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"Wir wollen, dass auch unsere Flughäfen und Flugzeuge sicher sind."

BMBF-Abteilungsleiter Wolf-Dieter Lukas über die Förderung ziviler Sicherheitsforschung und die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit.

Porträtbild von Prof. Dr. Wolf-Dieter LukasHerr Lukas, warum gibt das Bundesforschungsministerium Geld für die Sicherheitsforschung aus?
 
Wir leben in einer sehr sicheren Gesellschaft, das sollte uns aber nicht in falscher Sicherheit wiegen. Die Vernetzung und Verdichtung lebenswichtiger Infrastrukturen in einer modernen Industriegesellschaft eröffnet nicht nur Chancen für effizientes Wirtschaften und Wohlstand, sie führt auch zu neuen Verwundbarkeiten. Man muss gar nicht das Stichwort "Fukushima" nennen, das inzwischen zum Synonym für eine verheerende Mischung aus Naturkatastrophe und Großunfall geworden ist. Hinzu kommt die Gefahr terroristischer Anschläge, wie die Ereignisse von Madrid, London und Oslo vor Augen geführt haben. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass sie in unserer Gesellschaft sicher und frei leben können.
 
Geht die Sicherheit zu Lasten unserer Freiheit?
 
Wir fördern Forschung, um für unsere freiheitliche Gesellschaft ein größtmögliches Maß an Sicherheit bei gleichzeitig einem Höchstmaß an individueller Freiheit erreichen zu können. Diese Balance zu finden ist ein hoher Anspruch, dem sich sowohl die beteiligten Natur- und Technikwissenschaften als auch die Geistes- und Sozialwissenschaften mit bisher guten Ergebnissen stellen. Wir wollen, dass unsere Flughäfen und unsere Flugzeuge sicher sind. Mobilität gehört zu unserer Gesellschaft. Wir wollen, dass in Katastrophensituationen eine schnelle Rettung von Menschen möglich ist und wir wollen auch diejenigen schützen, die sich  zum Beispiel als Feuerwehrleute oder THW Helfer in Gefahr begeben, um anderen zu helfen. Wir wollen wissen, wie sich Giftstoffe in U-Bahnschächten ausbreiten und wie den Menschen noch freie Fluchtwege gezeigt werden können, um auf Situationen wie in London oder Madrid vorbereitet zu sein.
 
Immer wieder heißt es, es würden auch Unternehmen gefördert, die unter anderem auch Rüstungsgüter herstellen. Ist da etwas dran?
 
Wir fördern Verbundprojekte, an denen sich Konsortien aus Wirtschaft, Wissenschaft und Anwendern beteiligen. Entscheidend ist, was die Partner an Expertise für die zivile Sicherheitsforschung einbringen können. Dass einzelne Unternehmen auch militärische Geschäftszweige haben, ist grundsätzlich kein Ausschlussgrund. Entscheidend ist, dass sie über einschlägige Kompetenz und Erfahrung verfügen, die eben gerade auch für zivile Zwecke nutzbar ist. Dabei ist es auch wichtig, sich die Dimensionen vor Augen zu führen: Nur 4 Prozent der an den Projekten beteiligten Unternehmen haben auch militärische Geschäftszweige, ihr Anteil am Gesamtfördervolumen der zivilen Sicherheitsforschung liegt bei unter 2%.
 
Wird im Rahmen des Sicherheitsforschungsprogramms des BMBF auch militärische Forschung gefördert?
 
Nein, dafür gibt es innerhalb der Bundesregierung das Verteidigungsministerium. Das Programm "Forschung für die zivile Sicherheit" fördert ausschließlich Projekte für zivile Sicherheitslösungen. Die Themen und Kriterien werden jeweils in Förderbekanntmachungen veröffentlicht. Die Antragsteller reichen Projektvorschläge ein, die jeweils anhand von praxisorientierten Szenarien beschreiben, worin die innovative Lösung des Projektvorschlages für die zivile Sicherheit besteht und wie die Ergebnisse im Erfolgsfall verwertet werden sollen. Sowohl das Szenario, das die geplante Lösung beschreibt als auch der Verwertungsplan müssen klare Aussagen zur zivilen Anwendung enthalten, die im Rahmen der Bewertung der Projektvorschläge geprüft werden
 
 Wo liegen überhaupt die Schwerpunkte ihrer Förderung?
 
Unsere Forschungsförderung richtet sich vor allem auf den Schutz und die Rettung von Menschen, den Schutz kritischer Infrastrukturen wie Stromnetze oder Wasserversorgung sowie als neuen Schwerpunkt die Urbane Sicherheit.

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