Ministerium
Satellitenaufnahme einer typischen Karstlandschaft in Zentral-Java, Indonesien

ASEAN-EU Wissenschaftsjahr 2012

Das ASEAN-EU Wissenschaftsjahr bot durch das Jahr 2012 hindurch eine ideale Plattform für BMBF-Verbundprojekte in Südostasien, durch öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen innovative Forschungsthemen stärker sichtbar zu machen und neue Netzwerke in der Partnerregion zu knüpfen. Internationale Workshops und Sommerschulen, die vom Internationalen Büro des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurden, beförderten die Vertiefung der wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit mit Südostasien.

Nicht nur China und Indien als bevölkerungsreichste Länder Asiens entwickeln sich in wirtschaftlicher und wissenschaftlich-technologischer Hinsicht zu einer führenden Region in der Welt.  Eine ähnliche Dynamik entfalten die im ASEAN-Staatenbund zusammengeschlossenen Länder Südostasiens, darunter Singapur, Indonesien und Vietnam. Bereits heute ist die ASEAN-Region drittwichtigster Handelspartner der Europäischen Union (EU). Innerhalb des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms gibt es eine zunehmende Anzahl an Kooperationen im wissenschaftlich-technologischen Bereich  zwischen beiden Regionen. Grund genug, die immer enger werdende Zusammenarbeit mit einem ASEAN-EU Wissenschaftsjahr der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen und vorhandene Projekte noch stärker zu regionalisieren.

Beide Regionen sehen sich einer Vielzahl von gemeinsamen Herausforderungen gegenüber, die von einer nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen über den Umwelt- und Klimaschutz bis zu einer sicheren Energieversorgung und einer zukunftsweisenden Stadtentwicklung reichen. In diesen Forschungsfeldern ist nicht nur die EU sondern auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit Verbundprojekten vor Ort engagiert.

In einem Workshop der Ruhr-Universität Bochum in Hanoi wurden beispielsweise Konzepte für einen umweltverträglichen Kohletagebau in Vietnam vorgestellt und diskutiert,  inwieweit die dortigen Erfahrungen auf die Nachbarländer Laos und Kambodscha übertragbar sind. Ein weiteres BMBF-gefördertes Verbundvorhaben hat erfolgreich Lösungsansätze für die nachhaltige Wasserversorgung in einem Karstgebiet in Indonesien entwickelt. Da Karstgebiete etwa ein Viertel der Landfläche in Südostasien bedecken sind auch andere Länder der Region an Kooperationen und einem Erfahrungsaustausch interessiert. Im Rahmen einer Internationalen Wasserkonferenz wurden  hierfür in Karlsruhe neue Netzwerke gebildet und Projektideen erarbeitet. Schließlich bot TUM Asia in Singapur als erster deutscher Off-Shore-Campus in Südostasien einen international besetzten Workshop für Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Industrie zu Verkehrsleitsystemen im öffentlichen Nahverkehr an; ein Thema, das in den Megastädten der Region hohe Relevanz hat.

Feierlicher Abschluss des ASEAN-EU- Year of Science, Technology & Innovation in Brüssel

Am 11. Dezember 2012 bedankten sich im historischen Ambiente des Theaters Vaudeville der Generaldirektor Forschung der Europäischen Kommission, Herr Robert-Jan Smits, und der Vorsitzende des ASEAN Committee on Science and Technology, Herr Dato Paduka Hj Suhaimi, bei den hochrangigen Gästen aus Asien und Europa für die Teilnahme und Mitwirkung am YOSTI - dem ersten bi-regionalen Wissenschaftsjahr überhaupt. Sie stellten der Initiative ein überaus positives Zeugnis aus.
Infolge der durchwegs positiven Resonanz, plant die Europäische Kommission vergleichbare Initiativen für die Intensivierung der Kooperation mit weiteren herausgehobenen Partnerländern weltweit; aktuell ist ein Russisch-Europäisches Wissenschaftsjahr in Vorbereitung.

