Donnerstag, 23.2.2012 - Wie evaluiert man die Förderung von Innovations- und Technologieclustern? Dieser Frage widmet sich das Forum Inside the "black box". Darüber hinaus werden die Ergebnisse der begleitenden Evaluierung des Spitzencluster-Wettbewerbs zur internationalen Positionierung der Spitzencluster präsentiert sowie die Auswirkungen des Wettbewerbs auf die Netzwerkwerkbildung und den Wissensaustausch vorgestellt.
What can we learn from labor market policy evaluation for cluster evaluation?
Prof. Dr. Thomas K. Bauer, RWI
Measuring effects and impacts of clusters and networks - But how? Evaluation and benchmarking system for clusters and networks
Dr. Sonja R. Kind, VDI/VDE-IT
Discussion
Moderation: Martin Leutke
Im Forum 1 wurde im 1. Teil zunächst der Frage nachgegangen, wie man die Förderung von Innovations- und Technologieclustern evaluiert, im 2. Teil wurden ausgewählte Ergebnisse der begleitenden Evaluierung des "Spitzencluster-Wettbewerbs" vorgestellt. In beiden Teilen dieses Forums wurden dabei jeweils zwei Vorträge gehalten und im Anschluss daran diskutiert.
Thomas K. Bauer ging darauf ein, was die Evaluierung von Clustern bzw. Clusterpolitiken von der Evaluierung von Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik lernen können. Dabei sei vor allem die Ermittlung von kausalen Wirkungen von Bedeutung, um zu ergründen, was durch die Förderung ursächlich erreicht wurde. Allerdings stelle das eine große Herausforderung dar, da dies die Beantwortung der kontrafaktischen Frage voraussetze, die lautet: Was wäre geschehen, wenn es die Förderung nicht gegeben hätte? Da die kontrafaktische Situation nicht direkt beobachtbar ist, existieren in der Arbeitsmarktliteratur unterschiedliche Verfahren, mit deren Hilfe ein beobachtbares Gegenstück zu der unbeobachtbaren Situation konstruiert werden kann. Die Ansätze seien mehr oder weniger auch auf die Evaluation der Clusterpolitik übertragbar. Da Clusterpolitiken im Allgemeinen aber komplexer als Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik wären, die Datenbasis vergleichsweise geringere Fallzahlen aufweise und die letztlich interessantesten Wirkungen (z.B. Produktivität, Wachstum, Beschäftigung) erst nach relativ langer Zeit beobachtbar würden, seien hier aber diverse Einschränkungen zu machen. Einen "Evaluations-Masterplan" gäbe es hierfür nicht, vielmehr müsse das Studiendesign auf jeden Einzelfall neu und individuell zugeschnitten werden.
Sonja R. Kind befasste sich mit der Messung von Ergebnissen und Wirkungen von Clustern bzw. Netzwerken. Demnach sollten Evaluationen von Clusterpolitiken sowohl formativ als auch summativ ausgerichtet sein und kontinuierlich durchgeführt werden. Zudem müssten sie alle relevanten Charakteristika und Dimensionen der Cluster einbeziehen. Dabei sei darauf zu achten, möglichst frühzeitig alle relevanten Akteure einzubeziehen, um für die Akzeptanz der Evaluation zu werben und die Informationsbereitstellung seitens dieser Akteure zu befördern. Die Evaluationsergebnisse sollten den Akteuren schließlich Möglichkeiten zum Lernen eröffnen bzw. Lernprozesse anstoßen.
Thematisiert wurde ferner der unterschiedliche Charakter von Evaluationen: Voraussetzung für eine Erfolgsabschätzung neuer Politikmaßnahmen seien Ex-ante-Evaluationen, für eine abschließende Erfolgsbeurteilung dagegen Ex-post-Evaluationen, welche die Basis für Ex-ante-Evaluationen bilden. Begleitende Evaluationen hätten dagegen formativen Charakter und könnten Steuerungszwecken dienen, und zwar sowohl auf der Politik- als auch auf der Clusterebene, sofern sie Fehlentwicklungen frühzeitig aufdecken und Möglichkeiten zur Gegensteuerung aufzeigen.
Im zweiten Teil des Forums ging es um einige konkrete Evaluierungsergebnisse am Beispiel der begleitenden Evaluierung des "Spitzencluster-Wettbewerbs". Michael Ploder führte zunächst aus, welche Position die Spitzenclusterregionen im internationalen Innovationsgeschehen einnehmen. Alle geförderten Spitzencluster haben demnach gute Voraussetzungen, um im internationalen Innovati-onsgeschehen eine Spitzenposition einzunehmen, was beispielsweise die durchgeführten empirischen Analysen von Patentanmeldungen unterstreichen. Clusterspezifische Unterschiede seien u.a. auf Variationen der technologischen Stärke, der wissenschaftlichen Exzellenz oder dem Entwick-lungsstand von Schlüsselmärkten vor Ort zurückzuführen.
Uwe Cantner zeigte auf, welche Auswirkungen vom "Spitzencluster-Wettbewerb" auf die Netzwerk-bildung und den Wissenstransfer ausgehen. Demnach führt die Spitzencluster-Förderung zu intensiveren, eher regional ausgerichteten Kooperationen zwischen den Akteuren. Der Wettbewerb initiiert dabei insbesondere Kooperationen zwischen Unternehmen und Instituten, und zwar vor allem solche zwischen Akteuren mit komplementärem, sich also ergänzendem Wissen. Er führt grundsätzlich auch zu neuen Kooperationen, wobei zuvor schon bekannte Partner bevorzugt ausgewählt werden, sofern diese mit entsprechenden Kompetenzen bereits existieren.
Auf Anfrage stellen wir Ihnen die Beiträge und Präsentationen aus den Foren als Downloadlink zur Verfügung.
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