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Gerendertes Luftbild einer Großstadt

"Geodaten können sehr hilfreich sein"

Neue Chancen nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für den Alltag sieht BMBF-Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen in der Georeferenzierung, der Zuweisung raumbezogener Informationen zu einem Datensatz.

Porträt der Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Cornelia Quennet-ThielenFrau Quennet-Thielen, seit der Einführung von Googles „Street View“ wird über Geodaten und ihre Erhebung diskutiert. Worum geht es?

Quennet-Thielen: Geodaten sind Daten, die auf kleine Räume bezogen sind: Das kann eine Gemeinde sein, ein Postleitzahlbezirk oder eine Straße. Gemeint sind Angaben über Temperatur, Helligkeit bei Nacht, Lärm, Versiegelungsgrad des Bodens, Bebauungstypus oder Sozialstruktur. Sie lassen sich verbinden mit Daten zu Bildungsabschlüssen oder zur Kaufkraft. Georeferenzierung ist die Kunst, aus vorhandenen Daten mehr zu machen, indem man sie auf geeignete Weise räumlich aufeinander bezieht. Das kann sehr hilfreich sein.

Haben Sie ein Beispiel?

Quennet-Thielen: Der Mikrozensus oder das Sozioökonomische Panel erheben beispielsweise Daten zum Gesundheitszustand und der Lebensqualität der Menschen in Deutschland und in Berlin. Wenn diese Daten georeferenziert werden, kann untersucht werden, welche Auswirkungen die Verlagerung des Berliner Flugverkehrs von Tegel nach Schönefeld hat. Andere Beispiele sind die Einsatzplanung der Feuerwehr oder die Standortsuche für Windkrafträder. Daten mit Ortsbezug bieten neue Chancen nicht nur für die Wissenschaft, sondern insbesondere für unseren gesamten Alltag. Sie sind unverzichtbar, wenn es um die Grundlagenforschung zur Nachhaltigkeit geht oder um Gesundheitsprävention und die Bewältigung des demografischen Wandels. Der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten – in dem sich Fachleute aus Geografie, Geodäsie, amtlicher Statistik und Datenschutz zu einer Arbeitsgruppe zusammengetan haben – hat jetzt eine Bestandsaufnahme zur Georeferenzierung vorgenommen und Empfehlungen erarbeitet.

Was schlagen die Experten vor?

Quennet-Thielen: Die vorhandenen Datenschätze wachsen ständig. Die Daten sind verstreut bei den unterschiedlichsten öffentlichen und privaten Stellen, angefangen bei den Vermessungs-Verwaltungen der Länder bis zu Firmen für Geomarketing. Hohe Kosten und komplizierte Lizenzregeln kommen als Hindernisse hinzu. Zudem sind die Fachdaten der amtlichen Statistik, anders als in vielen anderen Staaten, bislang nicht kleinräumig auswertbar, das heißt, sie dürfen nicht georeferenziert werden. Es mangelt an einer Harmonisierung und an der Transparenz des Zugangs. Der Wissenschaft entgehen damit viele Möglichkeiten. Der vom BMBF geförderte Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten fordert darum, den Zugang zu den Daten zu verbessern.

Gibt es weitere Empfehlungen?

Quennet-Thielen: Die Experten fordern, dass öffentlich finanzierte Geodaten für die private und für die wissenschaftliche Nutzung kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Alle Bürger sollten Zugang zu einer Geodatenbank erhalten, damit aus Daten Informationen werden, die ihnen nutzen. Das ist auch der Grund, warum es besser wäre, die vielfältigen, ganz unterschiedlich strukturierten Datensätze zu harmonisieren. Schließlich entsteht durch die Verknüpfung der Daten neues, kostbares Wissen. Das soeben von Bundestag und Bundesrat verabschiedete Bundesgeorefenzdatengesetz schafft dafür eine wichtige Voraussetzung. Denn die in der Produktion und vor allem in der Nutzung von Geodaten liegenden Potentiale sind riesig – für Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit schreitet die Nutzung der Geodaten rasch voran. Deutschland hat dabei eine führende Stellung inne und darf sie nicht verlieren.

Wird der Datenschutz beim Sammeln und Verknüpfen all dieser Informationen ausrei-chend berücksichtigt?

Quennet-Thielen: Viele Menschen sind zu Recht unsicher, ob und wie ein ausreichender Schutz der personenbezogenen Daten gewährt werden kann. Viele fragen sich: Ist die Privatsphäre bei all dem noch gewahrt? Diesen Befürchtungen müssen wir Rechnung tragen. Darum empfehlen die Fachleute, den Datenschutz zu reformieren, er sollte klarer und einfacher geregelt werden. Wir müssen genau definieren, ob und wann das Persönlichkeitsrecht betroffen ist. Es sollte Schulungen und Leitfäden zum Datenschutz bei Geodaten geben. In der Praxis sollten Selbstverpflichtungen, Anonymisierung und Pseudonymisierung zur Wahrung des Datenschutzes genutzt werden. Die Debatte darüber, wie wir im Lichte neuer Technologien und sich verändernder sozialer Verhal-tensweise die Grenzen von privat und Öffentlich bestimmen, hat gerade erst begonnen. Guter Datenschutz muss hier mit einer größeren Nutzerfreundlichkeit einhergehen.

Der Abschlussbericht der Arbeitsgruppe "Georeferenzierung von Daten" ist unter http://www.ratswd.de/Geodaten/index.php verfügbar.

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