Erfolge der Förderung: Die Reise in die Zelle - Prof. Dr. Petra Schwille im Portrait

Mit der 1998 gestarteten Initiative "BioFuture" hat das BMBF jungen Nachwuchsforschern attraktive Perspektiven in der lebenswissenschaftlichen Forschung in Deutschland angeboten. Mehr als 1.500 Nachwuchswissenschaftler stellten sich dem Wettbewerb "BioFuture". 51 Preisträgerinnen und Preisträger konnten sich im harten Auswahlverfahren durchsetzen. Petra Schwille, aktuell Professorin für Biophysik an der TU Dresden, gehörte 1999 zum prämierten BioFuture-Nachwuchs.

Petra Schwille, Professorin für Biophysik an der Technischen Universität Dresden"Stuttgart, Göttingen, New York, Dresden, Martinsried" - lauten einige Stationen in der akademischen Laufbahn von Petra Schwille. Doch die vielleicht faszinierendsten Reisen macht die Professorin der Biophysik und baldige Direktorin des Max-Planck-Instituts für Biochemie Martinsried innerhalb von Zellen. Ihre Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der hochsensitiven Fluoreszenzspektroskopie haben der Zellbiologie neue und wichtige Impulse gegeben. Petra Schwille gehört heute zu den anerkanntesten und international führenden Wissenschaftlerinnen in ihrem Fachgebiet. Stipendien, Auszeichnungen und Preise, wie beispielsweise der BioFuture-Preis des BMBF oder der Leibniz-Preis der DFG, pflastern ihren Erfolgsweg.

Am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen hat die Begeisterung für das Wissenschaftsfeld der Spektroskopie angefangen. Hier arbeitete Petra Schwille nach dem Studium der Physik und Philosophie bei Chemie-Nobelpreisträger Manfred Eigen und promovierte an der TU Braunschweig. Nach einer zweijährigen Postdoc-Zeit in Göttingen und an der Cornell University in Ithaca, New York bewarb sich die gebürtige Schwäbin 1999 beim BioFuture-Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Mit Erfolg. Und der Weg führte die frischgebackene Nachwuchsgruppenleiterin zurück an die alte Wirkungsstätte, dem MPI Göttingen. Mit dem hochdotierten BioFuture-Preis baute Schwille eine eigene Arbeitsgruppe auf und widmete sich intensiv ihrem Forschungsschwerpunkt "Fluoreszenzkorrelationsspektroskopie" (FCS). Motivation und Ziel war es u. a., das Verständnis biochemisch relevanter Prozesse zu präzisieren.

Mit der von Schwille und ihrem Team entwickelten FCS-Methode ist es möglich, Wechselwirkungen von Molekülen in lebenden Zellen nichtinvasiv und live zu verfolgen. Neue und spektakuläre Einblicke in molekulare Vorgänge auf zellulärer Ebene sind so Wirklichkeit geworden. Durch die Kombination der FCS mit der Zweiphotonenanregung ist es der "BioFuture"-Preisträgerin gelungen, auf Einzelmolekülebene vorzudringen, wodurch Mechanismen und Dynamiken biochemischer Prozesse im lebenden Organismus erfasst werden können.

Die "BioFuture"-Förderung bot Petra Schwille optimale Bedingungen, um ihre Forschung voranzutreiben und ebnete ihr so den Weg zur Professur. Dem Ruf an die TU Dresden folgte sie und wurde 2002 Professorin für Biophysik.

Heute konzentriert sich der Forschungsschwerpunkt von Petra Schwille stärker auf Fragestellungen innerhalb der Zell- und Entwicklungsbiologie sowie auf die Wechselwirkungen zwischen Proteinen und Lipiden in Zellen und artifiziellen Membransystemen. Mit den 2009 publizierten Forschungsergebnissen zur Messung von Proteininteraktionen und Morphogengradienten im lebenden Embryo hat Schwille international für Aufsehen gesorgt.

Auch auf nationaler Ebene wird Schwilles Arbeit anerkannt und hoch geschätzt. Mit ihrer Ernennung zur Direktorin am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried 2012 nimmt Petra Schwille die nächste Stufe ihrer akademischen Laufbahn. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die 43-Jährige kein Thema, sondern Realität. Die Spitzenforscherin wird Mitte 2012 mit ihrem Mann und drei Kindern in die Nähe von München ziehen und ihre neuen Herausforderungen am Max-Planck-Institut für Biochemie angehen.