häufiger in Städten leben. Auch China kennt übrigens diese Herausforderungen. Auch China hat die Anstrengungen im Umweltschutz massiv verstärkt.

Verzetteln wir uns nicht, wenn wir uns in China engagieren?

Das wäre zu kurz gedacht! Wer nachhaltig denkt, muss global denken. Klimawandel und Ressourcenknappheit können wir nur gemeinsam begegnen. Das deutsch-chinesische Forschungs- und Innovationsprogramm "Sauberes Wasser" soll doch nicht nur in China und Deutschland Gutes bewirken. Es soll weltweite Wirkung haben. Zusammen mit unseren chinesischen Partnern können wir zeigen, wie nötig eine leistungsfähige Wasserforschung und eine nachhaltige Wasserwirtschaft ist. Wir müssen gemeinsam - anhand ganz konkreter Problemstellungen - Spitzentechnologien entwickeln und sie deutlich schneller als bisher in praxisnahe Anwendungen und Produkte umsetzen. China ist in Forschung und Entwicklung längst zu einem Partner auf Augenhöhe geworden.

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