Am 12. Dezember fand die Abschlusskonferenz des Wissenschaftsjahres YOSTI 2012 in den Räumen der Vertretung von Nordrhein-Westfalen statt. Mehr als 130 Teilnehmer diskutierten über die zukünftige Ausgestaltung der Forschungszusammenarbeit zwischen Südostasien und Europa. Ein Schwerpunkt lag auf der Perspektive des wissenschaftlichen Nachwuchses: Marie-Curie Stipendiaten aus Südostasien präsentierten Erfahrungen und Eindrücke ihres Aufenthalts in Europa und ihre Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit.

Maximilian Metzger, Leiter der Unterabteilung für Internationale Zusammenarbeit auf der Abschlussveranstaltung des YOSTI ASEAN-EUDer Leiter der Unterabteilung für Internationale Zusammenarbeit des BMBF, Maximilian Metzger, auf der Abschlusskonferenz des YOSTI 2012©BMBF Ziel ist es nun, aus den Impulsen des YOSTI Nutzen für die weitere Zusammenarbeit zu generieren. Ergebnisse und Erkenntnisse fließen beispielsweise in das Ende 2012 gestartete neue FP7 Projekt "SEA-EU-NET2" ein. Hier sollen bilaterale Forschungskooperationen in für die Zusammenarbeit der Regionen besonders geeigneten Bereichen gefördert werden: Gesundheitsforschung, Landwirtschaft/Ernährung sowie Fragen zu nachhaltigem Wassermanagement. Wie Maximilian Metzger, Leiter der Unterabteilung für Internationale Zusammenarbeit im BMBF, in seiner Rede während der Abschlusskonferenz betonte, sollen nun in Anknüpfung an die Ergebnisse des Vorgängerprojektes SEA-EU-NET1 konkrete Maßnahmen erarbeitet werden. Am SEA-EU-NET2 beteiligen sich insgesamt 20 Forschungs- und Förderorganisationen aus beiden Regionen. Das Projekt läuft bis 2016 und wird vom Internationalen Büro des BMBF koordiniert.

Beiträge und Projekte im ASEAN-EU Wissenschaftsjahr 2012

Ausstellung "Auge des Himmels"

Ein besonders öffentlichkeitswirksamer Beitrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem DAAD ist die Satellitenbilderausstellung "Auge des Himmels".
Das Mekong-Delta in Vietnam. Das fruchtbare Flussdelta eignet sich für den Reisanbau und verfügt über reiche Fischbestände. Ein steigender Meeresspiegel mit einer einhergehenden Versalzung von Wasser und Böden bedroht diese Lebensgrundlage. Am 4. Mai fiel in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi der Startschuss für die wissenschaftliche Wanderausstellung die anschließend noch in Singapur, Indonesien, Malaysia und Thailand zu sehen sein wird. Konzipiert vom Internationalen Büro des BMBF und produziert vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zeigen die großformatigen Bilder eindrucksvolle Satellitenaufnahmen des DLR von beiden Kontinenten. Das Bild links zeigt das Mekong-Delta in Vietnam. Es eignet sich für den Reisanbau und verfügt über reiche Fischbestände.


Doch diese Lebensgrundlage ist bedroht: Durch den steigenden Meeresspiegel versalzen Wasser und Böden. Die Satellitenaufnahmen stellen dar, wie Naturräume durch den Menschen verändert werden, und sie veranschaulichen die Herausforderungen, vor denen die Wissenschaft im Hinblick auf eine nachhaltige Bewirtschaftung von natürlichen Ressourcen für eine wachsende Bevölkerung steht.

Integriertes Wasserressourcen-Management in Indonesien (IWRM)

Mehr als 25 % der Weltbevölkerung lebt in Karstgebieten. Aufgrund der hohen Versickerungsraten und fehlender Speichermöglichkeiten an der Oberfläche sind Karstregionen häufig durch erheblichen Trinkwassermangel geprägt. Gleichzeitig sind große unterirdische Wasserressourcen vorhanden, die für eine Verbesserung der Wasserversorgung genutzt werden könnten. Schwierigkeiten bei der Nutzbarmachung dieser Wasservorkommen ergeben sich vor allem durch die schlechte Zugänglichkeit aufgrund der tiefen Lage sowie durch die hohe Anfälligkeit für Verschmutzungen infolge einer geringen Filterwirkung des Karstgesteins.

