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Hintergrund von BMBF-Foresight

Das Anliegen, eine langfristige und am künftigen Bedarf orientierte Strategieentwicklung zu betreiben, teilt das BMBF mit vielen staatlichen und privaten Organisationen. Foresight-Prozesse gibt es in vielen Staaten, auf europäischer Ebene, bei den Vereinten Nationen oder in großen Privatunternehmen. Schon seit mehr als 20 Jahren führt das BMBF interne Prozesse der Technologievorausschau durch. In dieser Zeit hat sich die Methodik immer weiter ausdifferenziert. Mit seinem zyklischen Vorgehen, das im Ansatz regelmäßig zwischen den Perspektiven des "Technology Push" und des "Demand Pull" wechselt, hat das BMBF inzwischen einen eigenen Foresight-Ansatz entwickelt.

Integration von "Technology Push" und "Demand Pull"

Die meisten Innovationen gehen auf zwei grundlegende Mechanismen zurück: "Technology Push" und "Demand Pull". Technologiegetriebene Innovationen sind Resultat der wissenschaftlichen Fortschrittsdynamik. Sie beruhen oft auf Erfolgen in der Grundlagenforschung, die ursprünglich nicht auf die Entwicklung marktfähiger Anwendungen zielte. "Technology Push" geht nicht vom Nutzen, sondern von Möglichkeiten aus. Mit ihm ist das Risiko verbunden, dass Innovationen am realen Bedarf vorbei laufen. Die Chance liegt - im Sinne einer angebotsorientierten Perspektive - in radikalen Innovationen, aus denen völlig neue Märkte und gesellschaftliche Entwicklungen hervorgehen können, wie dies etwa durch die Verfügbarkeit der Internet-Technologien geschehen ist. Das zentrale Anliegen des "Technology Push" besteht in der Identifizierung von passenden Anwendungsmöglichkeiten für innovative Technologien.

Demgegenüber geht die Perspektive des "Demand Pull" von der Nachfrageseite aus. Innovationen werden von Vorneherein als Antwort auf spezifische Marktbedarfe entwickelt. Dabei geht es dem Bundesministerium für Bildung und Forschung nicht nur um die Nachfrage auf existierenden Märkten; vielmehr gilt es, übergeordnete Herausforderungen zu identifizieren, wie sie beispielsweise vom demografischen Wandel oder von der Verknappung der natürlichen Ressourcen ausgehen. Aus ihnen werden konkrete Bedarfe abgeleitet, für die langfristig tragfähige Lösungen entwickelt werden. Das Risiko dieser Perspektive liegt in der möglichen Vernachlässigung radikaler Innovationspotenziale, die Chance in der zielorientierten Fokussierung des Innovationsgeschehens auf konkrete Missionen. Die Suche nach der innovativen Lösung für ein gegebenes Problem stellt hier das zentrale Leitmotiv dar.

BMBF-Foresight zeichnet sich dadurch aus, dass es beide Ansätze in einem zyklischen Vorgehensmodell miteinander verknüpft. Einem stärker  vom "Technology Push"-Ansatz geprägten Zyklus folgt ein Zyklus, der schwerpunktmäßig am "Demand Pull" orientiert ist, und umgekehrt. Auf diese Weise können die Ergebnisse jedes vorangegangenen Zyklus im nachfolgenden Zyklus aus einer alternativen Perspektive bewertet und weiterentwickelt werden.

 

Das Vorgehen im Foresight-Zyklus

Grundsätzlich ist jeder Zyklus als eigenständiges Projekt konzipiert, das aus drei Hauptphasen besteht. Die Such- und Analysephase gliedert sich je nach dem gewählten Methodenset in weitere Prozessschritte. Sie dauert etwa zwei Jahre, in denen in etablierten Forschungsfeldern neue Themen für Wissenschaft und Forschung entwickelt sowie aus der innovativen transdisziplinären Verknüpfung der etablierten Fachgebiete gänzlich neue Forschungsfelder abgeleitet werden. Dieser Prozess ist iterativ angelegt, insofern Analyseergebnisse kontinuierlich wieder in Suchprozesse einfließen und diese stetig zu verfeinern helfen. Die Suche kann auf zukünftige Herausforderungen von nationaler oder globaler Tragweite fokussieren, dominante und versteckte Trends verfolgen oder mit Hilfe von Planspielen Entwicklungen aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse modellieren. Die erhobenen Informationen werden kontinuierlich ausgewertet und verdichtet. Die Ergebnisse bilden die Datenbasis für einen Foresight-Bericht, der der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.


Abbildung: Schematische Darstellung der Grundstruktur von BMBF-Foresight über zwei Zyklen

Der Transfer greift die Ergebnisse aus der Suchphase auf und speist sie in Arbeitsprozesse des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ein, beispielsweise in die langfristige Programmplanung in der Innovationspolitik. Hierfür werden die Ergebnisse im Rahmen einer Qualitätsprüfung einem unabhängigen Realitätscheck unterzogen. In einem internationalen Monitoring-Verfahren werden sie validiert oder ggf. verfeinert. Neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung und seinen Fachabteilungen können die Foresight-Ergebnisse auch von den benachbarten Ressorts der Bundesregierung genutzt werden. Überdies richten sie sich an die Einrichtungen der Forschungsförderung in Deutschland, an die Wissenschaftsministerien der Bundesländer und die Unternehmen der Privatwirtschaft.

Jeder Foresight-Zyklus endet mit einer Phase der hausinternen Reflexion, in der der nachfolgende Foresight-Zyklus vorbereitet wird. Die Analysen aus einem Evaluationsstrang, der die Aktivitäten während der Such- und Analysephase und des Transfers begleitet, fließen in die Konzeption des nächsten Zyklus ein. Das Spektrum der Foresight-Methoden ist weit und wird in der internationalen Zukunftsforschung kontinuierlich weiterentwickelt. Die Vorbereitungsphase stellt sicher, dass der nächste Zyklus mit Hilfe der neuesten Instrumente durchgeführt wird. BMBF-Foresight ist ein "lernender" Strategieprozess. Die Vorbereitungsphase systematisiert dieses Lernen.

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    Historie von BMBF-Foresight

    Prozesse zur Technologievorausschau haben im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine vergleichsweise lange Tradition. Seit über 20 Jahren initiiert das BMBF kontinuierlich Prozesse, die in ihrer Methodik an den jeweils aktuellen wissenschaftlichen Stand der Technologievorausschau angepasst sind. Bei der Vielfalt der inzwischen verfolgten Ansätze ist das Ziel konstant geblieben: Die Identifizierung zukünftiger Technologien und Forschungsfelder sowie Unterstützung bei der Bestimmung von Prioritäten in der deutschen Forschungs- und Technologiepolitik.
    mehr (URL: http://www.bmbf.de/de/12687.php)

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