Freitag, 24.2.2012 - Spitzentechnologie braucht Spitzenfachkräfte. Kooperation ist ein wichtiger Weg, um Fachkräfte in einer Clusterregion zu gewinnen, zu entwickeln und zu halten. Doch Kooperation ist nicht immer spannungsfrei. Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft, Praktiker und Forscher diskutieren, wie die Abstimmung zu Strukturen und Inhalten der Aus- und Weiterbildung gelingt, damit Mitarbeiter ihr Wissen immer auf dem aktuellen technischen Stand halten können.
Moderation: Prof. Dr. Ulrich Mescheder, Hochschule Furtwangen
Keynotes "Mit Kooperation zur Qualifikation - gemeinsam Fachkräfte für morgen" gewinnen
Prof. Dr. Johannes Buchmann (Software-Cluster) stellte die kooperative Qualifizierung des akademischen Nachwuchses auf Masterniveau im Verbund mehrerer Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie die Übersetzung von Forschungsergebnissen in Lehrmodule im Rahmen des Software-Clusters vor. Die standortübergreifende Kooperation bei der Qualifizierung wird durch abgestimmte Studienordnung und Anerkennungsverfahren sicher gestellt. Dadurch werden die Spitzenkompetenzen von 4 verschiedenen Standorten zur Ausbildung von Fachexperten im Bereich Emergente Software genutzt. Die Ausbildung erfolgt unter Einbindung der beteiligten Forschungsgruppen
Dr. Sabine Schmidt (Solarvalley) stellte den Aufbau eines länderübergreifenden integralen Bildungskonzeptes zwischen den Akteuren Forschung, Wissenschaft, Bildung und Industrie im Bereich Photovoltaik über 3 Bundesländer vor. Da zu Beginn noch keine fachlich auf den Cluster Solarvalley zugeschnittenen Studienangebote vorhanden waren, war ein Fokus, an verschiedenen Standorten die entsprechenden Lehrangebote auszubauen, z.T. unter Einbindung von Stiftungsprofessuren. Weitere Maßnahmen sind der Aufbau eines Graduierungskollegs Photovoltaik zum verbesserten Übergang vom Master zur Promotion, die Organisation von Summer Schools und die Durchführung von Schülerprojekten.
Prof. Dr. Ulrich Mescheder (MicroTEC Südwest) präsentierte insgesamt 4 Projekte im Rahmen der MicroTEC Academy, in der die strukturellen Maßnahmen zur Weiterbildung und zur Sicherung des Fachkräftebedarfs konzentriert sind. Alle Angebote im Cluster sind berufsbegleitend. Aufgrund der hervorragend ausgebauten Hochschulausbildung (mehrere spezifischen Angebote vom Bachelor, Master bis zur Promotion) konzentrieren sich im akademischen Bereich die Aktivitäten auf die Schaffung von berufsbegleitenden Masterangeboten (blended learning) zur Erschliesssung der clusterinternen Ressourcen sowie um Angebote, mit denen gezielt ausländische High Potentials in die Clusterregion gebracht werden. Diese reichen von der Organisation eines international Internship, bei dem Studierende aus der ganzen Welt neben einem akademischen Programm insbesondere ein Praktikum in einem Unternehmen des Clusters durchführen, über eine Studentenkonferenz bis hin zu Summer Schools. Weitere Schwerpunkte sind gewerbliche Qualifizierung auf dem Meisterniveau. In einem Projekt werden Schüler für MINT-Fächer mit Hilfe des sogenannten Theo-Prax-Modells begeistert. Begeisternde Lernformen wie Cyber-Classroom, MST-wonderworld werden hier genutzt. Ein weiteres Projekt bietet interne Dienstleistung für online-gestützte Weiterbildung.
Forum/Podium, Moderation Prof. Dr. Ulrich Mescheder
Leitfragen für das Podium
Prof. Dr. Johannes Buchmann, Vizedirektor Center for Advanced Security Research Darmstadt CASED sah auch im Bologna-Modell sehr gute Möglichkeiten relativ breit ausgebildete Bachelorabsolventen mit wissenschaftlich tiefgründigen Masterangeboten zu verknüpfen.
Prof. Dr. Jörg Bagdahn, Leiter Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP / Hochschule Anhalt, Werkstoffe der Photovoltaik stellte einen dualen Studiengang "Photovoltaik" vor, der in enger Kooperation mit den Firmen Q-Cells, Sovello, Bosch Solar Energies, Innotech Solar seit 2008 angeboten wird.
Dr. Uwe Machwirth, Projektleiter Festo Bildungsfonds zeigte auf, wie man mit Hilfe des Bildungsfonds nicht nur Studierende zielgerichtet und mit höherem Studienfolg zum Abschluss führen kann, sondern wie ein solcher Fond auch mehr jungen Menschen den Zugang zu MINT-Fächern verschafft. Der Bildungsfond kooperiert mit vielen Bildungsanbietern.
Dr. Stephan Pfisterer, Bereichsleiter Bildung & Personal BITKOM sieht es für erforderlich, große Anstrengungen zur Fachkräftesicherung zu unternehmen, um das Auseinanderdriften von Nachfrage und Angebot zu begegnen, das insbesondere auch durch die demographische Entwicklung noch verschärft wird. Ein Aspekt ist dabei länger aktiv am Arbeitsprozess eingebunden zu bleiben. Ein anderer Aspekt ist die Erschliessung der Ressourcen und Reserven - Frauen in ITK und MINT.
Alexander Rabe, Geschäftsführer Deutsche Informatik Akademie und stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Informatik sieht zwar eine große Einigkeit bei den Akteuren in der Frage, dass Weiterbildung von IT-Fachkräften die Innovationsfähigkeit Deutschlands fördert und sichert. Weiterbildung sei daher auch in aller Munde, doch leider verstehen die Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hierunter oftmals komplett verschiedenes. Anspruch und Wirklichkeit an bzw. von Qualifikationen der IT-Fachkräfte und deren Förderung durch Weiterbildung klaffen hier oftmals weit auseinander.
In der anschliessenden Diskussion brachten sich auch Akteure aus den anderen Spitzenclustern ein, die von weiteren Erfahrungen bei der Kooperation zur Qualifizierung berichteten. Es wurde angeregt, bei der nächsten Clusterkonferenz den Austausch von Erfahrungen, Best Practice Modellen sowie Ideen zu neuen Lernformen zu vertiefen.
Auf Anfrage stellen wir Ihnen die Beiträge und Präsentationen aus Forum 8 als Downloadlink zur Verfügung.
Bitten wenden Sie sich hierfür an das Organisationsteam im Projektträger Jülich:
E-Mail: info-ck2012@fz-juelich.de