Die an der Südküste der Insel Java gelegene 1.400 km² große Karstregion Gunung Sewu leidet unter den beschriebenen Problemen. Die indonesische Regierung hat in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Anstrengungen unternommen, um für eine Verbesserung der Lebensbedingungen der dortigen Bevölkerung die unterirdischen Wasservorkommen nutzbar zu machen, jedoch ohne nachhaltigen Erfolg. Um die Wasserversorgungssituation in der Projektregion nachhaltig zu verbessern, beschäftigt sich ein deutsch-indonesischer Verbund wissenschaftlicher Institutionen unter der Leitung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) mit der Entwicklung innovativer Technologien und Managementstrategien. Ein umfassender Wissenstransfer wird durch die enge Zusammenarbeit mit deutschen und indonesischen Industriepartnern und Behörden geleistet. Ein erster sichtbarer Erfolg ist die Inbetriebnahme einer Wasserförderanlage, die mittelfristig bis zu 80.000 Menschen mit Trinkwasser versorgen wird. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das genannte Vorhaben.

Internatonaler Workshop zum Wassermanagement in Karstgebieten

Andere Karstgebiete in Südostasien, beispielsweise in Vietnam und Thailand, sind mit ähnlichen Herausforderungen der Wasserversorgung und der Suche nach innovativen, nachhaltigen Lösungskonzepten konfrontiert, wie in Gunung Sewu, der Projektregion des IWRM-Verbundes. Internationale Wissenschaftskooperationen, die einen Austausch und gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von Experten aus Europa und Südostasien ermöglichen, stellen einen wesentlichen Schritt zur erfolgreichen Lösung der oben beschriebenen Problematik dar.

In Verbindung mit der alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Konferenz "IWRM-Karlsruhe" wurde im November 2012 ein Workshop zur Regionalisierung und Multiplikation der in Indonesien erarbeiteten Forschungs- und Entwicklungsergebnisse durchgeführt. Schlüsselpersonen aus dem deutsch-indonesischen Projektverbund und Experten aus Bedarfsregionen Südostasiens diskutierten die Übertragung der entwickelten Technologien und Managementstrategien auf weitere Standorte mit ähnlichen Ausgangssituationen. Sie bereiteten außerdem den Aufbau eines internationales Expertennetzwerk zur Initiierung weiterer Projektaktivitäten vor.
Die Veranstaltung wurde im Rahmen des ASEAN-EU Wissenschaftsjahrs 2012 vom Internationalen Büro des BMBF gefördert.

LUCCi (Land Use and Climate Change Interactions)

Vietnam steht in seinen ländlichen Räumen vor großen Herausforderungen. Wasserkraft soll dringend benötigte Energie für eine wachsende Wirtschaft erzeugen, Staudämme an den Oberläufen der Flüsse führen aber zu einer Wasserknappheit in tiefer gelegenen Gebieten, die für die nachhaltige Nahrungsmittelproduktion einer weiter wachsenden Bevölkerung von entscheidender Bedeutung sind. Hinzu kommt, dass küstennahe landwirtschaftliche Flächen zunehmend von Wetterextremen in Form von Dürren und Überflutungen sowie der Versalzung durch einen Meeresspiegelanstieg infolge des Klimawandels bedroht sind.

Das BMBF-geförderte Forschungsprojekt LUCCi des Instituts für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen an der Fachhochschule Köln stellt sich diesen Herausforderungen indem es die Wechselwirkungen zwischen Landnutzung und Klimawandel in Zentral-Vietnam untersucht und gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und kommunaler Verwaltung vor Ort optimierte Landnutzungs- und Wassermanagementstrategien entwickelt.

Internationales Symposium

Vom 10.-14. September 2012 fand ein internationales Expertensymposium zum Thema "Coping with hydro-meteorological extremes in Southeast Asia" statt. Organisiert wurde die Konferenz vom Institut für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen der Fachhochschule Köln gemeinsam mit der Universität Battambang, Kambodscha.

