Forum 4: Clusterförderung, ein Königsweg der Forschungs- und Innovationspolitik?

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Forum 4: Clusterförderung, ein Königsweg der Forschungs- und Innovationspolitik?

Donnerstag, 23.2.2012 - Das Forum beleuchtet, welchen Beitrag die Clusterförderung als Instrument einer Forschungs- und Innovationspolitik leisten kann. Im Rahmen von zwei Vorträgen werden internationale Erfahrungen zu Ergebnissen von innovationsorientierten Clusterpolitiken dargestellt. Im Anschluss werden in einem Streitgespräch unterschiedliche Perspektiven zu Vor- und Nachteilen der Förderung regionaler Innovations- und Technologiecluster diskutiert.

Struktur des Forums

  • Evaluating the Impact of Cluster Policy: Approaches, findings, and where to go from here
    Prof. Dr. Christian Ketels, Harvard Business School
  • The economics of clusters: Some lessons from the French experience
    Prof. Philippe Martin, Sciences Po Paris
  • Panel discussion
    Maciej Dzierzanowski, Gdansk Institute for Market Economics
    Prof. Dr. Christian Ketels, Harvard Business School
    Prof. Philippe Martin, Sciences Po Paris

Moderator: Martin Leutke


Ergebnisse

Im Rahmen von Forum 4 gab zunächst Christian Ketels einen Überblick über Ansätze und Ergebnisse der Evaluation von Clusterpolitiken und Konsequenzen, die sich daraus für die Politik ergeben. Daran anschließend stellte Philippe Martin die Ergebnisse einer Studie zu den Wirkungen der Clusterung von Unternehmensaktivitäten und von Clusterpolitik für Frankreich vor. Seine Ergebnisse bezogen sich dabei nicht auf die aktuellen pôles de compétitivité, sondern auf ein Vorgängerprogramm Ende der 1990er Jahre. Nach den beiden Vorträgen fand dann eine Podiumsdiskussion statt, an der neben den beiden Referenten noch Maciej Dzierzanowski teilnahm. In der Diskussion ging es um die Wir-kungen von Clusterpolitik, die Sinnhaftigkeit der Förderung von Technologie- und Innovationsclustern und die Zukunft der Clusterförderung.

Hinsichtlich der Wirkungen der Clusteraktivitäten wurde von den Beteiligten betont, dass zwischen den Wirkungen der Clusterung von Unternehmensaktivitäten und den Wirkungen von Clusterpolitik zu unterscheiden sei. Clusterung als regionale Kooperation zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen (in gleichen oder verwandten Sektoren bzw. Technologiefeldern) hat, darin bestand Einigkeit zwischen allen Beteiligten, einen positiven Effekt auf die Wirtschaftsaktivitäten. Philippe Martin wies darauf hin, dass diese positiven Effekte ab einem bestimmten Zeitpunkt in negative Effekte umschlagen können (etwa durch die Übernutzung von Infrastruktur).

Hinsichtlich der Wirkungen der Clusterpolitik bestand Uneinigkeit. Während einige Studien, auf die Christian Ketels verwies, positive Effekte von Clusterpolitiken festgestellt hatten, kam Philippe Martin auf Basis einer kausalanalytischen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die von ihm untersuchte Clusterpolitik in Frankreich keine Auswirkung auf die Produktivität der Unternehmen hatte. Diesem Ergebnis stehen, wie auch in der Diskussion deutlich wurde, u.a. die Ergebnisse einer Studie aus Dä-nemark gegenüber, die ebenfalls auf einem kausalanalytischen Ansatz beruhen und für die dänische Clusterpolitik positive Effekte auf die Innovationsaktivität der Clusterunternehmen herausfanden.

Nach einmütiger Einschätzung der Diskutanten im Rahmen des Forums besteht ein Problem der Wirkungsanalysen von Clusterpolitiken darin, dass sich bislang alle Studien nur mit den kurzfristigen Effekten beschäftigt haben und langfristige Wirkungen noch nicht untersucht wurden. Weiterhin gibt es keine Erkenntnisse über die Effekte von Programmen wie den "Spitzencluster-Wettbewerb" oder die pôles de compétitivité in Frankreich, in deren Rahmen nicht die Clusterorganisationen, sondern z.B. FuE-Projekte im Clusterkontext gefördert werden. Daher waren alle Diskutanten der Meinung, dass Bedarf besteht, mehr über die Wirkungen von Clusterpolitiken zu erfahren.

Hinsichtlich der Konsequenzen aus den Befunden über die Wirkungen für die Clusterpolitik herrschte im Forum keine Einigkeit. Während Christian Ketels und Maciej Dzierzanowski jeweils aus unterschiedlichen Perspektiven die Potentiale der Clusterpolitik betonten, plädierte Philippe Martin für die Durchführung von traditionellen Maßnahmen, die etwa die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessern. Einigkeit bestand aber darin, dass man im Rahmen von Clusterpolitiken nicht die stärkere Clusterung von Wirtschaftsaktivitäten fördern soll, sondern vielmehr die bessere Zusammenarbeit innerhalb der Clusterregionen.

Aus Sicht von Maciej Dzierzanowski stellt die Clusterpolitik für Polen ein sehr interessantes Politikinstrument dar. In Polen werden Impulse für Innovationen und FuE-Kooperationen benötigt, die von der Clusterpolitik ausgehen können. Außerdem ermöglicht das Instrument die Bündelung der Aktivitäten im Rahmen der Strukturfonds. Besonders interessant für Polen ist aus seiner Sicht die Ausgestaltung der Clusterpolitik, wie sie im Rahmen der pôles de compétitivité und des "Spitzencluster-Wettbewerbs" realisiert wird (Kombination mit geförderten FuE-Kooperationsprojekten).

Insgesamt wurde in der Diskussion deutlich, dass die Clusterförderung zwar nicht den Königsweg der Forschungs- und Technologieförderung darstellt, es sich dabei aber um ein sehr vielversprechendes Instrument  handelt, über dessen Wirkungen wir bislang allerdings noch zu wenig wissen.


Auf Anfrage stellen wir Ihnen die Beiträge und Präsentationen aus Forum 4 als Downloadlink zur Verfügung.

Bitten wenden Sie sich hierfür an das Organisationsteam im Projektträger Jülich:

E-Mail: info-ck2012@fz-juelich.de