Ausgeprägte Dürren in Kambodscha und Vietnams sowie Überflutungen in Teilen Thailands in jüngster Vergangenheit machen deutlich, dass eine bessere Anpassung an Wetterextreme für die gesamte südostasiatische Region von großer Dringlichkeit ist. Dieses Thema wurde vom Regionalen Trainingszentrum Südostasien einem Hochschulnetzwerk, das gemeinsam Fortbildungen und Beartungsleistungen im Ressourcenmanagement anbietet und in dem die Fachhochschule Köln Mitglied ist, als prioritäres Thema für ein gemeinsames Symposium des ASEAN-EU Wissenschaftsjahrs 2012 ausgewählt.

Die durch interaktive Lehreinheiten zur Analyse von hydroklimatischen Extremen aufgelockerte Veranstaltung zielte auf eine Stärkung des fachbezogenen regionalen und überregionalen Netzwerkes. Darüber hinaus wurde der Forschungsbedarf für die einzelnen Partnerländer  identifiziert, interdisziplinäre Forschungsansätze entwickelt und geeignete Werkzeuge für Analysen und Vorhersagen von Hochwassern und Dürren ausgewählt.
Als Experten nahmen Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger und Vertreter des Privatsektors teil. Erfahrungen aus laufenden Forschungsprojekten in zentralvietnamesischen Wassereinzugsgebieten flossen in die Diskussion mit ein. Die Veranstaltung wurde unter anderem vom Internationalen Büros des BMBF gefördert.

Megacity Research Project TP. Ho Chi Minh

Integrative Stadt- und Umweltplanung zur Anpassung an die Folgen des globalen Klimawandels in Ho Chi Minh City
Küstennahe Großstädte in Südostasien sind nicht nur durch einen ungebremsten Bevölkerungszuwachs und den damit notwendigen Ausbau der Infrastruktur gefordert, sondern müssen sich auch gleichzeitig an sich rasch veränderte Umweltbedingungen durch den Klimawandel anpassen. Vor dem Hintergrund des Klimawandels wird eine fundierte Auseinandersetzung mit den Konsequenzen fu0r die Stadtentwicklung und ein substanzielles Gegensteuern auf allen Ebenen der heutigen Stadtentwicklungsplanung notwendig. Insbesondere der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels kann mittel- bis langfristig zu einer neuen siedlungsstrukturellen Entwicklungsdynamik führen, auf die das derzeitige System der Planung, Steuerung und Umsetzung von Stadtentwicklung nicht vorbereitet ist.
Das BMBF-geförderte Megacity-Forschungsprojekt der BTU Cottbus in Zusammenarbeit mit vietnamesischen und weiteren deutschen Partnern bewertet die lokalen Auswirkungen des Klimawandels sowie ihre räumliche Ausprägung für die Stadtregion von Ho Chi Minh Stadt (Saigon) und entwickelt Strategien zur Anpassung des gebauten städtischen Raums, seiner Siedlungsstrukturen und Stadtentwicklungskonzepte, um die absehbaren Klimaveränderungen und Klimafolgen zu minimieren oder zu vermeiden.

Internationale Sommerschule

 "Forms and Processes of Sustainable Urban Design and Development" in the Mekong Region (SUDD Mekong Region) in Da Nang, Vietnam
Als Beitrag zum ASEAN-EU Wissenschaftsjahr 2012 wurden im Rahmen einer Sommerschule, die vom 2.-13.11.2012 in Da Nang, Vietnam, stattfand, aktuelle Konzepte und Instrumente zur Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung erprobt und diskutiert. Dabei wurden Ergebnisse aus der Forschung mit dem Fokus Klimawandelanpassung und Energieeffizienz mit der städtebaulichen und planerischen Praxis anhand des vietnamesischen Fallbeispiels Da Nang und Beispielen aus der Mekong-Region verbunden. Praxisnah konnten weitere Handlungs- und Forschungsbedarfe für eine nachhaltige Stadtentwicklung in der Mekong Region identifiziert und für zukünftige Kooperationen in der Region spezifiziert werden.

Die Sommerschule wurde mit Universitätspartnern aus der Mekong-Region (Kambodscha, Laos, Myanmar, Thailand und Vietnam), Deutschland und Frankreich durchgeführt. Die Veranstaltung wurde vom Internationalen Büro des BMBF gefördert und von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus (Lehrstuhl Stadtplanung und Raumgestaltung) in Kooperation mit der Da Nang Architecture University, dem CRNS- Réseau Asie (Centre National de Recherche Scientifique) und dem Vorhaben "Environmentally and Climate-friendly Urban Development in Da Nang (ECUD)" der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt.
An dem Vorhaben sind weitere Partner beiteiligt, wie die Ho Chi Minh City University of Architecture, die Hanoi University of Architecture, das INSA Lyon, PADDI (Centre de prospective et d'études urbaines in Ho Chi Minh Stadt), IMV (Institut des Métiers de la Ville/Cooperation Center for Urban Development in Hanoi) sowie AESOP (Association of European Schools of Planning).

Bergbau und Umwelt in Vietnam (RAME)

Der Steinkohlenbergbau ist ein wichtiges Standbein der Energiegewinnung in Vietnam. Da die Förderung zumeist im Tagebau erfolgt, entstehen erhebliche Umweltprobleme in Form von Wasserverunreinigungen, Erosionsschäden, Staubemissionen und Verlust von Artenvielfalt. In dem Verbundprojekt "Bergbau und Umwelt in Vietnam" (2007-2014) entwickeln Wissenschaftler und Ingenieure Methoden für die Minderung der Umwelteinwirkungen des Steinkohlenbergbaus in Vietnam am Beispiel des landesweit größten Bergbaugebietes in der Quang Ninh Provinz, das in unmittelbarer Nähe zum UNESCO-Weltnaturerbe, der Ha Long Bucht, liegt. Dabei werden sowohl umwelttechnische Maßnahmen als auch Konzepte zur Verbesserung des Umweltmanagements entwickelt. Bewährte deutsche Technologien und Managementverfahren werden dabei an die Bedingungen vor Ort angepasst. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zum Schutz der weltweit bekannten Ha Long Bucht.

Die Forschungsarbeiten werden vom RAME-Verbund (Research Association Mining and Environment) unter Leitung der Ruhr- Universität Bochum, Umwelttechnik und Ökologie im Bauwesen und in enger Kooperation mit der staatlichen Minenbaugesellschaft VINACOMIN durchgeführt. In dem Verbundprojekt arbeiten weitere deutsche Universitäten, Forschungszentren und KMUs in Einzelprojekten zusammen.

Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit etwa 7 Mio. EUR gefördert. Die beteiligten deutschen Firmen bringen erhebliche Eigenbeteiligungen ein. Die Investitionen des vietnamesischen Kooperationspartners VINACOMIN belaufen sich auf insgesamt mehr als 3,8 Mio. EUR.
Internationale Vor-Ort-Workshops, wie "Bergbau und Umwelt in der Region Vietnam, Laos und Kambodscha"  haben eine wachsende Bedeutung für die Gewinnung auch international bedeutender Rohstoffe wie Kohle, Bauxit, Kupfer, Titan und seltene Erden. Die Rohstoffgewinnung verursacht eine Reihe ernsthafter Umweltprobleme. In den genannten Ländern gibt es kaum Erfahrung im Umgang mit derartigen bergbaubedingten Umweltproblemen. Europa - und hier vor allem Deutschland - hat sich ein umfangreiches praktisches Wissen im Zusammenhang mit einem möglichst umweltverträglichen Bergbau über die letzten Jahrzehnte erarbeiten  können.

Im Anschluss an den Workshop fand die Übergabe einer von RAME gemeinsam mit VINACOMIN geplanten und fertig gestellten Anlage zur Grubenwasserreinigung in Vang Danh (Provinz Quang Ninh) statt.

TUM Asia

Der erste Campus einer deutschen Universität im Ausland steht seit 2002 in Singapur und feiert somit dieses Jahr 10-jähriges Jubiläum: Das German Institute of Science and Technology - TUM Asia Pte. Ltd. (TUM Asia), eine privatwirtschaftliche Tochter der Technischen Universität München (TUM). Finanzielle Unterstützung erhielt der erste deutsche Überseecampus durch das Economic Development Board (EDB) der singapurischen Regierung. Von deutscher Seite wurde die Gründung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) unterstützt.

TUM Asia arbeitet eng mit führenden Universitäten und Unternehmen der Region zusammen. Der erste Master of Science in Industrial Chemistry wurde in Zusammenarbeit mit der National University of Singapore (NUS) initiiert. Es folgten weitere Master Programme in den Fachrichtungen Integrated Circuit Design, Microelectronics und Aerospace Engineering, die gemeinsam mit der Nanyang Technological University (NTU), Singapur, entwickelt wurden.

Seit 2009 wird der erste eigenständige Master of Science der TUM in Singapur in Transport & Logistics angeboten. Im Jahre 2010 erfolgte eine Erweiterung des akademischen Programms um Bachelorstudiengänge. Hier arbeitet TUM Asia mit dem Singapore Institute of Technology (SIT) zusammen. Bachelor of Science-Programme in Electrical Engineering & IT und Chemical Engineering sind sichtbare Zeichen dieser Kooperation.

Studierende auf dem TUM Asia Campus kommen aus ganz Asien, den USA und Europa. Der starke Management-Fokus in den Studiengängen bereitet die Absolventen optimal auf eine Karriere in der Wirtschaft vor.
Im Jahr 2010 wurde TUM CREATE gegründet, ein Gemeinschaftsforschungsprojekt der TUM und NTU, welches von der National Research Foundation (NRF) in Singapur gefördert wird. Es beschäftigt sich mit Forschung im Bereich Elektromobilität für Megastädte in den Tropen.

Joint German - Singaporean Workshop on Intelligent Transportation Systems for Public Transport Priorization

Im Rahmen des ASEAN-EU Wisssenschaftsjahrs 2012 bot TUM Asia einen zweitägigen Workshop zum Thema "Verkehrstelematik zur Buspriorisierung im urbanen Raum" an. Die Veranstaltung zeigte anhand von Best-Practice Beispielen zeigen, wie mit Hilfe von Buspriorisierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV-Bevorrechtigung) das Verkehrssystem effizient gestaltet, der Energiebedarf gesenkt und gleichzeitig die Attraktivität des ÖPNV verbessert werden kann. Auch die dafür notwendige Technik (Verkehrstelematik), planerische Maßnahmen im Straßendesign (Position von Haltestellen, Busspuren, Design von Kreuzungen) und die aktuellsten Forschungsergebnisse in beiden Bereichen wurde vorgestellt.

Die Veranstaltung diente somit als Leistungsschau der deutsch-singapurischen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet und bot zugleich eine Plattform für eine stärkere Vernetzung und Regionalisierung im Bereich von Verkehrsleitsystemen, einem Thema, das in den schnell wachsenden Städten Südostasiens von besonderer Relevanz ist. Der Workshop, der vom Internationalen Büro des BMBF unterstützt wird, zielt auf eine stärkere regionale Vernetzung, eine Intensivierung der Forschungskooperation zwischen TUM Asia und lokalen Partnern (Nanyang Technological University (NTU) und Land Transport Authority (LTA)) und auf eine verbesserte Positionierung der deutschen Industrie im südostasiatischen Markt.

GITEWS/PROTECTS

Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems für den Indischen Ozean   
Der Tsunami vom 26. Dezember 2004 riss fast eine Viertelmillion Menschen in den Tod. Noch Stunden nach dem verheerenden Erdbeben, das die Katastrophe verursachte, starben an den Ufern des Indischen Ozeans viele Menschen, weil sie nicht gewarnt werden konnten. Unmittelbar nach dem Ereignis erteilte die Bundesregierung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, vertreten durch ein Konsortium unter Führung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ, den Auftrag zur Entwicklung und Implementierung eines Frühwarnsystems für Tsunamis im Indischen Ozean (GITEWS, www.gitews.de). Die Finanzmittel in Höhe von insgesamt 55 Millionen Euro stammen zu großen Teilen aus dem Beitrag der Bundesregierung im Rahmen der Flutopferhilfe. Das Projekt wurde als Forschungsvorhaben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und in Zusammenarbeit mit dem indonesischen Wissenschaftsministerium (RISTEK) und zuständigen Fachbehörden erfolgreich umgesetzt. Im Frühjahr 2011 wurde das Frühwarnzentrum an Indonesien übergeben.

Die etablierten Strukturen müssen nachhaltig gesichert und weiterentwickelt werden. Hierfür wurde ein Nachsorgekonzept entwickelt, das unter dem Namen PROTECTS von 2011 bis 2014 unter der Federführung des Deutschen Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) durchgeführt wird. Das Vorhaben unterstützt den Betreiber des indonesischen Tsunami-Frühwarnsystems BMKG und dessen Partner in der anfänglichen Betriebsphase durch Ausbildung, Training und wissenschaftliche Beratung. Dadurch sollen die deutschen Interessen zur nachhaltigen Sicherung und zum Schutz der im Rahmen des GITEWS-Projektes aufgebauten Infrastrukturen gebündelt umgesetzt werden. PROTECTS ist Teil des Nachsorge-Konzepts für das Projekt GITEWS. Zudem verfolgt PROTECTS das Ziel, die indonesischen Partner bei der Entwicklung von nationalen Standards, Instrumenten und Verfahren für eine nachhaltige Tsunamikatastrophenvorsorge auf kommunaler Ebene zu unterstützen sowie den horizontalen Wissenstransfer aus den GITEWS-Pilotgebieten in andere tsunamigefährdete Gemeinden auf Sumatra, Java und Bali zu begleiten (Capacity Development "Letzte Meile").

Internationaler Trainingskurs

"Seismic Monitoring, Tectonic Deformation and Rapid Response"
Die verheerenden Folgen von schweren Erdbeben und Tsunami stellen eine große Belastung für Gesellschaften und deren Volkswirtschaften dar. Dies gilt insbesondere auch für weite Teile Asiens mit schnell wachsenden Städten in küstennahen Regionen. Die ökonomischen Folgen treffen Entwicklungs- und Schwellenländer häufig besonders hart. Da es derzeit noch nicht möglich ist Erdbeben oder Tsunamis vorherzusagen, kommt geeigneten Vorsorgemaßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Dafür ist ein tiefgreifendes Verständnis geologischer und geophysikalischen Prozesse in tektonisch aktiven Gebieten wichtig. Moderne Erdbeben-Monitoringsysteme basieren auf der Echtzeitanalyse von Erdbeben und sind genau wie Tsunami-Frühwarnsysteme unerlässlich bei der Überwachung von gefährdeten Regionen. Um derartige Systeme, die bereits vielfach, jedoch längst nicht bedarfsgerecht im Einsatz sind, effizient betreiben zu können, sind Qualifizierungs¬maßnahmen sowie eine grenzübergreifende Nutzung unabdingbar.

Der Trainingskurs zu "Seismic Monitoring, Tectonic Deformation and Rapid Response" für Teilnehmer aus dem ASEAN-Staatenbund diente zum einen der fundierten Vermittlung von Wissen und Kenntnissen über Analyse, Monitoring und Modellierung von Erdbeben und Tsunamis und zum anderen der internationalen Vernetzung von Monitoringsystemen in der Region. Die Teilnehmer wurden dahingehend qualifiziert, Erdbeben-Monitoring¬systeme, wie beispielsweise das am Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) entwickelte SeisComP3, in ihren Ländern zukünftig betreiben zu können. Der Trainingskurs wurde im November 2012 in Kooperation mit dem nationalen indonesischen Erdbebendienst und Tsunami-Frühwarnzentrum BMKG in Jakarta durchgeführt. Die 30 Teilnehmer sind Mitarbeiter von Erdbebendiensten oder vergleichbaren Einrichtungen der ASEAN-Staaten. Das GFZ stellte für den Kurs ein europäisches Lektoren-Team aus renommierten Wissenschaftlern und Experten zusammen.

Der Trainingskurs zeigt beispielhaft, wie wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit bei gesellschaftsrelevanten Themen wie Naturkatastrophen zwischen der Europäischen Union und Ländern des ASEAN-Staatenbunds umgesetzt wird. Die Veranstaltung wird vom Internationalen Büro des BMBF gefördert.

 

 Homepage zum ASEAN-EU Wissenschaftsjahr 2012/YoSTI 

 

 

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